Cy Girls
2 Charaktere, ein Ziel
Konami of Europe bringt mit 'Cy Girls' einen hauseigenen Metal Gear-Klon auf den Markt. Im Gegensatz zu den Aufträgen von Einzelkämpfer Solid Snake, schlüpft ihr in die Haut einer der beiden weiblichen Protagonistinnen. Das Spiel kommt auf zwei DVDs daher, dementsprechend wird die Story dabei aus zwei unterschiedlichen Blickwinkeln ausgeleuchtet und füllt pro Handlungsstrang, sprich Hauptfigur, jeweils eine DVD. Das angestrebte Ziel ist es, einen genialen Computer-Hacker dingfest machen, der die Welt erpresst.
In naher Zukunft beherrschen übermächtige Konzerne, anstelle von Regierungen, die Erde und bekämpfen sich gegenseitig. Dabei stehen Daten-Diebstahl und Spionage auf der Tagesordnung und niemand schreckt mehr vor Hacker-Übergriffen in fremde Netzwerke zurück.
Die einzige Möglichkeit den kriminellen Drahtziehern einen Strich durch die Rechnung zu machen ist vorgegebene Schlüsselpunkte zu infiltrieren und sich per Cyberspace in die Großrechner der Firmen einzuloggen. Nur in der virtuellen Welt ist es den beiden Cy Girls möglich, wichtige Informationen zu beschaffen und für den weiteren Spielverlauf relevante Fähigkeiten herunterzuladen und zu lernen.
Ice oder Aska?
Die Hauptdarstellerinnen unterscheiden sich dabei nicht nur rein äußerlich, sondern auch in ihrer Vorgehensweise. Während ihr mit der blonden Meisterschützin Ice mit mehreren durchschlagskräftigen Wummen bewaffnet die Levels durchforstet, spielt ihr in der Rolle von Aska eine nahkampferprobte Schwertmeisterin im besten Samuraistil. Auch der Spielverlauf ändert sich je nach Heldin.
So schleicht ihr beispielsweise mit Ice zu Beginn des Spiels in einem Konzern in typischer Stealth-Manier durch den Bürokomplex, und presst euch unter anderem gegen Wände, um aus geschützter Position heraus zu feuern. Aska hingegen startet in einem dunklen Bergwerk und kämpft sich von dort aus in eine nahegelegene Villa durch.
Sie bevorzugt dabei eher traditionelle Techniken und vertraut auf ihre Schwertkampf-Fähigkeiten. So kann sie beispielsweise an Wänden entlang laufen, oder mit einem gewagten Salto Abgründe und Hindernisse überwinden. In Sachen Arsenal kommen grundverschiedene Waffen zum Einsatz. Ice benutzt als Standardwaffe ihre halbautomatische Pistole, kann aber auch die hochfrequenten Maschinengewehre erledigter Kontrahenten aufsammeln. Aska hingegen setzt neben ihrer flinken Klinge auch noch verschiedene Wurfsterne oder ein Drahtseil mit Pfeilspitze im Nahkampf ein.
Metal Gear Light?!
Euer Auftrag führt euch einmal komplett um den ganzen Erdball, Stationen sind unter anderem Südamerika, Fernost und die USA. Regelmäßig erwarten euch immer neue, teils umständliche, Rätsel oder nervige Aufgaben. Im Normallfall gilt es aber bestimmte Gegenstände oder Schlüssel zu finden und sich damit zum Zielpunkt vorzuarbeiten. Glücklichweiser wurde an eine Kartenoption gedacht, welche euch nicht nur durch die Level lotst, sondern auch die Missionsziele grafisch anzeigt. Zusätzlich könnt ihr über den auf dem Bildschirm platzierten Radar in der Nähe befindliche Gegner frühzeitig erkennen.
Gespielt wird in Third-Person Ansicht, wobei die Kamera nicht selten zum Problem wird. Trotz Verfolgerperspektive muß oftmals manuell nachjustiert werden, um den geeigneten Blickwinkel für den Kampf einzustellen. Dabei verliert ihr in hektischen Situationen mit hohem Gegneraufkommen schnell einmal den Überblick. Zudem reagiert das Cybergirl stellenweise recht schwerfällig auf eingegebene Kommandos.
Ein wenig Abwechslung abseits der nervigen Rätseln und den ständig nachfolgenden und immergleichen Gegnern, bietet der eingangs erwähnte Cyberspace. Ähnlich wie im Film Tron wird die virtuelle Welt in einem hässlichen Drahtgittermodell dargestellt. Die Umgebung bleibt dabei gleich, sie wird nur eben in die Cyberansicht übertragen. Hier müsst ihr, je nach Aufgabe, unter Zeitdruck bestimmte Ziele erfüllen, meist geht es aber nur darum neue Cyber-Fähigkeiten, die in anderen Levels zum Einsatz kommen, zu erlernen und missions-relevante Dateien zu finden.
Fazit
'Cy Girls' besteht aus einer Mischung abgekupferter Ideen bekannter Genregrößen. Die Umsetzung der 'geklauten' Elemente ist allerdings alles andere als gut gelungen. Die technischen Defizite liegen auf der Hand: die optische Durchschnittskost, mit teils einfallslosen Leveln und langweiligen Soundkulissen, unterfordern die PS2-Hardware während des kompletten Spiels. Selbst die unterstützen PS2-Technikstandards (60 Hz Modus, Dolby ProLogic2) sind da nicht mehr als nur schmückendes Beiwerk. Die bockige Steuerung bremst in Kombination mit der umständlichen Kameraführung den Spielspass schon in den Anfangsminuten aus. Zudem nerven die überwiegend KI-armen Gegner damit, dass sie bei Betreten eines zuvor bereits gesäuberten Raums wieder auf euch warten. Spielt ihr einen niedrigen Schwierigkeitsgrad, laufen sie euch dazu noch ständig vor die Flinte. Da ihr aufgrund der lästigen Puzzles aber ständig bereits besuchte Räume noch mal durchqueren müsst, reißen die anspruchslosen Kampfeinlagen gehörig am Geduldsfaden. Höhepunkt der mäßigen Präsentation ist dafür die gute Story, nicht nur wegen der komplementären zweiten Disc, sondern weil euch der Handlungsstrang nach jedem Level mit ausführlichen Rendersequenzen belohnt und euch somit immer mehr von der komplexen Geschichte Preis gibt. Hartgesottene Genrefans dürfen einen Blick riskieren, der Rest sei auf bessere Alternativen im Stealth-Sektor verwiesen.
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