Project Zero 3: The Tormented

Review
Plattform
Sony Playstation 2
Vertrieb
Take 2
Entwickler
Tecmo Ltd.
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
16
Project Zero 3: The Tormented [PS2 , looki.de]

Gesamtwertung

84%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

Project Zero 3: The Tormented

Es gibt diese Spiele, die ein Genre definieren. Für die Verbreitung des Survival-Horrors etwa zeichnete in den letzten Jahren vor allem die Resident Evill und die Silent Hill-Reihe verantwortlich. Neben diesen Publikumsmagneten gibt es aber auch noch jene Spiele, die möglicherweise nicht mit den gleichen finanziellen Mitteln, dafür aber mit mindestens genauso viel Liebe zum Detail erschaffen wurden und den Genrekönigen in Sachen Spielbarkeit eigentlich in nichts nachstehen. Leider geschieht es sehr selten, dass eben jene Games annähernd so erfolgreich sind, wie die angesprochenen Verkaufsschlager. Die Project Zero Reihe hat ähnliche Probleme, musste sich aber im Großen und Ganzen bisher noch nicht über Ladenhüter ärgern, wodurch die Veröffentlichung des nunmehr dritten Teils der Saga wohl gerechtfertigt werden dürfte. Ob uns mit Project Zero 3: The Tormented jedoch eine weitere Perle des Horror-Genres ins Haus steht oder ob die Serie sich selbst ins Abseits katapultiert, klärt der Test.

Wo sind meine Waffen? Wie, Obskura?

An manchen Tagen sollte man einfach im Bett bleiben. Das dachte sich sicherlich auch Rei Kurosawa, ihrerseits freiberufliche Fotografin, als sie sich zum ersten Mal ins so genannte „Haus des Schlafes“ begeben hatte, um dem Geheimnis eines uralten und scheinbar unheilbaren Fluchs auf die Schliche zu kommen. Immerhin hatte sie einen triftigen Grund, sich dem verfluchten Gemäuer zu nähern, denn nachdem ihr geliebter Bruder durch einen tragischen Autounfall sein Leben verlor und Rei bemerkte, dass sie plötzlich am Fluch der Tätowierung litt, musste sie handeln, um die Trauer zu verdrängen und ihr eigenes Leben zu retten. Doch durch diese mysteriösen Umstände scheint Rei langsam aber sicher, den Verstand zu verlieren. Immer wieder verliert sie sich in Träumen, nach ein paar Stunden weiß man gar als Spieler nicht mehr, was der Realität und was Reis Träumen entspricht.

Doch genau diese Hilflosigkeit macht den neuen Project Zero Teil bereits storytechnisch zu einem Hingucker. Neben Rei darf der Spieler noch zwei andere Protagonisten durch die Alptraumwelt steuern. Miku Hinasaki dürfte einigen Spielern schon aus Teil Eins gut bekannt sein, dort spielte sie nämlich die Hauptrolle. In The Tormented stellt sie sich als Assistentin von Rei heraus. Auf Grund ihrer Erfahrung mit den bösen Geistern ist sie die Versierteste, wenn es darum geht, eben jene zu vertreiben. Allerdings scheint sie die Wesen aus der Hölle auch magisch anzuziehen. Der dritte spielbare Charakter ist Kei Amakura, ein historischer Schriftsteller, der ebenfalls an dem Fluch der Tätowierung leidet, von Geistern aber nicht viel hält und logische Erklärung für den Alptraum sucht, in dem er sich gerade zu befinden scheint. Mehr oder weniger gemeinsam müssen die Protagonisten durch die wahrhaftige Hölle gehen, um ihr Leben retten zu können. Dabei setzt die Project Zero Reihe schon seit Teil 1 auf „Waffeneinfalt“. Pistolen, Baseballschläger oder ähnlich robustes Gerät sucht man vergebens.

Einzig die uralte Kamera „Obskura“ steht den Helden helfend zur Seite. Dieses antike Stück hat die Macht, aggressive Geister in der Ewigkeit verschwinden zu lassen. Dafür muss man die schnellen und nicht unbedingt dummen Höllengestalten aber erst einmal vor die Linse bekommen. Während Miku sich mit dem Apparat recht geschickt anstellt, müssen Rei und Kei erst einmal mit dem Lebensretter zu Recht kommen, was vor allem zu Anfang für einigen Frust sorgen dürfte, wenn der Spieler einen angreifenden Geist einfach nicht richtig im Bild einfangen kann.

Am eigentlichen Gameplay wurde wenig geändert. Frei nach dem Motto „Never change a winning team“ schleicht der jeweilige Protagonist durch alte japanische Gebäudeanlagen, sucht Schlüssel oder Schalter, um letztendlich eine Zwischensequenz freizuschalten oder ein wichtiges Objekt zu finden. Die Rätsel, die sich Rei und ihren Kumpanen in den Weg stellen, sind recht zahlreich, aber leider auch durchweg recht einfach gehalten. Man wird kaum längere Zeit an ein und derselben Aufgabe sitzen, selbst das schwache Silent Hill 4 hält da noch besseres für seine Käufer bereit. Dafür stehen die Kämpfe denen der Silent Hill Reihe in nichts nach. In dramatischer und atmosphärischer Hinsicht können sie eben angesprochene Serie sogar toppen.

