Spartan: Total Warrior

Review
Plattform
Sony Playstation 2
Vertrieb
-
Entwickler
-
Erscheinungsdatum
-
Genre
Strategie
USK
18
Spartan: Total Warrior [PS2 , Justgamers]

Gesamtwertung

86%/10

Grafik

Gut

Sound

Befriedigend

Lanzeitspaß

Befriedigend

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Sehr gut

Spartan: Total Warrior

Ein Krieger, ein Held, eine Legende.

Wir befinden uns im Jahr 300 vor Christus. Ganz Griechenland ist von den Römern besetzt. Ganz Griechenland? Nein! Eine von unbeugsamen Spartanern bevölkerte Stadt hört nicht auf, den Eindringlingen Widerstand zu leisten. Unter ihnen ein namenloser Krieger, bloß 'der Spartaner' genannt, als kleines Kind vor den Toren der letzten Bastion Griechenlands ausgesetzt und nun die letzte Hoffnung im Kampf gegen den Imperator Roms, Tiberius. Im Auftrag der Götter begibt er sich auf einen Rachefeldzug gegen Rom, der ihn tief in das Herz des Imperiums treiben soll. An seiner Seite die Zwillinge Castor und Pollux, beide furchtlose Kämpfer Spartas, und Electra, die adelige Amazonenprinzessin.

So seicht sich die Hintergrundgeschichte ohne nennenswerte Überraschungen oder Wendungen präsentiert, so fesselnd gestaltet sich das Gameplay. Am ehesten kann es als Mischung aus Dynasty Warrior und den Der Herr der Ringe-Actiontiteln beschrieben werden, ohne jedoch die Mängel der vermeintlichen Vorbilder zu übernehmen. Realisierbar wird das einzigartige Spielerlebnis allein dank der Grafikengine, mit der in die Tat umgesetzt werden kann, was sonst lediglich versprochen wird: Kämpfe mit vielen Dutzend Gegnern gleichzeitig in riesigen Arealen und das flüssig, zu jeder Zeit!

Dabei ist Spartan: Total Warrior keineswegs ein reiner Buttons Masher, stellt im Gegenteil teilweise selbst geübte Videospieler vor echte Herausforderungen, was das Überleben (anderer) angeht. Lassen sich normale Fußtruppen ohne starke Panzerung noch problemlos mit einigen Schwerthieben zum Hades schicken, müssen bei den Legionsanführern schon andere Methoden ran. Sie blocken stumpf jeden Schlag des Helden, zumindest bis dieser den Gegner mit seinem Schild zum Schwanken bringt und so seine Deckung durchbricht. Assassinen springen im letzten Moment akrobatisch zur Seite, Bogenschützen schicken dem Krieger ihre Pfeile entgegen und ganz fiese Zeitgenossen schnallen sich einen Flammenwerfer auf den Rücken, der bei zu starker Belastung auch gerne explodiert. Zu allem Übel gesellen sich im späteren Spielverlauf noch Barbaren, Gladiatoren des Kolosseums und untote Kreaturen hinzu. Letztere müssen mit einem beherzten Tritt sprichwörtlich zerquetscht werden, damit sich ihre verwesten Reste nicht erneut erheben.

Dass unser Spartaner dennoch als Sieger aus den Kämpfen hervorgeht, liegt nicht nur an seinen drei KI-Kumpanen, die tatkräftig mit austeilen. Vielmehr sind es seine vernichtenden Kombomöglichkeiten und Spezialangriffe, die ohne weiteres zwei Hand voll Gegner mit einem Streich enthaupten können. Ausgangspunkt dafür ist die Wutanzeige. Jeder Treffer, den der Spartaner bei einem Gegner landen kann, lässt diese steigen. Ist sie voll, darf je nach Waffe eine andere Spezialattacke ausgeführt werden. Und da sich bei dermaßen vielen Gegner die Wut des Helden praktisch ständig im kritischen Bereich befindet, findet das Vergnügen nie ein Ende. Achilles’ Speer zum Beispiel lädt sich mit Energie auf und pulverisiert danach sein Opfer regelrecht. Das Schwert des Spartaners hingegen zieht eine Schneise der Verwüstung durch die Menschentraube - Zeitlupeneffekt inklusive. Nicht weniger wirkungsvoll erweist sich die göttliche Macht im Heldenalltag. Beliebige Waffe oder das Schild der Medusa in der Hand, Taste betätigt und schon werden ganze Horden versteinert, mit Blitzen gebrutzelt oder durch ein Erdbeben ordentlich durchgerüttelt.

Spartanische Optik?

