Gesamtwertung87%/10 |
GrafikBefriedigend SoundGut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegBefriedigend |
BedienungSehr gut |
Gameplay für Nostalgiker
Dragon Quest VIII: Die Reise des verwunschenen Königs zeigt sich durch und durch traditionsbewusst. Selbstverständlich dreht sich die Geschichte deshalb auch nicht nur um einen Protagonisten. Wie wir es von hochkarätigen Square-Enix-Rollenspielen gewohnt sind, darf man mit mehreren Charakteren fungieren. Im Mittelpunkt steht dabei ein junger namenloser Charakter, der stark an Son-Goku erinnert. Klar wird diese Ähnlichkeit, wenn man sich vor Augen hält, dass kein anderer als Akira Toriyama, seinerseits Erfinder der weltberühmten Dragon Ball-Mangas, das Design der Helden entworfen hat. So sind auch Ähnlichkeiten der anderen Protagonisten, etwa des kleinen, aber sehr durchschlagskräftigen, weil bulligen Yangus oder der vollbusigen, hochnäsigen Jessica zu früheren Werken Toriyamas nicht abzusprechen.
Insgesamt darf man mit vier verschiedenen Helden in den Kampf ziehen. Dabei haben aber leider bereits alle eine Klasse vorgegeben bekommen, der man sich anpassen sollte, um optimale Kampfergebnisse zu erzielen. Generell sorgen die Helden und die putzigen, aber echt durchgeknallten Monster, die die vegetationsreiche Landschaft der riesigen Welt bevölkern, dafür, dass eine etwas bizarre, aber durchaus heitere Atmosphäre entsteht. Doch dazu später mehr.
Der junge Held des Spiels hat unglücklicherweise sein Gedächtnis verloren und irrt seither mit seinem Freund Yangus und einem angeblich verzauberten König und dessen angeblich ebenfalls verzauberten Tochter durch das Land, um sich ein wenig Geld dazuzuverdienen. Der König ist auf der Suche nach dem schrecklichen Zauberer, der ihn verhext haben soll. Tatsächlich erinnert der angebliche König nicht an einen Menschen, sondern eher an einen Außerirdischen, allerdings an einen sehr, sehr kleinen. Seine scheinbare Tochter wurde sogar in ein Pferd verwandelt. Auf der Suche nach dem vermeintlichen Übeltäter geraten der Held und seine Freunde immer tiefer in einen Strudel der Gefahr, bis sie letztlich, wie sollte es anders sein, die Welt retten müssen.
Bis es aber soweit ist, müssen viele Hinweise auf den Verbleib des Bösewichts gesammelt werden. Das Gameplay von Dragon Quest 8 orientiert sich dabei sehr stark an den erfolgreichen Elementen der Vergangenheit. Square-Enix verzichtet auf Experimente und bietet dem Spieler ein reinrassiges Rollenspiel. Im Klartext heißt das, dass man an einen fremden Ort kommt. Dort einer Spur nachgeht, auf ein neues Geheimnis trifft, welches in Zwischensequenzen und Dialogen präzisiert wird, man dann deshalb in ein Dungeon eilen muss, um entweder einen bestimmten Gegenstand oder eine Person zu finden oder aber einfach ein weiteres Ereignis auszulösen.
Am Ende dieses Dungeons erwartet einen dann der jeweilige Bossgegner, der genau wie die normalen Monster, meist nur durch eine recht ausgetüftelte Strategie und nicht durch sinnloses Draufschlagen zu bezwingen ist. Hat man ihn jedoch erledigt, so hat man auch das Geheimnis gelöst und kann weiter ziehen, zur nächsten Stadt und zum nächsten Dungeon.
Diese Art von Gameplay ist so simpel, wie genial. Denn die riesige Welt, die nicht weniger als drei große Kontinente und sechs Inseln zum Erkunden bietet, wurde so abwechslungsreich gestaltet und die verschiedenen Geschichten, die sich letztlich in die Hauptstory eingliedern, sind so abwechslungsreich und durchdacht, dass keine Langeweile aufkommt.
