Nightshade

Review
Plattform
Sony Playstation 2
Vertrieb
Sony
Entwickler
Sonic Team
Erscheinungsdatum
-
Genre
Action
USK
16
Nightshade [PS2 , Justgamers]

Gesamtwertung

75%/10

Grafik

Mangelhaft

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Befriedigend

Bedienung

Sehr gut

Nightshade

Der weibliche Touch

Während SEGA in den vergangenen Monaten eine Kehrtwende in der Firmenpolitik hingelegt hat und aufgrund des zu Unrecht gefloppten Dreamcast als Third-Party-Publisher sein Glück versucht, scheint man sich bei der Auswahl der Entwicklungen auf alte Tugenden zu verlassen und greift immer mehr auf angestaubte Marken zurück.

So beglückte uns die japanische Edelschmiede 2002 mit einer 3D-Neuauflage der „Shinobi“-Serie, die nun in die zweite Runde geht. In „Nightshade“ schlüpft ihr diesmal jedoch nicht die weiße Robe von Ninja Hotsuma, sondern verkörpert eine deutlich wohlgeformtere Kunoichi, also den weiblichen Pedant der Ninja-Gattung.

Hibana, so der Name der Titelheldin, tritt im Verlauf ihres Abenteuers gegen die fiese Nakatomie Corporation an, welche die Hölle in Form von Hellspawn-Kreaturen in Tokyo entfesselt. Um die garstigen Wesen wieder loszuwerden, muss sich Hibana durch insgesamt zwölf lineare Levelabschnitte - Bosskampf inklusive - metzeln und nebenbei ein legendäres Schwert finden. Die sehr asiatische Geschichte wird mit Hilfe durch Rendersequenzen vorangetrieben, welche zwar inhaltlich keinen Preis gewinnen mögen, aber technisch auf höchstem Niveau sind und eine gelungene Belohnung für die teils unverschämt schweren Spielabschnitte darstellen.

Continue?

Spielerisch hat sich im Vergleich zum Vorgänger auf den ersten Blick nur wenig getan. Hibana kämpft wie ihr Vorgänger Hotsuma aus der Third-Person-Perspektive durch Gegnerhorden, verteilt Fußtritte, überwindet mittels Doppelsprung bodenlose Abgründe und beherrscht so ziemlich jeden Trick aus dem Ninja-Handbuch. So lauft ihr beispielsweise gekonnt Wände entlang.

Während also die Grundelemente gegenüber „Shinobi“ gleich geblieben sind, muss man den Unterschied im Detail suchen. Schon SEGAs PlayStation2-Erstling setzt den Gameplay-Fokus weniger auf die Kampfszenen als vielmehr auf extrem fordernde Sprungeinlagen. Da Hibana mittels Spurtfunktion kurzzeitig in der Luft schweben kann und sich zudem auf Knopfdruck von Gegnern abstößt, um so noch länger in der Luft zu verweilen, ist es theoretisch möglich, ganze Levelabschnitte zu meistern, ohne auch nur einmal den Fuß auf den Boden zu setzen.

Während anfangs solche Sprungkombinationen nur der Highscore zu Gute kommen, fordern spätere Spielabschnitte solche Sprungeinlagen, um teils minutenlange Abgründe zu überwinden. Wer hier dabei auch nur einen Fehler macht, sieht sich mit der endlosen Tiefe konfrontiert und darf meist eines der begrenzten Continues opfern.

Damit richtet sich „Nightshade“ vom Schwierigkeitsgrad klar an die erfahrenen Zocker. Frustrierend wird das Geschehen dennoch nicht, da die Abschnitte zwar fordern, aber nie unfair erscheinen. Die Kontrollen sind sehr direkt und ermöglichen ein sehr genaues Steuern und dank fixer 60 Bilder pro Sekunde könnt ihr eure Sprünge stets gefühlvoll timen.

Tata…äh…Ta-Te

Ein weiterer Gameplay-Schwerpunkt liegt bei den „Tate“s. Hierbei handelt es sich um Angriffscombos, bei denen ihr mindestens vier Widersacher innerhalb kurzer Zeit aufschlitzt. Auch hier winken euch mehr Punkte und mit jeder weiteren Attacke in Folge nimmt zudem eure Angriffskraft zu. Ist dies anfangs noch ein nettes Goodie, kann man spätere Endgegner nur noch mit so gestärkten Angriffen attackieren, da ihnen normale Schlagkombinationen fast nichts mehr anhaben.

