Gesamtwertung79%/10 |
GrafikAusreichend SoundAusreichend |
LanzeitspaßAusreichend SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
In Zeiten einer allgemeinen Besessenheit Richtung fotorealistischer Darstellung um jeden Preis ist es schön zu sehen, dass es besonders im fernen Japan noch Entwickler gibt, die ihr Handwerk wirklich verstehen und wissen, womit Spieler beglückt werden wollen. Zu ihnen gehören die Jungs und Mädels von Red Entertainment, die mit Gungrave Overdose einen der coolsten (und wohl auch unbekanntesten) Helden zurück auf die heimische PlayStation 2 bringen. Beyond the Grave zückt erneut seine Wummen, um mit ihnen ein Effektfeuerwerk abzubrennen, das es so nur selten zu sehen gibt.
Am auffälligsten ist sicherlich Beyond the Grave, ein Deadman, der mit zwei überdimensionierten Knarren und einem High-Tech-Sarg auf dem Rücken schon im ersten Teil dem Millennion-Syndikat das Leben schwer machte. Dieses schuf durch direkte Injektion von Seed, einer überaus starken Droge, bei Menschen willenlose Kreaturen, Orgmen genannt, deren Vernichtung doch nicht so vollständig war, wie Grave es sich damals gedacht hatte.
Um der Ausbreitung von Seed ein für alle Mal ein Ende zu setzen, hat er diesmal auch nichts gegen die Gesellschaft zweier weiterer Deadman einzuwenden, die er kurz nach Spielbeginn trifft - Rocketbilly RB Redcadillac, ein Gitarre spielender Rockstar mit aufwändig gestylter Frisur und einer starken Neigung hin zu hübschen Frauen, und Juji Kabane, ein scheinbar blinder Schwertkämpfer mit großer Klappe und ständig schlechter Laune.
Sowohl Juji als auch RB können später als Bonuscharaktere durch dieselben Areale gescheucht werden, durch die Grave schon zuvor gestapft ist, spielerisch unterscheidet sich das Trio jedoch kaum. Ganz dem Original folgend, lauft ihr auf geraden Pfaden durch abgegrenzte Areale und zertrümmert dabei alles durch Schuss- oder Melee-Attacken, was nicht gerade zu den Grundmauern der Architektur zählt.
Kämpfe gegen Dutzende Gegner gleichzeitig sind an der Tagesordnung, und wenn dabei noch ein ganzes Ladenlokal in seine Bestandteile zerschossen wird, kennt die Freude keine Grenzen mehr. Sind alle Gegner besiegt oder wurde ein bestimmter Schalter betätigt, geht es in den nächsten Raum, wo das Spielchen von vorne beginnt.
Gungrave Overdose (10 Bilder)
Abgerundet wird das Zerstörungspotential durch neun Sprengschüsse (drei Varianten in je drei Stufen), die ihr durch kontinuierliche Angriffe auf Gegner oder Umgebung ergattern könnt. Combos erhöhen den Beats-Zähler, der dann wiederum bis zu vier Slots für die Sprengschüsse auffüllt. Erste Variante ist ein nach vorne gerichteter Superschuss, der besonders bei den zahlreichen Bosskämpfen überaus praktisch ist. Mit Variante zwei folgt ein flächendeckender Angriff, der alles in einem bestimmten Radius vernichtet. Den Abschluss bildet die nicht wegzudenkende Hommage an den guten Neo: Während ihr in relativ normaler Geschwindigkeit eure Magazine leert, herrscht für die Gegner zeitlich gesehen quasi Stillstand. Neue Sprengschüsse und Ausbaustufen ergattert ihr nach den Etappen im Zuge der Bewertung, in der ihr je nach benötigter Zeit, verbleibender Energie, Stil-Level usw. Punkte erhaltet.
Soundtechnisch dominieren in den Arealen sprichwörtlich die Gewehrsalven, die zuschauenden bzw. zuhörenden Personen nach mehreren Stunden eventuell leicht auf die Nerven gehen können. Viel vom durchaus sehr gutem Soundtrack ist dort nicht zu hören, der dafür ab und an in den komplett Englisch synchronisierten Animesequenzen zum Tragen kommt. Deutsche Spieler müssen mit den obligatorischen Untertiteln Vorlieb nehmen.