Project: Snowblind

Review
Plattform
Sony Playstation 2
Vertrieb
Eidos
Entwickler
Eidos
Erscheinungsdatum
-
Genre
Action
USK
16
Project: Snowblind [PS2 , Justgamers]

Gesamtwertung

87%/10

Grafik

Gut

Sound

Befriedigend

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Project: Snowblind

Auf dem PC seit ewigen Zeiten etabliert, werden Ego-Shooter nun auch bei Pad-Akrobaten immer beliebter. Um sich von der breiten Masse abzuheben, gehört aber schon etwas mehr dazu, als aufwändige Werbekampagnen und ein großer Name. Lest im Test, wie sich der Ego-Shooter-Erstling von Crystal Dynamics auf dem Schlachtfeld behaupten kann.

Wir schreiben das Jahr 2065, und in China braut sich einmal mehr Übles zusammen...

Ein übliches Szenario

Im Gegensatz zu anderen Projekten der Soul Reaver-Schöpfer verdient die Storyline nicht viel mehr als die Bezeichnung „Standardkost“. In tiefster Besorgnis blickt die Welt im Jahre 2065 Richtung Hong Kong, wo sich der wahnsinnige General Yan-Lo mit seinem Militärregime, Republik genannt, die Spaltung Chinas zum Ziel gemacht hat. Eine Koalition von Friedenstruppen will den nahenden Bürgerkrieg verhindern, unter ihnen auch 2nd Lieutenant Nathan Frost, den es mit einer Hand voll Elitesoldaten hinter die feindlichen Linien verschlägt. Ein beinahe tödlicher Zwischenfall bei seinem ersten Einsatz macht ihn zum idealen Kandidaten für das Scarecrow-Programm der militärischen Forschungsabteilung, die Frost mit millionenschweren Bioimplantaten und Nanotechnologien zur entscheidenden Waffe im Kampf gegen den irren General macht.

Leider erweisen sich die Implantationen im ersten Moment als bestenfalls „bedingt einsatzbereit“, da Nathans Körper nicht genug Zeit zur vollständigen Anpassung gegeben werden konnte. So begnügt sich der Spieler zu Beginn mit taktischen Anzeigen der künstlichen Augen, darunter ein praktischer Radar, sowie einer modifizierten Infrarotsicht, mit der Ihr selbst Gegner hinter festen Wänden ausmachen könnt. Spielerisch interessant wird es mit dem Reflexboost und dem ballistischen Schild. Ersterer verlangsamt in der Praxis die Bewegungen Eurer Gegner, während der Schild Euch vor Geschossen schützt.

Da eine unbegrenzte Nutzung dieser Hightech-Spielzeuge den Schwierigkeitsgrad drastisch senken würde, sind für den Spieler zwei Anzeigen besonders von Interesse. Jedes Gadget kann nur für wenige Sekunden aktiviert werden, bevor es selbstständig seinen Dienst versagt. Einmal deaktiviert, benötigt Nathan einige Momente, bevor er ein weiteres Mal seine Implantate einsetzen darf. Zudem verschlingt jeder Einsatz eine gewisse Menge an Nanoenergie, die selbstredend nicht im Überfluss vorhanden ist.

Schlagkräftige Argumente

Was jedoch ist weitaus beeindruckender als ausgefeilte Nanotechnologie? Richtig: Ein umfangreiches Waffenarsenal, um bösen Jungs den Spaß am Zerstören zu verderben. An seinem Körper trägt Frost im Laufe der 18 Missionen neben futuristischen Varianten einer üblichen Pistole, Scharfschützen-, Maschinengewehr und Schrotflinte unter anderem noch einen praktischen Raketenwerfer und eine Railgun, für die solides Mauerwerk ganz im Stile von Red Faction kein Hindernis darstellt. Zusätzlich verfügt jede Waffe über einen sekundären Feuermodus, der zwar verstärkt an der Munitionsleiste knabbert, aber dafür umso kraftvoller arbeitet. Die Flechettegun verschießt hierbei zum Beispiel anstatt kleiner Energiekugeln einen Schwarm intelligenter Geschosse, die ihr Ziel selbstständig verfolgen.

Gegen gegnerische Walker, wahlweise in der Miniausgabe, empfiehlt sich der Einsatz von EMP-Zubehör in Form von Granaten oder Herf Gun. Mit Hilfe dieser Geschosse lassen sich auch die Schutzschilde mancher Feinde ohne großen Aufwand lahm legen, um sie danach nach bekannter Manier ins Jenseits zu befördern. Aber Vorsicht! Bedenkt stets, dass Nathan als Cybersoldat ebenfalls überaus sensibel auf EMP-Angriffe reagiert. Explodiert ein solches Geschoss in Eurer Nähe, werden nicht nur Frosts Nanofähigkeiten lahm gelegt, sondern er verliert kurzeitig sogar seine Sehfähigkeiten - „Schneeblind“ eben.

Lass dich überraschen

Wer bisher den Eindruck hatte, einen eher durchschnittlichen, x-beliebigen Ego-Shooter vor sich zu haben, liegt damit gar nicht so verkehrt. Solche Kritiker seien aber beruhigt, denn die Stärke von Project: Snowblind findet sich auf einer gänzlich anderen Ebene: dem Leveldesign. Alternative Lösungswege zu versprechen ist so alt wie das Genre selbst, wurde in der Praxis bisher aber eher selten realisiert. Crystal Dynamics räumt damit auf und schuf mit dem virtuellen Hong Kong gleichzeitig die verschiedensten Lösungsansätze, was besonders im ersten Teil des Spiels zur Geltung kommt.

