God of War 2

Review
Plattform
Sony Playstation 2
Vertrieb
Sony
Entwickler
Sony
Erscheinungsdatum
-
Genre
Abenteuer
USK
18
God of War 2 [PS2 , looki.de]

Gesamtwertung

93%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Sehr gut

God of War 2

Es gibt vergleichsweise nur wenig Spiele auf der PlayStation 2, die die Messlatte so hoch legen, dass sich alle nachkommenden Titel daran messen müssen. Die teuflisch-brutale Schnetzelorgie God of War erschien erst anno 2006 in Deutschland, obwohl es bereits seit einem Jahr im Ausland erhältlich war. Neben der brachialen Gewalt überzeugte das Game aber vor allem durch sein einzigartiges Gameplay, sehenswertes Leveldesign und eine Optik, die man vorher nie und nimmer auf der PS2 vermutet hätte. Ergo: God of War heimste Wertungen jenseits der magischen 90%-Grenze ein, war kommerziell erfolgreich und schrie – „dank“ eines fiesen Cliffhangers - nahezu nach einem Sequel. Hat uns Kratos auch diesmal überzeugt? Ihr erfahrt es in unserem Review!

Gib ihm eins auf die Umme!

God of War 2 setzt zeitlich fast genau da an, wo sein Vorgänger aufgehört hat: Kratos hat Ares vom göttlichen Thron gekickt und fristet nun recht unbefriedigt sein Dasein als Kriegsgott. Immer noch plagen unseren Protagonisten Hass- und Rachegefühle wegen dem Tod seiner Frau und seines Kindes. Dementsprechend ungesättigt geht Kratos bei seinem Arbeitsalltag vor: Der Gott macht jede feindliche Stadt dem Erdboden gleich und kreuzt dabei die Interessen des Olymps. Mentorin Athene betrachtet dies eher argwöhnisch und fürchtet schleichenden Größenwahn. Also was macht sie? Natürlich, ihren „Schützling“ im Zaun halten. Als Kratos in gigantomanischem Ausmaße gerade die feindliche Stadt Rhodos zerstören will, erweckt sie den Koloss von Rhodos zum Leben und schrumpft Kratos zurück zu menschlicher Größe. Der riesige Koloss bahnt sich den Weg durch die Ruinen der Stadt, in der gerade eine brutale Schlacht tobt und hat nun uns auf dem Kieker.

Von hier an darf der Spieler eingreifen, aber was ist das? Ein Bosskampf direkt zu Beginn des Abenteuers? Ja, das ist wirklich ungewöhnlich, dafür wird aber das Spiel auch mit einem lauten Paukenschlag begonnen, der es wahrlich in sich hat und inszenatorisch zum Besten gehört, was die mittlerweile fast sieben Jahre alte PlayStation 2 je hervorgebracht hat. Schon beim Intro stimmt einfach alles: Spannungsaufbau, Kameraperspektiven und natürlich jede Menge Action. Womit wir auch schon beim Wichtigsten angekommen wären: die Action eben.

Furioser Einstieg...

Direkt von Beginn geht es in die Vollen: Da schlägt der fiese Koloss dank Skript ganze Mauern ein und reisst Soldatenscharen mit sich oder wahre Glasscherben-Jahresvorräte werden uns bei einer Attacke entgegen geschleudert. Und wir sind mittendrin! Während unser Widersacher im Hintergrund wütet, schnetzeln wir uns bereits durch die ersten Gegnerhorden. Anfangs noch mit maximaler - quasi „göttlicher“ - Stärke auf den Rippen, hagelt es einen Combo nach dem Nächsten.

So geht es dann auch eine ganze Zeit weiter, der Bosskampf erstreckt sich schließlich über mehrere Etappen: Wir schleudern uns beispielsweise per Katapult auf die Stirn des Riesen und ritzen dem Guten gleich einmal ein paar hübsche Muster auf die Visage und den Körper. In Sequenzen wie dieser kommt es darauf an, im richtigen Moment die angezeigte Taste zu drücken. Wir müssen also schnell reagieren, sonst schickt uns der Titan auf die Bretter. Auch hier muss man einfach wieder die genialen Kamerafahrten erwähnen: Das Geschehen wird immer so spannend wie nur möglich in Szene gesetzt, stetig in Ruhe verharrende Bilder findet man in God of War 2 sowieso zu keiner Zeit.

Auge um Auge...

Der Kampf geht weiter und wir befinden uns auf einer Art Terrasse, an der wir dem Giganten ausgeliefert zu sein scheinen. Doch plötzlich wird uns Hilfe von Zeus höchstpersönlich angeboten, der dann auch gleich mal das Schwert des Olymps auf den Boden pfeffert, dass wir uns nach mehrmaligen Versuchen endlich unter den Nagel reissen können. Damit dringen wir endlich in das Innere des Kolosses vor, metzeln gegnerische Truppen nieder und zerstören das äußerst lebhafte Wahrzeichen von Rhodos von innen heraus. Ende gut, alles gut?

