Prince Of Persia: Warrior Within

Review
Plattform
Sony Playstation 2
Vertrieb
Ubi Soft
Entwickler
Ubi Soft
Erscheinungsdatum
-
Genre
Action
USK
-
Prince Of Persia: Warrior Within [PS2 , Justgamers]

Gesamtwertung

89%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Sehr gut

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Gut

Prince Of Persia: Warrior Within

Düsterer sind sie geworden, die arabischen Nächte - missmutiger und finsterer auch die Gestalten, die sie bergen. Mit dem Sequel zu Sands Of Time, entführt uns UbiSoft Montreal in ein Fantasiereich mit USK-16-Siegel. Gepflegtes Gruseln, rasante Action und ein gereifter Prinz markieren einen Kurswechsel in der traditionsreichen Serie, der sich nicht nur auf die Verkaufszahlen positiv auswirken soll. Ob der kampferprobte Thronfolger auch seine Genre-Vorherrschaft bestreiten kann, erfahrt ihr in unserem ausführlichen Review.

Ein wohliger Schauer lief uns den Rücken hinunter, als UbiSoft auf der diesjährigen Games Convention erste Einblicke in Prince Of Persia: Warrior Within gewährte. Längst war zwar Promo-Material veröffentlicht und die neue Stilrichtung des Titels bekannt - aber ein in jeder Hinsicht so stimmiges Projekt hatten wir kaum erwartet.

Entsprechend hoch auch die Ansprüche an das fertige Produkt; wir rechneten mit nicht weniger als technischer Brillanz und atmosphärischer Dichte, die ihresgleichen suchen, einem Kampfsystem, vielfältig und motivierend wie Guardian Heroes, und endlich auch genügend Umfang. Eine Featureliste wie der Wunschzettel an den Weihnachtsmann also. Und der kommt dieses Jahr früher.

Sandkastenliebe

Die Geschehnisse von Warrior Within knüpfen direkt an Sands Of Time an, lassen jedoch auch Spieler ohne Vorkenntnisse problemlos einsteigen. Gejagt von Dahaka, dem Wächter der Zeit, reist der Prinz zur Isle of Time, um die Entstehung der 'Sände der Zeit' zu verhindern.

Nur so glaubt er seinem Schicksal entgehen zu können. Dass sich diese Mission aber alles andere als leicht darstellt und nicht jeder Verbündete ist, was er scheint, wird bald klar. Die gute Story mit ihren überraschenden Wendungen erfindet das Rad zwar nicht neu und bedient sich vielerlei Klischees, greift aber tief in die dramaturgische Trickkiste und weiß daher zu fesseln.

Prince Of Persia ist ein ausgewogener Mix aus 3D Jump'n'Run und Action-Adventure. Furiose Action wechselt sich ab mit kniffligen Sprungpassagen und klassischen Schalterrätseln. Im Gegensatz zum Ur-Prinzen und dem Remake, hat sich das Team aus Montréal allerdings auf moderne Tugenden besonnen und dem Titel einen ordentlichen Nachschlag Action spendiert.

Was manch hartgesottenem Fan gut getimter Sprungeinlagen sauer aufstößt, dürfte jedem Freund abwechslungsreicher Action dafür große Freude bereiten. Mit dem neuen Free-Form-Fighting-System, vollführt der Prinz atemberaubende Kampfakrobatik aus einem Arsenal von über 30 Moves mit diversen Waffen und vielfältigen Interaktionsmöglichkeiten. Auch Raumelemente können ins Kampfgeschehen einbezogen werden. Schwingt man etwa an eine Säule, kann der Prinz näherkommende Gegnerscharen mit einem flinkem Rundumhieb ausschalten. Ebenso läuft er Wände entlang, um Widersachern in den Rücken zu springen.

