Der Pate

Review
Plattform
Sony Playstation 2
Vertrieb
Electronic Arts
Entwickler
Electronic Arts
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
18
Der Pate [PS2 , looki.de]

Gesamtwertung

85%/10

Grafik

Gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Der Pate

Wer kennt ihn nicht, den Paten? Dass es Paten gibt, ist ein guter Brauch, den das Gotteshaus gern festhält und auch weiterhin fördert. Paten gibt es bei den Sakramenten der Taufe und auch bei der Firmung. Die meisten Paten machen es sich heutzutage allerdings leider recht einfach, wenn es um die Verpflichtungen aus ihrer Patenschaft geht und speisen den Betroffenen lediglich mit ein paar Geschenken und ähnlichen banalen Dingen ab. Anders sieht es da schon bei der Corleone-Familie aus, die in EAs Der Pate, das zeitlich im Jahr 1945 angesiedelt ist, so richtig die Sau raus lassen.

It´s Family Business

In Electronic Arts Der Pate schlüpft ihr in die Rolle von Johnnys Sohn, der eines Tages mit ansehen muss, wie sein Vater – der ein Mitglied der einflussreichen Corleone-Familie ist – im Kugelhagel zweier Tommyguns durchsiebt wird und stirbt. Zum Trost nimmt sich Don Corleone persönlich eurer an und vertröstet euch mit den Worten: „Wenn Du alt genug bist und die Zeit reif ist, wirst du dich dafür rächen“. Gesagt, aber noch nicht ganz getan. Neun Jahre sind seither vergangen und aus euch ist ein kräftiger Mann geworden, der allerdings noch viel zu lernen hat. Nachdem ihr ein Faible dafür habt, stets den Ärger auf eure Seite zu ziehen, bittet Sarafina – eure Mutter – Don Corleone ein Auge auf euch zu werfen und euch in seiner Familie aufzunehmen. Der schickt kurzerhand seinen Handlanger Luca Brasi zu euch, der euer Mentor wird. Er zeigt euch wie ihr auf den Straßen überlebt und bringt euch das kämpfen und schießen bei. Bevor es aber dazu kommt, müsst ihr euch zunächst im Charakter-Editor euer digitales Selbst erstellen.

Neben diversen Einzelheiten wie Körperform, Hautfarbe, Gesichtsbehaarung, Frisur und Nasengröße, dürft ihr im Charakter-Editor obendrein aus einer Vielzahl unterschiedlicher Kleidungsstücke wählen. Im späteren Spielverlauf gesellen sich sogar noch mehrere hinzu und können – das nötige Kleingeld vorausgesetzt – von euch erworben werden.

Allerdings ist in Der Pate nicht nur das Aussehen bedeutend, sondern auch das Ansehen von enormer Wichtigkeit. Den nötigen Respekt bekommt ihr durch das Erledigen verschiedenster Aufträge. Egal ob ihr gerade Schutzgelder erpresst, eine rasante Verfolgungsjagd absolviert oder die Übernahme eines illegalen Spielkasinos einleitet, solch absolvierte Aufträge bescheren euch mehr Respekt und darüber hinaus sogar nützliche Skillpoints, mit denen ihr euren Charakter ähnlich wie in einem Rollenspiel verbessern könnt. Mit jeder neu erreichten Respektstufe, könnt ihr die einzelnen Attribute – Kampf, Schießen, Gesundheit, Tempo und Cleverness – eures Protagonisten hochstufen.

Große Mafiaspielwelt

Wie eingangs bereits erwähnt, spielt Der Pate im Jahr 1945 und zwar in New York, das mit allen legendären Stadtvierteln aufwartet. Die Metropole teilt sich dabei in fünf Gebiete – Little Italy, Hell’s Kittchen, Brooklyn, Midtown sowie New Jersey – auf und in jedem Bezirk gibt selbstverständlich ein anderer Clan den Ton an.

Die verschiedenen Auftraggeber und die zu erfüllenden Aufträge werden genretypisch auf einer kleinen Minikarte am unteren Bildschirmrand angezeigt. Zudem gibt euch die Karte jederzeit Aufschluss darüber, welches Geschäft gerade unter welchem Schutz steht und wo sich euer sicherer Unterschlupf befindet, an dem ihr das Spiel jederzeit nach belieben speichern könnt.

Dank der übersichtlichen Karte habt ihr folglich in der großen Mafiaspielwelt, die mit zahlreichen Passanten und Fahrzeugen sehr lebendig in Szene gesetzt wurde, keinerlei Orientierungsprobleme. Das heißt, wenn ihr nicht gerade mit den Kameraproblemen zu kämpfen habt, die von Zeit zu Zeit das Spielgeschehen begleiten.

