Gesamtwertung85%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegSehr gut |
BedienungGut |
Wer die Grand Theft Auto-Serie nicht kennt, scheint auch noch nie etwas von PSOne, PlayStation 2 und dem heiligen Rechenknecht gehört zu haben, denn eben jene Vertreter der erfolgreichen, aber kontroversen Rockstar-Reihe avancierten binnen kürzester Zeit zu absoluten Hits.
Nachdem sich die kleine PlayStation Portable mit Vice City Stories bereits über das zweite Stück vom großen GTA-Kuchen freuen durfte, bekommt nun auch die PlayStation 2 eine letzte Portierung vor dem Renteneinzug spendiert. Wie sich Vice City Stories auf dem Konsolen-Opi schlägt, erfahrt Ihr in unserem Review.
Same shit, different day...
In GTA: Vice City Stories schlüpfen wir in die Rolle von Victor Vance seines Zeichens Bruder von Lance Vance, den viele Fans noch aus seeligen Vice City-Zeiten kennen werden der sich freiwillig für den Militärdienst auf einem Stützpunkt der US Army in Vice City meldet und sogleich zum kommandierenden Sergeant geschickt wird.
Wer jetzt einen blassen Moralapostel in Uniform mit Zigarre im Mund erwartet, ist aber definitiv im falschen Spiel denn mit Sergeant Martinez erwartet Vic ein Vorgesetzter, der auf sämtliche Vorschriften pfeift und sein eigenes Ding dreht beziehungsweise drehen lässt. Denn unser Protagonist ist einer der wenigen Auserwählten, der von Anfang an in Martinez krumme Dinger miteinbezogen wird.
Statt die Kasernen mit der Zahnbürste zu schrubben, klemmen wir uns als Erstes hinter das Steuer eines Fahrzeuges um Drogen abzuholen und diese dummerweise in unserem Spind zu bunkern, schließlich wollte der Sergeant es ja so.
Als wir für diesen dann noch eine Prostituierte anschaffen sollen, fliegt das Ganze auf. Dummerweise bekommt nicht Martinez die große Schelte, sondern ein Sündenbock namens Vic.
Dieser wird gefeuert und steht nun wieder auf der Straße und etwas fehlt: Das große Geld! Ab hier sollte jeder GTA-Fan wissen wo es langgeht: Aufträge wollen manchmal per Pieper - entgegen genommen und ausgeführt werden, nur so kommt man langsam aber sicher an die Moneten. Da mancher Zeitgenosse mit Worten nicht viel anfangen kann, kommt auch derbste Waffengewalt zum Einsatz.
Also irgendwoher kenn' ich das!
Zwischendurch gibt es immer wieder Nebenmissionen, Herausforderungen, allerlei Cutscenes sowie Auseinandersetzungen mit der örtlichen Polizei, S.W.A.T., dem FBI oder sogar dem Militär. Auch in Vice City Stories hat sich am bewährten und typischen GTA-Gameplay nichts geändert.
Ammunation zur Verstärkung der eigenen bleihaltigen Argumente - ist genauso wieder mit von der Partie wie das unscheinbare Pay 'n' Spray, das Euch eine neue Lackierung für Eure Fahrzeuge sowie ein geändertes Nummernschild bietet. Ideal also für wilde Katz-und-Maus-Spiele mit der staatlichen Gewalt sowie skrupellosen Verbrechern.
Auch die Missionen unterscheiden sich grob gesehen nicht sonderlich von denen der Vorgänger. Neben Personen- und Drogentransporten gibt es auch die üblichen Eliminierungsmissionen, in denen wir bestimmte Bösewichter der Reihe nach ausschalten müssen.
Ansonsten wären da noch eher auf Abwechslung getrimmte Aufträge: So müssen wir in einer Mission den herzkranken Vater eines Auftraggebers behutsam zu Hause abliefern. Wir dürfen also erstens nicht zu schnell fahren und zweitens den Schüssen gegnerischer Bandenmitglieder gekonnt aus dem Wege gehen. Schaffen wir dies nicht, verreckt der Gute auf unserer Rückbank.
Back to the roots reloaded...
Seinen Wurzeln ist Vice City Stories also treu geblieben, ändert aber nichts an der Tatsache dass nun langsam einmal frische Neuerungen ins Land ziehen müssen. Alles kommt einem nämlich irgendwie bekannt vor und das liegt nicht ausschließlich daran, dass die Handlung des Spiels in Vice City stattfindet. Vor allem die Missionsmuster scheinen allmählich arg ausgenudelt, auch wenn das Ganze freilich immer noch Spaß macht und motiviert.
