Gesamtwertung86%/10 |
GrafikSehr gut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungBefriedigend |
So gut wie jeder PlayStation 2-Eigentümer, der einmal etwas von Okami gehört oder gesehen hat, dürfte der Veröffentlichung hierzulande entgegen gefiebert haben. Versprachen uns Capcom und nicht zuletzt auch die grandiosen japanischen und amerikanischen Wertungen der Spielemagazine doch einen echten Knüller. Am Ende stellt sich eigentlich nur eine wesentliche Frage, die wir im Verlauf des Review erörtern wollen: Ist Okami ein gänzlich neues Spielerlebnis oder übertüncht der Titel durch farbenfrohe und detailreiche Landschaften und eine entzückende Geschichte nur seine Action-Adventure-Wurzeln?
Die Sonnengöttin
Lange bevor die eigentliche Geschichte beginnt, etwa 100 Jahre vorher, berichten Legenden von einer achtköpfigen Riesenschlange, die aus der Unterwelt geschickt wurde, um die Erde in Dunkelheit zu hüllen. Damals waren die Menschen dieser bösen Macht ausgeliefert und konnten nur durch eine weiße Wölfin gerettet werden, die sich dem Monster nicht nur in den Weg stellte, sondern selbiges auch unschädlich machte. Ihr zur Seite stand der beste Krieger der damaligen Zeit, dessen Schwert die Verbannung der Riesenschlange besiegelte. Nun aber ist die Welt erneut einer großen Bedrohung ausgesetzt und das auf Grund eines einzigen Trunkenbolds, der in seinem Vollrausch mit Hochgenuss das Schwert des großen Helden aus der Erde zog und somit den Bannzauber aufhob. Mit einem Mal sterben alle Pflanzen ab, die prächtige Welt von Okami verwandelt sich in eine Einöde, die nichts zum Leben übrig lässt. Die dunkle Macht ist während ihrer Ruhephase sogar erstarkt, sodass sich selbst die Menschen in Stein verwandeln. Nun liegt es, wie so oft, an einem einzigen Wesen wieder Glanz und Leben in das Chaos zu bringen und die Dunkelheit zurückzuschlagen.
Das Interessante dabei ist, dass diesmal kein edler Held dieses scheinbar unmögliche Unterfangen in die Tat umsetzen will, sondern eine Göttin. Die Sonnengöttin Amaterasu. Sie betritt die Erde in Form einer weißen Wölfin und ist ganz nebenbei noch die Mutter allen Seins. Dass dieses Wesen es mit den bösen Kräften aufzunehmen vermag, klingt viel plausibler, als wenn sich Gandalf und Konsorten mehreren übermächtigen Armeen stellen.
Doch man könnte meinen, dass Spielen in Wolfsgestalt verliere schnell an Reiz, denn eigentlich haben Tiere nur sehr wenige Kampfmoves im Angebot. Da es sich bei unserer Protagonistin aber um eine Göttin handelt, haben die Entwickler ihr andere, untypische Waffen in die Hand gegeben. Im Spiel werdet ihr kein Schwert schwingen und keinen Pfeil abschießen. Viel mehr könnt ihr mit eurer Schnauze angreifen. Um die Gegner allerdings dauerhaft zu zerstören, solltet ihr eure Pinselfertigkeiten einsetzen.
Das mag zunächst etwas komisch klingen. Doch allen Skeptikern sei gesagt, Okami spielt in der Welt der asiatischen Mythologie. Nichts ist wie es scheint und genau das macht den unvergleichbaren Reiz des Spiels aus. Götter können so ziemlich alles verändern und so ziemliches alles in Okami ist ein Gott. Glücklicherweise ist Amaterasu einer der stärkeren Sorte, so dass ihre Veränderungen durchaus Auswirkungen auf die magische Welt haben. Insgesamt gibt es dreizehn verschiedene göttliche Pinseltechniken, die ihr im Laufe des Abenteuers erlernen werdet, und deren Nutzen von unbeschreiblicher Größe ist. Denn nur, wer mit dem Pinsel umgehen kann, wird letztlich das Übel von der Welt tilgen. Im Kampf beispielsweise bringt man die Gegner durch die Standardattacke aus dem Rhythmus, dann schnell ein Knopfdruck und das Bild friert ein. Nun kann man in aller Ruhe zeichnen. Ein gerader Strich waagerecht über das ausgewählte Monster, lässt es durch eine göttliche Macht entweder in Zwei schneiden oder aber deutlich an Lebenspunkten verlieren. Die Kämpfe spielen sich immer in abgegrenzten Arealen ab, jedoch schaltet das Spiel dafür nicht in einen Schlachtmodus. Für lange Zeit wissen die Gefechte auch zu gefallen, vor allem die gut ausgetüftelten Endgegner. Durch bestimmte Schriftrollen und Heilmittel, die Items symbolisieren, wird das Geschehen etwas taktischer gestaltet. Große Herausforderungen bietet das Kampfsystem allerdings selten.
