Need for Speed: Hot Pursuit 2
King of the road
So beschaulich wie in Roger Millers King of the road geht es bei EAs neuestem Rennspiel nicht zur Sache. Das fängt schon mit dem schön gemachten Intro an, welches Euch gut einstimmt in die Action, die noch vor Euch liegt. Gelangt Ihr ins Hauptmenü, habt Ihr sogleich die Möglichkeit auf folgende Spielmodi: Hot Pursuit, Meisterschaft, Herausforderung, Optionen und Schnelles Rennen.
Das Optionsmenü bietet Euch neben den herkömmlichen Einstellungen (Controllersetup, Audio, Head-Up-Display) noch die Möglichkeit, die Sprungkamera, die Euch Euren Wagen von einer Zeitlupen-Außenansicht zeigt sobald Ihr abhebt, zu deaktivieren, das Rumblefeature ein- oder auszuschalten und beim Splitscreen den Bildschirm vertikal oder horizontal zu teilen. Darüber hinaus habt Ihr hier noch Zugriff auf Eure Fahrerdaten, die Euch über alles am Laufenden halten. Hot Pursuit und Meisterschaft unterscheiden sich spielerisch nur darin, dass bei den stattfindenden Rennen im Hot Pursuit Modus die Polizei Euch das Leben schwer macht. Die einzelnen Rennen, hier Event genannt, sind zuerst einmal noch nicht alle zugänglich. Hot Pursuit und Meisterschaft bestehen jeweils aus 33 Events, die wie in einem Baumdiagramm angeordnet sind, wodurch Ihr immer ein Rennen gewinnen müsst, um zum Nächsten vorrücken zu können, bei denen es gilt, Bronze-, Silber- oder Goldmedaillen herauszufahren. Zum Weiterkommen benötigt Ihr mindestens eine Silbermedaille, denn vorher wird das nächste Rennen nicht freigeschaltet. Durch die Medaillen gewinnt Ihr auch Punkte, die Ihr braucht, um im Herausforderungsmodus Strecken und Wagen freischalten zu können. Für die Event-Rennen braucht Ihr die Punkte nicht, da Ihr hier immer die Wagen und Strecke vorgeschrieben bekommt.
Der Herausforderungsmodus kann auch zu zweit bestritten werden. Jedoch müsst Ihr um hier richtig Spaß haben zu können, erst einmal eine Menge Punkte investieren, denn für selber angelegte Turniere müssen die meisten Strecken und Wagen freigeschaltet werden. Einerseits motiviert das ungemein weitere Rennen zu bestreiten, um sich endlich den McLaren F1 oder ein anderes Traumauto kaufen zu können, andererseits ist das für den ein oder anderen ungeduldigen Spieler eher abschreckend. Wer selbst für Recht und Ordnung sorgen möchte und genug von Einzelrennen, Turnieren und Probefahrten hat, kann bei den Herausforderungen auch als Polizist auf die Straße, um Verkehrssündern durch mehrmaliges Rammen einen Strafzettel zu verpassen. Hierbei hat man die gleichen Unterstützungsmöglichkeiten, die auch der Computer nutzt. Diese reichen von einem zweiten Polizeiwagen, der Euch bei der Verfolgung unterstützt, über die gefürchteten Nagelbarrieren, bis hin zu einem Helikopter, der aus der Luft die Strasse mit Bomben zupflastert. Insgesamt stehen Euch zwölf Strecken zum Austoben zur Verfügung, was an sich nicht sehr viel ist. Allerdings können diese Strecken auch noch rückwärts, spiegelverkehrt und rückwärts-spiegelverkehrt gefahren werden, wodurch sich 48 Strecken ergeben. Jede davon weist auch Abzweigungen und Abkürzungen auf, wodurch die Parcours immer wieder neuen Spaß bringen.