Ausrüsten, bitte!
Natürlich ist das Kampfsystem das Herzstück des Spiels. Wie gewohnt wird es von den so genannten Levels unterstützt. Schlägt der Spieler einen Gegner, so erhält die Gruppe dafür Erfahrungspunkte. Ist eine bestimmte Anzahl dieser EXP erreicht, steigt der jeweilige Charakter ein Level auf. Dadurch verbessert sich nicht nur seine Stärke, sondern auch seine Konstitution, sprich die Lebens- und Zauberpunkte.
Da beispielsweise vorgegeben ist, dass Jessica magisch begabt ist, erhöhen sich ihre Zauberpunkte schneller, als die von Yangus, der ein klassischer Schläger ist. Dafür steigen Yangus Stärkepunkt rascher. Außerdem darf der Spieler nach jedem Levelaufstieg Talentpunkte verteilen. Jeder Charakter kann verschiedene Kampfkünste erlernen. Der namenlose Held kann zum Beispiel den Umgang mit dem Schwert verfeinern. Genauso kann er aber auch lernen mit Speeren umzugehen oder als Schutz Schläge für seine Freunde einzustecken. Es liegt also ganz beim Spieler mit welchem Waffentyp sich die Protagonisten beschäftigen.
Ansonsten übernimmt das Game aber die Rolle des Lehrers, viel kann man also nicht an seinen Helden ändern. Selbstverständlich bleibt es dem Spieler aber vorbehalten, seine Charaktere richtig auszurüsten. In jedem Dorf und jeder Stadt, die man bereist, gibt es Waffen- und Rüstungsverkäufer. Dabei ist es relativ einfach, die jeweils beste Waffe für die Protagonisten zu finden.
Weitaus schwieriger ist es da, das Geld aufzubringen, das die Teile kosten. Einfacher ist es, in die Wildnis zu spazieren und zu hoffen, ein Schwert oder ein anderes Rüstungsteil bei einem toten Monster zu finden. Leider ist das aber eher selten und letztlich kann man auch nicht bestimmen, für welchen Charakter das gefundene Teil zu verwenden ist.
Da die Kämpfe in Dragon Quest 8 durchaus immer nervenaufreibend und spannend sind, da selbst die normalen Monster eine Gefahr bedeuten können, muss darauf geachtet werden, immer genügend Medizin mit sich zu tragen. Leider gibt es die besten Tränke nicht zu kaufen, daher ist selber brauen angesagt. Zudem kann man noch viele weitere Gegenstände durch den so genannten Alchemietopf gewinnen. Man findet entweder ein Rezept oder durch Probieren die richtige Mischung, um etwas Sinnvolles herzustellen.
Das Mischen ist dabei ganz einfach, man sucht sich ein paar Gegenstände heraus, etwa zwei Heilkräuter und vermischt diese dann durch einen simplen Tastendruck. Bei diesem Beispiel würde dann eine starke Arznei entstehen, die deutlich mehr HP wieder herstellen würde, als ein einfaches Heilkraut oder auch zwei. Doch es kommt nicht nur auf die richtigen Heilkräuter oder -zauber an, auch die Angriffsformationen wollen, vor allem bei den starken Bossgegnern, gut durchdacht sein.
Meist benötigt man mehrere Anläufe, um einen starken Gegner aus dem Weg zu räumen. Beim ersten Aufeinandertreffen studiert man oft nur seine Gewohnheiten. Greift er beispielsweise in einem bestimmten Rhythmus an? Oder hat er eine besonders starke Attacke, die abgewehrt werden kann? Kann man das Ungetüm nicht beim ersten Versuch platt machen, kommt ein weiteres Feature des Spiels zum tragen. Im Gegensatz zu Final Fantasy X, welches vom Gameplay her nah an Dragon Quest 8 heran kommt, bedeutet das Scheitern in einem Kampf nicht das Ende des Spiels. Man wird stattdessen in die letzte Stadt zurück gebeamt, in der man sich vor dem Tod aufgehalten hat, verliert die Hälfte seiner schwer verdienten Kohle und darf dann normal und mit voller Energie weitermachen.