Im Laufe des Spiels bemerkt man aber, dass das Kampfsystem überhaupt nicht den Mittelpunkt des Spiels darstellt. Vielmehr erfreut sich das Spielerherz daran, die öde und langweilige dunkle Welt wieder zu begrünen. Durch bestimmte Pinseltechniken kann man nämlich verseuchte Gebiete erneuern. Beispielweise zeichnet man einen Kreis um die Krone eines verwelkten Baums und schon blüht dieser wieder, wie in seinen besten Jahren. Selbiges macht man mit Grünflächen und so weiter. Die einzigartige grafische Gestaltung kommt dadurch nur noch eindrucksvoller zum Vorschein. Doch dazu später mehr. Die Pinseltechniken können beispielsweise auch dazu benutzt werden, um eine Sonne an den dunklen Himmel zu zaubern, um verloren gegangene Gegenstände, wie Wäscheständer und Brücken, wieder herzustellen oder kleine Gefallen für Bewohner der Welt zu leisten, damit dieses wieder an die Götter und vor allem an Amaterasu glauben.
Letzteres läuft meist auf kleine Minispiele hinaus, die wirklich lustig und abwechslungsreich sind. Beispielweise muss man den Rekord eines Hundes im 'Rüben-ausbuddeln' auf einem Feld brechen, ohne dabei von der wütenden Frau, die hinter einem herjagt, verprügelt zu werden.
Leider 'Gottes' braucht die Geschichte ewige Zeiten bis sie wirklich anläuft und bis dahin fühlt man sich nach einigen Stunden wie in 'Täglich grüßt das Murmeltier'. Zwar sind die innovativen Gameplaykonzepte aufgegangen, doch eine Garantie für unbegrenzten Langzeitspaß ist dies nicht. Viel zu oft muss man viele bekannte Dinge wiederholen. Die Welt ist in Abschnitte unterteilt, die nacheinander abgearbeitet werden müssen. Mehr Freiheit und etwas weniger Pausenfüller hätten dem Spiel gut getan. Was allerdings nicht bedeutet, dass es zu linear ist. Man kann sich durchaus frei bewegen, doch um bestimmte Storyteile freizuschalten, muss man meist einem bestimmten Weg folgen. Der Schwierigkeitsgrad ist teilweise fordernd, teilweise aber auch zu niedrig angesetzt.
Die Steuerung etwas gewöhnungsbedürftig und die Kamera hat leider öfter kleine Aussetzer, wenngleich man die Perspektive nach eigenem Ermessen ändern kann. Diese kleinen Macken gehen aber größtenteils in der lustigen und verspielten Geschichte unter.
Genialer Stil
Wäre Okami in normalem 3D gehalten, so würde man die guten Ansätze des Gameplays loben, aber niemals eine wirkliche Empfehlung aussprechen. Doch da Okami im besten, detailreichsten und künstlerisch großartigsten Cel-Shading-Look aller Zeiten zu bestaunen ist, katapultiert es sich in die höheren Wertungsregionen. Sobald man die Welt zurück ins Licht bringt, möchte man gar nicht mehr wegschauen. Die mystische Stimmung des Spiels wird durch die tolle Engine und das noch bessere Design hervorragend untermalt. Die Figuren wirken zwar nicht realitätsnah, dafür aber umso stimmiger, die Kämpfe sprühen nur so von überschwänglichen Farben und es ist einfach ein wunderbares Gefühl, der Welt beim wachsen zuzusehen. Ein Beispiel für die Detailverliebtheit, mit der gearbeitet wurde ist, die Protagonistin selbst. Sie, als Mutter allen Lebens, hinterlässt auf dem Boden auf dem sie gegangen ist, Pflanzen, die sofort aufblühen und sogleich wieder verwelken, wenn sie sich weiter entfernt.
Die Musik ist ein weiteres kleines Wunder. Wie perfekt die östlichen Klänge die Atmosphäre unterstreichen ist fast unbeschreiblich.. Sollte irgendwann ein O.S.T. erscheinen, und das wird er, bin ich der Erste, der im Laden steht. Einzig die beknackten, leider kann man es nicht anders ausdrücken, Sounds, die einem ins Ohr dringen, wenn die Charaktere angeblich gerade sprechen, sind unverzeihlich. Sie rauben ein gutes Stück an Atmosphäre und sind vor allem bei dem 30-minütigen Intro sehr störend.
Mach Dir einen Namen im Dark Orbit. Allein oder mit Verbündeten wagst Du Dich in weit entfernte Sternen- systeme vor und kämpfst um 10.000 € zum Spiel...
Okami im Test.
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