Tomb Raider: Legend
Am 7. April ist es bereits soweit: Lara Croft feiert, gut erholt von ihrem misslungenen sechsten Auftritt in Angel of Darkness, ihr Comeback in Tomb Raider: Legend. Im nun mehr siebenten Ableger der Erfolgsserie geht man mit neuem Personal zurück zu den erfolgreichen Wurzeln des Spiels, um die Schmach von Angel of Darkness vergessen zu machen. Wir hatten bereits eine Woche vor der Veröffentlichung die Möglichkeit, die fast fertige deutsche PS2-Fassung ausgiebig anzuspielen und verraten euch was Lara Croft mit dem Prince of Persia und Leon Kennedy aus Resident Evil 4 gemeinsam hat.
Immerhin: Tomb Raider: The Angel of Darkness sorgte für gute Verkaufszahlen. Verantwortlich war dafür anscheinend der bekannte Name, nicht etwa die Qualität des Titels. Von indiskutabler Steuerung und vielen Bugs war damals die Rede. Im Review attestierten wir eine magere Wertung von 69%. Grund genug für Publisher Eidos endlich die Reißleine zu ziehen.
So beauftragte man im Jahre 2003 die Spieleschmiede Crystal Dynamics (u.a. bekannt für Legacy of Kain) mit dem neusten Abenteuer von Miss Croft. Doch damit nicht genug. Als erste Hausaufgabe mussten die Entwickler sämtliche Tomb Raider-Teile durchspielen und bekamen zusätzliche Unterstützung von Toby Gard, Schöpfer der Videospielikone und der Tomb Raider-Serie. Seit 2004 arbeitete man zusammen auf das gemeinsame Ziel hin: Ein Tomb Raider-Ableger mit alten Stärken und neuen Features.
Ruinen statt Häuserschluchten
Die Rückkehr zu den Wurzeln der Serie lässt sich am leichtesten an Laras Reisezielen veranschaulichen. Anstelle von Klettertouren durch Paris oder Prag reist Lara hauptsächlich wie zu guten alten Zeiten zu exotischen Schauplätzen wie Tempelruinen, Dschungel, Berglandschaften und Grabmälern gespickt mit allerhand Fallen und Rätseln. Neben der Artefaktsuche in Peru, Bolivien, Ghana und Kasachstan ist aber auch ein Besuch im städtischen Tokio geplant.
Los gehts in Bolivien, wo wir uns erst einmal mit der Steuerung vertraut machen. Auch Lara-erfahrene Spieler sollten hier aufpassen, denn es hat sich einiges getan. Tomb Raider: Legend spielt sich dabei flüssiger denn je: Sprünge gehen leichter von der Hand sowie alle anderen Manöver flüssig in einander über.
Physikalisch korrekt tritt und schiebt Lara Steine aus dem Weg, schwingt sich wie der Prince of Persia an Stangen entlang oder klettert diese empor. Dass man sich beim erfolgreichen Prinzen bedient hat, ist dabei keinesfalls schlecht, nur sollte man als Spieler nicht auf die Idee kommen, aus Gewohnheit an der Wand entlang rennen zu wollen.
Über die Schultertasten zielen und schießen wir außerdem auf die ersten Gegner. Dabei nimmt uns Lara sogar die Arbeit des genauen Zielens ab. So wird der Gegner, der dem Spieler am nächsten ist, automatisch anvisiert. Praktisch: Während des Zielens werden gefährliche Objekte, wie Fässer oder Felsbrocken, via extra Icon angezeigt. So jagen wir ganze Banden in die Luft oder lassen diese von großen Gesteinskugeln überrollen. Ebenfalls neu im Gepäck ist ein Magnethaken, mit dem Lara größere Schluchten überwinden oder Gegenstände aus dem Weg ziehen kann, ein PDA, der Informationen zur Ausrüstung und der aktuellen Mission beherbergt, eine kleine LED-Lichtquelle zur Ausleuchtung dunkler Räume sowie ein Fernglas. Außerdem wird Frau Croft über Funk durch das Team im Croft Manor auf Gefahren und Ereignisse hingewiesen. Ganz wie im Film.
