Madden NFL 2005

Review
Plattform
Sony Playstation 2
Vertrieb
EA Sports
Entwickler
EA Sports
Erscheinungsdatum
-
Genre
Sport
USK
0
Madden NFL 2005 [PS2 , Justgamers]

Gesamtwertung

85%/10

Grafik

Gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Befriedigend

Bedienung

Befriedigend

Madden NFL 2005

EAs „Madden NFL“ Reihe erfreut sich seit vielen Jahren einer hohen Beliebtheit bei Spielern und Kritikern, wie die knapp 37 Millionen verkauften Einheiten beweisen. Kein anderes Spiel kann auf eine solch langlebige Karriere und stetige Weiterentwicklung zurückblicken. Seit den Anfängen auf dem Apple II und dem Sega Mega Drive im Jahre 1989 ist die Umsetzung des Football Sports immer komplexer, aber auch fordernder geworden. Mehr Features, verbesserte künstliche Intelligenz und erweitertes Gameplay prägen auch die neueste Instanz der Reihe, über deren Qualität unser Review aufklären soll...

Whatever it takes!

Bekennende Fans wissen, dass American Football wenig mit dem deutschen Fußball zu tun hat, der in den USA als Soccer bekannt ist, und eher als Mädchensport angesehen wird. Dagegen ist Football in Übersee die männlichste aller Sportarten, wo Knochen brechen, Hangelenke sich in ihre einzelnen Bestandteile und somit ein schönes Puzzle zerlegen und wo harte Kerle wie die Nashörner frontal aufeinander losgehen. Ein bisschen nackte Haut und sexueller Reiz gibt es obendrauf dank der leichtbekleideten Cheerleader, zuviel Sex ist aber unerwünscht, wie wir alle beim Superbowl 2004 ja mitbekamen, als eine nackte Brust Amerika verstörte und den Sport in Verruf brachte.

Der Verband der erstklassigen amerikanischen Football Vereine heißt NFL, eine Liga in der jedes Jahr Millionen von Dollars umgesetzt werden und an deren Geschäfte mit den Fanartikeln auch die Vereine und Spieler mitverdienen. Und weil die ganze Geschichte ja schließlich im Endeffekt für das Publikum gemacht ist, gibt es in der jeder Spielunterbrechung erst mal Werbung. Der Ami sagt: Money makes the world go round, ohne Moos - nichts los! Und für Werbeeinblendungen ist immer Zeit, denn anders als beim Fußball wird Football wie ein rundenbasiertes Spiel gespielt, bei welchem ein Spielzug vom Trainer vorgegeben wird, der von den Spielern umgesetzt wird. Und während sich die Teams mit ihren Taktiken befassen, wird der Zuschauer halt mit Konsum-Information berieselt oder er erhält interessante Auswertungen des vorangegangen Spielzuges, Statistiken zu den Mannschaften oder Portraits zu Spielern. Wer ein wenig mehr über den Football als Sport und Geschäft erfahren will, sollte sich einmal den hervorragenden Oliver Stone Streifen „An jedem verdammten Sonntag“ mit Al Pacino und Jamie Foxx ansehen, da erfährt man recht viel über den Sport an sich, aber auch über die Rezeption bei den Fans und die Abläufe hinter den Kulissen.

Football ist also mehr als nur Sport, es setzt einen Sinn für Business, Leidenschaft und analytisches Denkvermögen voraus. Alle diese Eigenschaften finden sich auch bei John Madden wieder, dem ehemaligen Meistertrainer der Oakland Raiders, der heutzutage als Kommentator arbeitet und der EAs Football Reihe seit 15 Jahren seinen guten Namen und sein Fachwissen leiht. Um auch Neulingen einen kurzen Überblick zu liefern, wollen wir uns hier kurz mit den Grundsätzen des Sports befassen. Auf dem Spielfeld treffen zwei Mannschaften von jeweils elf Spielern aufeinander, das ballführende Team ist in der Offensive und hat die Aufgabe, den Ball zehn Yards nach vorne zu tragen, dafür bekommt es insgesamt vier Versuche. Klappt dies nicht, ist das gegnerische Team an der Reihe. In der Offense hat man die Wahl zwischen verschiedenen Aufstellungen, die auch eine andere Taktik vorgeben. Prinzipiell entscheidet man sich für ein Pass- oder Laufspiel.

Die Defense kann die Aufstellung des Gegners lesen und sich zwischen Mann- oder Zonendeckung entscheiden, um Pässe abzufangen, und somit selbst in die Offensive zu wechseln, oder um ein Vorankommen des Gegners zu verhindern. Daneben gibt es natürlich noch eine Menge Finessen, die das Spiel erst interessant machen. Madden 2005 nimmt den Neuling glücklicherweise bei der Hand und erklärt die Grundzüge des Spiels. Darüber hinaus unterstützt euch John Madden höchstpersönlich, wenn ihr mal nicht weiterwisst und schlägt euch einen geeigneten Spielzug vor. Spielerisch lernen könnt ihr außerdem im Mini-Camp, einer Art Trainingslager in dem ihr Blocken, Ausweichen und Passen üben dürft und dafür Punkte erhaltet.

Dieser Modus macht ungeheuren Spaß und bietet Abwechslung zwischen den nervenaufreibenden Punktspielen. Selbstverständlich dürft ihr wieder ein Turnier spielen, ein schnelles Spiel bestreiten und offline gegen menschliche Gegner antreten. Die Xbox Live Option ist übrigens US Spielern vorbehalten. Entgegen aller Ankündigungen entschied man sich bei EA dazu, die Online Option nicht für den PAL Markt zu integrieren. Sehr schade, wie wir finden, hatten wir uns doch auf spannende und fordernde Matches gegen Gleichgesinnte gefreut, zumal man im Freundeskreis meist nur wenige Leute hat, die sich im Football auskennen und eine Herausforderung für den erfahrenen Ball-Künstler darstellen. Online dagegen wäre man sicher auf Spieler desselben Niveaus gestoßen.