Die Anwendungsmöglichkeiten sind abwechslungsreich und da sich derlei Aktionen sehr gut ins flüssige Gameplay einfügen, kann man spielend atemberaubende Combos ausführen. Hier hat der unerfahrene und ungeschicktere Spieler ebenso seinen Spaß wie der SNK-gestählte Beat'em-Up-Fan. Leider sind die knapp 50 Sekundärwaffen, die der Prinz zusätzlich zum altbekannten Säbel tragen kann, in ihrer Wirkung kaum zu unterscheiden, so dass sie meist nur als Wurfgeschosse im hitzigen Kampf oder eben für spezifische Zwei-Waffen-Combos zu gebrauchen sind.

Sprungakrobatik ist im Gefecht allerdings mit Vorsicht zu genießen, denn oft kämpft man gefährlich nah am Abgrund, so dass ein falscher Sprung schnell ins Verderben führt. Doch jedem unterläuft mal so ein Patzer und daher greift gerade in solchen Situationen das vom Vorgänger bekannte Sands of Time-Feature sehr gut.

Mit Druck auf die linke Schultertaste dreht der Spieler die Uhr soweit zurück, bis er wieder festen Boden unter den Füßen hat. Dieses Feature ist natürlich nur sehr begrenzt einsetzbar, manchmal aber eben unumgänglich. Die häufig unglücklich-schwierigen Sprungpassagen würden ohne Manipulation der Zeit wohl arg frusten - dank Sand-Einsatz ist der Schwierigkeitsgrad aber akzeptabel.

Hollywood lässt grüßen...

Auf der Jagd nach dem Ursprung der Sände, zieht es den Prinzen durch verschiedene Zeitebenen, die er durch diverse Portale bereist. So sieht man im Laufe der acht Akte etwa eine beeindruckende Festung in ihrem aktuellen Zustand als Ruine und in der Vergangenheit als einsatzbereites Bollwerk - Deja Vu-Momente inklusive also.

Die effektive und gewitzte Kameraführung lässt häufig nur erahnen, das man einen eigentlich bereits aus der Vergangenheit bekannten Raum betritt.

Die guten Texturen und die detailverliebte Levelarchitektur tun ihr Übriges, um die Illusion tausendjährigen Verfalls perfekt zu machen.

Bereits nach wenigen Spielminuten ist klar: Das Leveldesign ist das eigentliche Highlight von Prince Of Persia: Warrior Within. Die technisch beeindruckende Umsetzung von gigantisch hohen Festhallen, tiefen Verliesen und zerfallenen Ruinen, gespickt mit der obligatorischen – meist ebenso einfallsreichen wie spektakulären - Suche nach dem Ausgang, fordern Geschicklichkeit und schnelles Auffassungsvermögen.

Oft ist der richtige Weg erst auf den zweiten Blick ersichtlich und selbst dann nur mit gewagtem Körpereinsatz zu erreichen. Kaum ein Spiel lässt den Zocker daheim so befriedigt von Raum zu Raum ziehen, stolz auf seinen stilvollen Einsatz des zornigen Blaublütigen Protagonisten.

Natürlich ist die Umgebung nicht auf lange Korridore und eintönige Quader-Räume beschränkt. Mal auf einem brennenden Schiff, mal an der rauhen Steilküste, nun durch düstere Katakomben, dann wieder in windigen Höhen - die Locations sind mannigfaltig ohne mit der stimmigen Präsentation und Story in Widerspruch zu stehen.

Überhaupt, The Warrior Within fesselt den Spieler mit der aufwändigen Atmosphäre eines Hollywood-Films. Die cineastische Aufmachung, irgendwo zwischen Fluch der Karibik und Herr der Ringe, gibt der spannenden Story und harten Action einen mehr als würdigen Rahmen.

Dank professioneller und bekannter Synchronsprecher wirkt kein Dialog steif und die erstklassige Mimik in den CG-Sequenzen findet ihre stimmliche Entsprechung. Im Spielgeschehen selbst hätte man sich die Kommentare des Prinzen sparen können. Sie wirken aufgesetzt und oft unpassend.

Der schöne Orient

Musikalisch wird das Geschehen von einem erneut erstklassigen Soundtrack untermalt. Wie schon beim Vorgänger, passt sich die Soundkulisse fließend an die Spielsituation an, von ruhigen Wave-Klängen zu tosenden Metal-Riffs im hitzigen Kampf. Die Musik ist einen eigenen Soundtrack wert, leider teilweise sogar so gut, dass es vom Spiel ablenkt.

