Gesamtwertung95%/10 |
GrafikSehr gut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungSehr gut |
Endlich haben auch wir PALianer die Ehre, uns hinter die Lenkräder der virtuellen Karossen in Gran Turismo 4 klemmen zu dürfen. Kaum ein anderes Spiel hat im Laufe seiner Entwicklungszeit für so viel Aufregung gesorgt wie Sonys Edelracer. War die beständige Verschiebung des Releasetermins noch ein vergleichbar kleines Übel, glich die Streichung des so heiß ersehnten Onlinemodus einem Schlag ins Gesicht. 'Ist es ohne Onlinemodus denn überhaupt möglich, den ohnehin schon genialen Vorgänger zu übertreffen?', so lautet die oft gestellte Frage, die in unserem Test beantwortet wird.
Wieder einmal trennt sich die Spielerfahrung in GT4 in zwei Modi: Gran Turismo und Arcade. Treue Fans der Serie wissen, dass sich Einzelspieler in erster Linie die Nächte mit dem Gran Turismo-Modus um die Ohren schlagen werden, dem eigentlichen Herzstück des Spiels. Fix angeklickt und schon werdet ihr mit dem sehr eigenwilligen Menüdesign in Form einer einzigen großen Weltkarte konfrontiert. Von hier aus könnt Ihr einzelne Autohersteller aufsuchen, Eure Errungenschaften in der Garage bewundern oder themenbasierte bzw. zugangsbeschränkte Rennen starten. Unterschieden wird nach Baujahr, PS, Reifen, Herkunftsland, Art des Antriebes und all den anderen Faktoren, die ein Fahrzeug eben ausmachen.
Mit anfänglichen 10.000 Cr. sind richtige Autos natürlich nicht erschwinglich, aber da der Gebrauchtwagenhändler um die Ecke sicherlich das ein oder andere schmucke Stückchen parat hat, ist ein erster fahrbarer Untersatz schnell gefunden. Alternativ dazu empfiehlt sich ein Einstieg über die Lizenzprüfungen, die den Spieler in keiner Weise so überfordern, wie es beim dritten Teil stellenweise der Fall war. In insgesamt fünf Kategorien inklusive der Lizenz für Spezialrennen - eine separate Rallyelizenz wurden wegrationalisiert - müsst Ihr in je 16 einzelnen Prüfungen euer Können unter Beweis stellen. Schritt für Schritt lernt der Anfänger den Umgang mit schwachbrüstigen Blechschleudern bis hin zu monströsen PS-Boliden in Kurven und Schikanen, wobei geübte Fahrer selbst beim ersten Versuch schon das rettende Bronze gewinnen sollten. Nach einem erfolgreichen Abschluss einer Lizenz gibt es ein neues Fahrzeug für Eure Garage.
Wenn Entwickler einen Vorgänger übertreffen möchten, gibt es für sie stets mehrere Optionen: Man kann die negativen Aspekte beseitigen, positive Aspekte weiter ausbauen oder gänzlich neue Wege gehen. Polyphony Digital hat sich für die beiden letzten Varianten entschieden, was angesichts der Mängel gegenüber anderen Rennspielen etwas schade ist. Doch dazu später mehr. Die große Stärke ist und bleibt die Fahrphysik, welche in GT4 noch einmal einen Deut besser erscheint. Jedes Fahrzeug verströmt seinen eigenen Charme, unbedachte Bremsmanöver enden mit ungewollten Ausritten, getimtes Schalten bringt deutliche Vorteile mit sich und selbst Unebenheiten beim Belag, besonders auf der Nordschleife zu beobachten, wirken sich deutlich auf das Verhalten der Fahrzeuge aus.
Über alle Zweifel erhaben ist die grafische Güte der über 700 (!!) Fahrzeugmodelle. Egal ob Karossen vom Autohändler um die Ecke, Edelsportwagen aus Amerika, Geländewagen, Leichtbaumodelle aus dem Land der aufgehenden Sonne, DTM-Boliden, Konzeptfahrzeuge hier findet jeder seinen Jugendtraum. Alleine die schiere Masse entschädigt das neuerliche Fehlen eines Schadensmodells.
