Odin Sphere

Review
Plattform
Sony Playstation 2
Vertrieb
Ubisoft
Entwickler
Vanillaware
Erscheinungsdatum
-
Genre
RPG
USK
6
Odin Sphere [PS2 , looki.de]

Gesamtwertung

92%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Sehr gut

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Sehr gut

Odin Sphere

Es gibt diese wenig beachteten, meist nur zu importierenden Kleinods der Spieleindustrie, die beinahe zum Abfallprodukt geworden sind. Die Spiele, die jeden sofort verzaubern, der sie zufällig in seine Konsole oder seinen Rechenknecht einlegt und doch auf Grund ihrer Eigenständigkeit und teilweise auch wegen ihrer Skurrilität in der Masse untergehen. Die Games, deren ungebremste Individualität und Originalität die Mainstreampresse abschreckt und den Casual Gamer überfordern. Odin Sphere reiht sich in die kleine, aber feine Halle dieser Titel ein. Das Wunder daran ist, dass Square Enix keine Kosten und Mühe scheute, um das Spiel auch für uns Europäer zu lokalisieren. Dass wir das allerdings in Form von Verkaufszahlen zurückzahlen werden, darf bezweifelt werden. Für alle, die jedoch auf der Suche nach einem einzigartigen Spiel im Stile eines Okami sind, dürfte unser Test durchaus interessanter sein, als so mancher zu einem Blockbustertitel.

Odin Sphere ist nichts für Gelegenheitsspieler. Es ist ein Spiel, für all diejenigen Zocker, die sich auch und vor allem an elementaren Dingen, wie dem Zeichenstil und dem auf's Zen-artige Minimum reduzierte Gameplay, dass genau aus diesen Umständen erwächst und in Spielspaß mündet, erfreuen können. Fünf unterschiedliche Storylines und eben so viele Helden stellt uns Odin Sphere vor.

Letztlich münden die Erzählstränge selbstverständlich in einander, so dass man in den späteren Abschnitten einen immer stärkeren Draht zu den Charakteren knüpft und in der Geschichte aufzugehen vermag. Dabei beginnt alles recht widersprüchlich. Denn zunächst einmal zieht man als Walküre und somit als Tochter eines Gewalt verherrlichenden Königs in dessen Schlacht, um andere Völker zu unterdrücken. Der Oberste des Landes ist auf der Suche nach der ultimativen Waffe, zur Unterdrückung aller anderen Nationen. Die existiert irgendwo im Niemandsland und soll von der Heldin ausfindig gemacht und in die Heimat gebracht werden. Glücklicherweise gelingt dieses Unterfangen nicht sofort, so dass Walküre im Laufe ihrer Geschichte durchaus lernt zu differenzieren, um dann endlich die moralische Wahrheit zu finden und dem Vater Paroli zu bieten. Wer Square-Enix kennt, der weiß, dass wenn sie sich Mühe geben immer exzellente Geschichten entstehen. So überrascht auch Odin Sphere mit vielen Storywendungen und anderen Begebenheiten, die den Spieler an den Titel fesseln.

Letztlich würde man Odin Sphere sogar weiter spielen, wenn das Gameplay lediglich aus Rechenaufgaben bestehen würde, nur um der spannenden Story folgen zu können. Glücklicherweise hat das eigentliche Spiel aber einiges mehr zu bieten. Auch wenn es sich im wesentlichen auf den schnellen Echtzeitkampf beschränkt, so wissen doch die Feinde diese abwechslungsreich und interessant zu gestalten. Die verschiedenen Gegnertypen sehen nicht nur genial aus, sondern greifen auch extrem verschieden an. Manche können fliegen und schießen mit Feuerbällen und Pfeilen um sich, andere bringen die Helden durch ihre verheerenden Sprungattacken zur Verzweiflung. Die diversen Endgegner erstrahlen in einer kreativen Pracht, dass man sie eigentlich mehr als nur einmal bekämpfen möchte. Taktische Kniffe, sowie ein geschicktes Händchen am Pad sind gegen die Bosse genauso wichtig, wie Geduld und genügend Items. Diese kann man übrigens nicht nur beim Händler kaufen, sondern auch selbst herstellen. Ein ausgefeiltes Alchemiesystem mit unglaublich vielen Variationen und die Möglichkeit, eigene Heilpflanzen während eines Kampfes anzubauen, bereichern das Gameplay nicht nur, sondern lockern es auch durch ihren Abwechslungsreichtum gehörig auf.

