Gesamtwertung74%/10 |
GrafikGut SoundAusreichend |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegAusreichend |
BedienungGut |
Der Genre-Thron gehört noch immer Gran Turismo, zahlreiche Konkurrenzprodukte schicken sich in den letzten Monaten aber an, den Primus zu stürzen. Neben dem Microsoft-Pendant Forza Motorsport buhlt nun auch Enthusia Professional Racing um die Gunst der Hobby-Rennfahrer. Wie erfolgreich der mit zahlreichen neuen Ideen gewürzte Titel dabei ist, erfahrt ihr in unserem Test.
Enthusia Life ist, wenn man es so sagen kann, der Karrieremodus des Spiels. Ziel ist es dabei, der erste auf einer eintausend Einträge langen Liste zu werden. Zahlreiche innovative Ideen machen den Weg zur Spitze lang und beschwerlich. Dazu später mehr.
Der im Wesentlichen einem Fahrtraining ähnelnde Driving Revolution-Modus verlangt von euch, in einer bestimmten Geschwindigkeit zahlreiche eingeblendete Vierecke abzufahren. Wurde eines der Vierecke in der vorgegebenen Geschwindigkeit getroffen, gibt es ein Perfekt, ist man etwas zu langsam, immerhin noch ein Gut.
Wer aber gleich mehrere Vierecke auslässt, darf die Lektion noch einmal wiederholen. Zu Beginn sind die Aufgaben noch relativ einfach zu bewältigen, werden aber zunehmend knackiger und fordern einen überaus gekonnten Umgang mit dem Controller und der Spielmechanik im Allgemeinen.
Zeitfahren ist wohl selbsterklärend. Auf zwölf verschiedenen Strecken darf sich hier ein jeder daran versuchen, Bestzeiten zu knacken.
Im Freien Rennen kann schließlich die gewünschte Rundenzahl von 1 bis 200 gewählt werden und zunächst mit einer kleinen Fahrzeugauswahl gegen zahlreiche Gegner angetreten werden.
Einen kleinen Multiplayermodus bietet Enthusia auch noch: Weder online, noch über Netzwerk, sondern nur zu zweit kann im Splitscreenmodus gespielt werden. Immerhin etwas
Weil es im Spiel keine Dollar und keine Credits gibt, ließ man sich für das Erhalten neuer Karossen etwas Neues einfallen. So werden nach jedem Rennen die Fahrzeuge der Gegner verlost. Wer Glück hat, kann eine sehr schnelle Kiste ergattern, wer Pech hat, geht auch mal leer aus.
Ein Bangen um den eigenen Wagen entfällt allerdings, steht dieser doch nicht zur Verlosung und darf auf jeden Fall behalten werden.
Die Tücke des Systems ist offensichtlich: Wer gern mit einem ganz bestimmten Fahrzeug über die Pisten von Enthusia Professional Racing düsen möchte, muss eine Engelsgeduld aufbringen, wenn er das Fahrzeug nicht bei Zeiten gewinnt.
Zudem können ganz glückliche Spieler auch schon zu Beginn ein verhältnismäßig starkes Gefährt gewinnen und in vielen folgenden Rennen der Konkurrenz davon brausen.
Etwas unkonventionell ist auch das in Enthusia integrierte Zeitsystem. So geht es im Spiel Woche für Woche voran. Kommt nichts dazwischen, darf man alle sieben Tage ein Rennen fahren.
Nicht nur Erfahrung mit Lotterien, sondern auch Spaß und Freude an zahlreichen Formeln und Punkten müssen die Entwickler Enthusias gehabt haben.
So ist es dann auch kein Wunder, dass nach jedem Rennen jede Menge verschiedenster Punkte ausgerechnet werden. Neben Skill-Punkten gibt es auch so genannte Enthu-Punkte.
Während die Skill-Punkte dazu dienen, euch von Level zu Level zu hieven, lässt sich anhand der Enthu-Punkte der Fahrstil eines jeden bestimmen.
