Gesamtwertung94%/10 |
GrafikSehr gut SoundSehr gut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Da schon viele Menschen durch Sins Angriffe gestorben sind, und die Bevölkerung somit unter dem Fluch leiden muss, haben es sich Medium (Menschen die über die Fähigkeit verfügen Monster zu beschwören und die Leitsätze Yevons lehren) zur Aufgabe gemacht, die Welt Spiras zu bereisen um die Hohe Beschwörung zu erlernen. Diese stellt dabei das einzige Mittel zur Vernichtung Sins dar. Um diese Praktiken zu erlernen, und vor allem um die Nachfolge ihres Vaters anzutreten, reist die noch recht schüchterne und verschlossene Yuna mit ihrer Leibgarde in die weite Welt Spiras hinaus. Begleitet werden sie dabei von dem mysteriösen Titus, der behauptet aus der Stadt Zanarkand zu kommen, was zumindest zweifelhaft klingt, da die Machina-Stadt Zanarkand bereits vor 1000 Jahren von Sin zerstört wurde. Wie das Leben so spielt verlieben sich Yuna und Titus während ihrer Reise in Final Fantasy X ineinander.
Beim letzten Aufeinandertreffen mit Sin, das letztendlich auch zur Vernichtung des Ungetüms führt, verschwindet Titus auf rätselhafte Weiße und läst Yuna einschließlich Begleiter in Spira zurück.
Nein, natürlich nicht, natürlich hat sich in den zwei Jahren nach der Vernichtung von Sin in Spira einiges verändert! Das Hohe Medium, also Yuna, wird nun als eine Art Star verehrt. Zudem besinnten sich die Einwohner Spiras zurück zur Machina. Wo man in der Welt von Final Fantasy X-2 auch hinschaut findet man Maschinen in allen Formen und Funktionen. Neben diesen finden sich in der Welt von Spira außerdem so genannte Sphäroiden, kleine Kugeln die, bei näherer Betrachtung, eine Art Bildmessage offenbaren. Dabei enthalten einige Sphäroiden wichtige Nachrichten, andere wiederum Belangloses. Um den Geheimnissen der runden Kugeln auf den Grund zu gehen, oder um mit ihnen einfach nur mächtig viel Kohle zu scheffeln, haben sich einige abenteuerlustige Menschen zu Sphäroiden-Hunter-Gruppen zusammengeschlossen. Wie das Leben so spielt hat sich auch unsere Heroin Yuna einer solchen Truppe angeschlossen, und zwar dem Mövenpack. Mit von der Partie ist die süße Rikku, ein Al Bhed Mädchen, die Fans noch aus dem Vorgänger kennen werden und sowie die sehr geheimnisvolle - und auf den ersten Eindruck sehr dunkel wirkende - Paine. Gemeinsam mit einigen weiteren freundlich gesonnenen Al Bheds die zum Mövenpack gehören, macht ihr euch auf die Suche nach möglichst wertvollen Sphäroiden.
Yuna selbst allerdings verfolgt insgeheim einen anderen Plan. Bevor die Hauptprotagonistin nämlich dem Mövenpack beigetreten ist, hat sie ein Sphäroid gefunden, in welchem sie ihren verschollenen Freund Titus erkennen konnte. Genau deshalb macht sie sich auf die Suche nach weiteren Hinweisen bezüglich seines Verbleibs...
Ein weiteres neues Feature in Final Fantasy X-2 ist, dass die Dungeons sich nun über mehrere Ebenen erstrecken. Es gilt also in feinster Lara Croft-Manier Abgründe zu überwinden und Wände hoch zu klettern. Aber keine Angst, ganz so schwer wie die vollbusige Engländerin tut es sich Yuna nicht. Per gedrückter Kreis-Taste hüpft und klettert unsere Primadonna ziemlich automatisch über Abhänge und Vorsprünge, ein Herunterfallen ist dabei in den meisten Fällen nicht möglich. Ihr werdet aber folglich immer wieder auf einige Kletterrätsel, in Form von Wo muss ich jetzt lang treffen. Pauschal gesehen ist diese Neuerung zwar ganz nett, spielerisch allerdings kaum anspruchsvoll und im Endeffekt unnötig.