Wenn jedoch wirklich Not an der Frau ist, verfügt Hibana noch über einige Spezialattacken. Wie jeder anständige Ninja kann auch die junge Dame auf eine begrenzte Anzahl magischer Attacken zurückgreifen und die mitgeführten Shurikens mögen die Feinde zwar nicht beschädigen, jedoch werden eure Widersacher durch die Wurfgeschosse kurzzeitig betäubt, womit sie leichte Beute sind.

Wer schließlich auf sein Katana verzichten kann und auf die deutlich schwächeren Kurzklingen der Ninja-Dame zurückgreift, baut mit jedem besiegten Gegner langsam seine „Chakra“-Anzeige auf, um so bis zu drei besonders verheerende Angriffe vom Stapel lassen zu können.

Langes Augenflimmern

All eure magischen Tricks helfen euch jedoch nur wenig bei den Sprungeinlagen, wie schon „Shinobi“ gezeigt hat. Glücklicherweise hat sich SEGA die Kritik am Erstling zu Herzen genommen und „Nightshade“ im Schwierigkeitsgrad zumindest ansatzweise entschärft. Musste man im ersten Ninja-Spektakel nach dem Ableben immer vom Levelbeginn neu starten, wenn man den Endgegner zuvor nicht erreicht hatte, bietet „Nightshade“ nun human verteilte Checkpoints, welche die spielerische Anforderungen ansatzweise minieren. Ebenfalls einsteigerfreundlich: Ein umfangreiches Tutorial bringt euch die Spielmechanik näher und dank vier Schwierigkeitsgrade lassen sich zumindest die Kämpfe den eigenen Fähigkeiten anpassen. Wer durchhält und „Nightshade“ erfolgreich beendet, wird zudem mit allerlei Extras belohnt. So erwarten euch freispielbare Missionen und besonders gute Leistungen im Spiel schalten Artworks und zusätzliche Spielcharaktere frei.

Leider sind die Artworks jedoch beinah schon das grafische Highlight des Spiels, da die Ingame-Optik doch stark enttäuscht. Zwar läuft das Geschehen wie schon erwähnt schön flüssig ab, angesichts der kargen Optik verwundert dies jedoch nicht weiter. Die Texturen sind verwaschen und entbehren jeglicher Details, die Umgebung und Gegner sind größtenteils grob gestaltet und das extrem heftige Flimmern ist alles andere als augenfreundlich. Da kann dann schon eher der Sound überzeugen. Die Mischung aus Japano-Sound und Synthi-Pop gefällt und passt vor allem sehr gut zum Ninja-Szenario und auch die englischen Sprecher leisten gute Arbeit. Eine deutsche Synchronisation sucht ihr leider vergeblich. Das Spiel bietet nur deutsche Untertitel, welche sich jedoch auch ausblenden lassen. Zumindest hat man bei der Anpassung für Deutschland an den 60 Hz-Modus gedacht, so dass Zocker mit dem entsprechenden TV-Gerät das Spiel in Originalgeschwindigkeit genießen können.

Fazit

Wer mit dem Technikunfall Saturn umgehen kann, holt auch aus der PlayStation2 das Letzte heraus? So langsam kommen mir bei SEGA da echte Zweifel. Grafisch ist Nightshade wie schon sein Vorgänger Shinobi eine mittlere Katastrophe. Unsägliches Flimmern, maue Texturen, extrem wenig Polygone – da sahen sogar einige Launchtitel der PS2 besser aus. Dabei wäre prozenttechnisch mit einer etwas besseren Technik deutlich mehr drin gewesen. Das Gameplay weckt zwar mit seinen actionbetonten und sehr gradlinigen Levels nostalgische Erinnerungen an das Ur-Shinobi, wer jedoch auf klassische Actiontitel steht, bekommt eine Spielmechanik vom Feinsten geboten. Die Steuerung geht sehr gut von der Hand und auch wenn der Titel durch seine vielen Abgründe, welche zum sofortigen Game Over führen, sowie den teils mörderisch-schweren Endboss-Kämpfen alles andere als einfach ist, bleibt das Spielgeschehen doch stets fair. Zudem weiß der Umfang zu gefallen. Werden euch die zwölf Missionen der Kampagne schon einige Zeit auf Trab halten, so bietet das Spiel genug freispielbare Extras, um auch nach Wochen noch zu motivieren. Action-Fans, die mehr Wert auf Spielinhalt wie auf Grafik legen und in fordernden Spielabschnitten einen Motivationsgrund finden, können zugreifen. Der Rest wartet auf das gemächlichere, jedoch massenmarktkompatiblere Onimusha 3.

Nightshade [PS2 , Justgamers]

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