In Euch steckt ein waschechter Rambo? Kein Problem. Schnell den ballistischen Schild angeschmissen, einige mobile Energiebarrieren aufgestellt und auf in das Getümmel zwischen den Straßenschluchten. Ohne Zweifel eine wenig elegante Methode, die dank der manchmal arg eigenwilligen KI aber durchaus Chancen auf Erfolg verspricht. Pfiffigere Gesellen schauen sich in den umstehenden Gebäuden um und finden dort neben nützlichen Pick-Ups (Gesundheit, Nanoenergie, Munition usw.) ja vielleicht ein stationäres Geschütz oder eine günstige Sniperposition.Die feindlichen automatischen Abwehrsysteme machen Euch das Leben schwer? Einfach kaputt schießen? Mit EMP-Granaten lahm legen? Sehr unprofessionell. An dieser Stelle kommt der Icepick zum Einsatz, mit dem sich gegnerische Computersysteme hacken lassen. Im Nu ist der Spieler selbst Herr über die Geschütze und heizt den verdutzten Soldaten mächtig ein. Energiesperren hindern Euch am Weiterkommen? Auch hier hilft der Icepick aus der Patsche oder ist es doch das Lüftungssystem um die Ecke? Ganz unwichtig ist ein bedachtes Vorgehen übrigens nicht, müsst ihr doch bei einem Ableben beim letzten Speicherpunkt anfangen, sollten euch einmal die lebensrettenden Nanoboosts ausgehen.

Besonders viel Spaß bereiten die verschiedenen Fortbewegungsmittel. Normales Auto, bewaffneter Buggy, Panzer und Walker. Erspäht Ihr ein solches in den feindlichen Reihen, bietet sich ein leises Herantasten an, was mit der Tarnung auf Nanobasis kein Problem darstellt. Schafft Ihr es nämlich auf den Fahrersitz eines solchen Gefährts, sind die umstehenden Einheiten nur noch Kanonenfutter.

Hübsche Zukunftsaussichten

Kein ambitionierter Ego-Shooter ohne ehrgeizige Mehrspielermodi. Bis zu 16 Spieler treten Online oder per LAN in neun verschiedenen Modi gegeneinander an. Abseits der klassischen Deathmatch und Capture the Flag Ableger findet Ihr einen so genannten Assault-Modus, in dem es gilt, einen gegnerischen Generator zu zerstören, einen Demolition-Modus, der die Zerstörung der gegnerischen Basis mit Hilfe einer Bombe zum Ziel hat, sowie einen Hunter genannten Modus. Irgendwo auf dem Schlachtfeld ist ein Hunter-Token versteckt, der dem Träger zusätzliche Fähigkeiten verleiht und damit einen gehörigen Vorteil verschafft. Bei dieser Auswahl versteht es sich fast von selbst, dass die aus dem Singleplayer-Modus bekannten Vehikel auch im Multiplayer bestiegen werden können. Abgerundet wird das Gesamtbild durch den obligatorischen Headset-Support nebst Clanfunktionen.

Visuell auf einem mehr als ansprechenden Niveau präsentiert die Technikabteilung das futuristische Kriegsspektakel. Detaillierte Umgebung, hübsche Explosionen und eine über weite Strecken konstante Bildrate lassen keine Wünsche offen. Im Zuge der Physikengine könnt Ihr umherliegende Kisten nach belieben die nächste Treppe hinunter schubsen oder Euch einfach an den mitunter komisch anmutenden Todesanimationen der Gegner erfreuen. Getrübt wird das bisherige Gesamtbild lediglich durch kleinere Clippingfehler. Verstärkte Beachtung verdient die hervorragende deutsche Sprachausgabe, nicht nur wegen den deutschen Stimmen von Laurence Fishburne und Cuba Gooding Junior, die Nathan Frost und Pitney ihr Sprachorgan leihen. In Verbindung mit den genial geschnittenen Zwischensequenzen in Spielgrafik kommt wahrlich Kinoatmosphäre auf. Etwas blass hingegen wirkt die sonstige Effektkulisse im Jahre 2065, was angesichts des gewählten Szenarios etwas schade ist.

Fazit

Project: Snowblind ist mit Abstand der beste Ego-Shooter, den ich in letzter Zeit gespielt habe, was nicht zuletzt an der verkorksten Steuerung des großen Konkurrenten aus dem Hause Sony lag. Als bekennender Fan von Crystal Dynamics hat mich zwar die schwächelnde Story etwas enttäuscht, dafür wurde ich aber mit einem innovativen Leveldesign belohnt. Leider schlägt so viel Ideenreichtum häufig auf die Spiellänge und Snowblind bildet da keine Ausnahme. Vier bis sechs Stunden für den ersten Durchgang sind einfach zu wenig für 60 Euro. Bleibt zu hoffen, dass sich die interessanten Multiplayermodi in Zukunft verstärkter Beliebtheit erfreuen werden.

Project: Snowblind [PS2 , Justgamers]

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