Gesamtwertung85%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßBefriedigend SpieleinstiegBefriedigend |
BedienungGut |
Film Nòir
Millionen verkaufte Fassungen auf drei Systemen sprechen eine klare Sprache. Mit der Langzeitentwicklung Max Payne gelang den Nordländern von Remedy ein ganz großer Wurf und katapultierte die einstigen Technologie-Demo-Entwickler über Nacht in die Spitzenliga des Genres. Doch Erfolg verpflichtet und so verwundert es nicht, dass die Erwartungen für die Fortsetzung besonders hoch ausgefallen.
Um Fans der Serie nicht zu verschrecken, ging man im finnischen Espoo auf Nummer sicher und setzte bei der Hintergrundgeschichte direkt am Ende des Erstlings an. Nach einem brutalen Rachefeldzug gegen die Mörder seiner Familie zieht es Titelheld Max Payne zu seinem alten Arbeitsgeber, der New Yorker Polizei zurück, wo er ein Leben voller Frust, Selbstzweifel und Depressionen führt. Als ihm während eines Einsatzes jedoch die angeblich verstorbene Mona Sax aus dem ersten Teil über den Weg läuft, überschlagen sich die Ereignisse. Unbekannte Fraktionen trachten nach dem Leben von Mona und Max und der knallharte Cop verliebt sich erneut in Mona.
Da die Hintergrundgeschichte viele Anspielungen aus dem ersten Teil enthält, bietet das Spiel Neulingen die Option, sich die Handlung des ersten Teils im Schnelldurchlauf zu Gemüte zu führen. Diese fasst jedoch nur den groben Handlungsbogen von Max Paynes erstem Abenteuer zusammen, so dass viele Querverweise in der Fortsetzung für Einsteiger nur schwer zu verstehen sind. Doch auch wer Max schon bei seinem ersten Abenteuer begleitet hat, wird die komplette Handlung erst beim zweiten oder dritten Durchspielen komplett verinnerlichen. Durch extrem viele Zeitsprünge und einer für ein Videospiel ungewöhnlich vielschichtigen Geschichte machen die einzelnen Handlungsabschnitte beim ersten Durchlauf gelegentlich nur wenig Sinn.
Deutscher Shakespeare mit Waffen
Erzählt wird die mit Metaphern und düsteren Wortspielen gespickte Handlung durch häufig eingestreute Ingame-Zwischensequenzen sowie den aus dem Erstling bekannten Comic-Einblendungen, wobei beide Erzählweisen eine extrem hohe Qualität an den Tag legen. Die Zwischensequenzen punkten mit einer filmreifen Kameraführung und setzen die herausragenden Animationen der Spielfiguren erst ins rechte Licht, während die Comic-Einbindungen noch stärker als im ersten Teil kleine Kunstwerke geworden sind, welche perfekt die düstere Atmosphäre des Spiels einfangen.
Im Gegensatz zu der PC-Fassung können sich Konsolenbesitzer übrigens über eine deutsche Sprachausgabe freuen. Publisher Take 2 hat sich erstmals die Mühe gemacht, den Titel komplett lokalisiert nach Deutschland zu bringen, was man angesichts der für den Durchschnittsdeutschen nur schwer verständlichen englischen Sprachausgabe nur als Vorteil werten kann. Überraschenderweise ist es Take 2 dabei sogar gelungenen, das schon phänomenale Niveau der englischen Synchronisation beizubehalten. Zwar fielen einige Wortspiele der Lokalisierung zum Opfer, dennoch hören sich die Sprecher von Max Payne 2 auch im Deutschen so lässig und düster an wie eh und je. Wer trotz dieser Meisterleistung an Lokalisierung lieber den anglistischen Lauten lauschen will, erhält dank Multilingual-DVD die Möglichkeit hierzu.
Erst schießen, dann noch mal schießen!
Obgleich Max Payne 2 wie beispielsweise auch Metal Gear Solid 2 einen starken Fokus auf eine cineastische Hintergrundgeschichte legt, greift ihr beim Remedy-Titel doch häufiger zum Pad als bei dem Kojima-Schleichspektakel. Max setzt dabei vornehmlich auf die direkte Konfrontation. Rätsel sucht ihr vergeblich und die Levelstruktur des Third-Person-Actiontitels ist extrem linear ausgefallen, ein Verlaufen ist somit fast unmöglich. Glücklichweise ist die Action abwechslungsreich genug, um über den simplen Aufbau des Spiels gut hinwegzutäuschen.
Bewaffnet mit allerlei Schießeisen, sowie Granaten und Molotowcocktails lauft und springt ihr im Verlauf eures Abenteuers durch allerlei Lagerhallen, Herrenhäusern und dunklen Gassen und feuert prinzipiell auf alles, was sich bewegt. Die künstliche Intelligenz eurer Gegenüber gewinnt dabei zwar keinen Nobelpreis, dennoch verhalten sich die Gegner glaubwürdig, gehen in Deckung und versuchen euch in Teams in die Zange zu nehmen.
