Medal of Honor: European Assault (PS2)

Review
Plattform
Sony Playstation 2
Vertrieb
Electronic Arts
Entwickler
Electronic Arts
Erscheinungsdatum
-
Genre
Shooter
USK
18
Medal of Honor: European Assault (PS2) [PS2 , Justgamers]

Gesamtwertung

82%/10

Grafik

Befriedigend

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Medal of Honor: European Assault (PS2)

Die Ehrenmedaille ist die höchste Auszeichnung beim amerikanischen Militär und wird nur an die tapfersten aller Männer verliehen, die sich im Gefecht durch außergewöhnliche Taten verdient gemacht haben. Für Steven Spielberg war diese Tradition Anlass genug, um mit Medal of Honor einen Ego-Shooter zu inszenieren, der sich vor allem durch die kinoreife Präsentation von den gängigen Genrevertretern abhob und eine wahre Flut an Titeln auslöste, deren Schauplatz ebenfalls der Zweite Weltkrieg war. Inzwischen haben die Jungs von EA Los Angeles das Zepter in die Hand genommen und aus Medal of Honor eine Serie gemacht, in deren neuestem Ableger, Medal of Honor: European Assault, es den Deutschen mal wieder ordentlich an den Kragen geht.

Hinter feindlichen Linien

Ein Krieg wird nicht nur gewonnen, indem man viele schwere Panzer auffährt oder zahllose Männer ins Feld führt. Wichtiger als bloße Feuerkraft sind Informationen, um mit möglichst wenig Aufwand taktische Ziele der Gegner zu neutralisieren und sie dadurch in ihren Plänen zu stören, so gut es geht. Aus diesem Grund werdet ihr als William Hold in Kriegsgebiete geschickt, in denen ihr für das OSS (Office of Strategic Services) die Kastanien aus dem Feuer holen dürft. Ob ihr nun Funkverbindungen lahmlegt, gefangen genommene Agenten befreit oder im Bau befindliche V2-Raketen der Deutschen vernichten sollt, der Auftrag bringt euch und die anderen Soldaten immer mitten hinein in den Kugelhagel. Eure Marschroute führt euch durch Westeuropa und über Nordafrika bis hin ins verschneite Russland.

Nach einem kleineren Prolog beginnt ihr in St. Nazaire die erste Kampagne, welche wiederum in mehrere Missionen aufgeteilt ist. Ihr sollt einen Hafen stürmen und einige Treibstofftanks vernichten, bevor ihr ein Kraftwerk sprengt und den Deutschen so den Saft abdreht. Primärziele wie diese müssen erfüllt werden, um eine Mission erfolgreich abzuschließen. Daneben gibt es zwei optionale Ziele: Tötet die Nemesis, einen ranghohen deutschen Offizier, und findet für das OSS geheime Dokumente, die irgendwo im Einsatzgebiet versteckt sind. Als ob das nicht schon genug Arbeit wäre, finden sich im Laufe einer Mission noch zusätzliche Möglichkeiten, um den Deutschen das Leben schwer zu machen: Wer etwa einen Abstecher an den Pier unternimmt, wird dort vielleicht ein U-Boot entdecken, das mit geschickt platzierten Sprengladungen versenkt werden kann. Oder aber ihr stolpert über eine Gruppe Gegner, die sich eingegraben haben und eure Verbündeten mit schweren MGs unter Feuer nehmen. Räuchert das Nest aus und die restlichen Truppen können nachrücken und euch unterstützen.

