Gesamtwertung79%/10 |
GrafikBefriedigend SoundBefriedigend |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Mit Destroy All Humans veröffentlichte THQ vor einem Jahr ein Spiel, das nicht viel Rummel, dafür aber viel Spaß gemacht hat. Als Außerirdischer Cryptosporidium sollte und wollte man damals die Welt erobern. Irgendwie hat mans auch geschafft, denn inzwischen ist der Alien in Menschengestalt geschlüpft und zum Präsidenten der USA aufgestiegen. Keine ungefährliche Aufgabe mitten im kalten Krieg mit den Kommunisten.
Zehn Jahre sind vergangen, die biederen 50iger mussten den 60iger Jahren weichen. Nun bestimmen Hippies das kulturelle Leben Amerikas, wollen Liebe statt Krieg. Aber nicht nur Hippies auch der russische Geheimdienst macht Cryptosporidium zu schaffen. So zerstörten die Russen Cryptos Mutterschiff mitsamt Alienchef Pox. Übrig blieben nur Trümmerteile, Cryptos Untertasse sowie eine digitale Kopie von Pox Gehirn. Eine Heimreise scheint so zunächst unmöglich. Damit die beiden doch noch auf ihren Heimatplaneten Furon zurückkehren können, müssen Trümmerteile gesucht, aber auch der KGB und andere feindliche Gruppierungen abgewehrt werden.
Mit der Unertasse um die Welt
Die Hauptstory wird über 25 Missionen, fünf je Gebiet, vorangetrieben. Jede Mission besteht zudem aus mehreren kleinen Aufgaben, die nacheinander zu erledigen sind. Die Gebiete sind Städte wie Bay City (San Francisco) oder Albion (London). Darüber hinaus verschlägt es den Außerirdischen auch nach Japan und Russland. Besonders groß sind die Städte und Landstriche dabei nicht, sie können zu Fuß in ein paar Minuten durchquert werden. Schneller gehts natürlich mit dem Ufo, das aber nach wie vor nur an bestimmten Landepunkten aufsetzt. Und schon sind wir bei Arkvoodle, dem furonschen Fruchtbarkeitsgott des Heiligen Schritts: Statuen von ihm sind in den Spielwelten verstreut und stellen Crypto kleine Aufgaben. Erfüllt er die, wird die Statue zum Landepunkt, an den die Untertasse gerufen werden kann. Nach oder während der etwa acht- bis zehnstündigen Haupthandlung gibt es allerlei. Dank kleiner Story machen sie mehr Spaß als die simplen Zerstör-das-und-dies-Aufgaben aus dem ersten Teil, sie sind außerdem weiterhin völlig optional.
Make War not Love
Der Untertitel des Spiels ist Programm: Mit Liebe erreicht man gegen KGB, Armee etc. nicht viel. Stattdessen besinnt sich Crypto auf alte Hausmittel und greift zu seinem Arsenal außerirdischer Waffen. Die besaßen schon im Vorgänger einen besonderen Reiz. So sind Zap-O-Matik, Analsonde etc. auch diesmal wieder dabei. Hinzu kommen noch ein paar neue Vernichtungswerkzeuge: Zum Beispiel der Dislokator, der kleine Disks verschießt, die Fahrzeuge und Gegner herumwirbeln. Oder eine andere Waffe, mit der sich Meteoritenschläge durchführen lassen und so beinah jedes Gebäude zerstört werden kann. So nett die neuen Waffen auch sein mögen, oft wird man sie nicht verwenden. Ein hochgerüsteter Zap-O-Matik oder Desintegrator-Strahl ist immer noch nützlicher, zumal die Waffenauswahl nur unwesentlich gewachsen ist.
Mit dem Mutterschiff explodierten auch sämtliche fortgeschrittenen Techniken, die im ersten Spiel entwickelt wurden. So muss Crypto erneut mit sehr einfacher Waffentechnik beginnen, kann vieles aber upgraden. Menschliche DNA benötigen die Furons dafür nicht mehr, sondern verwenden nun so genannte Furotech-Zellen.
Die liegen in den Spielwelten verstreut oder dienen als Belohnung für den Abschluss von Haupt- und Nebenmissionen. Und diese Zellen sind rar, gibt es doch zugleich viele tolle Upgrades für Analsonde, fliegende Untertasse, Jetpack und Co., die damit bezahlt werden möchten. Seltener sind Datenkerne, mit denen überhaupt erst neue Waffentechnologien freigeschaltet werden. Außerdem sind in den fünf Gebieten noch Alienartefakte versteckt, die ebenfalls eingesammelt werden sollten.