Immerhin hat man sich für den Franchise Modus so einiges an Neuheiten einfallen lassen. So reagieren eure Spieler auch schon mal hitzig auf eure Entscheidungen oder Ereignisse während des Spiels, was auch Auswirkungen auf die Moral hat. Als Trainer/ Manager ist es dann auch eure Aufgabe, den Babysitter für gelangweilte und arrogante Football-Diven zu spielen oder die Entscheidung zu treffen euren bisherigen Superstar zu verkaufen, weil er seine Leistung nicht mehr bringt, weil er zu „satt“ ist. Eure neue Kommandozentrale im PDA Stil lässt euch darüber hinaus einen Blick in die Sportseiten der Tageszeitung werfen oder eingehende Emails studieren. So bleibt ihr in Sachen Transfermarkt immer auf dem neuesten Stand. Um den harten, ernsten Spiel-Alltag aufzupeppen hat EA eine weitere witzige Option eingefügt. Angelehnt an die zahlreichen „Create a Player“ Varianten in Sportspielen steht es euch nun frei auch das Aussehen eurer Fans zu bestimmen, die euch später auf dem Feld anheizen sollen.

Offense wins the yards, D wins the game!

EA hat einiges am Spiel geändert, neben obligatorischen aktuellen Spielerdaten wurden insbesondere die Aktionsmöglichkeiten der Defense verbessert, sodass man diese nicht mehr nur als Lückenbüßer zwischen den interessanteren Offensivphasen sieht, sondern sogar Spielspass daraus gewinnen kann. Der rechte Analogstick wird zum „Hitstick“ und erlaubt es beinah übertrieben harte Tackles auszuführen, die eure Gegner umhauen sollten. Die Möglichkeit, die Defensivtaktik noch an der „Line of Scrimmage“ zu ändern, würzt das Taktikgeplänkel mit einem weiteren Schuss Individualität, die es braucht um Fans dauerhaft an das Franchise zu binden. Die „Play Maker Control“ ermöglicht es euch weiterhin auf Änderungen der Offense zu reagieren. So versucht ihr dem Gegner den Ball abzuluchsen und sein Vorankommen zu erschweren, indem ihr seine Schwachstellen erkennt. Seid ihr der Offense ist es nun dafür aber auch umso schwerer die wichtigen Yards und Inches zu machen, die es braucht um schlussendlich siegreich in der Endzone zu stehen, denn erst dann gibt es Punkte. Um eure Receiver vernünftig zu platzieren, müsst ihr lernen, die Defense zu lesen und wie beim Verteidigen bereit sein euren Spielzug entsprechend anzupassen. Diesbezüglich ist die aktuelle Version des Spiels auf jeden Fall realistischer als die Vorgänger, welche weniger Wert auf gute Defensivarbeit legten. Die gute Kontrolle erlaubt aber auch hier Traumpässe des Quarterbacks über das halbe Feld, solange euer Ballempfänger auch frei steht.

Die Grafik zeigt sich von ihrer guten Seite, Animationen, Spieler und Umgebungen sehen gut aus, und bieten keinen Angriffspunkt für Kritik. Soundtechnisch steht EAs Vorzeigetitel sogar richtig gut da. Mit bekannten Stücken verschiedener Künstler wird richtig gute Atmosphäre erzeugt, die den Football Fan mitreißt. Auch die Soundkulisse auf dem Platz kann sich dank Surround Sound Unterstützung hören lassen. So macht Football Spaß. Dank der eingängigen Steuerung gelingen euch auch kompliziertere Manöver, auch wenn die Feinheiten des Spiels Übung und Überblick verlangen. Einsteiger kommen dennoch relativ schnell zu ersten Erfolgserlebnissen.

Fazit

Im direkten Vergleich zum Rivalen aus dem Hause Sega namens ESPN NFL kann Madden den Titel nicht eindeutig für sich verbuchen, vielmehr liegen beide Spiele auf demselben hohen Niveau. Ähnlich wie bei der Diskussion um den besten Fußballtitel (Pro Evolution Soccer vs. Fifa) lässt sich kein klares Urteil abgeben. Zwar hat ESPN die Nase in Sachen TV-naher Präsentation und tiefgründigen Gameplay weiterhin vorn, dafür kann „Maddden NFL 2005“ auf anderen Gebieten wieder punkten. So sind die Aufgaben im Mini-Camp äußerst unterhaltsam und auflockernd, die Musik bringt dank lizenzierter Tracks Stadionatmosphäre und Football-Ikone John Madden am Kommentatormikrophon ist auch über jeden Zweifel erhaben. Äußerst schmerzlich ist dagegen der Verlust der Online Spielvariante über XBL, die sicher für zusätzlichen Spielspaß und höhere Wertung gesorgt hätte. Immerhin wissen die zahlreichen Neurungen zu gefallen. Der „Hitstick“ ist eine nette Idee und trägt zum verbesserten Spielgefühl in der Defense bei, die nun auch endlich spieltechnisch dazu gewonnen hat. Football Fans kaufen sich den Titel eh, interessierten Einsteigern raten wir ebenfalls: Ran an die Pille!

Madden NFL 2005 [PS2 , Justgamers]

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