Denn während man auf der Suche nach dem Ausgang oder einem Objekt ist, wird der Protagonist sich ständig umsehen müssen, ob nicht doch plötzlich ein böser Geist aufgetaucht ist. Diese sind von Anfang an verdammt schnell und brauchen nur ein paar Sekunden, bis sie sich angeschlichen und zugeschlagen haben. Und Project Zero wäre kein Survival-Spiel, wenn man über viel Lebensenergie verfügen würde. Nach drei Angriffen legen sich die Protagonisten zum ewigen Schlaf danieder. Da die Speicherpunkte auch eher rar gesät sind, wird der ein oder andere seine Probleme mit dem knackigen Schwierigkeitsgrad haben. Neben den aggressiven Geistern gibt es aber auch noch jene, die einfach nur „abfotografiert“ werden wollen, um von ihren Qualen erlöst zu werden. Beiden Geistertypen kann durch schnelles hantieren mit der Kamera geholfen werden. „Obskura“ kann im Übrigen auch wieder aufgelevelt werden.

Es gibt diverse Gegenstände, die der Kamera spezielle Fähigkeiten verleihen, etwa einen größeren „Einfangbereich“, und Kugeln, die Obskura in Sachen Durchschlagskraft aufmöbeln. Hinzu kommt noch, dass jeder der drei Charaktere verschiedenen auf die Kamera reagiert. Rei hat so ihre Probleme mit dem Zielen, Miku beherrscht das Teil perfekt und Kei will mit „Obskura“ eigentlich nichts am Hut haben. Dementsprechend lässt sich die Kamera mit ihm auch nicht gerade gut steuern.

Wie schon die Vorgänger wird sich auch Teil 3 nicht in zehn Stunden durchspielen lassen. Die angemessene Spiellänge wird noch durch den hohen Wiederspielwert untermalt. Verschiedene Gegenstände können die Charaktere nämlich erst in Durchgang Zwei anwenden, hinzu kommt, dass manche Rätsel und auch Geister sich ebenfalls erst zeigen, wenn man das Spiel das zweite Mal in Angriff nimmt.

Grandiose Technik, lahmes Leveldesign?

Zunächst einmal muss leider angemerkt werden, dass der dritte Project Zero Teil mit PAL-Balken daherkommt. Sowohl in 4:3, als auch in 16:9 muss der Spieler mit schwarzen Streifen oberhalb und unterhalb des eigentlichen Bildes leben. Nichtsdestotrotz zeigt sich die bereits bekannte Grafikengine von ihrer besten Seite. Die Zwischensequenzen sehen einfach grandios aus und auch die eigentliche In Game-Grafik muss sich vor einem Silent Hill nicht verstecken. Die zu erkundenden Umgebungen des alten Japan wurden mit viel Liebe zum Detail gestaltet und versprühen einen unglaublichen Charme, von der unbeschreiblichen Atmosphäre, die sie erzeugen, ganz zu schweigen. Leider wurde das eigentlich gelungene Leveldesign ausgenutzt. Die teilweise großen Gebiete müssen des Öfteren mehrmals von vorn bis hinten abgelaufen werden, um etwa einen Schlüssel zu finden und um diesen dann eben wieder am anderen Ende einzusetzen. Man bemerkt manchmal schon, dass nicht selten Zeit geschunden wird. Im Großen und Ganzen kann das den Spielspaß aber nicht wirklich mindern. Ein Schwachpunkt stellt leider die Egoperspektive dar. Diese kann optional aktiviert werden. Leider bewegen sich die Charaktere nicht so schnell wie in der Third-Person-Perspektive, was im Kampf gegen Geister einen Nachteil darstellt. Auch sind manche Geister und Verstecke in der Egoperspektive gar nicht zu sehen, da sie sich etwa hinter einer Wand befinden.

Soundtechnisch erwartet den Spieler altbekanntes. Die Systemsounds haben sich nicht verändert und auch die abnormalen und nicht identifizierbaren Geräusche, die die Geister von sich geben, haben sich seit Teil 2 nicht weiterentwickelt. Warum auch? Noch heute wissen sie die geniale Atmosphäre perfekt zu untermalen.

Fazit

Project Zero 3: The Tormented bietet viel mehr als so manches Vollpreisspiel. Zwar finden sich nur wenige Neuerung in Sachen Gameplay, die erneut dichte und Angst einflößende Atmosphäre, die perfekt inszenierten Schockmomente, die mit Abstand durchdachteste und fesselnste Geschichte der kompletten Reihe und die hohe Langzeitmotivation sorgen aber für Spielspaß pur. Da können auch kleine Mängel, wie die gewöhnungsbedürftige Steuerung mit der Kamera, die unausgereifte Egoperspektive und die PAL-Balken, den Spielspaß nur geringfügig schmälern. Der neueste Project Zero Teil ist jedem zu empfehlen, der Nerven wie Drahtseile und womöglich einen kleinen Geldbeutel besitzt.

Project Zero 3: The Tormented [PS2 , looki.de]

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