Guitar Hero

Review
Plattform
Sony Playstation 2
Vertrieb
Capcom
Entwickler
Harmonix
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
0
Guitar Hero [PS2 , looki.de]

Gesamtwertung

88%/10

Grafik

Gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Sehr gut

Guitar Hero

Der Wandel der PlayStation 2 ist genial: Zunächst war sie ein leistungsfähiges System für anspruchsvolle Spieler, nun ist sie – mit alternder Hardware, stark gefallenem Preis und Mitmachspielen wie EyeToy, SingStar und Buzz – eine Konsole für die ganze Familie. Das neuste, etwas andere Spiel nennt sich Guitar Hero, das zusammen mit einem beeindruckenden Gitarren-Controller ausgeliefert wird.

Luftgitarre?

Noch bevor wir Guitar Hero das erste Mal in der Hand hielten, haben wir ein bisschen gelesen: Was die Amis so zu dem Spiel gesagt haben, was die anderen so denken, die es importiert haben. Oft schwärmten die von der tollen 'Luftgitarre'. Dabei hat der Gitarren-Controller nur sehr wenig mit Luft zu tun, ist er doch tatsächlich existent, kann angefasst und bedient werden. Dabei ist vor allem erstaunlich, wie gut der Spagat zwischen einem richtigen Musikinstrument und einer kleinen Spielzeuggitarre gelungen ist. Denn natürlich ist der Controller mit den fünf bunten Saitentasten nicht als richtige Gitarre ernst zu nehmen. Überaus albern wirkt er aber auch nicht.

Übung macht den Meister

Obwohl Saiten durch Tasten ersetzt wurden, fällt eines schnell auf: Wer schon vorher eine Gitarre in der Hand hatte und mit dem Instrument umgehen kann, startet wesentlich erfolgreicher ins Spiel. Musikalisch Unbedarfte haben hingegen zunächst einige Probleme, sich an die eigenwillige 'Steuerung' zu gewöhnen. Das ist dann wohl der Beweis, dass Guitar Hero doch ein wenig mit dem normalen Gitarrenspiel gemein hat. Und seien es nur die Fingerfertigkeiten, die Guitar Hero ebenso wie eine Gitarre voraussetzt.

Und so funktioniert's: Ähnlich wie bei Tanzspielen, bei denen die zu tanzenden Pfeile usw. von oben heruntersausen, fliegen einem bei Guitar Hero die 'Noten' zu. Sobald eine Note den Bildschirmrand erreicht hat, drückt man dann die entsprechende Saitentaste und schlägt einmal den weißen Wippschalter an.

Dabei wird zwischen einzelnen Noten und 'langen Noten' unterschieden. Bei letzteren wird die entsprechende Saitentaste so lange gehalten, wie die Note auf dem Bildschirm angezeigt wird.

Mit einem an der Gitarre angebrachten Tremolo-Hebel können die langen Noten aber auch verzerrt werden, so dass man jedem Lied auch garantiert noch eine sehr individuelle Note verpassen kann. Saitentaste drücken und einmal den Wippschalter anschlagen – das klingt alles recht einfach. Ist es auch. Die Schwierigkeit besteht jedoch darin, die richtigen Noten immer und vor allem rechtzeitig zu treffen – auch wenn die Noten von Schwierigkeitsgrad zu Schwierigkeitsgrad immer schneller herannahen und oft auch zwei Noten auf einmal gespielt werden müssen. Damit man sich die Finger nicht gleich vollständig verrenkt, müssen im einfachsten Schwierigkeitsmodus lediglich drei der fünf Saitentasten bedient werden. Im mittleren sind es dann vier, im schweren und Expertenmodus dann alle fünf.

Rock til you drop

Ein so genanntes 'Rock Meter' zeigt, wie angetan das Publikum ist. Wer sehr wenig Fehler macht, bleibt locker im grünen Bereich. Schlägt man aber öfter mal daneben, geht es über Gelb schnell ins Rote. Dann wird es gefährlich, denn sobald das 'Rock Meter' zu blinken beginnt, droht der Abbruch des Gigs.

Ist der Auftritt mangels Talent oder fehlender Übung erst einmal in die Hose gegangen, kann man das Lied noch einmal von neuem beginnen. Empfehlenswerter ist es aber, ein oder mehrere Lieder zurück zu gehen und noch einmal zu üben. Denn der Schwierigkeitsgrad steigt durchaus linear – nicht nur mit den vier Schwierigkeitsgraden, sondern auch durchaus spürbar von Lied zu Lied. Selbst die Bonustitel werden mit aufsteigender Reihenfolge immer schwieriger.

Spielt man hingegen besonders gut und erledigt gesondert gekennzeichnete Passagen fehlerfrei, winkt die so genannte 'Star Power', mit der man für kurze Zeit einen Punktebonus erhält. Der Clou: Um die Star Power zu aktivieren, muss der Gitarrencontroller kurz senkrecht gehalten werden. Ein Sensor erkennt das und das Publikum tobt.

Zur Karriere gezwungen

Wer das Spiel das erste Mal einlegt und gleich durch alle 30 Titel plus Bonustracks rocken will, wird leicht enttäuscht: So sind im Quick Play Modus zunächst nur fünf Songs auswählbar. Alle weiteren müssen erst im Karrieremodus freigespielt werden.