Denn neben dem neuen Missions-System und den gelegentlichen Sprungpassagen gibt es noch einen weiteren Stilbruch: Was dem geneigten Rollenspieler schon innerhalb den ersten Minuten auffällt ist, dass alles nun viel abgedrehter wirkt, was sich hauptsächlich an den Gesprächen und Zwischensequenzen erkennen lässt. Ständig springen, kreischen, tuscheln oder palavern die drei Diven miteinander - am besten läst sich das wohl mit dem Hollywoodstreifen Drei Engel für Charlie vergleichen. Eins ist wohl sicher: sollte Final Fantasy X-2 verfilmt werden, dann stehen die drei Hauptrollen in Form von Drew Berrymore, Cameron Diaz und Lucy Lu fest. In der Tat könnten auch die Dialoge von Yuna, Rikku und Paine aus dem Engel-Film entsprungen sein. Dieser Fakt bedeutet allerdings auch, dass der Storyplot nicht mehr so episch wirkt, weil einem alles doch etwas albern vorkommt. Die Story hat dennoch ihren Reiz.
Zu den grafischen Highlights zählen sicherlich auch die Videosequenzen. Diese sind SquareEnix-üblich mehr als perfekt und müssen sich kaum vor Kinoblockbustern á la Findet Nemo oder Toy Story verstecken. Gleich das Intro mit Yunas Live Auftritt versetzt den Spieler regelrecht ins Grübeln, ob da nun tatsächlich nur eine computeranimierte Figur über den heimischen TV hopst. Die Animationen wirken nämlich unglaublich realistisch und sind butterweich ausgefallen.
Auch die Kämpfe sind optisch ansprechend gestaltet. Die Ansicht zeigt dabei meist nur das Nötigste, nämlich die sich bekämpfenden Parteien in einer vorgerenderten 3D-Arena. Die Kamera agiert meist sehr klug, stirbt ein Mitspieler oder Kontrahent so richtet sie sich automatisch auf die beste Position aus. Die einzelnen Zaubersprüche erzeugen gewohnt schöne Licht- und Bildeffekte auf der Mattscheibe.
Für die musikalische Unterhaltung sorgt nun nicht mehr der auch hierzulande durchaus bekannte japanische Orchesterkomponist Nobuo Uematsu, sondern Noriko Matsueda und Takahito Eguchi, die beide unter anderem die Musik zu Spielen wie Bahamut Logoon, Front Mission oder Super Bomberman 3 komponierten. Das spiegelt sich natürlich auch im Musikstil von Final Fantasy X-2 wieder! Waren früher doch eher orchesterartige Stücke an der Tagesordnung, so tönt nun vielmehr poppige Musik aus den Boxen. Allerdings tut das dem Spiel keinen Abbruch, denn die Hintergrundmusik passt durchaus zum Stil des Spiels, auch wenn sie natürlich nicht ganz die Klasse der Kompositionen des Altmeisters Nobuo Uematsu erreicht. Nach Final Fantasy VIII gibt es zum aktuellen Sequel nun zudem wieder einen gesungenen Titelsong. In der PAL-Version wird Real Emotion, so der Name des Liedes, von Jade aus dem Popduett Sweetbox gesungen, die Originalversion stammt allerdings von der japanische Popsängerin Koda Kumi. Wie man sich nun sicher schon denken kann, ist das Lied im Gegensatz zum Final Fantasy VIII-Titelsong Eyes on me (Faye Wong) um einiges poplastiger.
Wie auch in Final Fantasy X werden die Dialoge in Englisch gehalten. Die Texte wirken dabei sehr professionell gesprochen, obwohl es den Sprechern nicht ganz gelungen ist den Sprachstil des Originals der sich, besonders bei den Hauptprotagonistinnen, doch eher nach japanische Schulmädchen beim täglichen Pausentratsch anhört, zu übernehmen. Wahlweiße lassen sich natürlich auch deutsche Untertitel einblenden. Allerdings reicht für das Verständnis der Dialoge zumeist Schulenglisch gesprochenso dass die meisten Spieler wohl auf die Untertitel, die manchmal doch etwas skurrile Übersetzungen offenbaren, verzichten werden.
Die Waffen einer Frau
Gekämpft wird in Final Fantasy X-2 nach wie vor in rundenbasierten Kämpfen, die wie üblich zufällig ausgelöst werden. Während des Kampfes befindet ihr euch in einer vordefinierten Arena, die Protagonisten könnt ihr allerdings nicht direkt steuern. Mittels eines eingeblendeten Menüs könnt ihr dann euren Gegner physikalisch oder mit einem Zauber angreifen, euch oder eure Truppe heilen, sowie spezielle Abilities nutzen. Verzichten müsst ihr allerdings auf die sehr beliebten, und vor allem grafisch spektakulären, Aeons-Angriffe aus Final Fantasy X.
