Gesamtwertung81%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Bereits am ersten Teil schieden sich die Geister. Einerseits bekamen die Spieler mit Brothers in Arms: Road to Hill 30 einen sehr realistischen und detailgetreuen Shooter geboten, der andererseits allerdings zu wenig Abwechslung beim etwas zu eintönigen Gameplay zu bieten hatte. Gleich vorweg lässt sich sagen, dass auch das Sequel, das den Titel Earned in Blood trägt, mit den gleichen Mängeln zu kämpfen hat, diese jedoch sehr geschickt zu kaschieren versteht.
In Earned in Blood schlüpft ihr in die virtuellen Stiefel des jungen Sergeanten Joe Red Hartsock, dem neuen Anführer der 2. Gruppe, der im ersten Teil nur als Nebencharakter auftauchte. Euer Auftrag: Über dem von Deutschland besetzten Frankreich in der Nähe der Invasionszone Utah Beach abspringen und dort am D-Day wichtige Ziele in der Normandie sichern. Wer jetzt etwas verwundert ist, da dieses Szenario bereits beim Vorgänger zum Tragen kam, der kann beruhigt aufatmen. Denn bei diesem Teil handelt es sich nicht wirklich um einen richtigen Nachfolger im Sinne eines zweiten Teils, vielmehr ist dieser eine Weitererzählung des Vorgängers. Demnach spielt der Handlungsstrang erneut am selben Tag, dem eingangs erwähnten D-Day und schließlich der darauf folgenden Woche. Daraus resultiert, dass ihr euch zum Teil auch an bereits bekannten Orten aufhaltet, jedoch auch mit euren Begleitern viele neue Gebiete kennen lernt.
Gleich zu Beginn des Spiels werdet ihr bemerken, dass sich am allgemeinen Spielsystem und der Steuerung nichts geändert hat. Brothers in Arms-Veteranen werden sich folglich sofort zurechtfinden, aber auch Genre-Neulingen wird der Einstieg nicht schwer fallen. Nach wie vor kämpft ihr euch gemeinsam mit euren Teamkameraden durch das fränkische Kriegsgebiet, wobei das gemeinsam in diesem Fall auch wörtlich zu verstehen ist. Euer Zug besteht dabei nämlich aus zwei Teams einem Angriffsteam und einem Feuerteam. Dem Angriffsteam stehen leichte Waffen und zusätzliche Handgranaten zur Verfügung, mit denen es den Gegner schnell und hart treffen soll.
Das Feuerteam hingegen ist mit Gewehren für längere Schussdistanzen ausgerüstet und führt zudem schwere Maschinengewehre mit sich. Im Gefecht müssen beide Teams taktisch zusammenarbeiten. Während ihr beispielsweise mit dem Feuertrupp den Feind mit Speerfeuer an einer Position festnagelt, kann ihm das Angriffsteam in die Flanke fallen. Neu hierbei ist, dass euch ab und an sogar ein Panzer zur Verfügung steht, was sich selbstverständlich als taktischer Vorteil für euer Team erweist.
Natürlich könnt ihr das Spiel auch ohne taktischen Hintergrund bestreiten und euch alleine durch das Feindesgebiet kämpfen. Wer allerdings glaubt, mit diesem Vorgehen das taktische Spielprinzip zu umgehen und durch eine ramboartige Hitzattacke im Alleingang zu ersetzen, der wird schneller im virtuellen Leichensack enden als ihm lieb ist. Neben einigen neuen Waffen und Fahrzeugen gibt es nämlich noch eine weitere wichtige Neuerung zu vermerken. Und zwar bekommt ihr es fortan mit einer überarbeiteten und deutlich höheren Künstlichen Intelligenz der computergesteuerten Gegner zu tun, welche der KI des Vorgängers gehörig das Fürchten lehrt. Feindliche Einheiten und natürlich auch die eigenen Leute verhalten sich nun noch realistischer und auch deutlich vorsichtiger, was einen härteren Schwierigkeitsgrad offenbart. Sie klären euch über den derzeitigen Stand des Manövers auf, melden neue Vorfälle sowie missglückte Aktionen, erläutern wenn etwas nicht wie geplant klappt und ziehen sich sogar eigenständig in die nächste Deckung zurück, wenn sie unter Beschuss geraten.
Eins muss man Brothers in Arms: Earned in Blood lassen: Selten war der zweite Weltkrieg aus optischer Sicht heraus so authentisch und detailgetreu nachempfunden wie hier. Das liegt hauptsächlich an den Charaktermodellen, die ein weiteres Mal sehr realistisch gestaltet wurden. Auch das Schlachtfeld ist hervorragend in Szene gesetzt worden und vermittelt dem Spieler permanent das Gefühl, sich mitten im Gefecht zu befinden. Da wundert es einen kaum, dass man im Kampf gefallene Kameraden schmerzlich vermisst, da man im Laufe des Spiels eine schon fast persönliche Bindung zu jedem einzelnen Protagonisten im Zug aufgebaut hat.
Earned in Blood vermittelt genau das, was einen Krieg ausmacht: Es zeigt die harten und schmutzigen Seiten eines Weltkrieges und zieht dabei fast alle Register. Natürlich haben die Entwickler von Gearbox Software in vielen Situationen auch ein hohes Maß an Feingefühl bewiesen und so bekommen wir keine übertriebenen Metzelattacken, wie sie in den meisten Ego-Shootern inzwischen üblich sind, geboten.
Zu einer optisch sehr detailgetreuen Kriegskulisse sollte es aber auch den dazugehörigen und passenden Klangteppich geben, und den bekommt ihr in Earned in Blood auch zu hören. Die Kampfgeräusche auf dem Schlachtfeld wirken sehr authentisch und fordern dank der mitgelieferten Pro Logic II-Unterstützung auch ordentlich eure Anlage. Hier sind stimmige Umgebungsgeräusche, Waffen- und Explosionseffekte an der Tagesordnung, die einem das Gefühl geben, mit geladener Waffe direkt im Geschehen zu sein. Besonders gelungen ist auch die Lokalisierungsarbeit, die erneut mit professionellen Synchronsprechern aufwartet und komplett ins Deutsche übersetzt wurde. Wem das noch nicht genügt, der kann sich im umfangreichen Onlinemodus austoben. Hier offenbart der Titel weitere Stärken und hat, im Gegensatz zum Vorgänger, deutlich mehr zu bieten.
Im Multiplayer-Modus beispielsweise gilt es, verschiedene Missionsziele zu erfüllen. Im Gefechtsmodus hingegen könnt ihr euch sogar gemeinsam und kooperativ mit einem Freund ins Schlachtgetümmel stürzen. Lange und hitzige Gefechte sind hier vorprogrammiert und dürften für lang anhaltenden Spielspaß sorgen.