Gesamtwertung82%/10 |
GrafikBefriedigend SoundSehr gut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Die Ehrenmedaille ist die höchste Auszeichnung beim amerikanischen Militär und wird nur an die tapfersten aller Männer verliehen, die sich im Gefecht durch außergewöhnliche Taten verdient gemacht haben. Für Steven Spielberg war diese Tradition Anlass genug, um mit Medal of Honor einen Ego-Shooter zu inszenieren, der sich vor allem durch die kinoreife Präsentation von den gängigen Genrevertretern abhob und eine wahre Flut an Titeln auslöste, deren Schauplatz ebenfalls der Zweite Weltkrieg war. Inzwischen haben die Jungs von EA Los Angeles das Zepter in die Hand genommen und aus Medal of Honor eine Serie gemacht, in deren neuestem Ableger, Medal of Honor: European Assault, es den Deutschen mal wieder ordentlich an den Kragen geht.
Nach einem kleineren Prolog beginnt ihr in St. Nazaire die erste Kampagne, welche wiederum in mehrere Missionen aufgeteilt ist. Ihr sollt einen Hafen stürmen und einige Treibstofftanks vernichten, bevor ihr ein Kraftwerk sprengt und den Deutschen so den Saft abdreht. Primärziele wie diese müssen erfüllt werden, um eine Mission erfolgreich abzuschließen. Daneben gibt es zwei optionale Ziele: Tötet die Nemesis, einen ranghohen deutschen Offizier, und findet für das OSS geheime Dokumente, die irgendwo im Einsatzgebiet versteckt sind. Als ob das nicht schon genug Arbeit wäre, finden sich im Laufe einer Mission noch zusätzliche Möglichkeiten, um den Deutschen das Leben schwer zu machen: Wer etwa einen Abstecher an den Pier unternimmt, wird dort vielleicht ein U-Boot entdecken, das mit geschickt platzierten Sprengladungen versenkt werden kann. Oder aber ihr stolpert über eine Gruppe Gegner, die sich eingegraben haben und eure Verbündeten mit schweren MGs unter Feuer nehmen. Räuchert das Nest aus und die restlichen Truppen können nachrücken und euch unterstützen.
Eine Neuerung in der Medal of Honor-Serie ist der Adrenalinkick: Am unteren rechten Bildschirmrand findet sich ein roter Balken, der sich bei dem Geballer nach und nach füllt. Besonders schnell geht das, wenn ihr euren verwundeten Kameraden zur Hilfe kommt oder Gegner mit Kopfschüssen aus dem Weg räumt. Beginnt die Anzeige zu leuchten, könnt ihr euch kurzzeitig in einen Blutrausch versetzen, bei dem der Feind nichts mehr zu lachen hat. Für wenige Sekunden seid ihr dann unverwundbar, die Zeit wird verlangsamt und ermöglicht so präziseres Zielen, außerdem wird keinerlei Munition verbraucht. Spätestens jetzt sollte jedem klar sein, dass Medal of Honor: European Assault trotz der historischen Schlachtfelder kein 'realistisches' Kriegsspiel zu sein versucht. Ein idealer Zeitpunkt für das Auslösen eines solchen Schubs ist übrigens die Erstürmung eines gut gesicherten Bunkers oder der Kampf mit einem deutschen Offizier.
Im ansonsten recht kargen Optionsmenü könnt ihr zwischen 4 verschiedenen Typen von Tastenbelegungen wählen: Aufklärer, Scharfschütze, Kommandeur und Nachlader. Eigentlich sollen sie wohl den Vorlieben des Spielers entgegen kommen, allerdings wäre es mir eine völlig freie Belegung des Pads wesentlich lieber gewesen. Dafür erweist sich das Zielen mit den Analogsticks als recht präzise, nach kurzer Eingewöhnungszeit kommt man sicher mit einem der Steuerungstypen klar.
Neben der Kampagne wird euch auch ein Mehrspielermodus geboten, in dem ihr euch zu viert per Splitscreen auf einer der 15 Karten bekriegen könnt. Dabei geht ihr einzeln oder im Team im Deathmatch aufeinander los oder wählt einen der 8 anderen Modi. Zur Verfügung stehen neben Capture the Flag, King of the Hill oder Survive auch einige Varianten davon: In Auge um Auge müsst ihr eine Bombe im Stützpunkt des gegnerischen Teams platzieren, beim Black Eye-Angriff dagegen muss erst eine Artillerie-Flagge abgeliefert werden, bevor das schwere Geschütz eure Gegner unter Feuer nehmen kann. Leider gibt es auf keiner der Konsolen einen Online- oder LAN-Modus, so dass ihr auf den Splitscreen zurückgreifen müsst.
Wesentlich besser sieht es beim Sound aus: Was euch hier an dramatischer Musik um die Ohren geblasen wird, ist wirklich bombastisch. Auch die Effekte sind sehr wuchtig ausgefallen, sowohl die Schußgeräusche als auch die Explosionen lassen keine Wünsche offen. Die THX-Lizenz dürfte sich also für Eigentümer einer Surround-Anlage mal wieder auszahlen, aber auch an einem normalen Fernseher wird das Geschehen prima untermalt. Die deutschen Sprecher machen ihre Sache insgesamt ebenfalls recht gut, ich persönlich ziehe die englische Sprachausgabe trotzdem vor.
Medal of Honor: European Assault (PS2) (10 Bilder)
Die Spielbarkeit mit dem PS2-Pad ist meiner Meinung nach besser als mit dem Controller von Nintendo. Das liegt ganz einfach daran, dass man hier vier Schultertasten zur Verfügung hat, auf denen alle lebenswichtigen Befehle verteilt sind. Dadurch ist es kein Problem, mitten im Gefecht ein Medipack zu benutzen. Mit der Gamecube-Steuerung ist das deutlich umständlicher, da man dort viel auf das Digipad zurückgreifen muss, welches auch nicht so gut zu erreichen ist wie auf der Playstation 2. Letztlich bleibt das aber wohl Geschmackssache.