Steuerung
Das Need for Speed: Hot Pursuit 2 nicht so sehr auf Realismus, dafür auf unkomplizierten Rennspielspaß setzt, merkt man auch der Steuerung an. Diese ist sehr präzise und lässt kaum Wünsche offen. Gelenkt wird mit dem Analogstick. Die anderen Tasten lassen sich zwar per Optionsmenü anders belegen, jedoch kommt man sehr gut mit der Grundeinstellung zurecht, bei der mit dem A-Knopf Gas gegeben, mit B gebremst, mit X die Handbremse betätigt und mit den L- und R-Tasten hoch und runter geschalten wird. Der gelbe Analogstick dient dem Zurückschauen, da Ihr aber immer einen Rückspiegel zur Verfügung habt, wird dieses Feature eher selten benutzt werden. Mit Y sucht Ihr Euch eine von vier Perspektiven aus und der Z-Button ermöglicht Euch das schnelle Rücksetzen auf die Strasse, solltet Ihr mal eine Kurve nicht mehr bekommen und in die Bande knallen. Seid Ihr als Polizist unterwegs, könnt Ihr die Verstärkungen (Unterstützung durch einen weiteren Polizeiwagen, Nagelbarrieren und Helikopter) durch Drücken auf das digitale Steuerkreuz herbeirufen. Schon nach minimaler Eingewöhnungszeit lässt sich der Wagen sehr gut steuern und vermittelt ein schönes Fahrgefühl. Lobenswert ist auch, dass sämtliche Wagen ein unterschiedliches Fahrverhalten aufweisen, so schaukelt sich ein BMW M5 aufgrund seines höheren Fahrwerks wesentlich mehr auf und hebt auch bei kleineren Kuppen schon ab, während ein McLaren F1 praktisch auf der Strasse klebt. Dies trägt ebenfalls zur Motivation bei, die hart erkämpften Punkte in neue Autos zu investieren, um mit diesen ein paar Runden zu drehen.
Grafik und Sound
Schade, dass EA es nicht mehr fertig gebracht hat einen 60Hz Modus einzubauen, denn stellenweise nimmt man beim Spielen kleine Ruckler wahr, die allerdings nach kurzer Spielzeit nicht mehr besonders auffallen. An der Grafik kann das wohl nicht liegen, denn die ist zwar gut, geizt aber sehr mit Spezialeffekten. Gerade das Replay ist hier sehr negativ aufgefallen. Anders wie bei Gran Turismo, wo Euch die Wiederholungen aus verschiedenen Kameraperspektiven mit atemberaubender Grafik präsentiert wurden, seht Ihr bei Need for Speed das Replay nur aus der von Euch beim Rennen gewählten Perspektive. Bis auf wenige Ausnahmen wirken die meisten Strecken sehr leblos. Wirklich schön anzusehen, sind die Strecken, die Euch durch herbstliche Wälder führen, hier bekommt Ihr auch Aufgrund der Randbebauungen einen guten Eindruck von Eurem Speed verpasst. Dafür überzeugt der Sound des Spiels, gerade der Funkverkehr zwischen den Polizisten trägt sehr zur Atmosphäre bei. Die Musik ist ebenfalls gelungen und bietet Euch unter anderem Songs von Uncle Kracker, Bush, Rush und anderen. Übrigens werden die Titel, sobald sie abgespielt werden kurz unten links eingeblendet, wie bei einem Musikvideo, in meinen Augen ein gutes Feature, falls man sich mal den einen oder anderen Ohrwurm zulegen möchte und bisher nicht wusste, von wem der ist. Die Motorensounds wissen ebenfalls zu gefallen, denn jedes Auto wartet mit einem anderen Sound auf. Sogar die Hupen wurden für jedes Auto unterschiedlich gestaltet. Die meiste Zeit werdet Ihr aber wahrscheinlich eh die heulenden Sirenen der Cops hinter Euch hören.
Fazit
Bisher wurde ja der GameCube nicht gerade mit Rennspielen überschüttet, vor allem nicht mit Spitzentiteln. Umso mehr sind gute Rennspiele gern gesehen und dazu zählt EAs Need for Speed: Hot Pursuit 2 allemal. Lediglich die kleinen Ruckler zwischendurch stören, fallen aber nach kurzem Spielen nicht mehr auf und die Grafik hätte man sich einen Tick besser vorstellen können, zum Beispiel ein paar Details mehr um die Strecken herum oder hier und da ein paar Grafikeffekte, schließlich spielt das Auge ja mit. Deswegen hat es dann doch nicht ganz zum Award gereicht. Bis auf diese Mängel hat EA ein, in sich stimmiges Produkt abgeliefert, welches auch noch komplett eingedeutscht wurde. Wer auf der Suche nach einem Rennspiel für den GameCube ist, sollte sich also auf jeden Fall einmal Need for Speed: Hot Pursuit 2 anschauen.
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