Was wären all die schönen Schlachtereien, wenn das Setting nicht stimmen würde? Keine Bange, denn die Grafikengine ist mit der Darstellung der vielen umherwuselnden Leute längst nicht am Ende. Egal ob Schlosshof, das antike Athen mit seinen schmalen Gassen, Barbarendörfer, das Kolosseum in Rom und als wahres Highlight ein gigantisches Gewölbe unter den Mauern Roms, in denen ein Minotaurus sein Unwesen treibt: Steril wirken die Umgebungen nie. Sie können im Gegenzug sogar mit hervorragenden Lichteffekten punkten, bei denen sich der Prinz aus Persien pudelwohl fühlen würde.Moment. Minotaurus? Ja, mythologische Figuren und andere Geschöpfe sind das Salz in der Suppe und machen in den taktisch angehauchten Endgegnerkämpfen dem Spartaner das Leben schwer. Egal ob nun ein riesiger Mensch aus Bronze, der Sparta angreift, oder Beowulf, der mächtige Kriegsherr der Dänen – für Abwechslung ist besonders hier gesorgt. Abseits dieser Kämpfe möchten Strohhütten der Barbaren in Brand gesteckt, die eigenen Leute beschützt und Gefangene befreit werden. Auch Archimedes persönlich gibt sich die Ehre und befördert den Helden kurzerhand zu seiner Leibgarde. Dennoch muss ganz klar gesagt werden, dass im Endeffekt alles auf „Töte alle heranstürmenden Feinde“ hinausläuft, aber gerade das bereitet ja die meiste Freude.

Enthauptungen, gemütliche Getümmel mit unzähligen Leichen, darunter gerne Zivilisten – geht man rein nach dieser Beschreibung, ist das „Keine Jugendfreigabe“-Siegel eher verständlich als nach einigen Stunden Spielzeit. Der Grafikstil ist alles andere als realistisch, fast schon comichaft und herumfliegende Köpfe hätten es bei Spartan nicht zum ersten Mal durch die USK geschafft. Immerhin ist die deutsche PAL-Version komplett ungeschnitten

Arena auf Sparta

Vom reinen Ablauf her unterscheiden sich die Missionen kaum. Die sehr direkte Steuerung lässt den Spartaner geschmeidig um jede Ecke düsen, über Abgründe springen und Schalter betätigen. Gepaart mit der frei dreh- und zoombaren Kamera ein wahres Fest. Verloren gegangene Energie füllt er an Altären auf oder sammelt die bunten Energiekügelchen ein, die die Gegner bei ihrem Ableben hinterlassen. Zwar gibt es für besiegte KI-Schösslinge keine Erfahrungspunkte, doch gibt es nach jedem Auftrag einen Götterbonus, der auf Gesundheit, Kraft und (Magie-) Power verteilt werden darf. Sind alle drei Leisten voll, steigt der Spartaner eine Stufe auf und bekommt so eine glänzende Rüstung oder einen funkelnden Helm.

Spartan: Total Warrior (26 Bilder)

Drei Schwierigkeitsgrade, großzügig verteilte Checkpoints und abbrechbare Cutscenes sorgen für wenig Frust. Gespeichert wird zwischen den Missionen, wo es auch die einzigen Ladezeiten im Spiel gibt. Dafür sind diese gut und gerne bis zu eine Minute lang. Wer besonders aufmerksam durch die Gänge streift, findet versteckte Artworks und Boni für die Arena. Ein persönlicher Gigant, acht Hand voll Mitstreiter und besonders viele lebenspendende Altäre machen die Kämpfe gegen ganze Legionen wesentlich einfacher und führen zu immer höheren Highscores.

Bleibt zum Schluss die undankbare Aufgabe, die letzten (kleinen) Kritikpunkte zu Papier zu bringen. Clippingfehler, unsaubere Übergänge zwischen zwei Animationen und in der Nahaufnahme unschöne Charaktermodelle erinnern uns daran, dass es sich bei der Hardware „nur“ um eine PlayStation 2 handelt. Das rüttelt aber nur unmerklich an der Grafikwertung, zumal selbst Schatten bei den Schnitzeleien dargestellt werden. Auf akustischer Ebene ist der schlimme Finger die deutsche Sprachausgabe, die weder Lippensynchron ist, noch zu begeistern weiß. Dafür zeigen sich die optional wählbaren englischen Sprecher umso begabter. Im Kampf dominieren die Schreie der Krieger und klirrende Schwerter. Sonstige Hintergrundmusik hält sich zu jeder Zeit absolut im Hintergrund und beschränkt sich auf ein paar Trommeln, bisschen Gerassel und die eine oder andere Melodie.

Fazit

Eine vermeintliche Übermacht, viele leblose Körper und ich als strahlender Sieger. Als Held lässt es sich leben. Die Schöpfer der Total War-Serie für den PC haben bei ihrem Konsolendebut eine glanzvolle Leistung hingelegt. Zwanghafte Innovationen? Brauchen wir nicht. Tiefgreifende Rätsel? Schnapsidee. Ein genialer Soundtrack? Der Spieler soll Spaß haben und keine Musik hören. Genau hier setzt Spartan: Total Warrior an: Es macht einfach Spaß, mit dem Pad in der Hand die Gegner zu verhauen. Nicht mehr und nicht weniger.

Spartan: Total Warrior [PS2 , Justgamers]

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