Gesamtwertung79%/10 |
GrafikBefriedigend SoundGut |
LanzeitspaßBefriedigend SpieleinstiegBefriedigend |
BedienungBefriedigend |
Outlaw Tennis scheint auf den ersten Blick etwa so ziemlich die gleichen Spielmodi zu bieten, wie andere Tennisspiele. Das heißt, neben dem Herzstück des Spiels, der Outlaw-Tour, dürfen sich die Spieler auch in Schaukämpfen gegen den Computer oder einen menschlichen Mitspieler messen oder aber zunächst einmal im Training ihre Fähigkeiten verbessern. Entscheidet man sich dann aber für einen der Modi, so wird schnell klar, dass Outlaw Tennis nur teilweise etwas mit der simulationsträchtigen Sportart zu tun hat. Schon das Training weiß zu entzücken, denn wie erlernt man ein Spiel besser, als durch Spaß an der Sache und davon gibt es jede Menge in Outlaw Tennis, wenn man sich den abstrusen Aufgaben des Tutorials stellt. Unter anderem muss man beispielsweise Metzger abschießen, bevor diese dann zu einer nahe gelegenen Kuh schreiten, um diese zu schlachten. Hört sich böse an, macht aber Spaß.
Schritt für Schritt werden dem Spieler so die Grundlagen des Spiels vermittelt, das heißt, wie schlägt man auf, wann sollte man den Topspin, den Slide oder den Lob einsetzen und welche Tasten aktivieren welchen Schlag? Das Ganze ist auch bitter nötig, da sich das Spiel bzw. die Protagonisten nicht gerade einwandfrei steuern lassen. Ein Beispiel hierfür ist, dass man die Schlagtaste nicht erst drücken muss, wenn man den Ball auch wirklich treffen will, sondern bereits einige Sekunden vorher, damit der Spieler oder die Spielerin in Ruhe ausholen kann.
Leider kann man sich dadurch nicht mehr wirklich gut im Feld positionieren, so dass man viele Bälle nicht mehr erlaufen kann, obwohl man eigentlich vermutet hat, wo der Ball aufschlagen wird. Auch muss sich der Spieler erst einmal an das recht flotte Tempo der Ballwechsel gewöhnen. Wer meint, normales Tennis sei bereits zu schnell, der wird staunen, auf wie viele Stundenkilometer so ein Ball beschleunigt werden kann.
Erst nach einigen Trainingslektionen wird der durchschnittliche Spieler bereit sein, sich mit der wirklich gut gelungenen künstlichen Intelligenz erfolgreich messen zu können. Bereits der niedrigste der drei Schwierigkeitsgrade stellt sich als fordernd heraus. Bemerkbar macht sich dies vor allem während der Outlaw-Tour. Nachdem ihr einen der sechzehn spielbaren Charaktere ausgewählt habt, die sich in ihren Fähigkeiten leider nicht annähernd so stark unterscheiden, wie durch ihre Outfits, denn davon kann man vor allem für die weiblichen Spielerinnen, eine ganze Menge frei schalten, beginnt man eine Art World Tour zu spielen, die einen an die verrücktesten Orte der Welt führt.
Unter anderem spielt man in der Wüste, auf einem Flugzeugträger und in einem türkischen Bad. Ingesamt gibt es zwölf völlig verrückte Courts, die sich nie auch nur ähneln. Durch Siege schaltet man diverse Boni wie Outfits, Schläger und neue Courts frei. Außerdem erhält man Erfahrungspunkte und kann seinen Protagonisten so in seinen Fähigkeiten, wie etwa Aufschlagskraft oder Schnelligkeit, stärken. Ein nettes Feature zeichnet sich ab, wenn das erste Doppel gespielt werden muss. Denn wenn man nicht mit einem CPU an seiner Seite gewinnen will, so kann auch ein weiterer menschlicher Spieler die Karriere zum positiven wenden und für den CPU-Partner einspringen.
