Onimusha: Blade Warriors

Review
Plattform
Sony Playstation 2
Vertrieb
Capcom
Entwickler
Capcom
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
16
Onimusha: Blade Warriors [PS2 , looki.de]

Gesamtwertung

65%/10

Grafik

Gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Onimusha: Blade Warriors

Bitte kein GoKart!

Mario gibt seinen 24 Stunden-Prinzessinnen-Rettungsdienst für eine GoKart-Karrriere auf, Link strebt eine Karriere bei „Super Smash Bros.“ an und seit Neustem ist selbst der coole Dante aus „Devil May Cry“ ganz „Viewtiful“ – kurzum: Erfolgreiche Videospielhelden bleiben nur selten ihrem Genre treu und erfreuen sich regelmäßiger Gastauftritte in anderen Spielen oder steigen gleich komplett auf eine neue Spielgattung um.

Dass den Helden der erfolgreichen „Onimusha“-Serie über kurz oder lang dabei ein ähnliches Schicksal blühen würde, ist angesichts des Entwicklers und Wiederverwertungsspezialisten Capcom nicht weiter verwunderlich. „Onimusha: Blade Warriors“ ist der Name des Spin-Offs und gibt schon ein hervorragendes Indiz auf das zu erwartende Gameplay.

Anstatt euch wie in den ersten beiden PlayStation2-Episoden als strahlender Held durch das mittelalterliche Japan zu rätseln und metzeln, bietet „Blade Warriors“ typische Vier-Spieler-Prügelkost in bekannter „Power Stone“- oder „Super Smash Bros.“-Manier.

Ich will mal böse sein!

Entsprechend ist es nun erstmals möglich, in die Haut der Bösewichter zu schlüpfen. Neben den Titelhelden Samanosuke und Jubei sowie deren treue Begleiter, hören auch die Skelettkrieger und Halbdämonen auf euer Kommando. Anfangs könnt ihr dabei aus zwölf Recken auswählen, im Verlauf der Einzelspielerkampagne schaltet ihr jedoch nach und nach weitere Figuren frei. Neben Oberschurke Nobunaga erwarten euch hier auch einige Capcom-Charaktere, die man so nicht ohne weiteres mit der „Onimusha“-Serie verbindet. Jeder Charakter verfügt dabei über eigene Spezialattacken sowie charakterspezifische Waffen. Die Hauptsteuerung bleibt jedoch bei jeder Figur erfreulicherweise gleich und vor allem gleich leicht. Jeweils ein Knopf dient zum Schlagen oder Treten, ein weiterer Knopfdruck reicht, um sich vor feindlichen Angriffen zu decken und zwei Buttons werden für das serientypische Aufsaugen geschlagener Gegnerseelen sowie das Auslösen von Spezialangriffen benötigt. Um dem recht simpel gestrickten Kampfsystem etwas mehr Tiefe zu verpassen, spendierte Capcom „Blade Warriors“ noch ein Combo-System sowie allerlei Extrawaffen, die zufällig auf der planen Spielebene auftauchen. Somit lassen sich Angriffe zu einer kurzen Kombination aneinanderreihen und wer Glück hat, findet in Kisten besonders schlagfertige Samurai-Schwerter, wie auch ungewöhnliche Waffen der Gattung Baseball-Schläger und Maschinengewehr.

Ich fühl mich so 2D!

Neue Wege ging Capcom bei der Grafik. Wie auch beim in Kürze erscheinenden dritten Serienteil setzt „Blade Warriors“ komplett auf 3D-Grafik. Egal ob Spielfigur oder Hintergrund, alle Objekte sind nun aus Polygonen zusammengeschustert. Wer nun jedoch besonders viel Bewegungsfreiheit oder imposante Kameraschwenks erwartet, ist schief gewickelt. Die Kämpfe verlaufen, wie oben schon erwähnt, auf einer festen Ebene ab und auch die Kamera verharrt starr an ihrer Stelle. Einzig der Ebenenwechsel wie bei SNKs „Fatal Fury“-Reihe ist möglich. Anstatt nur auf einer Ebene zu kämpfen, können die Figuren je nach Level via Doppelklick auf die entsprechende

Digitalkreuztaste zwischen mehreren Ebenen hin und her springen, um so dem feindlichen Gewehr-Feuer zu entgehen oder sich in eine taktisch bessere Lage zu versetzen. Einen Vorteil gegenüber euren Gegnern erhaltet ihr abschließend auch durch die Seelen gefallener Feinde. Serientypisch hinterlassen niedergestreckte Widersacher verschiedenfarbige Seelen, die sie aufsammeln lassen, um damit die Lebensenergie zu erneuern oder euren Kämpfer am Ende eines Kampfes rollenspieltypisch aufzuwerten.

