Urban Chaos: Riot Response
Nicht nur in Amerika wird seit geraumer Zeit politische Stimmung gegen besonders gewalttätige Spiele gemacht. Hierzulande soll es sogar ein Verbot so genannter Killerspiele geben. Doch noch wurde in dieser Richtung nichts unternommen, so dass Games wie Urban Chaos weiterhin vertrieben werden dürfen. Wir haben den Titel ausführlich angespielt und schildern in der Preview, ob das Spiel seinem umkämpften Genre gerecht werden kann oder ob der Ego-Shooter zumindest aus qualitativer Sicht verboten gehört.
Mein Revolver, mein Schild, meine Kopfschussstatistik
Urban Chaos startet so, wie man es von einem vermeintlichen Hit-Kandidaten erwarten könnte. Geniale Hintergrundmusik und ein Intro, das es in sich hat. Die Geschichte wird wie üblich in Zwischensequenzen fortgeführt. Unüblich ist hingegen, dass diese nicht etwa in Spielgrafik gehalten, sondern von echten Schauspielern gespielt werden. In Form einer Nachrichtensendung wird der Spieler nach jeder Mission auf den neuesten Stand gebracht. Kurze Berichte, bei denen auch schon mal reale Häuser in die Luft fliegen, fassen die Situation dabei kurz zusammen. Wie nicht anders zu erwarten, ist die Präsentation der Zwischensequenzen nicht gerade professionell ausgefallen, was Schauspieler und Text betrifft, erfüllt aber trotzdem ihren Zweck. Man findet sich als Spieler als Mitglied einer Spezialeinheit wieder, die versucht, die Ordnung in einer durch Rebellen ins Chaos gestürzten Stadt wiederherzustellen.
Dabei unterscheiden sich die Missionen in Aufgabenstellung und auch Ausführung, letztlich läuft es aber immer darauf hinaus, viele, viele Gangster um die Ecke zu bringen. Zu Beginn sorgen dafür eine handelsübliche Pistole, ein Elektroschocker und ein Polizeischild. Glücklicherweise wird die obligatorische Ballerorgie ständig durch intelligente Einfälle der Entwickler unterbrochen. Eine dieser Ideen ist beispielsweise die Geiselnahme. Dabei schnappt sich ein Gangster einen Zivilisten und droht ihn zu töten. Statt mit purer Gewalt für Ruhe zu sorgen, muss man sich an den Geiselnehmer heranschleichen, sich selbst mit dem Schild schützen und im richtigen Moment auf ihn schießen, um die Geisel nicht mit zu verletzen oder ihn gar so wütend zu machen, dass er den Gefangenen letztlich selbst erschießt. Auch trifft man während des Abenteuers ständig auf Verbündete, etwa Feuerwehrmänner oder Krankenschwestern. Diese befolgen dann sogar Befehle vom Protagonisten. Der Feuerwehrmann etwa kann verschlossene Türen mit dem Beil öffnen oder kleinere Feuerstellen löschen. Die Schwester hingegen ist unbewaffnet und nur dazu da, den Protagonisten am Leben zu halten. Im Laufe der Geschichte vergrößert sich zudem das Waffenarsenal. Statt der Pistole wird dann schon mal zum angesägten Gewehr oder gleich zum MG gegriffen. Aber auch Granaten können geworfen und herumstehende Gegenstände, etwa Benzinkanister, zweckentfremdet werden. Während die Gegner zu Beginn gerade mal mit Molotowcocktails und Wurfmessern bewaffnet und damit ein ausgezeichnetes Ziel sind, wird auch ihr Waffenarsenal von Mission zu Mission aufgestockt.
Glücklicherweise steuert sich das Fadenkreuz ausgezeichnet, so dass nach kurzer Gewöhnungszeit alles fließend von der Hand geht. Das Gamepad wurde dabei auch voll ausgereizt und überzeugt durch eine intelligente Anordnung der Aktionen auf den jeweiligen Tasten. Hat man den Dreh einmal raus, so wird der Kopfschuss der liebste Freund des Spielers. Denn teilweise strömen die Gegner aus allen Löchern hervor und schnelles Ausschalten der Kontrahent wird zur Pflicht, wenn man überleben will. Daher kommt ein weiteres Spielelement zum tragen. Urban Chaos belohnt den Spieler nämlich für gewisse Aktionen. Dabei unterschieden die Entwickler nicht zwischen gut und böse. Man erhält für eine bestimmte Anzahl von Kopfschüssen genauso eine Medaille, wie für besonders viele Verhaftungen, quasi für verschonte Leben. Letztlich entscheiden die erhaltenen Medaillen über die Bewertung der Mission und sorgen auch für die ein oder andere Überraschung, was freispielbare Boni betrifft.
Technisch noch nicht meisterlich
Obwohl die Schauplätze des Spiels einen gewissen Reiz auf den Spieler ausüben, auf Grund ihrer düsteren Atmosphäre und der vielen, vielen Gangster, muss man sagen, dass die Engine keine Bombastgrafik à la Black auf die PlayStation 2 zaubern kann. Dennoch wirken die Level offen, obwohl sie das nicht sind und eine gewisse Handlungsfreiheit, die leider nicht existiert, wird dem Spieler vorgegaukelt. Die Charaktere wirken realistisch, die Umgebung dafür aber nicht. Teilweise sind die Texturen sehr trist und auch regelmäßiges Kantenflimmern ist in der Previewversion nicht zu übersehen. Werden letztere Kritikpunkt noch ausgebügelt, erwartet uns zwar keine überaus hübsche Stadt, aber dennoch ein angenehmer Ort, an dem man gern herumballert.
Musikalisch und soundtechnisch gibt es nichts zu meckern. Eine typisch amerikanische Hymne führt den Spieler ins Game ein und auch während der actionreichen Level vernimmt man oft treibende und fordernde Musik im Hintergrund, die zusätzlich motiviert. Die deutsche Sprachausgabe ist nicht perfekt, sie klingt teilweise etwas abgehackt, doch da gab es schon ganz andere Spiele, die die Synchronisation bei weiterem tiefer in den Sand gesetzt haben. Explosionen, Schüsse und so weiter hören sich realistisch an und fügen sich ins gelungene Gesamtbild ohne weiteres ein.
Ersteindruck
Urban Chaos scheint ein guter Ego-Shooter zu werden. Zwar ist die technische Seite noch nicht perfekt und bisher krankt der Titel an einigen Stellen noch an Genreproblemen, etwa zu viel Geballer über einen zu langen Zeitraum, durch innovative Ideen, abwechslungsreiche Zwischenmissionen und die wirklich gelungene Präsentation der Geschichte, sowie durch die sehr soliden Shooterelemente dürfen Fans des Ego-Shooter-Genres sich aber auf einen guten Vertreter freuen. Und der wird ganz und gar nicht zu den Spielen gehören wird, welche man nach dem ersten Anspielen unwiderruflich in der Schrankecke verschwinden lässt.
![Urban Chaos: Riot Response [PS2 , Justgamers]](http://l.yimg.com/eur.yimg.com/xp/justgamers/20060508/14/2977036123.jpg)