Gesamtwertung91%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßSehr gut SpieleinstiegGut |
BedienungSehr gut |
Tuningflitzer sind im Augenblick schwer im Trend, und so versuchen auch die harten Jungs von Rockstar ihr Glück mit einem neuen Ableger ihrer Midnight Club-Serie. Wie schon in den Vorgängern heizt ihr vornehmlich bei Nacht durch die Straßen einer Mega-Metropole und fordert andere Mitglieder eures 'Clubs' zu einem Rennen um die Ehre und ums Preisgeld heraus. Wer gewinnt, darf seine Kiste gehörig aufmöbeln, wer verliert, wird von den Bullen geschnappt. Wir haben uns ins wilde Nachtleben von San Diego gestürzt und wollen euch nun von den spektakulärsten Unfällen berichten.
Nun gilt es, eine Serie von mehreren Rennen nacheinander zu absolvieren, in denen ihr jeweils Erster werden müsst, um weiter zu kommen. Gefahren wird dabei meistens mitten durch den abendlichen Berufsverkehr. Entweder müsst ihr einfach nur vom Start zum Ziel gelangen und dabei einige Checkpoints in der richtigen Reihenfolge abklappern, oder es werden mehrere solcher Runden gefahren. Dabei ist es euch selbst überlassen, ob ihr über die Hauptstraßen oder durch die dunklen Nebengassen brettert. Die Hauptsache ist nur, ihr erreicht den nächsten Checkpoint und kommt irgendwie in einem Stück am Ziel an. Natürlich geht es dabei drunter und drüber: Straßenlaternen und Strommasten werden umgefahren, Bäume gerammt und Schaufenster demoliert. Die Gegner rempeln, was das Zeug hält, und wenn dann auch noch die Bullen hinter euch auftauchen und versuchen, euch von der Straße abzudrängen, dann kommt richtig Stimmung auf.
Habt ihr euch eure ersten Sporen verdient und ordentlich Geld gespart, wird es langsam Zeit, den alten VW Golf (oder was auch immer für ein kleines Wägelchen ihr bislang hattet) gegen ein größeres und prolligeres Gefährt einzutauschen. Neben einer Vielzahl von Muscle- und Tunercars warten Luxuslimosinen und Trucks darauf, dass ihr euch hinters Steuer klemmt. Doch auch verschiedene Motorräder wie Sport Bikes und Chopper stehen euch zur Verfügung. Diese bieten nicht nur Abwechslung fürs Auge, sondern haben auch einige Special Moves, die ihr im Rennen einsetzen könnt, sobald ihr sie erlernt habt. Trucks etwa verfügen über den Roar, der nach einigen erfolgreichen Drifts aktiviert werden kann und ordentlich Platz auf der Straße schafft. Auch das Fahren auf zwei Rädern ist mit normalen Autos nur eine Frage der Übung.
Damit ihr jederzeit den Überblick über das Geschehen behaltet, wird unten links eine kleine Karte eingeblendet, wie wir sie von GTA her kennen. Dort seht ihr eine Skizze des umliegenden Straßenverlaufs und könnt so leichter erkennen, wo ihr abbiegen müsst, um den nächsten Checkpoint zu erreichen. Auch die Positionen der Gegner sind hier verzeichnet. Leider verliert man trotz dieser Hilfe anfangs recht häufig die Orientierung. Zwar sind die Checkpoints riesige Leuchtfeuer und nur schwerlich zu übersehen, allerdings wird man von der Streckenführung häufig in die Irre geführt. Dewegen muss man die meisten Rennen mehrmals angehen, denn die Gegner-KI kennt den Weg zum Ziel natürlich bestens und braucht nicht alle paar Sekunden auf die Karte schielen. Etwas gestört hat mich zu Beginn auch, dass manche Kurven so verflucht eng sind, dass ihr mit den ersten Autos kaum eine Chance habt, sie zu durchfahren, ohne irgendwo anzuecken. Habt ihr aber erstmal vernünftige Bremsen und Reifen gekauft und ein Gefühl für die Handbremse entwickelt, lösen sich diese Probleme von selbst. Na ja, mehr oder weniger.