Alles andere als gut ergeht es Kratos in der folgenden Sequenz: Wir erfahren, dass das Schwert des Olymps nur ein Trick von Zeus war. Die Waffe entzog unserem Protagonisten nämlich seine göttliche Macht, folglich ist er nun sterblich. An Dramaturgie ist die nun anschließende Szene nicht zu übertreffen: Kratos verliert allmählich seine Rüstung und wankt wie ein Krüppel nach dem vermeintlichen Sieg zu seinen spartanischen Soldaten. Diese stellen laut und regelrecht verstört wirkende Fragen wie „Was ist mit unserem Gott passiert?“ oder „Wie kann das nur möglich sein?“. Die drohende Gefahr wird zudem mit bedrückender Musik und einem lauten Windpfeifen unterstützt. Mit einem lauten Knall erscheint schließlich Zeus, rammt uns sein Schwert in die Brust und wir müssen mitansehen, wie der oberste griechische Gott mit einer erbarmungslosen Druckwelle unsere gesamte Armee auslöscht. Wir sterben jedoch nicht, sondern werden von Hades in die Unterwelt entführt und dort auf einen brutalen Rachefeldzug vorbereitet. Hier fährt God of War 2 dann erst einmal zu Hochtouren auf.

Begeisterungsstürme noch und nöcher...

Ihr merkt schon, wie begeistert wir vom Nachfolger eines der besten Spiele des Jahres 2006 sind. Das ist unter anderem auch daran erkennbar, dass wir bisher nichts anderes beschrieben haben als gerade einmal den ersten Abschnitt des Spiels, der es dafür aber in sich hat wie noch kein anderes Spiel es in letzter Zeit je aufbieten konnte. Die Dramaturgie und die Inszenierung sind in etwa vergleichbar mit Hollywood-Blockbustern, selten konnte ein Spiel nur allein durch spannende Sequenzen so sehr an den Bildschirm fesseln wie God of War 2.

Wer jetzt denkt, dass das Spiel nach dem bombastischen Auftakt gleich wieder einen Gang zurück fährt, täuscht sich gewaltig. Das Gegenteil ist der Fall, denn ein Highlight jagt das Nächste: in der Unterwelt kraxeln wir an organisch wirkenden Wänden entlang und weichen dabei dämonischen Fangarmen aus, stellen uns mit unserem Greif gefahrvollen Bedrohungen in hunderten Metern über dem Meerespiegel, erlösen mythisch nicht ganz korrekt Prometheus – eigentlich war es nicht Kratos, sondern Herakles - von seinen unendlichen Qualen, legen uns mit meterhohen Zyklopen an oder berauben Ikarus in einem coolen Bosskampf seiner Flügel. Man könnte also grob sagen, wir prügeln, schnetzeln und metzeln uns in God of War 2 durch die gesamte griechische Mythologie. Als historisch erwiesen gilt auch die spartanische Brutalität, Unbarmherzigkeit und der Wille, alles zu tun, nur nicht aufzugeben. Dieses Bild, das seit langem in den Geschichtsbüchern und Filmen wie dem Schlachtengemälde „300“ über die spartanische Kriegsmentalität gezeichnet wird, ist in gewissen Zügen auch bei Kratos zu finden.

Exorbitante Blutspende!

Keine Reue und kein Erbarmen kennt „der Geist von Sparta“ mit seinen Gegnern: In den zahlreichen Scharmützeln werden neben eimerweise Blut auch gleich noch Extremitäten, Köpfe und Augen über die Szenerie verteilt. In Sachen Gewalt legt God of War 2 im Vergleich zum Vorgänger noch einmal eine ganze Schippe drauf. Greifen wir uns geschickt einen Feind, wird dieser von uns auch schon mal so heftig auf die Bretter geschickt, dass er in seine Einzelteile zerlegt wird. Zudem wird abgestochen, abgerissen und umgeknickt, was der Körper unserer Feinde hergibt.

Damit unsere Angriffe gegen die immer stärker werdenden Feinde – das Repertoire wartet zum Beispiel mit Minotauren, Sirenen, Zyklopen, Harpyien oder Greifen auf - nicht irgendwann nutzlos werden, müssen wir wie schon in Teil eins sogenannte Orbs sammeln. Diese gehen zum Beispiel nach erledigten Gegnern in unseren Besitz und dienen zum Upgraden unserer Fähigkeiten. Dieses Rollenspielelement ist wie damals jedoch nur rudimentär vertreten, durch Levelaufstiege erlernen wir neue Combos und Magieattacken. Ab einem gewissen Zeipunkt des Spiels bekommen wir zudem eine Art „Rage-Modus“ - Kratos ist dafür im wörtlichen Sinne Feuer und Flamme - spendiert, der wie schon im Vorgänger noch brutalere Angriffe ermöglicht. Aber nicht nur mit seinen Klingen stiftet Kratos jede Menge Unheil, auch ein göttlicher Hammer, ein magischer Bogen sowie das eingangs erwähnte Schwert des Olymps resultieren in einer brachialen Sauerei der Extraklasse.

