Onimusha 3: Demon Siege

Review
Plattform
Sony Playstation 2
Vertrieb
Capcom
Entwickler
Capcom
Erscheinungsdatum
-
Genre
Abenteuer
USK
16
Onimusha 3: Demon Siege [PS2 , looki.de]

Gesamtwertung

82%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Onimusha 3: Demon Siege

Back to the future

Videospielhelden haben es schwer. Kaum luchst Mario Stachelpanzer Bowser die Prinzessin ab, taucht der Oberschurke schon an einer anderen Stelle erneut auf und macht Stunk. Dem japanischen TV-Star und Held der „Onimusha“-Serie Samanosuke Akechi geht es da kaum besser: Die eigene Familie gemeuchelt, von höheren Kräften als Dämonenjäger auserkoren, muss der mittelalterliche Samurai ein um andere Mal die Höllenbrut um Dämonenlord Nobunaga in ihre Schranken weisen. Zu allem Überfluss spielt nun auch noch die Zeit Samanosuke einen üblen Streich und verfrachtet ihn ins moderne Paris, welches gerade in dem Augenblick ebenfalls von Dämonen heimgesucht wird.

Hier erwehrt sich der Elitesoldat Jacques gegen die Monster, nur um selbst wenige Sekunden später im mittelalterlichen Japan zu landen. Wer beim ersten Auftritt von Jacques übrigens dieses gewisse „Den kenn ich doch“-Gefühl hat, sollte sich nicht wundern:

Griff man bei Capcom schon bei der Figur Samanosuke auf einen bekannten (japanischen) Schauspieler der Neuzeit zurück, um diesen digital ins Spiel einzubinden, feiert mit „Onimusha 3: Demon Siege“ nun der französische Schauerspieler Jean Reno sein virtuelles Debüt.

Kinospaß im Doppelpack

Erzählt wird das nette Zeitreiseepos dabei in unzähligen phänomenalen Render- sowie Ingame-Zwischensequenzen. Besonderes Lob verdient sich Capcom dabei für das mehrminütige Intro, welches selbst bei Squaresoft-Fans dafür sorgen dürfte, dass diese ihr Kinn auf dem Fußboden suchen müssen. Schöner und cineastischer sind bis dato nur wenige Renderfilmchen gewesen. Die Handlung selbst kann jedoch leider nicht ganz mit der Präsentation mithalten. Wenngleich sicherlich nett erzählt, mangelt es der Geschichte größtenteils am nötigen Fokus. Die Handlung verhaspelt sich in zu vielen Nebensträngen und einige der Nebencharaktere kratzen gehörig am Nervenkostüm des Spielers. Vor allem die kleine Fee Ako hat eine natürliche Begabung, sich zum unpassendsten Zeitpunkt mit Slapstick-Einlagen Aufmerksamkeit zu verschaffen.

Im Gegenzug hilft sie euch im späteren Spielverlauf dabei, Gegenstände zwischen den beiden spielbaren Charakteren Samanosuke und Jacques auszutauschen. Überhaupt muss man Capcom ein Lob für die ordentliche Einbindung des Zeitreise-Features ins Gameplay aussprechen. Nicht selten durchlaufen beide Spielfiguren die gleiche Gegend, nur eben in unterschiedlichen Epochen, so dass beispielsweise eine Aktion, die Jacques Jahrhunderte vor Samanosukes Erkundungstour ausgeführt hat, diesem in der Neuzeit zu Gute kommt.

Onimusha 3-D

Doch nicht nur die netten Zeitreiserätsel sind im dritten Teil der Serie hinzugekommen, erstmals erkundet ihr die Welt von „Onimusha“ in einer schicken 3D-Optik. Die Renderbauten von einst sind nun schicken Polygongemäuern gewichen. Zwar ist die Grafik damit nicht mehr ganz so detailliert wie noch zu Zeiten des zweiten Teils, dennoch ist Capcom der Grafikwechsel außerordentlich gut geglückt. Sieht man von einigen Rucklern ab, welche in besonderes aufwändigen Szenen vorkommen, feuert „Demon Siege“ ein Grafikfeuerwerk auf der PlayStation2 ab, wie man es schon lange nicht mehr bestaunen konnte. Tolle Partikeleffekte, geschmeidige Animationen und schicke Texturen zeugen von der Programmierkunst der Japaner. Leider nutzt man die neue Optik jedoch nicht, um einen der Hauptmankos der Serie zu beseitigen: Trotz Echzeitgrafik setzt auch der dritte Teil der „Onimusha“-Serie auf eine fixe Kameraperspektive, welche zu Übersichtsproblemen führt. Nicht selten attackieren euch Gegner aus einem toten Winkel und schnelle Kamerawechsel stören bei der Orientierung.