Um jederzeit konkurrenzfähig zu bleiben, empfiehlt sich ausgiebiges Tunen der schmucken Karren. Neue Bremsscheiben, Kupplung, Gewichtsreduzierung, Karosserieversteifung, Rennreifen. Faszinierend ist nicht bloß die enorme Vielfalt, sondern vielmehr, dass sich alle Änderungen merklich auf das Fahrverhalten auswirken. Daher ist es sinnvoll, in der hauseigenen Werkstatt das Vehikel exakt auf die vorherrschenden Witterungsbedingungen anzupassen, damit auch in Zukunft Preisgelder eingefahren werden können. Optisches Tuning ist allerdings nur in sehr kleinem Rahmen möglich. Ein paar neue Felgen hier und ein Spoiler da, schon hat der Spaß ein Ende.
Neuland wird außerdem mit dem NOS-Boost, besser unter dem Synonym Lachgaseinspritzung bekannt, betreten. Was in reinrassigen Arcaderacern von allerlei grafischen Spielereien begleitet wird, geht hier ganz nüchtern über die Bühne, verschafft für einige Zeit jedoch etliche zusätzliche PS.
Wesentlich besser gelungen sind die weiteren Neuerungen, wie etwa der B-Spec-Modus. Ihr besetzt als Rennleiter die virtuellen Bildschirme der Box und dirigiert euren Schützling während des Renngeschehens. Wie schnell soll er fahren? Wann soll er zur Box kommen? Auf der Gerade überholen? Auch wenn der Einfluss des Spielers nur geringer Natur ist, eine gelungene Abwechslung ist es dennoch.
Auf den ersten Blick als bloßes Gimmick verschrien, entpuppt sich der ebenfalls frische Fotomodus als wahrer Freizeitkiller. Mit Hilfe einer im Großen und Ganzen frei bewegbaren Kamera dürfen Hochglanzschnappschnüsse der Edelkarossen vor vorgefertigten Kulissen oder aus Replays heraus geschossen werden - Alles in einer Auflösung von 1280*960 Pixel! Mit einfachen Tricks wie dem Neigen der Kamera oder künstlicher Unschärfe entstehen so fantastische Aufnahmen, die auf der Memory Card gespeichert werden, um sie später im Dia-Modus samt passender Musikuntermalung zu bewundern. Besitzer eines USB-Druckers bringen die Bilder auf Papier, was angesichts der damit verbundenen Kosten wohl eher weniger Verbreitung finden wird. Praktischer ist da schon die Möglichkeit, die vorhandenen Fotos mit Hilfe eines USB-Sticks (MP3-Player eignen sich in vielen Fällen ebenfalls dazu) auf den PC zu bringen, um gehörig vor seinen Freunden angeben zu können.
Wem der Splitscreenmodus nicht zusagt, darf bis zu sechs Konsolen via Netzwerkkabel miteinander verbinden. Auch hier seid Ihr vor anderen CPU-Fahrern und alternativen Spielmodi sicher. Abgerundet wird das Gameplaypaket durch neue Fahrmissionen im GT-Modus und Rennen unter Spezialbedingungen. Überholt eine bestimmte Anzahl von gegnerischen Fahrzeugen unter Zeitdruck oder weist die Kontrahenten mit einem gleichwertigen Auto in die Schranken. Die Spezialbedingungen führen Euch zumeist auf Strecken mit variierenden Untergründen, sei es regennasser Asphalt, Matsch oder sogar Schnee. Grafisch aufwändig umgesetzte Witterungsverhältnisse wie zum Beispiel hübsche Regeneffekte wurden aber leider auch im neusten GT-Ableger nicht realisiert.
Wieder vorbildlich geht es beim Sound zur Sache. Neben den standardmäßig aktivierten europäischen Stücken sind zusätzlich die amerikanischen und japanischen enthalten, womit sich die Gesamtzahl auf 97 (!) Songs beläuft. Aufgrund der unterschiedlichen nationalen Geschmäcker finden sich Stücke aller Genres, sei es nun Rock von Feeder über Metal von Judas Priest, Techno, House bis hin zu Klassik mit Mozart, Beethoven und Claude Debussy. Etwas blass und eintönig wirken hingegen erneut einige Motorensounds - etwas mehr Biss würde den Boliden sicherlich gut stehen.