Kopfnüsse ohne Kopfschmerzen...

Doch nicht die Feinde allein bereiten Kratos Kopfzerbrechen: An einigen Stellen, die immer wieder hier und da im Spiel verstreut wurden, gilt es verschiedene kleine Rätsel zu lösen. Sei es das bloße Verschieben einer Statue auf einen Schalter, der uns eine Tür öffnet, oder Geschicklichkeitseinlagen wie das Balancieren auf dünnen Holzmasten, während sich unter uns gerade einige Bogenschützen auf uns eingeschossen haben. Allzu schwer sind die Knobeleien und Reaktionstests jedoch nicht und weitaus weniger vertreten als im ersten Teil, der zum Beispiel gerade zu Anfang mit einer tückischen Kistenschieberei die Nerven der Spieler auf die Probe stellte.

Kommen wir zum Umfang des Spiels: 22 Kapitel sind es insgesamt geworden und wir dürfen frohen Mutes verkünden, dass viele davon recht lang geworden sind. Die durchschnittliche Spielzeit schlägt somit die von God of War um Einiges. Hinzu kommen beim eigentlichen Durchspielen des Storymodus Items wie Gorgonen- oder Zyklopenaugen, die die Größe von Kratos' Lebens- und Magieleiste anwachsen lassen.

Gerade in höheren Schwierigkeitsgraden sollte man deshalb mehr als beide Auge offen halten. Hat man sich durch einen der anfangs zur Verfügung stehenden Schwierigkeitsgrade gefightet, warten neben dem ultra-anspruchsvollen „Titan-Modus“ Extras wie zusätzliche Kostüme, Renderfilme in HD-Qualität oder eine Reihe von zeitlich begrenzten Bonusprüfungen auf unsere Sichtung. Alles in allem lohnt es sich also mehr als einmal, sich mit Kratos durch Gegnerströme zu metzeln.

Beeindruckende Technik!

Über die Optik könnte man soviele Worte verlieren und doch reichen so wenige: „Mann, sieht das geil aus!“ Außer den teils matschigen Texturen – es ist halt immer noch eine PS2 – und kleineren Rucklern überzeugt das Action-Spektakel mit bombastischen Spezial-Effekten, detaillierten Schatten, hervorragenden Übergängen zwischen Ingame- und Rendersequenzen, Überblend- und Motion Blur-Effekten, riesigen und oftmals einfach nur wunderschönen Außenarealen und überzeugenden Animationen. Welches PlayStation 2-Spiel konnte das bisher schon von sich behaupten - außer Teil eins nur wenige Titel.

Den gleichen pompösen Stil darf man auch auf akustischer Seite erwarten: Nahezu jede einzelne Spielsekunde wurde mit einer perfekt-stimmigen orchestralen Hintergrundmusik unterlegt, hinzu kommen die gut gewählten deutschen Synchronsprecher. Noch besser sind hier allerdings die englischen Pendants, für die man sich vor Eintritt ins Hauptmenü entscheiden kann, aber nicht muss. Keine Frage, auch die Soundeffekte sind nahezu grandios, es lebe das Surroundsystem mitsamt dicken Subwoofer. Erst hier entfaltet God of War 2 eine spürbare Wucht, die ihresgleichen sucht.

Fazit

Heilige Scheiße, was für ein geiles Game! Bin ich etwa nach der hammerharten Dauersession mit Kratos dazu verpflichtet, mich hier hochtrabend und distanziert darüber auszulassen, wie genial ##God of War 2 doch ist? Ich denke nicht. Die Entwickler machen im Nachfolger nichts grundlegend anders als im Vorgänger, aber die Mentalität typischer Sequels hat God of War 2 mit großen Löffeln gegessen: Größer, schöner und vor allem noch cooler präsentiert sich der Nachfolger im Vergleich zu Teil eins.

Was gibt es Schöneres, als einen Teil der griechischen Mythologie einfach mal auf den Kopf zu stellen und in beeindruckender Art und Weise auf die Kacke zu hauen? God of War 2 gibt mir dieses Gefühl, eine Ein-Mann-Übermacht zu sein, nicht zuletzt wegen des charismatischen Anti-Heldens. Ich bin bereit für einen dritten Teil, hoffentlich kann dieser genauso bitterböse und dreckig-brutal unterhalten, wie mich God of War 2##zitat| unterhalten hat.

God of War 2 [PS2 , looki.de]

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