Gesamtwertung69%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegMangelhaft |
BedienungGut |
God Hand erzählt die Geschichte vom Bösen und einem anscheinend unfreiwillig Guten: Gene ist die Hauptfigur, um den sich eine wirre Story dreht. Das heißt, es dreht sich vor allem um seine rechte Hand bzw. den rechten Arm. Der wurde Gene abgehackt, jedoch durch Zufall und Fügung durch die so genannte God Hand ersetzt: Eine göttliche Waffe, vor der sich menschliches und übermenschliches Gesindel fürchtet.
Eine ausgeklügelte Story stünde nur im Weg. Stattdessen beschränkt sich die Erzählung auf beliebte Elemente: Gene sucht Rache für den verlorenen Arm, hilflose Menschen Schutz vor brutalen Bösewichten. Und die Bösewichte, die suchen die göttliche Faust. So zieht es den Helden in ungefähr zehn Spielstunden durch die Welt. An seiner Seite eine Gefährtin, die sporadisch in kurzen Zwischensequenzen und als Pin-Up-Girl im Menü auftaucht; zu der er zudem ein recht angespanntes Verhältnis zu haben scheint.
Baukasten und Shop für Kampftechniken
Die Story ist nicht sehr gehaltvoll, das Arsenal verschiedener Angriffstechniken und Combos aber um so größer. Insgesamt enthält das Spiel 114 Angriffstechniken mit teils merkwürdigem Namen: Kniekracher, Bezahlen oder Rückfaust mit Spin. Zum Großteil werden sie erst mit entsprechendem Spielfortschritt in einem Shop freigeschaltet oder als Belohnung in der Spielwelt versteckt. Hunderte Tastenkombinationen muss aber niemand lernen. Statt dessen baut man sich die Combos selbst zusammen und entscheidet, mit welcher Standard-Tastenkombination sie ausgelöst werden. Das ist ein recht ungewöhnliches, zugleich sehr gut umgesetztes Feature.
Abseits der Wege
Der Shop mit Angriffs- und Roulettetechniken sowie Power-Ups ist außerhalb des Spielgeschehens immer dann erreichbar, wenn auch der aktuelle Fortschritt gespeichert oder geladen werden kann. Eine Besonderheit ist die Möglichkeit, ungeliebte Kampftechniken wieder verkaufen zu können.
Zur Geldvermehrung steht neben dem Shop ein Casino. Aus ein paar Credits werden da am Spielautomaten oder Blackjack-Tisch gleich mehrere. Oder deutlich weniger. Wer über 100.000 Geldstücke besitzt, hat zudem Zugang zu einem exklusiven Bereich.
Eine dritte Instanz außerhalb des eigentlichen Spieles stellt der Extreme Fighting Ring, eine Kampfarena, dar. Dort warten etliche Herausforderungen mit mehreren Gegnern.
Zum Üben nicht schlecht, vorausgesetzt, der erste Level des Spiels wurde vorher beendet. God Hand Frischlinge erhalten nämlich keinen Einlass.
Göttliches Roulette
Rollkick, Roundhouse und Pimphand hin oder her, die heimlichen Stars unter den Angriffstechniken sind die Roulette-Moves sowie die God Hand. Um letztere zu aktivieren, wird eine Spezialkraft benötigt, die durch die herkömmlichen Tritte und Schläge aufgeladen wird. Eine Leiste informiert über den Füllstand. Ist sie voll, erhält man mittels Tastendruck für nur wenige Sekunden die göttliche Superpower God Hand. Gene ist für diese wenigen Augenblicke unbesiegbar, kann zugleich unheimlich schnell auf die Gegner einschlagen und eintreten. Welche Handgriffe und Techniken man hier anwendet, sollte gut durchdacht sein. Schließlich ist es sinnlos, den Kontrahenten zehn Meter weit zu stoßen, wenn die göttliche Superkraft doch nur wenige Sekunden anhält.
Die Roulettetechniken können ein wenig öfter angewendet werden, sind dafür nicht ganz so schlagkräftig. Der Name Roulette leitet sich dabei wohl von der Art und Weise der Auswahl dieser Techniken ab: Bei gedrückter R1-Taste friert das Spielgeschehen ein und es werden die verfügbaren Techniken dargestellt. Schnell muss man dann wählen und bestätigen, sonst verschwindet die Chance auf La Bomba oder Feuerkugel wieder.
Auf und ab im Schweinsgalopp
Aufstieg und Niederlage liegen beim integrierten Level-System nah beieinander. Höchstens einen dritten Level kann Gene erreichen. Und das nur, wenn man nicht zu viele Schläge der Gegner kassiert. Sonst steigt er schnell wieder ab. Aber welche Vorteile hat ein höherer Level? Gar keinen! Tatsächlich wird das Spiel mit höherem Level nur schwerer, schlagen Gegner härter und schneller zu. Das Levelsystem wird so zu einem zweiten Schwierigkeitsgrad im Spiel. Wer ohnehin nur mit Mühe in die nächste Etappe kommt, wird nur selten und wenn, dann nur für kurze Zeit über den ersten Level hinauskommen.