Dafür gibt es aber zumindest anfangs nichts, was einen toten Charakter wiederbeleben könnte. Das ist besonders bitter, wenn gerade ein wichtiger Protagonist mitten in einem Dungeon ums Leben kommt und man sich dann mit verminderter Heldenanzahl weiter auf den Weg machen muss, weil es sich nicht lohnen würde, erst den ganzen Weg zurück in ein Dorf anzutreten. In den Kirchen, die ebenfalls in jedem Kaff herumstehen, kann man nämlich, für eine kleine Spende versteht sich, den Allmächtigen anrufen und so seine toten Kumpanen zurück ins Leben rufen.
Schon allein deshalb ist es notwendig, sich jeden Schritt im Kampf genau zu überlegen, seinen Gegner zu kennen und dementsprechend zu handeln, sonst heißt es schon bei Zeiten Frustattacken einzukalkulieren.
Glücklicherweise zeigt sich das Kampfsystem an sich recht spielerfreundlich. Es gibt keine aktiven Elemente, was bedeutet, dass dem Spieler so lange Zeit bleibt, bis er sich für alle Aktionen, die in einer Kampfrunde ablaufen sollen, entschieden hat. Da man aber nie weiß, ob nun das Monster oder der Charakter zuerst angreift, bleibt immer ein Unsicherheitsfaktor, der den Nervenkitzel ausmacht. Neben der Standardattacke besitzt jeder Charakter noch weitere Fähigkeiten. Ein Schläger wie Yangus beispielsweise kann besondere Angriffe mit seiner Waffe ausführen. Jessica vertraut auf Zauber und der namenlose Held stellt eine Mischung aus beidem dar.
Im Laufe der gut 80 Stunden Spielzeit, die zusammenkommen, wenn man die Story ausführlich spielt, von den zahlreichen Geheimnissen, die die Welt von Dragon Quest 8 zu bieten hat, ganz zu schweigen, lernt man die verschiedenen Kniffe des Kampfsystems und auch die vielen Kampffähigkeiten der Helden kennen und für sich zu nutzen. Doch einige Stunden bedarf es schon, bis man sich mit dem knackigen Schwierigkeitsgrad ernsthaft auseinandersetzen kann.
Spielerisch Top, technisch Flop?
Dragon Quest 8 zeigt sich im modernen Cel-Shading-Look. Dadurch kann es aber nicht mit der Grafikpracht anderer aktueller Rollenspiele mithalten. Zwar besticht die Welt des Spiels durch ihre Größe und ihr Vielfalt, vom Strand, über durch und durch bewaldete Gebiete bis hin zur dunkelsten Grotte gibt es beinahe alles zu entdecken, was auch Mutter Natur zu bieten hat, die Texturen wirken dennoch oft verwaschen und verderben so teilweise das wunderbare Landschaftsdesign. Die Figuren sind natürlich allesamt kurios, aber liebenswert, wie man es von Toriyama gewohnt ist. Untermalt werden die Charaktere durch die exzellente englische Sprachausgabe. Musikalisch bietet das Spiel ebenfalls altbekanntes. Meist wird die Szenerie von klassischen Songs umzeichnet. Einige der Stücke sind dabei Ohrwürmer und man merkt, dass ein echtes Orchester hinter den Werken steht.
Vieles dürfte alten Rollenspielhasen aber vertraut vorkommen. Allerdings gibt es auch nicht unendlich viele Möglichkeiten, Musik zu schreiben, was man dem Komponisten zu Gute halten muss.