Legend of Kay

Review
Plattform
Sony Playstation 2
Vertrieb
JoWood
Entwickler
Neon
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
12
Legend of Kay [PS2 , looki.de]

Gesamtwertung

84%/10

Grafik

Gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Sehr gut

Legend of Kay

Über eine mangelnde Auswahl an hochklassigen Jump´n´Runs für die PS 2 kann man sich inzwischen nicht mehr beklagen. Jetzt wagt sich der deutsche Entwickler Neon Studios mit dem ambitioniertem Legend of Kay auf den Markt, das neben den üblichen Hüpfereien auch durch Action-Adventure-Elemente und eine gute Story an den Bildschirm fesseln soll. Ob der Plan der Jungs aus Offenbach wirklich aufgeht, verrät euch unser Review...

Der Weg der Katzen

Kay ist ein junger Kater, der bei seinem Onkel Shen im beschaulichen Katzendorf Yenching aufwächst. Zusammen mit seiner Freundin Su Ling folgt er den Lehren eines alten Meisters, der sie in der Philosophie des 'Weges' unterrichtet und literweise Brennnesselschnaps in sich reinschüttet. Als das Dorf eines Tages von einer Armee aus Ratten und Gorillas umzingelt wird, welche zuvor schon die Städte der anderen Waldbewohner dem Erdboden gleich gemacht haben, handelt der Bürgermeister von Yenching einen Waffenstillstand aus. Er verspricht den Ratten seine Hilfe, wenn sie im Gegenzug das Dorf verschonen.

Kay aber will lieber kämpfen und bittet daher seinen Meister um einige Übungsstunden mit dem Schwert. Doch die verschlagenen Nagetiere schauen sich das natürlich nicht lange an und schließen kurzerhand die Kampfschule. Jetzt platzt unserem stürmischen Fellknäuel endgültig der Kragen und er stiehlt das Schwert des Meisters, um der Belagerung auf eigene Faust ein Ende zu setzen. Bei seiner Reise durch die umliegenden Wälder muss er außerdem den anderen Dörfern zu Hilfe kommen, von den Ratten gefangene Hasen befreien und einen launischen Drachen um seine Hilfe bitten. Und dann ist da noch Tak, der Anführer der Ratten, der mit seinen geheimnisvollen magischen Künsten etwas ganz besonders Böses im Schilde führt...

Es ist schon eine witzige Idee, welche die Neon Studios mit der Story hatten, denn viele asiatische Kampfsportfilme beginnen ähnlich: Die klassische Geschichte vom unterdrücktem Dorf und dem jungen Waisen, der bei seinem Onkel aufwächst und bei einem alten Meister diverse Kung Fu-Techniken lernt, wurde bis ins letzte Detail ins Tierreich verlegt, so dass sie schon fast wie eine Parodie auf die entsprechenden Martial Arts-Streifen wirkt. Für zusätzliches Flair sorgen die chinesischen Namen der Personen und Gegenstände, zudem stolpern Fans der asiatischen Filme immer wieder über weitere Parallelen und Anspielungen.

Darüber hinaus wird die Story in den Zwischensequenzen in comicartigen Zeichnungen weitergeführt, was zwar einerseits gewöhnungsbedürftig, dafür aber auch sehr lustig ist. Ihr steuert Kay in der gewohnten Third-Person-Perspektive durch die Wälder und Sümpfe.

Dabei habt ihr immer eine genaue Aufgabe vor Augen, die ihr jederzeit per Select-Taste aufrufen könnt. Zusätzlich zu den Hauptmissionen könnt ihr auch viele verschiedene freiwillige Nebenaufgaben lösen, um weitere nützliche Bonusgegenstände wie etwa ein neues Schwert einzusacken. Meist müsst ihr dazu versteckte Katzenbudda-Statuen finden, deren Schalter dann irgendwo ein Fallgitter öffnen oder den Weg zum begehrten Schatz auf andere Weise ebnen.

Wildschwein-Rodeo

Da es auf eurer Suche immer wieder zu Auseinandersetzungen mit stinkenden Ratten und grunzenden Gorillas kommt, beherrscht Kay alle für das Genre gängigen Aktionen wie den Doppelsprung, die Rolle vorwärts und einen Luftangriff, zudem ist er geübt im Umgang mit dem Schwert. Habt ihr den ersten Gegner auf die Bretter geschickt, kommt ein zusätzliches Manöver ins Spiel, der Combo-Angriff. Per Druck auf die Dreieck-Taste fegt Kay blitzschnell zum nächsten Gegner und verpasst auch ihm eine Abreibung. Da dies sogar in der Luft funktioniert, könnt ihr mit dem richtigen Timing mehrere Sekunden lang von Feind zu Feind springen und sie mit eurer Klinge beharken, ohne den Boden zu berühren. Sind mal gerade keine Ratten in Sicht, könnt ihr eure Combo-Leiste auch durch die Zerstörung von so genannten 'Zhongs' füllen.