Die wohl wichtigste Neuerung stellt wohl das so genannte ATB-System (Active Time Battle) dar. Herz des ATB-Systems ist das rechten Bildteil eingeblendete HUD. Dieses zeigt, neben der verbleibenden HP (Energie) und MP (Zauberenergie), einen fortlaufenden Balken an. Ist dieser einmal gefüllt ist der entsprechende Charakter an der Reihe, und der Spieler hat die Möglichkeit eine Aktion auszuführen. Je nachdem wie durchschlagend die Aktion ausfallen soll taucht an der gleichen Stelle ein neuer Balken auf, der anzeigt wie lange es noch dauert bis die ausgewählte Aktion vollführt wird. Dabei hängt es, wie bereits bemerkt davon ab, welche Aktion ihr ausführt: Standardaktionen beispielsweise werden meist direkt ausgeführt, wobei hingegen Zaubersprüche quasi erst aufgeladen werden müssen.
Dieser Fakt macht das ATB-System aber natürlich noch nicht zu etwas Besonderem. Spektakulärer ist da schon, dass sich die Charaktere nun viel freier im Kampf bewegen, es wird also nicht mehr gewartet bis gegnerische oder eigene Charaktere ihre Züge beendet haben. Damit einhergehend sind außerdem zwei Dinge: Als erstes ermöglicht das ATB-System Kombos, wie wir sie eigentlich aus einem RPG bisher nicht kannten. Mit dem richtigen Timing sind so problemlos Kombos mit bis zu 30 Treffern möglich. Zweite Neuerung ist, dass die einzelnen Charaktere nicht mehr fest auf einer Position stehen bleiben. Alles im allen laufen die Kämpfe nun um einiges schneller ab und machen dementsprechend mehr Spaß. Genreneulinge werden nichtsdestotrotz einige Probleme haben sich im manchmal recht hektischen Kampfgetümmel zurechtzufinden. Nach einer gewissen Eingewöhnungsphase gehen die meisten Kommandos aber dennoch recht schnell von der Hand, denn zum Glück wurden die einzelnen Menüpunkte sehr logisch im Menü angeordnet.
Was bei einem richtigen RGP selbstverständlich auch nicht fehlen darf, ist das Aufleveln der Charaktere. Hierbei besinnt sich SquareEnix auf ihr Job-System zurück. Im Klartext bedeutet dies, dass die Fähigkeiten eurer Charaktere nicht vorgegeben sind. Stattdessen kommen die so genannten Kostümpaletten zum Einsatz. Diese könnt ihr nach Lust und Laune mit Kostüm-Sphäroiden bestücken, und diese wiederum stellen den jeweiligen Job da. Wer jetzt denkt, dass Job für das steht, was in Deutschland momentan sehr rar ist, der irrt gewaltig.
Unter den Jobs versteht man im die Fähigkeiten, die ein Charakter benutzen kann. Diese könnt ihr während eines Kampfes jederzeit wechseln. Dabei wechseln aber nicht nur einfach die Fähigkeiten des Charakters, nein, wie sich einige bei dem Namen Kostümpalette sicher schon gedacht haben, wechselt zudem noch das komplette Outfit des Charakters. Grafisch gehört dieser Kostümwechsel eindeutig zu den Highlights in Final Fantasy X-2, denn die verschiedenen Kostümwechsel werden von kurzen Zwischenspännen begleitet. Das oft nötige Wechseln der Kostüme bringt reichlich Abwechslung auf den Bildschirm, auch wenn die meisten Kostüme bei allen Protagonistinnen dieselben sind, da hätten wir uns etwas mehr Kreativität seitens SqureEnix gewünscht. Je öfter ihr ein Kostüm im Kampf einsetzt, umso schneller wird es mit mehr Fähigkeiten ausgerüstet. In taktischer Hinsicht offenbart sich das Jobsystem schnell als eine der wahren Stärken von Final Fantasy X-2, ständig müsst ihr schauen mit welchen Kostümkombinationen ihr eure Gegner am besten zur Strecke bringt. Andererseits kann der falsche Einsatz der Kostüme auch schnell dazu führen, dass eure Protagonistinnen vorzeitig das Zeitliche segnen und eventuell für die späteren Gegner nicht mehr stark genug sind.
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