Gesamtwertung88%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Ein Junge, ein Mädchen und ein Pferd. Hört sich nach Barbie Rettet die Wildpferde an, ist es aber nicht. In Sonys neuestem Werk, das den Titel Shadow of the Colossus trägt und das der inoffizielle Nachfolger zum 2002 erschienenen ICO ist, geht es um andere, deutlich größere Dinge.
Die Geschichte ist schnell erklärt: Ihr schlüpft in Shadow of the Colossus in die Rolle des jungen Protagonisten Wanda und reitet auf eurem treuen, schwarzen Pferd Agro zu einem weit entfernten, gigantischen und geheimnisvollen Tempel. Auf eurem Schoß, ein totes Mädchen. Beim Tempel angekommen, legt euer junger Held den leblosen Körper des Mädchens auf ein Steinpodest, das sich im Zentrum der Tempelanlage befindet. Plötzlich ertönt eine Geisterstimme die euch erzählt, das die Kräfte dieses verbotenen Landes einst gestorbene wieder auferstehen lassen kann, dieses jedoch kein Sterblicher betreten dürfe. Urplötzlich tauchen hinter euch seltsame Schattenwesen auf, die euch offensichtlich an die digitale Wäsche wollen.
Kampfesmutig zieht Wanda sein Schwert, hält es hoch und so schnell wie die Schattenwesen gekommen sind, lösen sie sich auch wieder in Luft auf. Kurz darauf meldet sich die Geisterstimme wieder zu Wort. Sie erklärt euch, dass ihr das alte Schwert bei euch tragt, welches im verbotenen Land magische Kräfte besitzt und macht euch ein Angebot. Wenn ihr es schafft, die 16 Kolosse des Landes zu bezwingen, wird die Seele des toten Mädchens zurückgeholt. Wanda willigt ein, schwingt sich auf seinen treuen Weggefährten und reitet los.
Das weite Land
Aber wo findet ihr die 16 Kolosse? Die Antwort darauf gibt euer Schwert, welches wie bereits erwähnt magische Kräfte besitzt und euch den Weg zum Ziel weist. Ihr müsst die Klinge lediglich ins Sonnenlicht halten und schon verrät euch der gebündelte Lichtstrahl, in welche Himmelsrichtung ihr reiten müsst, um zum nächstgelegenen Koloss zu gelangen. Da das Verbotene Land allerdings ziemlich groß ist und der gebündelte Strahl den Standpunkt der Kolosse nur in etwa bestimmen kann, kommt es von Zeit zu Zeit vor, dass ihr etwas länger durch die Gegend reiten müsst, um den genauen Standort des Titanen zu finden. Nach einem mehr oder weniger langen Ritt über das weite Land erreicht ihr auch schon den ersten Koloss, dessen Bezeichnung keinesfalls übertrieben ist. Er ist wirklich beeindruckend groß und zudem auch noch mit einer gigantischen Keule bewaffnet. Glücklicherweise hat euch der Riese noch nicht bemerkt und ihr könnt ihn erst einmal aufs Genauste beobachten und seine Wunden Punkte ausfindig machen, die ihr kennen müsst, um im Kampf eine reelle Chance zu haben. Dabei hilft euch erneut euer altes Schwert, das euch nachdem ihr es gen Himmel gestreckt habt die Schwachstellen des Kolosses anzeigt.
Jetzt kommt der kniffligste Teil: Ihr müsst an dem Ungetüm heraufklettern und den magischen Stahl in die markierte Schwachstelle reinrammen und dies, manchmal sogar mehrmals. Kein leichtes Unterfangen!
Kein Kampf gleicht dem anderen!
