Gesamtwertung84%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßBefriedigend SpieleinstiegGut |
BedienungSehr gut |
Vor nicht mal einem Jahr hat der erste Teil von Champions of Norrath bei Playstation-Jüngern und Freunden von gepflegten Hack´n´Slay-Orgien für Begeisterung gesorgt, da legen die Entwickler der Snowblind Studios nun nach und bescheren uns mit Champions: Return to Arms ein weiteres Abenteuer aus dem Everquest-Universum. Aber ist der Nachfolger wirklich ein vollwertiges Spiel oder nur ein bloßes Update? Wir haben für euch mit den Helden aus Norrath die Klingen gekreuzt und ein paar Goblinhintern versohlt...
Dennoch gibt es eine nette Neuerung bei der Hintergrundgeschichte: Ihr dürft euch aussuchen, ob ihr der engelsgleichen Firiona Vie oder lieber der bösen Hexe Natasla dienen wollt. Firiona faselt dabei ständig etwas von 'Bestimmung', 'auserwählter Held' und 'Welt retten', während Natasla keinen Hehl daraus macht, das sie und ihr Herr sämtliche Ebenen lieber in Schutt und Asche legen würden. Eure Entscheidung für eine der beiden Parteien beeinflußt das eigentliche Spiel allerdings nur am Rande, ihr besucht im wesentlichen trotzdem dieselben Schauplätze, wenn auch mit teilweise anderen Missionszielen. An den Fertigkeiten der Helden oder den auffindbaren Gegenständen ändert sich dagegen leider gar nichts. Die wichtigste Entscheidung für das Vorgehen im Spiel bleibt damit nach wie vor die Wahl des Charakters.
Statt das Game genretypisch in mehrere Akte einzuteilen, wie es auch beim Vorgänger der Fall war, hat man sich bei den Snowblind Studios für einen nicht-linearen Aufbau entschieden. Je nachdem, ob ihr gut oder böse seid, warpt ihr euch von der Ebene der Luft oder der Angst aus auf eine der anderen Ebenen, um dort ein Bruchstück des Hasses zu suchen. Manchmal müsst ihr dabei auch zwischen den Szenarios springen, wobei euch jederzeit genau gesagt wird, wo ihr hingehen müsst und was ihr erledigen sollt.
Nach dem Durchspielen einer Ebene lässt sich noch eine Bonusmission in Angriff nehmen: So wehrt ihr eine Armee von Kobolden mit Molotov-Cocktails ab, sucht den Ausgang aus einem verzwickten Schalter-Labyrinth, eskortiert Gnome durch ein Feuerlevel oder versucht, die vier Apokalyptischen Reiter von ihren Rössern zu holen. Je nach Erfolg könnt ihr so zusätzliche Statuspunkte, eine PvP-Karte oder weitere Bonuslevel freispielen. Diese Aufgaben abseits der Hauptstory lassen sich jederzeit erledigen und sind daher eine willkommene Abwechslung, wenn euch der harte Helden-Alltag mal zu eintönig wird. Allerdings sind einige der Subquests doch ziemlich schwer geraten.
Neben den Missionen gibt es noch eine Arena, in der ihr Welle auf Welle anstürmende Gegner erledigen müsst, die mit der Zeit natürlich immer schwerer und zahlreicher werden. Daneben könnt ihr auch ein Multiplayer-Spiel mit bis zu vier Spielern via Multitab starten oder im Internet zocken, auch dort in einer maximal vierköpfigen Gruppe. Die Charaktere werden dabei nicht auf der MC, sondern direkt auf den Servern von SOEGames.net gespeichert.
Ähnliches gilt auch für den Berserker, der ein Hybrid aus Barbar und Fernkämpfer ist. Er schlägt extrem hart zu und zaubert Wurfäxte herbei, die er zusätzlich mit Feuer- und Eismagie belegen kann. Sein Blutrausch steigert sein ohnehin schon hohes Schadenspotential, senkt aber den Rüstungswert und macht ihn dadurch zu einem leichten Ziel für die Gegner. Er eignet sich daher nur bedingt als Frontkämpfer und sollte im Multiplayer immer einen Mitspieler dabei haben, der ihn regelmäßig heilt. Nur fortgeschrittene Zocker kommen gut mit ihm durch die Solo-Missionen, Anfänger sollten vielleicht doch besser zum Barbaren greifen, denn von mehreren pöbelnden Monstern umringt zu sein bedeutet für den Berserker im Singleplayer fast immer den sofortigen Bildschirmtod.
Wer den ersten Teil gezockt hat, der darf seinen Helden komplett mit allen Werten, Fähigkeiten und Gegenständen übernehmen. Was ich aber dabei absolut nicht verstehe, ist, warum sich mein Level 50 Schattenritter sich trotzdem erst durch den niedrigsten Schwierigkeitsgrad kämpfen muss, um höhere Grade freizuschalten. Dass das keine Herausforderung ist, dürfte klar sein, denn auf 'Abenteurer' und 'Kämpfer' fallen die Monster schon um, wenn der Ritter sie nur schief anguckt, frei nach dem Motto 'Ich Level 50, du Level 1. Ich großer Meister, du tot.' Man kann allerdings mit einem Schamanen starten, die höheren Grade freispielen und den alten Charakter erst dann importieren - das hätte man ruhig etwas vereinfachen können.
Natürlich haben auch die alten Klassen einige neue Skills spendiert bekommen, die mal mehr und mal weniger nützlich sind. So kann der Waldläufer jetzt seine Munition (wie der Berserker) selbst herbei zaubern und das Gewicht seiner Pfeile auf magische Weise senken. Am besten aber ist die Fähigkeit 'Durchschlagende Pfeile', mit der der Ranger nun auch blockende Gegner aufs Korn nehmen und mehrere Monster gleichzeitig treffen kann. Der Barbar dagegen hat sich einige passive Skills antrainiert, mit denen er seine Kontrahenten kurzzeitig lähmen und Niederschläge von Drachen oder anderem Getier abblocken kann, so dass er nicht mehr schutzlos über den Boden rutscht, wenn ihn der Hieb eines größeren Brockens erwischt. Praktisch. Der Kleriker beherrscht einige neue Zauber, der Schattenritter kann sich teleportieren und der Zauberer lässt eine alles vernichtende 'Flammenwoge' vom Stapel. Insgesamt sicher mehrheitlich gelungene Neuerungen, die das Spielgefühl für Kenner des ersten Teils aber nicht grundlegend verändern.
Der Sound dagegen gibt keinen Anlass zur Meckerei, die Musik ist gewohnt bombastisch und erzeugt so eine dichte Fantasy-Atmosphäre. Die Schläge klingen wuchtig, Schwerter und Rüstungen fallen noch immer klirrend und klappernd auf den Boden und die Sprachausgabe in Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch ist nach wie vor recht gut gelungen, auch wenn die deutsche Bezeichnung einiger Fähigkeiten wie immer etwas doof klingt ('Unausgesprochenes Wort', 'Untoten-Schild', 'Schadensschlag'...).