Wichtig in diesem Zusammenhang zu erwähnen ist, dass jeder getötete Gegner so genannte Photonen fallen lässt, die der Held entweder aufsaugen kann oder aber durch die von ihm gepflanzten Bäumchen aufgesogen werden. Dadurch wachsen nämlich die heilenden Früchte. Entscheidet man sich aber selbst Gebrauch davon zu machen, so levelt man nicht nur seine dies bezügliche Anzeige auf, sondern füllt sie gleich direkt mit. Ist sie erst einmal komplett aufgeladen, kann man zwischen den unterschiedlichsten Fähigkeiten wählen, die den Kampf enorm erleichtern. So wird beispielsweise ein herbeigerufener Wirbelsturm eine Horde eher schwacher Gegner einfach hinweg fegen. Für Bosse eignen sich dann natürlich speziell auf einen Gegner ausgerichtete Zauber. Neben der Lebensanzeige, die vor allem auf dem richtig guten, schweren Schwierigkeitsgrad recht schnell sinkt, muss man übrigens während der Kämpfe auch auf seine Ausdauer anzeige achten. Durch Angriffe sinkt diese.

Ist jedwede Power verbraucht, wird der Held eine Zeit lang gelähmt. Vor allem, wenn eine Horde angreift, stellt sich dies schnell als Todesurteil heraus. Statusänderungen spielen in Odin Sphere sowieso eine große Rolle.

Durch den fordernden Schwierigkeitsgrad wird es auch nie langweilig. Man selbst kann diese natürlich bei Gegnern herbeiführen und sie so versteinern oder einfrieren. Aber auch die Feinde wissen sich zu helfen.

Um vollständig begreifen zu können, wie sich Odin Sphere spielt, muss man wissen, dass sich jedes Dungeon und jede Landschaft in mehrere Areale aufteilt, die wiederum immer kreisförmig aufgebaut sind. So befinden sich in jeder Area ein oder mehrere Ausgänge. Diese können aber erst wieder benutzt werden, wenn alle Gegner beseitigt wurden. Durch die runde Form bieten sich viele taktische Möglichkeiten, wie etwa ein Angriff aus dem Hinterhalt. Dies mag zunächst etwas seltsam anmuten, weiß aber im späteren Spielverlauf als perfekt durchdacht zu überzeugen. Auch, dass man nicht jedes Areal durchqueren muss, um zum jeweiligen Boss zu gelangen, lässt Handlungsspielraum.

Man kann sich also entscheiden, ob es bessere wäre, den Endgegner so schnell es geht zu attackieren oder, sofern die Heilmittel ausreichen, man einen Umweg geht, um noch ein seltenes Item abzustauben. Auf der Karte wird alles detailliert angezeigt.

Das Großartige daran ist, dass der Schwierigkeitsgrad jedes Areals gleich mit angezeigt wird. So kann man bequem entscheiden, ob sich ein Angriff lohnt oder nicht. Das Gameplay ändert sich während des Spiels kaum, weiß aber durchweg durch die vielen strategischen Möglichkeiten und die zusätzlichen Features zu überzeugen.

Grafisch Top!

Grafisch stellt Odin Sphere die größte Innovation seit Okami dar. Die wunderschönen 2D-Umgebungen strotzen vor Detailreichtum und Liebe zum Design. Genauso trifft dies auf alle Gegner, die Helden, die Items und sonstige Dinge, die Odin Sphere ausmachen, zu. Es gibt nichts, dass dahin geschludert wirkt, unscharf ist oder flimmert. Auch auf einer riesigen HD-Mattscheibe sieht der Titel weich und glasklar aus. Für uns besticht Odin Sphere durch die schönste, detailliertes Grafik, die es dieses Jahr bisher zu bestaunen gab. Da können auch Blockbuster nicht mithalten, weil der Charme und die Liebe zum Detail so manche Grafikpracht ganz einfach überstrahlen. Genial ist auch, dass man nicht nur die englische Sprachausgabe vernehmen darf, sondern die Geschichte bei Bedarf auch in Japanisch erleben kann. Deutsche Untertitel gibt es logischerweise auch. Beide Sprachausgaben klingen inspiriert und sorgen mit der gigantischen musikalischen Untermalung, die schon fast an Nobou Uematsu erinnert, für die richtige Atmosphäre. Auch die sonstigen Soundeffekte überzeugen und stehen denen eines PlayStation 3-Spiels in Sachen Klangqualität in rein gar Nichts nach.

Fazit

Odin Sphere ist genau das geworden, was wir erwartet haben. Ein Spiel abseits der Mainstreamerwartungen. Dafür zaubert es soviel Charme und Liebe zum Detail auf die heimische Mattscheibe, wie zuletzt Okami. Der Titel schreibt Videospielgeschichte, indem er beweist, dass Einfallsreichtum und Mut zum Anderssein nicht einher mit Bedeutungslosigkeit geht. Durch die perfekte grafische Gestaltung, das hervorragende Klangbild, die fesselnde Story und das fordernde und abwechslungsreiche Gameplay kann Odin Sphere als Kunstwerk unter den Videospielen angesehen werden, dass allerdings wohl kaum etwas für den Gelegenheitszocker für nebenan sein dürfte.

Odin Sphere [PS2 , looki.de]

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