Shin Megami Tensei: Persona 4

Review
Plattform
Sony Playstation 2
Vertrieb
Koch Media
Entwickler
Atlus
Erscheinungsdatum
-
Genre
RPG
USK
12
Shin Megami Tensei: Persona 4

Gesamtwertung

87 %/10

Grafik

7

Sound

8

Lanzeitspaß

9

Spieleinstieg

7

Bedienung

7

Shin Megami Tensei: Persona 4

Als Persona 3 seinerzeit für die PS2 angekündigt wurde, haben nur wenige mit einer Veröffentlichung im Westen gerechnet. Dass der Titel dann aber nicht nur in Amerika, sondern sogar in Europa erschienen ist und somit seine Premiere feiern konnte, hat wohl niemand erwartet. Nachdem zuletzt auch die erweiterte Fassung von Persona 3 in die Läden gekommen ist, war zumindest eines Gewiss: Ein Release für Persona 4 dürfte nicht zu unrealistisch sein. Nun hat es seinen Weg in das europäische Videospiel-Regal gefunden und wurde von der ausländischen Fachpresse geradezu mit Lobeshymnen überhäuft. Aber was können wir von einem Nachfolger erwarten, der nur so kurze Zeit in Entwicklung war, dass er ein Jahr nach seinem Vorgänger erscheint? Eines ist gewiss - so hochgelobt Persona 3 auch war, es war keinesfalls ein perfektes Spiel. Viele Spieler hatten wegen der irgendwann monotonen Spielweise kein Durchhaltevermögen mehr, das Spiel auch wirklich durch zu spielen. Dessen schien sich Atlus bewusst zu sein, denn man versprach, Persona 4 würde in vielen Belängen seinem Vorgänger ähnlich sein, aber dennoch die Kritikpunkte von damals ausmerzen. Jetzt stellt sich nur noch die Frage, ob das das typische Promotion-Gerede war oder ob hier wirklich der heraufbeschworene Knaller vorliegt.

Detektiv-Story mal anders

Während Persona 3 keinen Wert auf eine im Ansatz realistische Story legt, bemüht man sich in diesem Fall wenigstens am Anfang um eine in den Rahmenbedingungen logische Geschichte. Der namens- und gefühlslose Hauptcharakter zieht von der Großstadt auf das Land, weil seine Eltern beruflich so eingespannt sind, dass sie sich um Ihn nicht mehr kümmern können. Direkt am ersten Schultag überrascht Euch anschließend die Meldung, dass eine Fernseher-Moderatorin im nebeligen Inaba kopfüber auf einen Telefonmast aufgespießt wurde. Was am Anfang noch wie ein Mord aus Rache aussieht - die junge Frau hatte eine verhängnisvolle Affäre - spinnt sich zu einer immer mysteriöser werdenden Mordserie aus.

Gleichzeitig kommt unter den Schülern das Gerücht auf, dass man bei schlechtem Wetter seinen Seelenverwandten im Fernsehen sieht.

So verwundert es nicht, dass sich sowohl der Held als auch seine Mitschüler um Mitternacht vor die heimische Glotze setzen um auf das Spektakel zu warten. Und tatsächlich leuchtet der TV zur Geisterstunde auf, um Euch kurzerhand hinter den Bildschirm zu saugen. Hinter dem Display wartet eine unheilvolle Parallelwelt auf Euch, die auf seltsame Art und Weise mit den Morden in Inaba zusammenhängen müssen. Denn alle Toten haben zuvor die Realität verlassen und sind durch die Welt hinter dem Monitor gewandert.

Natürlich warten in der Parallelwelt auch wieder zahlreiche Schattenmonster auf Euch. Wie bereits in Persona 3 zählen nämlich die Kämpfe wieder zu einem Hauptbestandteil der Spielzeit. Das Kampfsystem in Persona 4 ist dabei wieder durchgehend rundenbasiert, neu ist allerdings, dass jeder der vier Charaktere, die man mit in den Kampf nimmt, auch von einem selbst gesteuert werden kann.

Neben Standardangriffen oder der Verteidigung des eigenen Charakters, unterstützen Euch auch noch die so genannten Personas im Duellgegen die Schatten. Personas sind im weitesten Sinne Beschwörungen aus der eigenen Persönlichkeit des Spielcharakters. Die Beschwörungen der anderen Partiemitglieder stehen fest und können im gesamten Spielablauf nicht verändert werden, der Hauptcharakter jedoch kann als Besonderheit "Personal Links" ausbauen um weitere Personas zu kreieren. Zu den Personal Links kommen wir aber später noch zu sprechen.

Erforscht die Komplexe anderer

Ein großer Kritikpunkt an Persona 3 war der monotone Dungeon, in dem Ihr Stunden lang durch zufällig zusammen gewürfelte Stages gewandert seid. Diese über 200 Etagen zu erklimmen waren nicht gerade abwechslungsreich, sondern eher ermüdend.