BILDSTRECKE: Midnight Club 3: Dub Edition (PS2) (25 Bilder)
Für den umfangreichen Karrieremodus dürft ihr gut und gerne 15-18 Stunden Spielzeit einplanen, je nachdem, wie viele der optionalen Rennen ihr fahren und wie weit ihr eure Kiste verschönern wollt. Habt ihr dann noch immer nicht genug oder wollt einfach etwas ausspannen, geht es im Arcademodus weiter. Hier könnt ihr vor dem Rennen eine Vielzahl von Parametern wie Tageszeit, Wetter, Anzahl der Gegner, Witterungsbedingungen oder Straßenverkehr einstellen, außerdem stehen euch alle drei Städte und Autos zur Verfügung, die ihr bislang freigespielt habt. Je nach Lust und Laune könnt ihr dann einen der 10 verschiedenen Spielmodi wählen. Mal fährt man auf einer genau vorgegebenen Strecke gegen die Uhr oder den Computer, mal könnt ihr es euch aussuchen, in welcher Reihenfolge ihr die Checkpoints passiert.
Besonders witzig sind dabei die Modi 'Capture the Flag' und 'Rocket': Wie in einem Egoshooter müsst ihr in ersterem eine in der Stadt versteckte Flagge finden und, von den anderen Fahrern verfolgt, zu einem bestimmten Checkpoint bringen, um zu punkten. Bei 'Rocket' dagegen fühlt man sich an Filme wie 'Speed' erinnert, denn hier müsst ihr soviele Checkpoints wie möglich erreichen, ohne ein anderes Fahrzeug zu rammen. Dumm nur, dass ihr alle paar Sekunden automatisch einen Nitro zündet und nicht bremsen könnt. Sogar verschiedene Powerups können im Arcademodus zugelassen werden, außerdem gibt es noch einen Renn-Editor, in dem ihr selbst Checkpoints über die Stadt verteilen und so eine Strecke entwerfen könnt. Ihr seht es schon, für massig Abwechslung ist sogar abseits des ohnehin schon langen Karrieremodus gesorgt.
Natürlich lädt ein Spiel wie Midnight Club 3 geradezu dazu ein, online zu zocken. Dies ist auf der Playstation 2 mit Hilfe des Ethernet-Adapters für 2-7 Spieler möglich. Online könnt ihr dann eine Buddy-Liste mit Freunden erstellen und einem Club beitreten oder selbst einen gründen. Zudem wird im Arcademodus ein neuer Renn-Typ verfügbar, 'Tag Team'. Eine sehr sinnvolle Neuerung gegenüber dem Vorgänger ist die Tatsache, dass sogar ein Host jederzeit ein Rennen verlassen kann, ohne dass es gleich abgebrochen werden muss. Es wird dann einfach der als erster dem Spiel beigetretener zum Host.
Der Preis für die sehr solide Performance sind die eher simplen Texturen bei den restlichen Fahrzeugen. Eure eigene Karre sieht dagegen gut aus, das gilt insbesondere für das detailreiche Schadensmodell, denn nach einigen Crashes weist euer Baby zahllose Dellen, Kratzer und Risse auf, die jedem Hardcoretuner an die Nieren gehen. Insgesamt kommt die Grafik vor allem wegen des Kantenflimmerns nicht ganz an die von Burnout 3 ran, allerdings muss man dabei auch bedenken, dass das Spiel fast genauso schnell wird, wenn man einen Nitro zündet. Bei der schieren Menge an Gebäuden, Verkehr und Lichtern ist das schon eine sehr gute technische Leistung. Zudem halten die Ladezeiten stark in Grenzen, das Spiel schaufelt immer ein ganzes Rennen in den Speicher, so dass ihr direkt weiterzocken könnt, wenn ihr eines wiederholen müsst. Auch mit Popups werdet ihr dank geschickter Streckenführung nur sehr selten belästigt.
Beim Sound hat man sich wieder ganz besonders ins Zeug gelegt, um einen möglichst ausgeglichenen Score zu bieten, der komplett in Dolby ProLogic II präsentiert wird. Hier ist für wirklich jeden etwas dabei, von Trance über Hiphop und Metal wird alles geboten, was das actionreiche Geschehen richtig in Szene setzen kann. Dabei sind auch einige Songs von bekannten Leuten wie NIN oder Marilyn Manson. Erwischt ihr doch mal einen Track, den ihr nicht leiden könnt, benutzt ihr einfach das D-Pad, um ihn zu skippen. Ziemlich gut gelungen ist auch die englische Sprachausgabe der Mechaniker in der Garage. Was mir persönlich aber besonders gefiel war der aggressive Tonfall der Bullen, die einen übers Megaphon erstmal ordentlich anschreien, bevor sie versuchen, einen von der Straße abzudrängen. Fast wie im richtigen Leben.