Rockstars Aufgabe war dementsprechend schwer. Sie mussten mit dem neuen Teil alle vorangegangenen übertreffen, die Spielwelt noch größer machen und dem Spieler einiges mehr an Handlungsfreiheit geben. Angesichts von Vice City eine nicht ganz einfache Aufgabe, doch ihr sollt euch noch freier bewegen, mehr Gebäude betreten und mit noch mehr Vehikeln Luft, Land und Wasser erobern können.
Yo my homie, whats up nigga?
Ihr seid Carl Johnson, genannt CJ. Vor fünf Jahren zog es euch von der West- an die Eastcoast, in die, Fans nicht unbekannte, Stadt Liberty City. Dort wurdet ihr sauber und habt mit der Kriminalität abgeschlossen. Doch leider wirft euch die Ermordung eurer Mutter aus der Bahn und ihr kehrt deshalb zurück in euer altes Viertel, in Los Santos. Bereits am Flughafen wird euch von korrupten Cops ein nicht begangener Mord an einem Polizisten angehängt. Doch auch in eurem Viertel ist die Freude über eure Rückkehr zweigeteilt. Besonders euer Bruder denkt noch immer, dass ihr die Gang damals im Stich gelassen habt. Ihr müsst euch daher erstmal den Respekt der anderen verdienen.
Diesen Respekt erhaltet ihr, indem ihr Missionen für eure Homies erfüllt, euch passend kleidet oder auch die Mitglieder der gegnerischen Gangs über den Haufen knallt. Über diese Missionen kommt ihr dann auch immer wieder an neue Auftraggeber. Ihr holt zum Beispiel in einer Mission ein ehemaliges Gangmitglied aus dem Knast ab und helft ihm anschließend immer wieder bei seiner Karriere. So kommen, wie schon in den Vorgängern, die verwundenen Handlungsstränge der Story zustande. Die Steuerung ist GTA-typisch sehr eingängig und sowohl Anfänger wie auch die alten Hasen beherrschen CJ binnen weniger Minuten perfekt. Auch die ersten Missionen dienen eher dazu die Möglichkeiten, die ihr habt, kennen zu lernen und mehr Gefühl für das Fahren der Vehikel und den Umgang mit Waffen zu erlernen. Besonders die Waffen sorgten in den Vorgängern auf Grund ihrer teilweise zu komplexen Handhabe bei manchen Missionen immer wieder für Frust und Ärger. Daher hat man sich die Kritik zu Herzen genommen und das Zielsystem komplett überarbeitet.
Euer Protagonist zielt auf Befehl nun immer direkt auf den nächsten Gegner und das Wechseln zwischen den einzelnen Gegnern ist um einiges flinker geworden. Dazu gibt es für nahezu jede Waffe eine manuelle Zielerfassung, die es euch erlaubt, auf bestimmte Körperteile des Gegners oder auf die Benzintanks der Autos zu feuern.
Jeder weiß, wie schwer es ist, mit einem Controller zu zielen. Glücklicherweise haben die Entwickler dieses System extrem gut an die Konsole angepasst, weshalb das punktgenaue Schießen auch eingefleischten Mausnutzern bald leicht fällt. Die Story von der zerrütteten Gang, die ihr wieder zusammenflicken müsst, korrupten Polizisten und ewigen Bandenkriegen packt euch direkt und wirft euch mitten ins Geschehen. Abwechslungsreiche Storymissionen und eine Vielzahl unterschiedlicher Nebenmissionen sorgen dafür, dass niemals auch nur ansatzweise Langeweile aufkommen kann. Und wenn ihr mal keine Lust habt, euch mit schießwütigen Gangmitgliedern herumzuschlagen, setzt ihr euch einfach in das nächste Auto und braust durch die riesige und abwechslungsreiche Stadt. Und wenn euch die Lust aufs Autofahren vergangen ist, setzt ihr euch halt in ein Boot und düst über das Meer. Wenn ihr auch das nicht mehr mögt, radelt ihr halt mit eurem BMX an den malerischen Stränden entlang oder aber ihr fahrt mit einem Trecker hinaus aufs Land, vorbei an grünen Wiesen, wunderschönen Landschaften und riesigen Bergen.