Je mehr Punkte man nach einem Rennen hat, desto sicherer und ordentlicher ist man wohl gefahren. Für jeden Patzer, sei es kurzes Fahren neben der Strecke oder ein Anrempeln an Gegner oder Streckenrand, werden nämlich Enthu-Punkte abgezogen.
Hat man nach einem Rennen gar keine mehr, muss man eine Woche aussetzen. Am nächsten Rennen darf dann nicht teilgenommen werden.
Allein für die Gegnermeute scheinen die Enthu-Punkte keine Bedeutung zu haben.
Ist das Feld mal etwas dichter beisammen, wird gerammt und gerempelt bis die Schwarte kracht. Weil ihr für jeden Rempler - egal ob auf Eigeninitiative oder unverschuldet - Punktabzug bekommt, wird das Spiel in solchen Situationen schnell unfair und demotivierend.
Die Ursache im recht dickköpfigen Verhalten der Gegner-KI liegt wohl darin, dass die Kontrahenten nur zu gern auf der Ideallinie fahren und sich schwer von ihrem Vorhaben abbringen lassen.
So schön das in der Verlosung gewonnene Auto auch sein mag, ein Umstieg will wohl bedacht sein. Kurioserweise kostet euch das Aus- und Einsteigen von einem Fahrzeug in ein anderes eine ganze Woche. Weil für die Enthusia-Rangliste nur die letzten zwölf Wochen von Bedeutung sind, geht so kostbare Zeit verloren.
Im Allgemeinen ist es sowieso besser, mit einem schwächeren Fahrzeug an gleich mehreren Rennen teilzunehmen. Da vor jedem Rennen für jedes der teilnehmenden Fahrzeuge ein Index erstellt wird, anhand dessen dann ebenfalls die Startposition festgelegt wird, kann man sich zumindest zu Beginn eines Rennens einen kleinen Vorsprung verschaffen.
Aber auch wenn der schwachbrüstige Motor zum Ergattern des ersten Platzes nicht ausreichend Power hatte: um so niedriger der Fahrzeugindex, um so mehr Skillpunkte bekommt man auch für einen der hinteren Plätze. Weiterhin wird nach jedem Sieg auch nur das aktuelle Fahrzeug entweder in Bremsleistung, Reifenbeschaffenheit oder Motorenpower getuned. Was verbessert werden soll, kann man sich dabei nicht aussuchen. Dies ist aber auch kein Beinbruch, ändert sich das Fahrverhalten sowieso nur minimal.
Sämtlichen Strecken sieht man dabei an, dass sich Konami Mühe gegeben hat, schöne Kurse anzubieten. Besonders die verschiedenen Witterungen gefallen, ist man doch nicht nur bei Tageslicht, sondern auch in der Nacht und auf verschneiten Strecken unterwegs.
Viel besser hätten dem Titel aber keine Physikvisualisierung, sondern mehrere Perspektiven getan.
Lediglich zwei Fahrzeugperspektiven stehen zur Auswahl. Das ist nicht nur wenig, sondern auch ganz schön dürftig. Erschwerend kommt hinzu, dass der kleine Rückspiegel in der Stoßstangenansicht die einzige Möglichkeit ist, einen Blick nach Hinten zu werfen.
BILDSTRECKE Enthusia Professional Racing (10 Bilder)
Enthusia Professional Racing lebt vor allem von der Fahrphysik. Die Physikengine ist dabei so realistisch, dass es zumindest für Anfänger und Gelegenheitsrennfahrer eigentlich gar kein Spaß mehr ist, mit dem virtuellen Fahrzeug über die Strecken zu brettern. So realistisch das Fahrverhalten dabei auch sein mag, am Schadensmodell hat man leider gespart.
Mit den doch sehr japanischen Tönen wird Konami hierzulande wohl niemanden begeistern können. Ähnlich schwach fallen die Renngeräusche aus. Akustisch unterscheiden sich die Fahrzeuge kaum von einander.