Gesamtwertung75%/10 |
GrafikAusreichend SoundAusreichend |
LanzeitspaßAusreichend SpieleinstiegBefriedigend |
BedienungBefriedigend |
Was haben die römische Bevölkerung der vorchristlichen Ära und die heutige Generation von Videospielern gemeinsam? Richtig. Beiden wird nachgesagt, dass nur möglichst blutige Veranstaltungen ihr Gemüt besänftigen können. Schon mit Resident Evil zeigte Capcom viel Vorliebe für den roten Saft. Kein Grund also, bei Shadow of Rome mit Splattereffekten zu geizen. Ob der Titel noch mehr zu bieten hat?
Das so ungleiche Paar sorgt für zwei grundverschiedene Spielerfahrungen, die der Spieler im automatischen Wechsel vorgesetzt bekommt. Blondschopf Octavianus ist zum Kämpfen denkbar ungeeignet und verblasst gegenüber jedem waschechten Mann. Zum Glück lernt er schon bald Pansa kennen, der ihn in die Grundzüge der Spionage und Informationsbeschaffung einweiht. Selbst jahrelanger Spion und Getreuer Cäsars, ist Pansa mit seiner starken Bindung zur Familie Octavianus bestens für den Job als Mentor geeignet.
Wer jetzt eine spielerische Tiefe à la Metal Gear Solid oder Splinter Cell erwartet, wird enttäuscht sein. Die Schleichpassagen funktionieren allesamt lediglich nach dem Trial and Error-Prinzip und wirken eher wie ein dröges Beiwerk zu den Gladiatorenkämpfen Agrippas. Das liegt nicht zuletzt an dem sehr eingeschränkten Moverepertoire. Am interessantesten ist hier noch die Möglichkeit, durch Schlüssellöcher blicken zu können, während man auf dem Boden hockt. Mit in der Umgebung verstreuten Vasen und Seilen schaltet ihr patrouillierende Wachen aus, deren Kleidung Ihr euch daraufhin bemächtigen dürft. Tritt Octavianus so in den Sichtradius der Wachen, vibriert der Controller im Takt des Pulsschlages und sorgt zumindest für etwas Spannung.
Werdet Ihr dennoch einmal aufgehalten, müsst Ihr euer Gegenüber im Multiple Choice-Verfahren davon überzeugen, dass Ihr keine bösen Hintergedanken hegt. Überfordert wird der Spieler dabei übrigens nie, da ihm eine Karte stets über die Position der Wachen, der Waffen und des Zielorts Aufschluss gibt. Für Auflockerung sorgen kleinere Passagen in Zwischengegner-Form, die einzig und allein mit Köpfchen und etwas Geschick bewältigt werden können. Wer keine Lust auf diese Spielchen hat, verpasst dem blonden Engel eine neue Haarpracht oder richtet sein privates Wohnzimmer neu ein.
Über die Gründe, dieses eher zweifelhaften Spielerlebnisses in Shadow of Rome einzubinden, darf gestritten werden. Fakt ist aber, dass die Story ohne Octavianus Ausflüge keine Fortschritte machen würde.
Überhaupt ist die Waffenauswahl mehr als ordentlich. Dolche, Schwerter, Fackeln (die besonders in Kombination mit brennbaren Flüssigkeiten zu empfehlen sind), Streitkolben, Pfeil und Bogen und fiese Speere liegen in den Arenen verstreut oder können von Feinden erbeutet werden. Ist keine Waffe zur Hand, geht Agrippa einfach in den Faustkampf über. Mindestens genauso wichtig wie der Angriff ist die richtige Verteidigung. Dafür sorgen Helme und Schilde, die, genau wie die Waffen, gewissen Abnutzungserscheinungen unterliegen. Werden sie zu stark beansprucht, gehen sie zu Bruch. Vor selbigem Probleme stehen sogar die zahlreichen bösen Zwischengegner, bei denen Agrippa ohne die richtige Taktik keine Chance hat.
Dass Shadow of Rome trotz der übertriebenen Gewaltdarstellung dennoch den Weg in die Regale gefunden hat, liegt an dem bald schon lustigen Umgang mit den Verletzungen. Wer wäre nicht für den Tipp dankbar, dass Krieger mit nur einem Arm wegen ihrer eingeschränkten Handlungsfähigkeit ein leichtes Opfer darstellen? Apropos Arm: Wusstet Ihr, dass sich abgetrennte Gliedmaßen hervorragend als Ersatzwaffe eignen?
Gemeinsam mit einigen CPU-Mitstreitern geht es in den Team-Wettkämpfen zur Sache, bei denen die Zerstörung dreier gegnerischer Statuen das Hauptziel ist. Leider agieren Eure Kumpanen alles andere als pfiffig und sind nicht selten am Scheitern des Kampfes Schuld. Noch eine Ecke nerviger ist dieser Umstand während der Rette die Geisel-Kämpfe. Agrippa metzelt sich durch das gesamt Areal, muss am anderen Ende eine zivile Person befreien und zum Ausgang geleiten. Wenn sich diese aber zwei Meter vor dem Ziel einfach nicht bewegen möchte, heißt es Frust pur. Dafür entschädigen flotte Streitwagenrennen, an denen Ben Hur seine wahre Freude gefunden hätte, sowie die kürzeren Auftritte der hübschen Claudia, in denen sie tapfer an Agrippas Seite kämpft.
Technisch zeigt ein ebenso ambivalentes Bild, wie es die spielerische Abteilung vorgemacht hat. Die Umgebungen, durch die Octavianus streift, sind wenig detailliert und flimmern mit einer Intensität, wie sie schon lange nicht mehr auf der PlayStation 2 zu finden war. Besonders die Animationen aller Akteure während der Stealthabschnitte sind leider weit vom Prädikat flüssig entfernt, was zudem mit einer recht hakeligen Steuerung einhergeht. Etwas besser ergeht es da Agrippa, der zumindest auf den roten Lebenssaft und zahlreiche Waffen bauen kann. Im Gegensatz dazu zeigen sich die Zwischensequenzen in Spielgrafik und die Gegenstücke in Renderoptik als wahrer Augenschmaus. Flott geschnitten und cool in Szene gesetzt, huschen die Kampfszenen nur so an Eurem Auge vorbei.
Keine große Aufmerksamkeit erregt dagegen die akustische Seite von Shadow of Rome. Sämtliche Klänge halten sich stets im Hintergrund und nerven in den ruhigeren Abschnitten in Folge ständiger Wiederholung sogar etwas. Einige zusätzliche Soundeffekte wären zwar wünschenswert gewesen, insgesamt passen sie aber optimal zum Gesamtbild, welches das Römerspektakel hinterlässt. Sprachausgabe findet sich eher selten, und selbst dann müssen deutsche Spieler mit dem, ohne Zweifel sehr gutem, englischen Original Vorlieb nehmen.