Ganz und gar Capcom
God Hand ist knackschwer. Selbst im einfachsten von drei Schwierigkeitsgraden ist das Spiel eine Herausforderung. Aber nichts anderes sind wir von Capcom gewöhnt. Immerhin ist eine Niederlage nicht ganz so zerschmetternd wie bei anderen Spielen, weil jede Stufe in mehrere kurze Etappen unterteilt ist, nach denen je gespeichert werden kann, wirft der schnelle Tod nicht so weit zurück.
Für manchen Frust sorgen vor allem schwer bezwingbare Dämonen und Bossgegner. Letztere tauchen nur am Ende jeder Stufe auf, Dämonen entfleuchen hingegen den Körpern ganz normaler Gegner. Wer für diese schnellen und angriffsstarken Widersacher nicht noch ein wenig Götterkraft übrig hat, verliert sein Leben zügig.
Schnell gibts also eins auf die Nase, sinkt die Energieanzeige. Zum Wiederauffüllen lagern Früchte in zahlreichen Kisten und Fässern. Ebenso sind dort Spielkarten oder Geldsäcke versteckt, die Knete bringen. Beides hinterlassen aber ebenfalls gefallene Gegner.
Hart, aber (für manche) witzig
Der Humor ist deftig, brutal. Beleidigungen sowie tuffige Show-Tänzer fliegen durch die Luft, Arme werden abgetrennt. Für sexuelle Anzüglichkeiten ist sich das Spiel ebenfalls nicht zu schade.
Nicht brutal, aber ebenso witzig, ist die Wahl des Soundtracks. Der ist durchaus abwechslungsreich und nimmt das jeweilige Setting gekonnt aufs Korn. Beim Kampf gegen Boss Elvis tönt beispielsweise eine Parodie auf den King des RocknRoll. Auch sonst ist das naiv-fröhliche Geklimper ein starker Gegensatz zum brutalen Spielprinzip und sollte für einige schon Motivation genug sein, God Hand bis zum Ende durchzuspielen.
Flucht ist bei God Hand die beste Verteidigung. Eine Möglichkeit, Angriffe zu blocken, gibt es nämlich nicht. Dafür können das die Gegner, deren Verteidigung aber spezielle Schläge durchbrechen.
Mit dem rechten Analog-Stick weicht Gene den Angriffen der Gegner aus, kann nach links, rechts und im Salto nach hinten fliehen. Und das ist wichtig. Denn wer sonst nichts vom Ausweichen oder Blocken hält, bei Kampfspielen also immer offensiv spielt, wird zumindest bei God Hand den Rückzug antreten müssen.
Tatsächlich werden Siege gegen Bossgegner vor allem durch gekonntes Ausweichen und präzis platzierte Schläge errungen.
Ein starker Rücken kann auch entzücken
Bei so vielen Gegnern und Kampftechniken bliebe für die Kameraführung nur wenig Zeit. Die ist deshalb gleich gar nicht beeinflussbar. Statt dessen hängt sie unerschütterlich in Third-Person-Perspektive direkt hinter dem Protagonisten. Das ist gewöhnungsbedürftig und geht trotzdem ganz gut, solange nicht mehrere Angreifer in nächster Nähe warten. Denn sonst greift schnell mal einer aus dem Hinterhalt an. Als Spieler kann man dagegen nur wenig tun. Man sieht den Aggressor ja nicht.
Immerhin verschafft ein kleiner Radar eine Ahnung davon, wie viele Gegner herumstehen. Er zeigt in Relation zur Hauptperson nämlich die Position unmittelbarer Bösewichte an.
Angestaubte Optik
Der Wilde Westen war kein schöner Ort. Filme stellen ihn stets als staubig und trist dar. Und so erwartet man nicht viel, wenn das Spiel in einer kleinen Westernstadt beginnt. Nüchtern und karg sieht es da aus. Aber so ist nicht nur die Prärie, sondern so ist das gesamte Spiel.
Ganz gleich wo man sich in God Hands Welt befindet, für etliche Möbel und Details ist dort noch jede Menge Platz. Fast scheint es, als dienten die paar Wände nur als Mittel zum Zweck. Damit Gene und Bösewichte ein Dach über dem Kopf haben, wollen sie nicht nur im Freien um die göttliche Macht kämpfen. Besonders stabil gebaut sind die Häuser dabei nicht. Durch fast jede Wand kann man nämlich durchgucken, Nähe zur Wand und den richtigen Winkel vorausgesetzt.
Ganz anders die Modelle und Texturen von Gene und Gegnern: Für PS2-Verhältnisse sind die sehr detailliert, stellen alles andere in diesem Spiel in den Schatten. Ebenso gut gelungen sind die Animationen der Kampftechniken. Die unterscheiden sich deutlich voneinander und verlangen von Gene ganzen Körpereinsatz. Und für die Roulettetechniken gibt es sogar noch ein paar optische Effekte.
Letztlich wird das Spiel wohl nur Freunden von alten 2D-Prüglern und Fans des Hardcore-Buttondrückens gefallen. Das ist Schade, denn die abstruse Story lockt auch die, die noch keinen Nintendo- respektive PlayStation2-Daumen haben.