Gesamtwertung87%/10 |
GrafikSehr gut SoundSehr gut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Killer 7 hat eine lange Entwicklungszeit hinter sich. Ursprünglich sollte das Spiel wie auch Resident Evil 4 exklusiv für den GameCube erscheinen, später entschloss man sich aber dazu, auch PlayStation 2-Jünger mit einer Umsetzung zu versorgen. Der Action-Thriller versetzt den Spieler in die Rolle von Harman Smith, genauer gesagt in eine seiner 7 Identitäten. Jede dieser Personen hat ein anderes Aussehen und verfügt über eine vollkommen andere Bewaffnung, die man je nach Situation nutzen sollte.
Nach den ersten Spielminuten stellt sich für den Spieler erst einmal die Frage: 'Was ist das hier überhaupt?' Killer 7 ist nicht einfach zu kategorisieren. Man steuert die Spielfigur nur auf einer vorgefertigten Linie (daher 'Railshooter') und kann sich vorwärts und rückwärts auf ihr bewegen. Die Hauptfeinde im Spiel sind mutierte Wesen mit dem Namen Heaven Smile, die sich nicht mit simplen Tritten oder Schlägen besiegen lassen. Stattdessen greift die Identität Smiths zur Feuerwaffe und muss in Egoshootermanier die Gegner erledigen. Dies gestaltet sich aber gar nicht so einfach, denn anfangs müssen die Feinde erst mal gescannt werden, damit man sie angreifen kann. Ist dies Geschehen, entdeckt man auf der Darstellung der bizarren Wesen funkelnde Stellen, die verschiedene Schwachpunkte markieren.
Entweder schießt man gezielt auf diese oder man pumpt sein ganzes Magazin in die Figur und hofft das Beste.
Ein besiegter Feind löst sich entweder in einem wilden und bunten Partikelflug auf oder das Blut spritzt nur so in alle Richtungen. Der rote Lebenssaft wird von Euch direkt absorbiert, ihr benötigt ihn, um euren Energiehaushalt zu stabilisieren. Manchmal könnt ihr euch damit auch Informationen 'kaufen', falls ihr mal an einer Stelle nicht mehr weiterkommt. Das Game Over winkt, wenn euch ein Gegner zu nahe kommt und dadurch die Energie reduziert. Passiert das mehrere Male, ist es aus mit euch. Ein mulmiges Gefühl in der Magengrube hinterlässt dabei die Tatsache, dass die Heaven Smile oftmals Selbstmordattentäter sind.
Die Story von Killer 7 ist zu Beginn sehr undurchsichtig, man bekommt nicht viel Informationen mit auf den Weg und weiß eigentlich nur, dass man die terroristische Bedrohung der Heaven Smile stoppen soll. Im späteren Verlauf wird aber klar, dass es sich um eine Fehde zwischen Amerikanern und Japanern handelt.
Harman Smith arbeitet für die Vereinigten Staaten von Amerika, denn offenbar ist es den Männern in den USA lieber, er arbeitet für sie als gegen sie. Vor allem Leute, die gerne klare Strukturen in dem Spielverlauf suchen und eigentlich nur eine lineare Ballerei erwarten, dürften über das Gewirr an Intrigen und geheimen Machenschaften nicht sehr erfreut sein.
Die Dialoge sind vollgepackt mit Metaphern, Anspielungen und verwirrenden Doppeldeutigkeiten. Spätestens hier wird auch dem letzten Zocker klar, dass es sich nicht etwa um ein Mainstream-Produkt handelt, sondern um ein außergewöhnliches Kunstwerk, das immer wieder die Frage aufwirft, ob es überhaupt ein 'Spiel' im typischen Sinne ist. Warum? Ganz einfach: Die Spielmechanik von Killer 7 ist eigentlich sehr einfach gehalten, man muss 'nur' schnell reagieren, um die Feinde zu erledigen. Dabei hat man kaum Bewegungsfreiheit, sondern entscheidet sich nur an Kreuzungen, in welche Richtung man zuerst gehen will. Die Rätsel im Spiel dagegen stellen sich durchweg als fordernd heraus, das liegt aber daran, dass man erst einmal den Kern einer Aufgabe erkennen muss, damit man auf die Lösung kommen kann. Dabei erweist es sich oftmals auch als hilfreich, wenn man etwas um die Ecke denken kann.
Was bei Killer 7 natürlich sofort auffällt, ist die visuelle Darstellung des Titels. Die Entwickler wählten eine auf Cel-Shading basierende Grafik, was auf gut Deutsch bedeutet, dass viele grelle Farben in den verschiedensten Schattierungen in einfachen, einfarbigen Texturen genutzt werden. Sämtliche Objekte und Spielfiguren werden nur in ihren wichtigsten Punkten dargestellt, wodurch sich ein hohes Maß an Abstraktion ergibt. Capcom verstärkt den Effekt dazu noch mit unwirklichen Darstellung bestimmter Zusammenhänge. Es ist auf Anhieb nicht zu erkennen, ob das Geschehen nur ein Traum sein soll oder ob es einen Bezug zur Realität hat. Und wenn ja, welchen?
Ebenfalls sehr passend für diese Atmosphäre sind die zahlreichen guten Filmschnitte und Zwischensequenzen von Killer 7, die aus einem echten Hollywoodstreifen stammen könnten. Das spiegelt sich auch in den zweideutigen und oft überraschenden Dialogen wieder, wie sie Tarantino und Co nicht besser in Szene hätten setzen können. Killer 7 hat bei alledem keine Jugendfreigabe erhalten, was vermutlich an den wahren Blutfontänen liegt, die in den Gefechten aufspritzen. Dazu passiert es öfter, dass ihr Figuren trefft, die äußerst übel zugerichtet worden sind.
In Deutschland muss man sich zudem mit deutschen Untertiteln begnügen, dafür können wir eine ausgezeichnete englische Sprachausgabe genießen. Die unzähligen Charaktere sprechen verschiedene Dialekte und geben sich zudem meist ziemlich launisch, zwischen kontrolliert ruhig und hysterisch ist jede Gemütsregung dabei. Die Musik ist ein weiterer Punkt, der wie auch die Optik schlichtweg Geschmackssache ist. Eine außergewöhnliche visuelle Darstellung erfordert halt auch einen einzigartigen Soundtrack, und diesen zu verwirklichen haben die zuständigen Komponisten geschafft.
Killer 7 im Test.
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