Diese kommen gerade dann zeitweise zum tragen, wenn ihr mit eurem Gangster auf Verbrechertour seid und beispielsweise feindliche Gegner aufs Korn nehmt. Während ihr euch mit dem ausgereiften Zielsystem sehr schnell und auch gut zurechtfinden werdet, hat während dessen die Kamera leichte Probleme, das Spielgeschehen ins rechte Bild zu rücken. Dank der Nachjustierfunktion ist das allerdings nicht weiter schlimm, sondern sorgt lediglich für einige unnötige Übersichtsprobleme und kassierte Trefferpunkte.

Richtig gelungen ist dabei das innovative Zielsystem, welches es ermöglicht, einzelne Trefferzonen gezielt anzuvisieren. Mit einem einzigen Schuss können so Gegner entwaffnet oder in die Knie gezwungen werden, um anschließend mit dem ebenso gelungenen Kampfsystem weiter bearbeitet zu werden. Da werden ganz ungeniert Kopfnüsse verteilt, geboxt, getreten und geworfen bis der Gegner K.O. geht. Wer ein ganz fieser und abgebrühter Geselle ist, hat zudem von Zeit zu Zeit die Möglichkeit, mittels Finishing Move dem Gesindel auf recht brutale Weise – Genickbruch, Kopfschuss, etc. – die Lichter auszublasen.

Der hier recht hoch angelegte Gewaltfaktor dürfte dann ganz logisch auch der Grund für die USK ab 18 Freigabe sein, der klar deutlich macht, das dieses Spiel keineswegs in Kinder- sondern ausschließlich in Erwachsenenhände gehört.

Die Technik hinter dem Paten

Audiovisuell hinterlässt Der Pate einen bleibenden Eindruck. Das gilt insbesondere für die herausragenden Zwischensequenzen, die mit viel Liebe zum Detail in Szene gesetzt worden sind, und in denen sich die virtuellen Darsteller von ihren realen Abbildern kaum unterscheiden. Die eigentliche Spielgrafik macht ebenfalls einen robusten Eindruck, kann jedoch nicht ganz mit dem Genrekollegen GTA: San Andreas, an dem sich der Titel messen muss, mithalten. Dafür wirken vereinzelte Texturen zu kantig und diverse Locations einfach zu detailarm, dafür bleibt aber die Framerate fast immer stabil.

Diese kleinen grafischen Mankos werden aber durch die ansonsten filmreife Präsentation, die stimmige Spielatmosphäre, die astreine Lokalisierung mit ihrer fehlerfreien deutschen Sprachausgabe und den original Synchronsprechern, locker wieder glatt gebügelt. Ärgerlich ist da eigentlich nur die fehlende 16:9-Unterstützung, die dem Mafiaabenteuer etwas an Blockbuster- und Kinoatmosphäre nimmt. Dafür stimmt aber der Rest!

Fazit

Die Spielumsetzung des Paten dürfte bei den Spielern geteilte Meinungen hervorrufen. Einerseits hat die GTA-Serie optisch und auch spielerisch klar die Nase vorn und man sucht Genre-Innovationen vergebens, aber wen bitteschön stört das, wenn er dafür in den Genuss kommt, einen der besten Filme aller Zeiten detailgetreu nachspielen zu können. Alleine schon der virtuelle Auftritt von Don Vito Corleone, alias Marlon Brando, dürfte für viele Fans des Kultfilms Kaufanreiz genug sein, sich dieses Spiel in ihre Sammlung zu holen. Mehr sogar noch: Nur hier werden Anhänger der Filmvorlage in den Genuss kommen, diverse ungeklärte Dinge zu erfahren, die in dem Streifen nicht zu sehen waren. Welche das sein werden, möchte ich an dieser Stelle aber nicht verraten, das sollt ihr schon selbst in Erfahrung bringen. Darüber hinaus fesselt der Titel in Sachen Umfang mehrere unterhaltsame Stunden an das Gamepad und lässt so schnell keine Langeweile aufkommen.

Abschließend lässt sich sagen, das Der Pate mit zu den besten Filmumsetzungen – wenn nicht sogar zur besten – gehört, die ich in den letzten Jahren zu Gesicht bekommen habe. Wer mit den kleineren Mängeln, die jedoch keineswegs wirklich den Spielgenuss trüben, leben kann, der wird an diesem Mafiaepos, trotz des sehr hohen und blutigen Gewaltfaktors, seine wahre Freude haben.

Der Pate [PS2 , looki.de]

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