Da die Musik, gleich einem Drehbuch, bestimmten Stellen im Spiel zugewiesen ist, werden sich frustrierte Spieler beim zehnten Versuch einer besonders kniffligen Passage, von der immer gleichen Musik dennoch genervt fühlen. Ein kleiner Wermutstropfen also.

Auch grafisch kann Warrior Within voll überzeugen. Die angesprochene Levelarchitektur bietet enorme Weitsicht bei nur selten verwaschenen Texturen. Der Prinz bewegt sich agil und charakteristisch, was sich wohl durch den Verzicht auf Motion-Capturing erklären lässt.

Wie bei Sands Of Time ließen es sich die Grafiker nicht nehmen, ihrem Prinzen selbst Leben einzuhauchen. Der Körperbeherrschung und Geschicklichkeit des Protagonisten wäre wohl kein lebender Darsteller gerecht geworden.

Lediglich die Charakter-Modelle sind teilweise etwas gröber als erwartet. In der Hinsicht ist man von Ubi Soft Montreal seit Splinter Cell: Pandora Tomorrow besseres gewohnt. Nichtsdestotrotz ist der zweite Teil unseres Orient-Abenteuers, auch dank hübscher Feuer-, Rauch- und Wassereffekte, einer der grafisch beachtlichsten auf den drei Plattformen.

Warrior Within ist umfangreicher als sein Vorgänger und fordert, je nach Spieler, gute 18 Stunden. Und ,gut' heißt ,gut', denn die Story kann sich in diesem Zeitrahmen entfalten und das Gameplay zeigt kaum Abnutzungserscheinungen. Natürlich wiederholt sich manch simples Schalterrätsel und die Action bleibt linear, Langeweile kommt aber keine auf.

Auto-Savepoints an den entscheidenden Stellen verhindern zudem, das die Konsole Spielerfrust zu spüren bekommt, wie man ihn von der PoP-Reihe eigentlich gewohnt ist. Zwar gibt es knifflige Momente, die balancierte Spielmechanik lässt den Fehler aber meist beim Spieler zu suchen.

Eine nennenswerte Schwäche des Titels - beim Betatesting wohl übersehen -, ist der seltene, aber vorhandene Konflikt zwischen Spezialfähigkeiten und gescripteten Elementen.

Hüpft der Prinz nämlich gerade von Säule zu Säule, den Boden unter seinen Füßen wegbrechend, so bringt ihn der Einsatz der Sands Of Time zwar wieder zurück in die Vergangenheit – die Säulen bleiben aber weggebrochen.

Manche Scripts werden vom Zeit-Feature also nicht erfasst und zurückgespult. Ein Glitch, der ob seiner Seltenheit dennoch für Frust sorgt.

Zudem werden sich erfahrene Spieler an der teilweisen Doppelbelegung der Steuerung stören - die Funktionen der Buttons passen sich der Situation an, so dass der Prinz im Kampfgetümmel schon mal wider den Spielerwillen handelt.

Fazit

Prince Of Persia: Warrior Within ist ein glänzender und würdiger Nachfolger zu einem schon genialen Spiel. Er verlagert den Schwerpunkt zwar auf düstere und, mit Verlaub, recht brutale Action und unterscheidet sich daher von den bisherigen Titeln der Reihe, doch das dürfte nur hartgesottene Knobel-Fans des ersten Teils stören. Wer einfach ein gutes und spannendes Spiel sucht, motivierendes Gameplay, cineastische Präsentation und stimmige Action, ist mit Warrior Within mehr als gut bedient. Die wenigen Schwächen des Titels, worunter auch die teils zu simplen Rätsel fallen und eine gewisse Linearität, können den positiven Gesamteindruck kaum schmälern: ein hervorragender Titel, der die Legende auch als Serien-Sonderling grandios weiterspinnt.

Prince Of Persia: Warrior Within [PS2 , Justgamers]

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