Nachdem die ersten Widersacher nun Geschichte sind, begeben wir uns endlich in die erste Ruine des noch jungen Legend-Abenteuers. Freudig blickt das Abenteurerauge auf einen weiträumigen Tempel, der fortan erkundigt werden möchte. In der ersten Zwischensequenz weichen wir ähnlich wie in Resident Evil 4 einer fiesen Falle via Quick-Actions aus bevor das erste große Rätsel auf dessen Lösung wartet. Die Zutaten: Drei als Schalter fungierende Bodenplatten, drei Kisten - wovon zwei eine Ebene tiefer liegen, eine Wippe und zwei Tiger. Wir haben das Ganze bereits vorbereitet, die Tiger mit bleihaltigen Argumenten zum ewigen Schlaf überredet sowie die erste Kiste auf den Schalter geschoben. Das bleibende Problem liegt darin, die zwei anderen Kisten auf die höher gelegene Schalterebene zu bekommen. Spätestens hier wird klar: Die Physik ist ein grundlegendes Element der meisten Rätsel auch auf der betuchten PlayStation 2. Also ab auf die Wippe mit den Kisten. Ein beherzter Sprung auf die andere Seite katapultiert diese dann auf die richtige Ebene.
Ist die Mission in Bolivien abgeschlossen, können wir das Croft Manor vom Hauptmenü aus ausgiebig erkunden. Ob sich der Butler erneut im Gefrierraum einsperren lässt? Wir werden es gewiss bald erfahren. Außerdem führt uns die Geschichte weiter nach Peru, zu weiteren Tempeln und einer rasanten Motorradfahrt. Um die Hintergrundstory an sich macht Publisher Eidos aber noch eine Woche vor Release ein großes Geheimnis. So ist es uns leider untersagt weitere Informationen zur Hintergrundgeschichte preiszugeben. Bereits bekannt ist, dass Legend nicht an die Story von Angel of Darkness anknüpft und ihr mehr darüber erfahrt warum Lara wurde wie sie ist.
Facelifting
Lara Croft arbeitet sich seit nunmehr zehn Jahren durch die Tempel der Videospielwelt. Trotzdem wirkt sie keinen deut älter. Im Gegenteil. Sie wird von Ableger zu Ableger hübscher. Für den siebenten Teil der Tomb Raider-Reihe verpasste man der Videospielikone eine Generalüberholung: Die Oberweite wurde von Doppel-D auf ein zum Klettern taugliches Format verkleinert und auch das Gesicht sowie die gesamte Haut wirken nun deutlich weicher und somit realistischer. Angelegte Gegenstände, wie Magnethaken, LED-Licht und Granaten, sind außerdem erstmals am Charakter sichtbar.
Mit ebenso viel Liebe zum Detail ging man bei der Entwicklung der Außenwelt zu Werke. Selbst auf der alten PlayStation 2 geben sich eine lebendig wirkende Vegetation, wunderschöne Wassereffekte sowie wuchtige Explosionen die Grafikklinke in die Hand. Eine real wirkende Physik, stimmige Hintergrundmusik sowie die gelungene deutsche Sprachausgabe runden das gelungene technische Paket ab.
Ersteindruck
Was sahen wir damals nach Tomb Raider: The Angel of Darkness für weitere Abenteuer mit Miss Croft schwarz. Umso erfreulicher ist es, dass Lara sich noch einmal aufrappeln konnte und ihre Fans mit einem gelungenen Tomb Raider: Legend-Ableger für die erlittenen AoD-Qualen entschädigen wird. Die weit fortgeschrittene Preview-Version überzeuge bereits mit flottem Gameplay, technischer Güte, einer spannenden Story sowie der schönsten Sorry Joanna Protagonistin der Videospielgeschichte. Erfreulich ist außerdem Laras wiedergekehrtes Faible für Tempel, Ruinen und Gräber uns steht also ein waschechter Tomb Raider ins Haus.
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