Gesamtwertung74%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Es herrschen feste Regeln, du hast dreimal am Tag zum Appell zu erscheinen und du bist gefangen. Was sich so anhört wie ein typischer Schulalltag, ist in dem Spiel von Codemasters viel schlimmer. Man befindet sich in einem Gefängnis und hat nur ein Ziel: den deutschen Bewachern zu entkommen und diesen beklemmenden Ort zu verlassen. Ob es den Entwicklern von Wide Games gelungen ist, neben einem spannenden Szenario auch ein interessantes Spiel zu gestalten, erfahrt ihr in unserem Review.
Das Lagerleben
Als die Maschine des amerikanischen Piloten Lewis Stone abgeschossen wird gerät er, samt Co-Pilot, in deutsche Gefangenschaft. Das Lager mit dem Namen Stalag Luft ist eines von insgesamt 3 Lagern, aus denen Ihr im Verlauf des Spiels entkommen müsst, um schließlich eine der deutschen Wunderwaffen zu vernichten. Der Tagesablauf ist dabei in allen Lagern gleich: Jeweils morgens und abends wird beim Appell nachgezählt und es ist ratsam, dann auch pünktlich dort zu erscheinen, denn sonst schöpfen die Bewacher verdacht.
Werdet Ihr in einem verbotenen Bereich gesichtet, gibt es entweder Arrest, was einem lediglich Zeit und ein paar mitgeführte Gegenstände kostet, oder aber es wird geschossen, dann wacht Ihr ein paar Tage später im Lazarett wieder auf. Die Aufträge dienen entweder der Vorbereitung des Ausbruchs oder man besorgt den Mitgefangen irgendwelche Gegenstände. Was sich einfach anhört, entpuppt sich im Spiel als komplexe Angelegenheit, denn diese Gegenstände sind stets gut bewacht.
Ruhiges Verhalten ist angesagt, denn anders als z.B. bei Hitman 2 besteht nicht die Möglichkeit, einen Level durch den Einsatz von Waffengewalt erfolgreich zu beenden. Vielmehr muss immer die Strategie des verdeckten Vorgehens angewandt werden, dazu sollte man sich tunlichst aus den auf einer schlichten Karte eingeblendeten, Sichtkegeln der Bewacher fernhalten. Aber die Deutschen haben nicht nur gute Augen, sondern auch gute Ohren, so dass man sich meist schleichend in geduckter Position bewegt. Es besteht auch die Möglichkeit Wachen durch Klopfen oder das Werfen von Gegenständen abzulenken.
Aber Vorsicht, eine Strategie, die bei Nacht, getarnt mit Schuhcreme, gut funktioniert, kann bei einem sonnigen Tag wieder vollkommen ungeeigent sein. Umsichtige Planung und das Ausnutzen der besten Situation ist unabdingbar.
Trotz der vielfältigen Möglichkeiten ist die Steuerung gut und intuitiv gelöst. Nähert man sich z.B. einem Zaun, erscheint rechts oben auf dem Bildschirm eine Anzeige, welcher Knopf welche Aktion auslöst. Da es meist nicht mehr als zwei Möglichkeiten gibt, kommt man auch meist mit zwei Knöpfen aus.
Ihr seht eueren Charakter meist aus der Third Person Perspektive, nur bei bestimmten Aktion z.B. bei einem Blich durchs Schlüsselloch, wird in eine Ansicht aus der ersten Person umgeschaltet.
Eben diese Third Person Ansicht stellt ein Hauptproblem des Spieles dar, denn die Kamera funktioniert meist recht gut und ermöglicht eine gute Kontrolle der Spielfigur, aber gerade in wichtigen Situationen z.B. dem Anlehnen an eine Mauer, um den Wachen zu entgehen lässt sie sich oftmals nicht mit dem rechten Analogstick nachjustieren, was für manchen Frustmoment sorgt. Der Schwierigkeitsgrad des Spiels schwankt dabei zwischen gut schaffbar und ziemlich schwer, ist prinzipiell aber gut abgestimmt. Nur ungeduldige Naturen sollten die Finger von dem Spiel lassen, denn ist man einmal entdeckt ist die Mission vorbei. Speichern kann man zwar zu jeder Zeit, aber nur an einem bestimmten Ort, hier können auch Gegenstände deponiert oder Zeitsprünge ausgeführt werden. Unterhaltungen werden per Dialogmenü geführt, wobei die Sprachausgabe leider englisch ist, nur die Untertitel sind deutsch. Die Deutschen sprechen auch englisch, allerdings mit übertriebenem, deutschem Akzent was bisweilen komisch klingt
Technisch präsentiert sich das Programm durchwachsen, die Umgebungsgrafik ist detailliert und verfügt über qualitativ gute Texturen. Die Levels selber wirken aber etwas zu steril und unbelebt, ausser den Bewachern gibt es nicht viel zu sehen, auch die Darstellung der Personen ist etwas arm an Polygonen und wirkt ab und zu etwas steif. Der Hauptdarsteller ist aber ordentlich animiert worden, wenn auch die Übergänge zwischen den einzelnen Animationsphasen teilweise nicht sehr flüssig sind. Ein Problem ist die auf der PS2 relativ geringe Auflösung, was zur Folge hat, dass Spieler ohne RGB Anschluss, der ja für ein schärferes Bild sorgt, ab und an Probleme beim Erkennen der wichtigen Uhr und der Hinweise in Schriftform haben. Gerade beim, in dunklen Farbtönen gehaltenen, ersten Lager ist es auch mit RGB schwierig, die rote Schrift auf braunem Hintergrund zu lesen.
Sehr schön umgesetzt sind hingegen die verschiedenen Witterungsbedienungen sowie die Lichteffekte. Die Framerate ist weitestgehend stabil, nur in selten Fallen kommt es zu kurzen Rucklern durch das Nachladen der Konsole. Der Sound ist allerdings, bis auf die oben erwähnte Sprachausgabe, sehr gut. Die Musik ist atmosphärisch und von der Situation abhängig, auch die Soundeffekte sind von guter Qualität wenn sie auch hätten zahlreicher sein können.
Spielerisch gibt es im Prinzip wenig auszusetzen und Freund von Spielen wie Commandos werden sich sehr schnell zurechtfinden, auch wenn es im Spiel keine Waffen gibt. Ab und zu sind aber die taktischen Möglichkeiten zu beschränkt, da es oft nur eine Methode gibt, in das gegnerische Gebiet zu kommen. Hier gibt es lediglich die Möglichkeit, leicht verschiedene Taktiken bei Tag und bei Nacht anzuwenden. Das Spiel ist ein Zeitfresser von beinahe beängstigenden Ausmassen und die Das muss doch zu schaffen sein Motivation ist beachtlich. Insgesamt ein guter Vertreter im Bereich der Stealth Spiele, der aber noch immer Raum für Verbesserungen lässt.
Prisoner of War im Test.
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