Shakespearen Ringelpiez

Wem das Ganze bis hier schon zu kompliziert ist, der kann jedoch beruhigt sein. Für absolute Genre-Neulinge hat Capcom einen gelungenen Tutorial-Modus eingebaut, wo jeder noch so kleine Spielaspekt Schritt für Schritt erklärt wird. Weniger Aufmerksamkeit von den Entwicklern hat dagegen der Einzelspielermodus bekommen. Während ihr hier unter stetig wechselnden Siegesbedingungen von Level zu Level hüpft, bekommt ihr zwar eine rudimentäre Handlung präsentiert. Die Präsentation ist hier jedoch eines „Onimusha“ unwürdig und die Dialoge könnten direkt aus einer Vormittags-Reality-Soap entnommen sein.

Besser sieht es da schon im Versus-Modus aus. Vorausgesetzt, ihr verfügt über ein Multitap, geht es mit bis zu vier Spielern auf munteren Seelenfang. Das Gameplay ist zwar hier ebenso chaotisch wie auch im Einzelspielermodus. Da ein Mindestmaß an Chaos in der Gruppe jedoch meist eher Spielspaß fördernd ist, stört dies nicht weiter. Zumal Freunden gepflegter Mehrspielerduelle ein ganzes Heer an Optionen zur Verfügung steht. Je nach Wunsch kämpft ihr alleine oder im Team gegeneinander, schaltet unliebsame Waffen und Seelenorbs ab oder ändert kurzerhand die Siegesbedingungen. Vom klassischen Deathmatch bis hin zu einem Seelenfangwettstreit bietet „Blade Warriors“ genügend Optionsvielfalt, um sich richtig auszutoben.

Zweischneidiges Technik-Schwert

Grafisch sorgt das „Onimusha“-Spin Off zwar nicht für einen Tobsuchtsanfall, dennoch fällt „Blade Warriors“ im Vergleich zu seinen großen Adventure-Brüdern deutlich ab. Während die Spielfiguren selbst noch recht detailliert ausgefallen sind, fehlt es den 3D-Hintergründen sichtbar am nötigen Pep. Gleichbleibende Kornfelder oder äußerst plan wirkende Häuserfassaden sorgen zwar dank ordentlicher Texturierung nicht gleich für den optischen Exitus, bis auf einige netten Partikeleffekte sucht man echtes EyeCandy jedoch vergeblich. Zudem fallen vor allem in den Zwischensequenzen äußerst unschöne Clipping-Fehler bei den Animationen der Figuren auf. Immerhin läuft das Ganze jedoch mit konstanten 60 Bildern pro Sekunde – zumindest sofern der genutzte Fernseher den vorhandenen 60 Hz-Modus unterstützt. Und auch der akustische Bereich überzeugt schlussendlich nicht ganz. Den tollen Soundeffekten, sowie dem bombastischen und passenden Soundtrack steht eine leider eher bescheidene englische Sprachausgabe gegenüber. Nicht nur tragen die Sprecher ihre Zeilen recht emotionslos vor, die wenigen Sprachfetzen wiederholen sich innerhalb kürzester Zeit ständig und kratzen damit spürbar am Nervenkostüm des Spielers.

Fazit

„Onimusha“ stand bisher vor allem für eins: unerreichte Produktionsqualität! Auch wenn das Gameplay einige merkliche Fehler enthielt, die tolle Präsentation und überragende Technik fesselten schlussendlich doch jeden, der sich nur ansatzweise für das Genre interessiert hat. „Blade Warriors“ bietet ebenfalls nur überdurchschnittliche Schnetzelkost, kann jedoch nicht ansatzweise mit der Präsentation und Optik der Hauptserie mithalten.

Die (sinnleeren) Zwischensequenzen sind im besten Fall schnell vorbei und die Echtzeit-Grafik, wenn auch nicht schlecht, fällt gerade im Vergleich zum bald erscheinenden dritten Teil merklich ab. Beinharte Samanosuke-Fans werden sicherlich die eine oder andere spaßige Stunde mit dem Titel verbringen und auch wer über ein Multitap verfügt und häufiger Freunde im Haus hat, kann den Kauf zumindest in Betracht ziehen. Wer hinter „Blade Warriors“ jedoch einen vollwertigen Einzelspielertitel erwartet oder auf anspruchsvolle Schwertduelle im Stile von „Soul Calibur 2“ aus ist, dürfte maßlos enttäuscht sein.

Onimusha: Blade Warriors [PS2 , looki.de]

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