Das Spiel hat dem Auge einfach dermaßen viel zu bieten, dass der Begriff Langeweile spätestens jetzt endgültig aus dem Duden gestrichen werden sollte. Riesiges Erstaunen löste die Ankündigung aus, dass ihr Essen zu euch nehmen müsst und dieses sich sogar auf eure körperliche Verfassung auswirkt. Dass dies kein Trick war um an Käufer zu kommen, wissen wir spätestens jetzt aus erster Hand. Überschüssiges Fett könnt ihr in den örtlichen Fitnessstudios abtrainieren, um danach euren Körper weiter bis hin zum wahren Muskelberg zu stählen. Solltet ihr allerdings eher faul sein und euch nur von Burgern und Pizza ernähren, werdet ihr bald aussehen wie ein Fleischbällchen auf meinen gestrigen Spaghetti: braun und Kugelrund. Doch ihr solltet aufpassen, dass ihr nicht zu viel esst, sonst übergebt ihr euch mitten im Restaurant und bekommt wieder ein Stück Energie abgezogen. Nicht nur euer Aussehen und eure Kondition werden von eurer körperlichen Verfassung beeinflusst, auch eure Umwelt reagiert auf euch. Entweder werdet ihr ausgelacht und angepöbelt oder aber man hat Respekt vor euch und gibt euch Komplimente. Doch mit Hilfe der Richtungstasten Rechts und Links könnt ihr eurem Gegenüber verraten, was ihr von seinem Spruch haltet.
Respect ist everything!
Erstmals ist es in San Andreas auch möglich, die äußerlichen Merkmale wie Kleidung, Frisuren und Tattoos den eigenen Wünschen anzupassen. Von reiner Glatze über Rastalocken und pinken Haaren bis hin zu einer stylischen Elvisfrisur, die örtlichen Friseure freuen sich auf euren Besuch. Je nachdem welche Frisuren, Tattoos oder Kleidung ihr tragt, steigt auch der Respekt euch gegenüber.
Ein schickes Designerjackett bringt dir mehr an Respekt als ein schäbiges T-Shirt aus dem Ramschladen. Doch nicht nur eure Kondition und Kraft kann sich im Laufe des Spiels verändern. Je nachdem wie viel ihr mit den Fahrzeugen und Waffen hantiert, steigen auch eure Skills in diesen Bereichen. Wenn ihr oft auf dem Rad durch die Gegen cruist, könnt ihr nach einiger Zeit immer höher hüpfen oder schneller rückwärts rollen ohne zu fallen. Beim Auto oder Motorrad verbessert sich dann merklich das Handling und ihr fallt nicht mehr so schnell vom motorisierten Zweirad. Bei den Waffen verhält es sich ähnlich.
Sobald eure Fähigkeiten mit einer Waffe steigen, könnt ihr euch während des Schießens bewegen oder sogar mit zwei Waffen gleichzeitig eure Gegner beharken. Auch während des Kampfes hat CJ nun mehr Möglichkeiten. Ihr könnt hinter niedrigen Mauern Deckung suchen und euch im Eifer des Gefechts schick abrollen, um hinter die nächste Deckungsmöglichkeit zu kommen. Sicherlich ist die Grafik von San Andreas nicht die allerbeste. Teilweise bauen die Texturen sich erst spät auf, sind nicht ganz so hochauflösend und an einigen Stellen fängt das Spiel leicht an zu ruckeln. Aber hey!
Die Spielwelt ist immens, Ladezeiten quasi gar nicht vorhanden und gekrönt wird das Ganze mit einer nie gesehenen Vielfalt an verschiedenen Plätzen, Charakteren und Fahrzeugen. Wer jetzt noch über die, bei weitem nicht schlechte, Grafik weint, der geht wohl auch zum Lachen in den Keller. Die gesamte Spielwelt von San Andreas ist knapp sechs Mal so groß wie Vice City. Also bitte!
Ja, das Warten hat sich definitiv gelohnt! Unsere Redaktion ist im Grand Theft Auto: San Andreas Fieber. Jeden Morgen wird sich mit Handschlag und YO MY HOMIE begrüßt, bevor wir den ersten Kaffee nach einer langen Nacht schlürfen. Wie auch schon beim Vorgänger ist die Beschallung durch die Radiosender dank der Einkäufe diverser Songs aller Kategorien der damaligen Zeit wieder ausgezeichnet. Ob Hip-Hop, Rock oder auch Country für jeden Geschmack ist etwas dabei. Nach der bisherigen Spielzeit von knapp 15 Stunden kommt immer noch keine Langeweile bei uns auf. Und da meine Wenigkeit die ganze Zeit mit den Zuhälternebenmissionen Kohle scheffelt, müssen wir wohl auch noch etwas spielen, bis wir die zweite Insel, San Fierro, unsicher machen dürfen macht aber auch nix!
GTA: San Andreas - Erste Eindrücke im Test.
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