Eine Prise Taktik

Es ist komplett euch überlassen, ob ihr diese zusätzlichen Aufgaben übernehmen wollt oder nicht, allerdings könnt ihr die begehrte 'Medal of Honor' für eine Kampagne nur dann einsacken, wenn ihr in allen Missionen inklusive sämtlicher Subquests erfolgreich gewesen seid. Zur Belohnung erhaltet ihr dann zusätzliche Wiederbelebungen und Medikits für euren nächsten Auftrag. Diese extra Heilung könnt ihr auch sehr gut brauchen, denn obwohl in den Levels auch zahlreiche Medipacks versteckt sind und feindliche Soldaten auf den niedrigeren Schwierigkeitsgraden des öfteren Feldflaschen fallen lassen, die eure Gesundheit erneuern, müsst ihr euch nebenbei noch um die Versorgung eures Teams kümmern. Dies stellt sich manchmal als eine knifflige Sache heraus, da sich eure Kameraden die meiste Zeit über in Bewegung sind und nicht extra anhalten, um sich von euch verarzten zu lassen. Per Tastendruck erteilt ihr ihnen den Befehl zum Vorrücken oder sorgt dafür, dass sie euch Feuerschutz geben. Zwar kann Medal of Honor: European Assault auch im Alleingang bewältigt werden, aber manchmal ist es wesentlich einfacher, erst einmal die Kameraden vorzuschicken, damit sie den Gegner beschäftigen, um diesen dann aus einer anderen Richtung heraus anzugehen. Sie sind außerdem wichtig, um euch Rückendeckung zu geben, während ihr irgendwo Sprengstoff platziert und dabei unter Beschuss geratet.

Eine Neuerung in der Medal of Honor-Serie ist der Adrenalinkick: Am unteren rechten Bildschirmrand findet sich ein roter Balken, der sich bei dem Geballer nach und nach füllt. Besonders schnell geht das, wenn ihr euren verwundeten Kameraden zur Hilfe kommt oder Gegner mit Kopfschüssen aus dem Weg räumt. Beginnt die Anzeige zu leuchten, könnt ihr euch kurzzeitig in einen Blutrausch versetzen, bei dem der Feind nichts mehr zu lachen hat. Für wenige Sekunden seid ihr dann unverwundbar, die Zeit wird verlangsamt und ermöglicht so präziseres Zielen, außerdem wird keinerlei Munition verbraucht. Spätestens jetzt sollte jedem klar sein, dass Medal of Honor: European Assault trotz der historischen Schlachtfelder kein 'realistisches' Kriegsspiel zu sein versucht. Ein idealer Zeitpunkt für das Auslösen eines solchen Schubs ist übrigens die Erstürmung eines gut gesicherten Bunkers oder der Kampf mit einem deutschen Offizier.

Im ansonsten recht kargen Optionsmenü könnt ihr zwischen 4 verschiedenen Typen von Tastenbelegungen wählen: Aufklärer, Scharfschütze, Kommandeur und Nachlader. Eigentlich sollen sie wohl den Vorlieben des Spielers entgegen kommen, allerdings wäre es mir eine völlig freie Belegung des Pads wesentlich lieber gewesen. Dafür erweist sich das Zielen mit den Analogsticks als recht präzise, nach kurzer Eingewöhnungszeit kommt man sicher mit einem der Steuerungstypen klar.

Neben der Kampagne wird euch auch ein Mehrspielermodus geboten, in dem ihr euch zu viert per Splitscreen auf einer der 15 Karten bekriegen könnt. Dabei geht ihr einzeln oder im Team im Deathmatch aufeinander los oder wählt einen der 8 anderen Modi. Zur Verfügung stehen neben Capture the Flag, King of the Hill oder Survive auch einige Varianten davon: In Auge um Auge müsst ihr eine Bombe im Stützpunkt des gegnerischen Teams platzieren, beim Black Eye-Angriff dagegen muss erst eine Artillerie-Flagge abgeliefert werden, bevor das schwere Geschütz eure Gegner unter Feuer nehmen kann. Leider gibt es auf keiner der Konsolen einen Online- oder LAN-Modus, so dass ihr auf den Splitscreen zurückgreifen müsst.