Sofern es denn Neuerungen gibt, sind diese aber gelungen. Das beste Beispiel hierfür sind die Immobilienkäufe. Übernehmt Ihr leer stehende Gebäude oder vertreibt Widersacher aus ihrer Behausung, dürft Ihr die vier Wände aufkaufen und daraus zum Beispiel eine Kredithai-Höhle machen. Leichte Mädchen dürft Ihr genauso rekrutieren wie schwere Jungs Puff oder Schutzgelderpressung? Es liegt an Euch. Die Gewinne, die Euer Unternehmen einspielt, landen natürlich jeden Tag aufs Neue auf Eurem Konto.
Doch man sollte stets auf der Hut sein: Cholos sind ständig auf der Lauer und warten nur darauf, dass wir einmal nicht in der Nähe sind, um auf unsere Schuppen aufzupassen. Schaffen wir es innerhalb des vorgegebenen Zeitlimits nicht, wieder für Recht und Ordnung zu sorgen, geht die Immobilie in Fremdherrschaft über. Da hilft nur erneute Erstürmung der verlorenen Bude.
Gelungen ist den Entwicklern der serientypische schwarze, teils recht derbe Humor, der vor allem in den recht überzeugenden Zwischensequenzen besonders gut zur Wirkung kommt. Sei es der trottelige Lance Vance, der fanatische Waffenfreak Phil oder der bereits erwähnte Sergeant Martinez.
Selten gab es bei einem GTA-Spiel soviel zum Schmunzeln und zum Lachen. Selbst Phil Collins überzeugt auf humoristische Weise in einem recht kurzen Gastauftritt, einfach genial!
Das sieht ja...normal aus!
Victor steuert sich übrigens genauso wie auch schon seine Kollegen vor ihm. Nicht immer ganz präzise, aber doch intuitiv dirigieren wir ihn durch Vice City.
Einzig und allein die zuweilen etwas störrische Kameraführung macht gelungenen Coups des Öfteren einen Strich durch die Rechnung, hier hätten die Entwickler noch etwas feilen können. Denn eben genau dieses Problem zieht sich wie ein roter Faden bereits durch die gesamte Serie, drücken wir also die Daumen für eine gelungene Kameraführung beim nächsten Teil.
Grafisch hat sich im Gegensatz zur PSP-Vorlage recht wenig geändert: Natürlich wirken die Texturen etwas detaillierter, die Charaktere etwas runder und auch die Effekte etwas knackiger als beim kleinen Bruder, doch ingesamt sind dies alles lediglich Detailverbesserungen und so ganz toll sieht Vice City Stories eben dann auch nicht mehr aus.
Klar wollte man für das letzte GTA auf der altehrwürdigen PlayStation 2 keine Risiken mehr eingehen schließlich naht das auf Next-Gen-Optik setzende GTA IV doch etwas mehr Liebe zum Detail darf man schon verlangen. Immerhin läuft das Ganze meistens flüssig. Tja, was wäre ein echtes GTA ohne die zahlreichen Radiosender, die uns sündenbehaftete Ganoven während eines Drive-by mit fetter Musik verwöhnen würden? Richtig, eben ein anderes Spiel.
Auch Vice City Stories setzt wieder auf eine hervorragende Musikuntermalung in Verbindung mit recht witzigen Radioprogrammen, die unter anderem auf Highlights wie I want to know what love is von Foreigner setzt und somit recht gut in das 80er-Ambiente des Spiels passt. An den Soundeffekten hat sich gegenüber anderer GTA-Teile wenig geändert, die Synchronisation ist hier übrigens mindestens genauso gelungen wie in den Vorgängern.
Dennoch hätte man etwas mehr Mut zur Idee wagen können und mit Vice City Stories so ein letztes Highlight auf der PlayStation 2 setzen zu können, quasi als eine Huldigung an alte Tage. Denn ein wirkliches Highlight wie damals GTA 3 ist VCS nun wirklich nicht mehr, da das Konzept mittlerweile reichlich bekannt ist und sich technisch fast nichts geändert hat. Dennoch stimmt die Langzeitmotivation und man mag es sich vielleicht denken das Gameplay.