Gungrave Overdose

Review
Plattform
Sony Playstation 2
Vertrieb
Play it
Entwickler
Red Entertainment
Erscheinungsdatum
-
Genre
Action
USK
16
Gungrave Overdose [PS2 , Justgamers]

Gesamtwertung

79%/10

Grafik

Ausreichend

Sound

Ausreichend

Lanzeitspaß

Ausreichend

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Gungrave Overdose

In Zeiten einer allgemeinen Besessenheit Richtung fotorealistischer Darstellung um jeden Preis ist es schön zu sehen, dass es besonders im fernen Japan noch Entwickler gibt, die ihr Handwerk wirklich verstehen und wissen, womit Spieler beglückt werden wollen. Zu ihnen gehören die Jungs und Mädels von Red Entertainment, die mit Gungrave Overdose einen der coolsten (und wohl auch unbekanntesten) Helden zurück auf die heimische PlayStation 2 bringen. Beyond the Grave zückt erneut seine Wummen, um mit ihnen ein Effektfeuerwerk abzubrennen, das es so nur selten zu sehen gibt.

Spielentwicklung auf Drogen!?

Wer auf ausgeklügelte Spielkonzepte steht, ist bei Gungrave Overdose ohne Zweifel an der falschen Adresse. Eine Ballerorgie in Reinform präsentiert sich hier in einer Gesamtkomposition, die über das gesamte Spiel zu fesseln weiß. Psychedelische Non-Stop-Actionsequenzen wechseln sich ab mit grandiosen Animeszenen und Dialogen der einzigartigen Charaktere, welche für sich alleine einen Großteil des Charmes des Titels ausmachen.

Am auffälligsten ist sicherlich Beyond the Grave, ein Deadman, der mit zwei überdimensionierten Knarren und einem High-Tech-Sarg auf dem Rücken schon im ersten Teil dem Millennion-Syndikat das Leben schwer machte. Dieses schuf durch direkte Injektion von Seed, einer überaus starken Droge, bei Menschen willenlose Kreaturen, Orgmen genannt, deren Vernichtung doch nicht so vollständig war, wie Grave es sich damals gedacht hatte.

Um der Ausbreitung von Seed ein für alle Mal ein Ende zu setzen, hat er diesmal auch nichts gegen die Gesellschaft zweier weiterer Deadman einzuwenden, die er kurz nach Spielbeginn trifft - Rocketbilly „RB“ Redcadillac, ein Gitarre spielender Rockstar mit aufwändig gestylter Frisur und einer starken Neigung hin zu hübschen Frauen, und Juji Kabane, ein scheinbar blinder Schwertkämpfer mit großer Klappe und ständig schlechter Laune.

Sowohl Juji als auch RB können später als Bonuscharaktere durch dieselben Areale gescheucht werden, durch die Grave schon zuvor gestapft ist, spielerisch unterscheidet sich das Trio jedoch kaum. Ganz dem Original folgend, lauft ihr auf geraden Pfaden durch abgegrenzte Areale und zertrümmert dabei alles durch Schuss- oder Melee-Attacken, was nicht gerade zu den Grundmauern der Architektur zählt.

Kämpfe gegen Dutzende Gegner gleichzeitig sind an der Tagesordnung, und wenn dabei noch ein ganzes Ladenlokal in seine Bestandteile zerschossen wird, kennt die Freude keine Grenzen mehr. Sind alle Gegner besiegt oder wurde ein bestimmter Schalter betätigt, geht es in den nächsten Raum, wo das Spielchen von vorne beginnt.

Jenseits von Dauerfeuer

Klingt öde, ist es aber nicht, selbst wenn spielerisch wirklich wenig von euch verlangt wird. Über einen großen Teil der immerhin gut sechs Stunden langen Storyline reicht es vollkommen aus, beständig auf die Schuss-Taste zu hämmern (Dauerfeuer lässt sich auf Wunsch in den Optionen hinzuschalten), um am Leben zu bleiben. Bevor es euch nämlich direkt an den Kragen geht, nagen gegnerische Treffer an eurer Schildenergie, die sich nach einer kurzen Verschnaufpause selbstständig wieder auffüllt. Sieht sich Grave von Bösewichten geradezu umzingelt, muss sein praktischer Sarg als ballistischer Schild oder Schlagwaffe herhalten, was nicht minder für Kopfschmerzen respektive gut gefüllte Friedhöfe sorgt. Die Unterschiede zu RB und Juji finden sich lediglich in den Vorlieben für eine der beiden Angriffsvarianten. Während unser kleiner Macho mit seiner Gitarre „zielsuchende“ Lichtblitze aus der Ferne verschießt, treibt es den dritten im Bunde bevorzugt in den Nahkampf.

Gungrave Overdose (10 Bilder)

Abgerundet wird das Zerstörungspotential durch neun Sprengschüsse (drei Varianten in je drei Stufen), die ihr durch kontinuierliche Angriffe auf Gegner oder Umgebung ergattern könnt. Combos erhöhen den Beats-Zähler, der dann wiederum bis zu vier Slots für die Sprengschüsse auffüllt. Erste Variante ist ein nach vorne gerichteter Superschuss, der besonders bei den zahlreichen Bosskämpfen überaus praktisch ist. Mit Variante zwei folgt ein flächendeckender Angriff, der alles in einem bestimmten Radius vernichtet. Den Abschluss bildet die nicht wegzudenkende Hommage an den guten Neo: Während ihr in relativ normaler Geschwindigkeit eure Magazine leert, herrscht für die Gegner zeitlich gesehen quasi Stillstand. Neue Sprengschüsse und Ausbaustufen ergattert ihr nach den Etappen im Zuge der Bewertung, in der ihr je nach benötigter Zeit, verbleibender Energie, Stil-Level usw. Punkte erhaltet.

Genervte Nachbarn

War die Performance im ersten Teil stellenweise noch arg beeinträchtigt, läuft das Geschehen bei Overdose zu jeder Zeit butterweich über den Bildschirm. Angesichts der enormen Effekt- und Gegnerfülle mussten zwar bei der allgemeinen Texturqualität Abstriche gemacht werden, was aber besonders wegen dem Cel-Shading-Look durchaus als „gewollt“ durchgehen darf. Etwas schwerer im Magen liegt da schon das sich rasch einstellende 08/15-Gegnereinerlei, das in punkto Design dem direkten Vergleich mit den Hauptcharakteren nicht standhalten kann.

Soundtechnisch dominieren in den Arealen sprichwörtlich die Gewehrsalven, die zuschauenden bzw. zuhörenden Personen nach mehreren Stunden eventuell leicht auf die Nerven gehen können. Viel vom durchaus sehr gutem Soundtrack ist dort nicht zu hören, der dafür ab und an in den komplett Englisch synchronisierten Animesequenzen zum Tragen kommt. Deutsche Spieler müssen mit den obligatorischen Untertiteln Vorlieb nehmen.

Fazit

Es gibt nicht viele Spiele, die mich so vor der Konsole zu fesseln wissen wie Gungrave. Natürlich liegt es an einer gewissen Affinität meinerseits zum Original und Animes allgemein, jedoch stellt das eingänige Gameplay eine willkommene Abwechslung zu manch anderem Titel dar. Das gesamte Konzept passt einfach zusammen und könnte anders nur schwerlich verkauft werden. Gungrave lebt von gnadenloser Instantaction. Wer keine Lust auf wilde Hämmerorgien und Horden stumpfsinniger Gegner hat, wird am Titel daher mit Sicherheit keine Freude finden.

Gungrave Overdose [PS2 , Justgamers]

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