Keine Angst vorm Sterben
Der Tod ist nicht so tragisch, zumindest nicht für Cryptosporidium. Denn Dank Furon-Technik kann er beliebig oft geklont werden, auch gern inmitten einer Mission. Anders sieht es aus, wenn ein Erdling eskortiert und beschützt werden soll. Denn wenn dem der Lebenssaft ausläuft, ist die Mission gescheitert. Und weil die Schützlinge oft in die Schusslinie laufen, zugleich praktisch nie Deckung suchen, passiert das manchmal schneller als gedacht.
Zum Glück beherrscht Crypto nicht nur den Umgang mit Waffen, sondern auch einige übermenschliche mentale Fähigkeiten. Mit Psychokinese kann er allerlei durch die Luft schleudern, mit einem Geistesblitz jeden Mensch in der Umgebung für kurze Zeit lähmen. Zusätzlich übernimmt er die Kontrolle über einen Erdling nicht mehr aus der Ferne, sondern schlüpft direkt in dessen Körper. Wird man dabei beobachtet, rufen umstehende Passanten Polizei und Armee. Zur Not hilft da aber eine Freie Liebe-Fähigkeit, die sämtliche Menschlein im nahen Umkreis tanzen und vergessen lässt
Zwei Aliens trumpfen auf
Crypto und Artgenosse Pox sind nicht mehr allein, sie begegnen in ihrem zweiten Abenteuer vielen Gegnern, aber auch Verbündeten. Da wundert es nicht, dass das Spiel nun ebenfalls mit einem Mehrspielermodus aufwartet. Gespielt wird hierbei kooperativ im Vertikal-Splitscreen. Ob man dabei nur eine Mission oder gleich das gesamte Spiel zu zweit bestreiten möchte, spielt keine Rolle. Merkwürdig hingegen, dass sich beide Spieler trotz aufgeteilten Bildschirms nicht weit voneinander entfernen dürfen. Wer sich doch mal zu weit weg wagt, wird einfach zum anderen zurückgebeamt.
Der Biss fehlt
Der besondere Witz des ersten Spiels lag in der abstrusen Situation: Aliens wollen die Erde unterjochen, haben zuvor aber noch keine Menschenseele gesehen.
Zudem war das Thema stimmig - 50iger Jahre, B-Movies und entsprechende Filmplakate, die die Ladebildschirme schmückten. Von all dem fehlt Destroy All Humans! 2 ein bisschen. Crypto ist zwar weiterhin klein und mürrisch, zugleich aber nun mit der Menschheit vertraut, dank regenerierter Genitalien zudem vermehrt auf Frauenjagd. Entsprechend flach sind deshalb manche Gespräche mit einer russischen Agentin, die ihn auf vielen Wegen begleitet. Am witzigsten sind wohl noch die optionalen Teilgespräche. Denn eine Unterhaltung kann man gradlinig zum Ende oder eben mit kleinen Umwege führen, dabei über Wodka reden oder sich mit Pox an alte Zeiten, an Destroy All Humans! erinnern. Dabei werden dann auch allerlei Anspielungen an bekannte Filme wie Kubricks Uhrwerk Orange gemacht. Wer diese etwas spezielleren Filme nicht kennt, dem wird das gar nicht auffallen.
Keine Technik vom anderen Stern
Mit guten Englischkenntnissen bereitet die Sprachausgabe viel Spaß. Beinah jeder Text wurde professionell vertont, nur eben im Englischen belassen. Deutsche Untertitel helfen aber denen, die mit dem Englischen ihre größeren Probleme haben. Wer nur die Untertitel liest, muss dabei aber nicht auf derbe Sprüche verzichten. Denn die Übersetzung ist ebenfalls gelungen, überträgt sowohl das Wesentliche als auch fast jede Pointe verständlich ins Deutsche.Musikalisch gibt sich das Spiel ebenfalls wie ein Profi, ist jedoch nicht breit gefächert. Die B-Movie-Musik hatte beim Vorgänger besser zum Spiel gepasst, als nun die Hippie-Gesänge beim Kampf gegen den KGB.
Nicht nur Crypto, auch die Grafikengine kommt langsam in die Jahre. Im Vergleich zum Vorgänger hat sich nicht viel getan. Die Optik ist zwar nett und absolut flüssig, aber eben nicht mehr ganz zeitgemäß. Eine besonders hohe Weitsicht bietet der Titel auch nicht und das nicht nur im nebligen Albion/London.
Auf einer Next-Gen-Konsole mit vernünftiger Grafik würde das Spiel sicher noch viel mehr Spaß machen. Vielleicht klappt es ja im nächsten Jahr mit einem dritten Teil. Andeutungen werden im Laufe der Story jedenfalls gemacht. Und auf einer PS2 wird ein solches Spiel Ende nächsten Jahres ja hoffentlich nicht mehr erscheinen