Newton meets Einstein
Was Max Payne 2 jedoch von Actionspielen gleicher Machart unterscheidet, ist die Bullet Time sowie der gelungene Einsatz der Havok-Physikengine. Wie schon im ersten Teil könnt ihr via Knopfdruck kurzzeitig die Zeit verlangsamen, um so mehrere Gegner gleichzeitig unter Beschuss zu nehmen oder ganz im Stile alter John Woo-Filme mittels Zeitlupen-Hechtsprung in Deckung zu gehen. Im Gegensatz zu Max erstem Abenteuer lädt sich eure Bullet Time-Anzeige nun jedoch mit der Zeit automatisch auf, so dass ihr für die Funktion nicht erst eine bestimmte Anzahl an Gegnern ins Jenseits schicken müsst. Geht ihr dennoch auf direkten Konfrontationskurs und schaltet eine bestimmte Zahl an Feinden in Folge aus, beschleunigen sich zusätzlich die Bewegungen von Max, so dass ihr euch wie ein Superheld durch eure Widersacher schießt.
Wenn eure zahlreichen Feinde dann wild durch die Luft fliegen und Kugeln im Stakkato auf die Levelarchitektur prallen, fällt schließlich auch die Havok-Physikengine besonders stark auf. Fast jeder Gegenstand verhält sich auf Krafteinwirkung mehr oder minder physikalisch korrekt. Gegner werden von Kugeltreffern nach hinten geschleudert, fallen in ein Holzregal und reißen Selbiges mit Inhalt herunter. Dies sieht nicht nur besonders cool aus, sondern lässt sich stellenweise auch zum eigenen Vorteil nutzen. Wer Munition sparen will, rennt einfach mit Elan gegen ein Regal hinter dem sich ein Gegner aufhält und erschlägt diesen damit.
Technischer Kopfschuss
Während das Spiel bis hierhin der gelungenen PC- und Xbox-Version in nichts nachsteht, sieht es bei der Technik leider schon komplett anders. Grafisch ist die PlayStation2-Version stellenweise ein mittleres Desaster. Sind Spiele auf der Sony-Konsole schon seit jeher nicht gerade überragend tapeziert, wirken einige der Polygonverkleidungen bei dem Remedy-Titel beinah so, als wären sie direkt von einem PSone-Spiel übernommen worden. Hier und da sieht man zwar ein Überbleibsel der extrem gelungenen PC-Texturen, der Großteil sieht jedoch schlicht unterdurchschnittlich aus, was zu allem Übel besonders bei den Polygonmodellen der Figuren auffällt. Zudem ruckelt das Spiel fast im Akkord und wäre bei größeren Gegnermassen ohne Bullet Time unspielbar, da die so schon suboptimale Bildwiederholungsrate hier endgültig den Geist aufgibt und in den einstelligen Bereich absinkt. Bei der Xbox-Version sieht das Ganze schon anders aus: Nur wenige Ruckler trüben den Spielspass und die Texturen können fast mit der PC-Vorlage mithalten, auch wenn man als Konsolenbesitzer erwartungsgemäß eine geringere Auflösung in Kauf nehmen muss.
Ebenfalls alles andere als fehlerfrei präsentiert sich der akustische Bereich. Zwar setzt die Qualität der Sprachausgabe wie oben erwähnt neue Maßstäbe und auch die restliche Geräuschkulisse ist dank Dolby ProLogic-Unterstützung auf hohem Niveau, dafür verschluckt sich die PlayStation2 recht gerne und spielt einige Sprachsamples gar nicht ab oder bricht diese in der Mitte ab. Dafür versöhnt der orchestrale Soundtrack wieder. Die meist melancholischen Orchesterlieder passen perfekt zur düsteren Hintergrundgeschichte und die vor allem der Endsong ist besonders gut gelungen. Die Xbox-Version bietet zudem eine Unterstützung von Dolby Digital und kann sich dadurch qualitätsmäßig leicht von der PS2 abheben, letztendlich überzeugen aber beide Spielversionen.
Während die allgemeine Technik bei der PS2-Konvertierung schon deutlich zu leiden hatte, haben sich schlussendlich noch zwei kleinere Makel eingeschlichen. Die Steuerung ist zwar im Allgemeinen recht gelungen, dennoch reagiert Max auf Steuerbefehle etwas träge. Vor allem Drehungen dauern ungewöhnlich lange. Zwar lässt sich dies mittels Druck auf den linken Analogstick etwas kompensieren, dennoch fällt das manuelle Zielen sehr schwerfällig aus. Ein leichtes und optional verfügbares Auto-Aiming ist deshalb häufig die einzige Lösung.
Zudem bietet die PlayStation2-Version des Spiels das mit Abstand umständlichste Speichersystem. Verlangt das Gameplay in den späteren Abschnitten, dass man mehrmals in sehr kurzer Zeit seinen Spielstand via Quicksave-Taste verewigt, muss man auf der PlayStation2 hierfür immer erst ins Optionsmenü, darf sich durch diverse Punkte quälen und darf dann einige Sekunden warten, bis der Speicherstand angelegt ist. Sterbt ihr, ohne zu speichern, müsst ihr komplett von Vorne beginnen. Eine sehr bequeme und automatische Speicherfunktion wie auf der Xbox kennt das Spiel in der PS2-Version leider nicht.
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