Dadurch seid ihr zum einen in der Lage, bestimmte Schalter zu aktivieren und Schatztruhen zu öffnen, zum anderen könnt ihr in der Luft von Zhong zu Zhong fliegen und so riesige Abgründe überwinden. Sogar ein wenig Magie bringt euch der Meister bei, bevor ihr das Katzendorf verlasst: Haltet die Quadrat-Taste einen Moment lang gedrückt und lasst sie wieder los, um einen alles vernichtenden Blitzangriff zu starten.

Neben zahlreichen Kämpfen warten tonnenweise Gegenstände darauf, eingesammelt zu werden, wie es sich für ein gutes Jump´n´Run gehört. Herzcontainer erweitern eure Lebensenergie, Tränke halten euch fit und Bomben sprengen den Zugang zu versteckten Höhlen frei. Daneben findet ihr in Kisten und Krügen jede Menge Münzen, mit denen ihr euch beim örtlichen Händler mit weiteren Sachen wie Rüstungen oder Dämonentränken eindecken könnt, welche für kurze Zeit alle versteckten Portale in die Dämonenwelt sichtbar macht. Außerdem wollen zahlreiche bunte Kristalle eingesammelt werden, die nicht nur euren Punktestand erhöhen und Extras wie etwa Videosequenzen freischalten, sondern euch auch manchmal den Weg durchs Level weisen.

Reicht Kays Chi alleine einmal nicht aus, um alle Aufgaben zu bewältigen, so haltet ihr am besten Ausschau nach einem Wildschwein, auf dem ihr über Stock und Stein durchs dichteste Gebüsch jagen könnt. Das Borstenvieh benötigt dabei immer frische Eicheln, damit es weiter auf Trab gehalten werden kann und euch nicht einfach abwirft.

Später dann muss Kay auch auf einem Drachen reiten oder mit einem reichlich brüchigem Schiff durch den Sumpf fahren. Einlagen wie diese lockern das Spiel ebenso auf wie die vielen Dialoge, die ihr mit den Hasen und anderen Waldbewohner führen müsst, um weiterzukommen. Auch einige Schalterrätsel dürfen natürlich nicht fehlen.

Katerstimmung

Die Grafik von Legend of Kay ist technisch angenehm sauber programmiert und warten mit vielen lustigen Details wie leuchtenden Glühwürmchen, Gorillas mit Lendenschutz, um den Hintern der Wildschweine schwirrende Fliegen und riesigen in Blumentöpfen steckenden Mohrrüben auf.

Leider hat man bei der Kameraführung ein wenig geschlampt. Nicht nur, dass ihr die Perspektive vor fast jedem Sprung manuell nachjustieren müsst, oft versperren euch auch Äste den Blick auf die nächste Plattform. Nervig auch das Gedrehe in engen Räumen und Gängen, da die Kamera sich stur weigert, durch Wände zu gehen und deswegen immer an diesen hängen bleibt. Für diesen Patzer entschädigen allerdings die putzigen Animationen der Helden, wie etwa Kays hilfloses Gepaddel im Wasser. Insgesamt kann sich Legend of Kay durchaus sehen lassen, die grafische Klasse eines Ratchet & Clank 3 oder Jak 3 erreicht es aber trotzdem nicht ganz.

Vom Sound her fallen zunächst die guten deutschen Sprecher auf. Kay klingt stets leicht genervt, wenn er wieder für irgendwen die Kastanien aus dem Feuer holen soll und sorgt mit seinen sarkastischen Bemerkungen für schlechte Laune unter den Ratten. Der Meister dagegen schlägt immer einen belehrenden Tonfall an - jedenfalls wenn er nicht gerade besoffen in der Ecke liegt und sinnloses Zeug brabbelt (Stichwort: Brennnesselschnaps). Auch die anderen Waldbewohner kommen gut rüber, besonders die lispelnden Hasen sind witzig, zumal sie beim Hüpfen einen reichlich bescheuerten 'Doing-Doing-Doing'-Sound machen.

Fazit

Ich gebe es gerne zu: Legend of Kay hat mich sehr überrascht. Kay auf seinem Feldzug gegen Ratten und Gorillas beizustehen ist ein sehr kurzweiliges Vergnügen, ständig gibt es eine neue Aufgabe zu lösen und witzige Details zu entdecken. Auch die Story halte ich für eine klasse Idee, wann hat man schon mal die Gelegenheit, einer Katze beim Kung Fu-Training zuzusehen? Mit der hakeligen Kamera allerdings konnte ich mich nicht wirklich anfreunden, den Spaß am Spiel hat das aber nur geringfügig beeinträchtigt. Unterm Strich bleibt ein gut spielbares Jump´n´Run mit Action-Adventure-Anleihen, das aufgrund des eher niedrigen Schwierigkeitsgrads und der witzigen Präsentation vor allem für jüngere Spieler geeignet ist.

Legend of Kay [PS2 , looki.de]

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