Persona 4 gelobt in dieser Hinsicht wenigstens etwas Besserung. Thematisch sind die Dungeons nun nämlich alle ganz verschieden und so zumindest auf den ersten Blick nicht langweilig. Trotzdem kämpft Ihr Euch immer noch durch belanglose Gänge, wo es wenig zu entdecken gibt. Zufallskämpfe gibt es auch in Persona 4 nicht. Das heißt, Ihr könnt Euren Gegnern ausweichen, sie von hinten angreifen oder völlig gewollt in sie rein laufen um einen Kampf auszulösen. Der Schwierigkeitsgrad ist wie bei jedem Shin Megami Tensei nicht zu unterschätzen, so dass Anfänger lieber auf dem Schwierigkeitsgrad "Beginner" starten. Wer erst spät im Spiel feststellt, dass er den Anforderungen nicht gewachsen ist, muss andernfalls die gesamte Story von vorne anfangen.

Ihr levelt Euren Charakter und seine Persona aber nicht nur mit den Erfahrungspunkten, die Ihr im Kampf erhaltet. Einen wichtigen und viel Zeit in Anspruch nehmenden Aspekt in Persona 4, stellen die Abschnitte zwischen den Konfrontationen mit der Parallelwelt dar.

Euer Charakter ist immerhin nach Inaba gezogen um das Schuljahr zu absolvieren. Dementsprechend sieht der Tagesablauf für Euch auch aus. Morgens steht Ihr auf und geht an den Werktagen zur Schule, lasst Euch entweder vom Unterricht berieseln oder beantwortet Fragen zum Schulstoff. Nach der Schule steht Euch frei, ob Ihr in den Sportclub oder in eine Arbeitsgemeinschaft wechselt. Ihr füllt Eure Nachmittage anschließend individuell. Entweder geht Ihr in die Parallelwelt um die Hauptstory weiter zu treiben, oder aber Ihr baut bei zahlreichen Aktivitäten, wie zum Beispiel mit Freunden shoppen gehen die Beziehung zu anderen Charakteren aus. Das ist aber nicht nur irgendein Zeitvertreib, sondern auch nötig um sich neue Personas zu erstellen. Geld für Ausrüstung ist Mangelware, umso wichtiger ist es, sich Personas mit guten Angriffswerten und Attacken zu fusionieren. Führt Ihr soziale Kontakte zu anderen Personen indem Ihr Euch gut mit Ihnen stellt und die Freundschaften vertieft, wird es mit der Zeit möglich immer stärkere Personas zu erstellen.

Im sogenannten Velvet Room seht Ihr einen Überblick darüber, welche Persona mit einer anderen fusioniert werden kann und natürlich hat jedes der Wesen verschiedene Statuswerte, sowie lohnenswerte neue Spezialattacken. Diese sind auch dringend notwendig für die sehr fordernden Bossgegner.

Nichts für Trödler

Die verschiedenen Schauplätze, wie das Einkaufscenter Junes, die Highschool und Euer Wohnort werden über eine Übersichtskarte angesteuert. Ihr habt nicht unbegrenzt Zeit Euch mit den Social Links auseinander zu setzen, da Persona 4 wieder ein Zeitlimit von einem Spieljahr beinhält. Prinzipiell kann ein Tag nur schlappe fünf Minuten dauern, aber keine Sorge. Es gibt immer so viel an den verschiedenen Orten zu entdecken und in den Dungeons zu tun, dass man in einige Tage sogar eine Stunde investieren könnte.

Wie Ihr Euch die Zeit einteilt, bleibt ganz Euch überlassen. In den Dungeons oder den Einkaufsstraßen bewegt Ihr Euch auch durch eine 3D-Welt, die optisch zwar nicht gerade das Maximum aus der schon betagten Playstation 2 heraus kitzeln kann, dafür aber mit charmanten Charakteren aufwarten kann. Durch die Vielzahl an Hauptcharakteren ist auch für den einer dabei, mit dem er sympathisiert und die Persönlichkeit des leider wieder einmal gefühllosen Helden übernehmt Ihr ohnehin selbst. Auch wenn die Grafik nicht zu den Stärken von Persona 4 gehört, kommt trotzdem die dichte Atmosphäre der spannenden Story gut herüber und man fühlt mit den Charakteren bei Freud und Leid mit. Nicht nur gelungen, sondern gerade zu hervorragend passt der Soundtrack zum Spielgeschehen. Mal untermalt flappsige Pop-Musik die Teenager-Gespräche, das andere mal wird typische J-Rock-Musik als Kampfthema angestimmt. Gut, dass dem Spiel direkt eine kurze Soundtrack-CD beiliegt.

Fazit

Wer für die nächsten 80 Stunden noch nichts vor hat, bekommt mit Persona 4 ein wunderbares Rollenspiel, welches man, einmal angefangen, nicht mehr zur Seite legen kann. Ich habe damals zum US-Release bereits die ersten Stunden vom neusten Shin Megami Tensei-Spin Off gespielt, mir dann aber doch jetzt die PAL-Version zu Gemüte geführt. Leider fehlt es auch in der PAL-Fassung an einer deutschen Lokalisierung, so dass Leute ohne gute Englischkenntnisse wieder einmal den Kürzeren ziehen. Wer trotzdem die Geduld aufbringen kann sich die ersten Stunden durch die Dialoge zu klicken und das Spielprinzip einmal verinnerlicht hat, wird mit Begeisterung in die Dungeons ziehen, um sich seine eigene ultimative Persona zu fusionieren. Persona 4 ist das perfekte Spiel, um mal wieder in eine famose Rollenspiel-Welt abzutauchen.

Shin Megami Tensei: Persona 4

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