Während sich diese Fauxpas also unverständlicherweise erneut wieder finden, hat man in Japan zumindest das zweite große Problem der Serie in den Griff bekommen, die antiquierte Steuerung. Musste man in den letzten beiden Episoden noch mit einer trägen Digitalkreuzsteuerung Vorlieb nehmen, die direkt aus den „Resident Evil“-Episoden übernommen wurde, passt die neue Analogsteuerung nun deutlich besser zur schnellen Kampfaktion des Spiels. Wer trotz allem nicht auf die alte Steuerung verzichten will, kann die beiden Helden via Digitalpad immer noch nach altem Muster durch die Landschaft bugsieren.

Blut in Strömen

Am Spielverlauf selbst hat sich nur wenig geändert. Entweder als Samanosuke mit allerlei Schwertern bewaffnet oder als Peitsche schwingender Jacques erkundet ihr meist sehr lineare Levelabschnitte und erwehrt euch der teils gigantischen Gegnerhorden. Neben zwei Angriffsvarianten sowie einer Blockmöglichkeit helfen euch vor allem diverse Zaubersprüche, die ihr im Verlauf des Spiels lernt und die leider auch gehörig an eurem Magie-Vorrat zehren. Glücklicherweise hinterlassen besiegte Feinde immer wieder Seelensteine, mit denen sich je nach Farbe Gesundheit und Magie wieder auffüllen oder die eigene Ausrüstung aufwerten lassen. Anspruchsvoll sind die Kämpfe jedoch zu keinem Zeitpunkt. Meist reicht einfaches Knöpfehämmern, um bei einem Kampf als Sieger hervorzugehen. Wer dennoch etwas taktischer spielt und vor allem auf sein Timing achtet, wird mit zusätzlichen Seelensteinen belohnt.

Unterbrochen werden die Kämpfe durch gelegentliche Rätseleinlagen, welche jedoch nicht weiter tragisch sind und sich meist auf das Auffinden bestimmter Gegenstände oder das Verschieben von Objekten beschränken. Besonders schwer wird es entsprechend zu keiner Zeit. Wer wiedererwartend dennoch zu häufig scheitert, erhält die Möglichkeit, den Schwierigkeitsgrad eine Stufe herunterzuschrauben. Spätestens dann sollten selbst Genre-Neulinge keine Probleme haben, das Ende des Spiels zu bestaunen, welches leider viel zu früh kommt. Nach knapp 15 Stunden rollen schon die Credits über Bildschirm und einzig ein zusätzlicher Schwierigkeitsgrad und diverse freispielbare Extras laden zum erneuten Durchspielen ein.

Bleibt abschließend noch etwas zur Akustik und der Lokalisierung des Spiels zu sagen: Serientypisch setzt Capcom auch bei „Demon Siege“ auf epochale Orchestermusik, welche die Spielszenen schön unterstreichen, und auch die englische, beziehungsweise französische Sprachausgabe kann überzeugen. Komplett lokalisiert wurde „Onimusha 3“ leider nicht. Wer mit seinem Schulenglisch nicht weiterkommt, kann jedoch auf deutschen Untertitel zurückgreifen. Wie in letzter Zeit von Capcom gewohnt, verfügt auch „Demon Siege“ über einen optionalen 60 Hz-Modus.

Fazit

Im Osten nichts Neues! Trotz Zeitreisegeschichte, Echtzeit-3D-Optik, überarbeiteter Steuerung und Jean Reno als Neuzugang spielt sich das fulminante Finale der „Onimusha“-Serie wie eh und je. Die Geschichte ist referenzträchtig in Szene gesetzt, krankt jedoch am Inhalt, die Kämpfe bieten angenehme Feierabendunterhaltung, ohne echte Spieltiefe zu besitzen, und die Spieldauer musste sich einmal mehr der theatralischen Inszenierung unterordnen. Capcom hat für „Demon Siege“ bestenfalls Feintuning am bestehenden Konzept betrieben. Serienfans stört dies jedoch kaum. Wer abends nur entspannen will, liegt bei „Onimusha 3“ genau richtig. Bis das Spielprinzip der Onimusha-Serie jedoch mit der Produktionsqualität mithalten kann, dürften noch einige Episoden ins Land streichen.

Onimusha 3: Demon Siege [PS2 , looki.de]

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