Schwächen bei der Grafik

Der größte Kritikpunkt dürfte für die meisten sicher die reichlich karge Grafik sein. Dabei ist das Design der Levels durchaus in Ordnung, die Straßen in St. Nazaire und die Ruinen einer Wüstenstadt in Tunesien bei Sonnenuntergang etwa sind eine gelungene Kulisse für verbissene Häuserkämpfe. Leider sind die Texturen alles andere als detailreich, vor allem im Inneren der Häuser und Bunker gibt es außer einigen klobigen Kisten kaum etwas zu sehen und bei den Gefechten mit den durchschnittlich animierten Gegnern kommt schon mal der eine oder andere Clippingfehler vor. Man hat sich zwar bemüht, die Szenarios so abwechslungsreich wie möglich zu gestalten, nur kommt einem dabei kaum etwas vor die Flinte, das man nicht schon aus anderen Genrevertretern kennt. Der Vorteil der bescheidenen Grafik ist natürlich, dass das Geschehen nahezu ruckelfrei über die Bühne geht.

Wesentlich besser sieht es beim Sound aus: Was euch hier an dramatischer Musik um die Ohren geblasen wird, ist wirklich bombastisch. Auch die Effekte sind sehr wuchtig ausgefallen, sowohl die Schußgeräusche als auch die Explosionen lassen keine Wünsche offen. Die THX-Lizenz dürfte sich also für Eigentümer einer Surround-Anlage mal wieder auszahlen, aber auch an einem normalen Fernseher wird das Geschehen prima untermalt. Die deutschen Sprecher machen ihre Sache insgesamt ebenfalls recht gut, ich persönlich ziehe die englische Sprachausgabe trotzdem vor.

Medal of Honor: European Assault (PS2) (10 Bilder)

Unterschiede zur GameCube-Version

Grundsätzlich gleichen sich die Versionen wie eine Granate der anderen: Die Grafik ist auch auf der Playstation 2 ziemlich bescheiden, sie ist allerdings kontrastreicher und damit etwas besser. Negativ fallen dafür die längeren Ladezeiten und vor allem das bekannte Kantenflimmern an Treppen, Gittern und Zäunen ins Gewicht, einen 60 Hz-Modus sucht man leider vergeblich.

Die Spielbarkeit mit dem PS2-Pad ist meiner Meinung nach besser als mit dem Controller von Nintendo. Das liegt ganz einfach daran, dass man hier vier Schultertasten zur Verfügung hat, auf denen alle lebenswichtigen Befehle verteilt sind. Dadurch ist es kein Problem, mitten im Gefecht ein Medipack zu benutzen. Mit der Gamecube-Steuerung ist das deutlich umständlicher, da man dort viel auf das Digipad zurückgreifen muss, welches auch nicht so gut zu erreichen ist wie auf der Playstation 2. Letztlich bleibt das aber wohl Geschmackssache.

Fazit

Medal of Honor: European Assault ist ein klassischer Weltkriegsshooter, der mit den üblichen Trademarks der Serie wie etwa einem epischen Soundtrack, abwechslungsreichem Missions- und Leveldesign und einer einwandfreien Präsentation glänzen kann. Lediglich grafisch ist der Titel auf allen Konsolen reichlich schwach auf der Brust, denn die gesamte Umgebung ist nur wenig spektakulär gestaltet. Sämtliche Bunker benötigen dringend einen neuen Innenanstrich, um das triste Grau in Grau zu übertünchen, und auch die Animationen der klobigen Soldaten können wenig überzeugen. Offenbar war dies der Preis für die gute Performance, dank der das Spiel angenehm stabil läuft. Außerdem fehlt ein vernünftiger LAN- bzw. Online-Modus, so dass man nur per Splitscreen mit- oder gegeneinander antreten kann. Ansonsten sorgt die heftige Soundkulisse für eine packende Atmosphäre, die Detonationen der Granaten und die Schußwechsel bei verzweifelt gebrüllten Befehlen dröhnen angenehm realistisch aus den Boxen. Unterm Strich können sich Anhänger des Genres über einen weiteren Ableger der Serie freuen, Grafik-Fetischisten sollten sich aber anderswo nach einem Shooter für ihre Lieblingskonsole umsehen.

Medal of Honor: European Assault (PS2) [PS2 , Justgamers]

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