Spätestens zu diesem Zeitpunkt sollte man die umständliche Steuerung in den Griff bekommen und auch die zusätzlichen Features des Spiels erkannt und erlernt haben. Denn natürlich sind die Schnelligkeit des Gameplays und die gute KI der Computergegner, die fast jeden Ball erlaufen und ihn mit extremer Zielgenauigkeit zurück wuchten können, nicht die einzigen Faktoren, die dem Spieler das Leben zunächst erschweren. Hat man nämlich die Nase von seinem Gegner einmal gestrichen voll oder will sich für einige Sekunden lang einen Geschwindigkeits- und Kraftvorsprung ergattern, so kann man den Kontrahenten durch einen kurzen Tastendruck direkt zum Duell herausfordern und das bedeutet, das aus Tennis plötzlich Kickboxen wird.
Sofort wird das eigentliche Spiel unterbrochen und die beiden Gegner stehen sich gegenüber. Es gibt ein kurzes GO und dann muss man auch schon so schnell wie möglich auf die vier Aktionstasten des PS2-Pads hämmern. Wer schneller ist und so mehr Tasten drückt, gewinnt die Oberhand und vermöbelt seinen Gegenüber nach allen Regeln der Kunst. Hat man seinen Gegner zweimal K.O. geschlagen, so winkt der Bonus. Erst wenn dieser wieder abgeklungen ist, kann eine neue Prügelorgie starten. Übrigens ist es für den Verlierer kaum möglich in der Phase, in der der Bonus wirkt, irgendetwas zu erreichen, da der Gewinner einfach unheimlich schnell und treffsicher wird.
Zudem gibt es noch eine Art Powerschlag, den man sowohl im eben beschriebenen Berserker-Modus, als auch im Normalmodus aktivieren kann. Hierzu benötigt man nur etwas länger Zeit, als für einen gewöhnlichen Schlag, gutes Stellungsspiel wird also vorausgesetzt. Gelingt der Schlag aber, so hat der Kontrahent kaum eine Möglichkeit den Ball noch abzuwehren, zumal Letzterer durch die Härte des Schlages bereits beginnt zu brennen.
Hat man sowohl die umständliche Steuerung, als auch die aufpeppenden Features erfasst und erlernt, steht dem Spielspaß eigentlich nichts mehr im Wege. Denn Outlaw Tennis macht Spaß, zumindest sobald man nicht mehr über eigentlich sichere Bälle stolpert bzw. sie verfehlt. Die eigentlichen Spiele sind abwechslungs- und actionreich und auf Grund der guten KI auch immer spannend bis zum Schluss. Das man diverse Boni frei schalten kann, regt vor allem die Sammler an, immer weiterzuspielen. Und da die World-Tour auch ordentlich komplex ist und einige Stunden beansprucht, kann man auch immer weiterspielen, ohne das es irgendwann langweilig wird.Eine der großen Stärken von Outlaw Tennis ist der Multiplayermodus. Allein oder im Doppel ist es möglich, sowohl gegen einander an der gleichen Konsole oder aber online gegen andere Spieler anzutreten. Zwar bietet der Onlinemodus keine Ligen oder Turniere, der Spieler wird aber auch nicht ohne Hilfe in die weite Welt des Netzes geworfen. Denn man kann unter anderem einstellen, ob man noch Neuling oder bereits ein so genannter Outlaw ist und muss sich entscheiden, ob man mit seinem aufgelevelten Charakteren oder einem Standardprotagonisten spielen möchte. Je nach Einstellung wird dann ein passender Gegner oder ein passendes Gegnerpaar gesucht.
Outlaw Tennis (11 Bilder)
Auch die technische Seite von Outlaw Tennis muss sich nicht verstecken. Die sechzehn Spieler und Spielerinnen wirken allesamt realitätsnah, vor allem in den zahlreichen Cutscenes, in denen auch ihre Gestik und Mimik sehr gut zum Vorschein kommt. Die Courts unterscheiden sich in ihrem Aussehen stark voneinander, sehen dafür aber teilweise etwas trist und unspektakulär aus, weil sich nicht viel darauf bewegt, außer den Spielern selbst. Doch das ist rasch vergessen, da man bei dem schnellen Spielablauf, der glücklicherweise ohne Slowdowns auskommt, sowieso kaum auf den Platz achten kann.
Genau wie der rockige Soundtrack, weiß auch die Sprachausgabe, die zum Glück nicht ins Deutsche übersetzt wurde und sich durch gute, englische Sprecher auszeichnet, zu gefallen, auch wenn der eigentliche Kommentator ziemlich viel Unsinn von sich gibt.