Da jeder der insgesamt 16 Kolosse vollkommen anders aussieht und sich auch anders verhält, unterscheiden sich auch die einzelnen Kampf- beziehungsweise Geschicklichkeitseinlagen. Wenn ihr wissen möchtet, wie ihr die Monster bezwingen könnt, müsst ihr zunächst deren Bewegungsabläufe genau studieren und solltet auch ein Auge auf die umliegende Umgebung haben. Manchmal ist es nämlich sogar von Nöten, sich zu verstecken, damit das Biest sich anders bewegt oder sich beispielsweise zu euch herunterbückt. Habt ihr den Weg oder die Strategie gefunden und seid auf das Ungetüm geklettert, müsst ihr irgendwie halt finden, um euren weiteren Aufstieg durchführen zu können. Hierbei könnt ihr euch lediglich am Fell des Kolosses oder an dessen Panzerung festhalten. Währenddessen solltet ihr die Ausdaueranzeige keinesfalls aus den Augen lassen, da eure Kondition stetig sinkt, sobald ihr euch irgendwo festgeklammert habt. Um die Kondition nicht zu verlieren, müsst ihr während der in Schwindelerregender Höhe stattfindenden Kletterpartie von Zeit zu Zeit kleinere Pausen einlegen, damit sich euer junger Held erholen beziehungsweise der Ausdauerbalken sich wieder füllen kann. Habt ihr es nach vielen, harten Geschicklichkeitseinlagen geschafft und den Koloss bezwungen, wandert dessen Seele in euren Körper. Ist dies geschehen, begebt ihr euch zurück zum Tempel und liefert diese dort ab. Anschließend beginnt die Monsterjagd wieder von vorne.
Auf eurer langen Reise durch das Verbotene Land, sind die Kämpfe mit den Kolossen entsprechend das eigentliche Hauptspiel.
Während ihr mit Agro durch die Prärie reitet, könnt ihr euch an der riesigen Spielwelt von Shadow of the Colossus ergötzen. Diese ist zwar völlig menschenleer klar, das Verbotene Land darf ja auch kein Sterblicher betreten bietet dafür aber viele Augenweiden. auffordert. Egal ob ihr durch Wüsten- und Küstengebirge, Wälder oder Canyons galoppiert, stets gibt es schöne und detailreiche Landschaften zu sehen. Kleinere Landbewohner wie Eidechsen, Schildkröten oder in der Luft umher fliegende Adler hauchen der ansonsten traurigen und menschenleeren Spielwelt dann doch etwas Leben ein. Zugegeben, das Erkunden der gesamten Spielwelt vor den kolossalen Kämpfen gestaltet sich eigentlich ziemlich langweilig, da es an sich nur Landschaften zu sehen gibt. Das alles ist aber sofort vergessen, wenn sich der nächste riesige und zudem sehr schön animierte Gegner vor euch aufbaut und zum Geschicklichkeitskampf. Aber nicht nur die Titanen sind hervorragend in Szene gesetzt, auch die übrigen Umgebungen mit ihren Seen, Wasserfällen und bereits verfallenen Tempeln zeugen von Detailverliebtheit. Besonders das Lichtspiel der verschiedenen Locations, das einen bombastischen Eindruck hinterlässt, ist mehr als gelungen umgesetzt worden und zeugt von künstlerischem Können seitens der Entwickler.
Störend ist hierbei eigentlich nur die etwas träge Steuerung, das leichte Kantenflimmern und die teils bockige Kamera, die nicht immer den optimalen Blickwinkel parat hält, sich dafür aber jederzeit nachjustieren lässt. Das ist aber nicht weiter tragisch und wird auch schnell wieder vom ansonsten gelungenen Technikpaket wettgemacht. Neben einem 16:9-Modus, einer 50/60 Hz-Option, sowie einem echten Progessive Scan-Modus, bietet der Titel nämlich auch noch einen voluminösen Pro Logic II-Soundtrack. Dieser wartet mit orchestralen Musikstücken, einem dicht gewebten Klangteppich und einer gelungenen Lokalisierung mit einwandfreien deutschen Untertiteln auf.
Die etwas bockige Kamera, die träge Steuerung und das leichte Kantenflimmern sind zwar nicht so toll, trüben jedoch keinesfalls das gelungene Spielsystem, das es in einer solchen Form bisher noch nie auf der PS2 gegeben hat. Da drücke ich beherzt ein Auge zu und rate jedem Action-Adventure-Fan, unbedingt einen Blick auf diesen Titel zu werfen. Shadow of the Colossus gehört meiner Meinung nach nämlich in jede gut sortierte Spielsammlung!