Und selbst dabei gibt es noch eine Einschränkung: Wer sich zunächst im einfachen Modus – und das ist unbedingt zu empfehlen – versucht, kann nur 20 weitere Lieder freirocken. Möchte man hingegen die volle Dröhnung mit allen 30 Songs, muss man mindestens den zweiten, mittleren Schwierigkeitsgrad erfolgreich bestreiten.

Und auch erst ab dem mittleren Schwierigkeitsgrad ist es zudem möglich, mit den Auftritten Knete zu verdienen. Die kann man dann im so genannten Unlock Shop wieder für Bonussongs von Newcomerbands, neue Gitarren, neue Gitarrenskins, Spielfiguren oder Videos von der Entwicklung des Spieles eintauschen.

Die gesamte Musikauswahl ist vielleicht nicht jedermanns Geschmack. Aktuelle Charterfolge gehören nicht zum Repertoire, dafür sind altbekannte Lieder wie Smoke on the Water, Killer Queen oder More Than A Feeling enthalten. Auf die Angabe der (Original-)Interpreten kann man dabei durchaus verzichten, denn genau wie beim Buzz!: Musikquiz fehlten Knete oder Einverständnis, um die Originaltitel ins Spiel einzubauen. Stattdessen sind alle bekannten Lieder nachgespielt. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass mir das erst beim Schauen eines Bonusvideos auffiel, das die Aufnahme der Songs zeigt. Das spricht natürlich ganz klar gegen meine Musikkenntnis, wohl aber auch eindeutig für die sehr, sehr gut gemachten Cover-Versionen. Die 17 Bonustracks von etlichen Nachwuchsbands sind hingegen nicht gecovert, sondern von den leibhaftigen Musikern eingespielt. Darunter finden sich richtige Perlen, die man unbedingt einmal angehört oder – noch besser – nachgespielt haben sollte. So mancher soll wohl durch Guitar Hero zum Kauf eines Albums einer dieser Bands bewogen worden sein.

Gitarrenhelden im Duell

Wer von seinen Guitar Hero-Fähigkeiten überzeugt ist, kann auch gegen einen Freund antreten. Dann wird einfach eine zweite Gitarre an die PlayStation 2 gestöpselt und schon kann man jedes Lied im Wetteifer um den höchsten Score spielen. Alternativ kann auch ein PlayStation 2 Controller zur Steuerung verwendet werden. Das Duell macht dann allerdings wesentlich weniger Spaß und dürfte auch nicht ganz fair vonstatten gehen.

Für die Fortsetzung, Guitar Hero II, haben die Entwickler angekündigt, dass man statt nur gegeneinander mehr miteinander rocken kann. So soll dann auch jeder Spieler eine andere Rolle einnehmen können: Der eine übernimmt beispielsweise die Lead-, der andere die Bass-Gitarre.

Herber Sound, aber fade Grafik

Die Musik steht natürlich im Vordergrund. So verwundert es auch nicht, dass das Spiel in diesem Bereich ein paar besondere Einstellungsmöglichkeiten bietet. So lässt sich beispielsweise die Lautstärke der Band, der eigenen Gitarrenspur oder der Soundeffekte einzeln anpassen. So kann man die eigenen Künste noch etwas mehr hervorheben.

Ziemlich hintergründig ist hingegen die Optik. Die sechs Veranstaltungsorte – vom kleinen Privatkeller bis zu großen Festivalbühne – sind hübsch, aber nicht umwerfend animiert. Tatsächlich spielt das aber auch kaum eine Rolle. Denn sobald man den Gitarrencontroller hält und losspielt, bleibt kaum Zeit, um das Publikum oder Bühnengeschehen zu beobachten. Deshalb sind auch die unterschiedlichen Charaktere und Gitarrenmodelle, die man gegen erspieltes Geld freischalten kann, kaum eine Erwähnung wert.

Verpackung für die Vitrine

Es soll sie geben: Die Sammler und Fans, die ihre Spiele auffällig und auffällig gern präsentieren. Guitar Hero scheint für solche Sammler genau das Richtige zu sein. Die Verpackung des Spiels ist mit einer Breite von 74 cm so groß, das sie garantiert auffällt. Und weil man den Gitarrencontroller noch mit beiliegenden Aufklebern individualisieren kann, hat sich dieser auch noch einen Ehrenplatz verdient und sollte keinesfalls in der Verpackung gammeln.

Fazit

Eines sollte klar sein: Als Partyspiel taugt ##Guitar Hero nur bedingt. Denn anders als SingStar, an das sich viele (erst) volltrunken wagen, erfordert Guitar Hero##zitat| einen klaren Geist, flinke Finger und vor allem jede Menge Übung. Für unbedarfte Partygänger ist das Spiel also nicht geeignet, denn der Einstieg fällt schlicht zu schwer.

Trotzdem: Wer sich vorstellen kann, mit einem gitarrenähnlichen Controller (allein) vor dem Fernseher zu stehen und ein paar Lieder nachzuspielen, muss sollte unbedingt zugreifen. Schließlich schult das Spiel nicht nur Musikverständnis, sondern auch Fingerfertigkeit – zumindest für all jene, die sonst gar nichts mit Gitarren zu tun haben.

Guitar Hero [PS2 , looki.de]

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