Gesamtwertung77%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Überraschungen gibt es immer wieder! Suikoden 3 wurde damals noch sehnsüchtig erwartet und es war lange Zeit unklar, ob der Titel in Deutschland erscheinen würde. Am Ende entschieden sich die Japaner leider dafür, uns dieses ausgezeichnete Spiel vorzuenthalten. Dies bedauerten viele Rollenspieler, schließlich gehörten die beiden ersten Suikoden-Teile zu den erfolgreichsten RPG-Titeln für die alte graue PlayStation. Umso überraschender ist die Tatsache, dass der vierte Teil, der vergleichsweise eine recht kurze Entwicklungszeit genossen hat, in Deutschland erscheint.
Trotzdem hat sich im neuesten Suikoden-Teil einiges geändert. Besonders auffällig ist für Kenner der Serie, dass Suikoden 4 seinen Standpunkt verlegt hat. Galt es früher noch über ausgedehnte fernöstliche Ländereien zu wandern, findet Ihr Euch heute auf einem Insel-Atoll wieder. Und natürlich hat auch der vierte Teil seine ganz eigene Geschichte, die wie immer in sich abgeschlossen ist. Man braucht also keinerlei Vorwissen aus den ersten drei Teilen.
Ein Junge, eine Rune und das weite Meer
Ihr startet als junger angehender Ritter und seid gerade bei der Absolvierung Eurer Ausbildung. Ihr habt während Eurer Lehre eine Menge Freunde kennen gelernt, z.B. Snowe, den Sohn des Kommandanten Glen. Snowe hat bereits einen höheren Posten inne und begleitet Euch in den ersten Aufträgen als Anführer. Doch schnell zeigt sich, dass Snowe unerfahren ist und Ihr ihn des öfteren aus der Patsche helfen müsst. Eines Tages attackieren Euch auf einer Reise Piraten, von denen der Anführer eine merkwürdige Rune trägt. Glücklicherweise kann Kommandant Glen schlimmeren Schaden verhindern.
Doch nachdem der feindliche Oberpirat geschlagen ist, wandert die Rune unaufhaltsam zum Kommandanten, der anschließend niemandem davon erzählt. Die folgenden Tage ist der Kommandant stark geschwächt, doch das Geheimnis um die Rune bleibt unentdeckt.
Das hat folgenschwere Auswirkungen, denn eines Tages verbietet Glen allen Personen, seine Räumlichkeiten zu betreten. Ihr ignoriert die Anweisung und seht, wie der Kommandant langsam ablebt. Sehr unpassend, dass Snowe Euch in diesem Moment erwischt und Euch anschließend als Mörder anschwärzt.
Ein weiteres Übel - die Rune hat Euch als nächstes Opfer ausgewählt und niemand außer Euch weiß von der Existenz dieser. Folglich seid Ihr nicht mehr willkommen und werdet von der Insel mit einem einsamen Boot auf das weite Meer hinaus geschickt.
Typischerweise kann die Geschichte nicht nur durch den Hauptplot überzeugen, sondern auch vor allem durch die vielen Charaktere. Insgesamt gibt es wieder die traditionelle Anzahl von 108, doch hat sich vieles hier im Vergleich zu den Vorgängern ganz klar zum Negativen verändert. So sind viele Mitstreiter nur kurz angebunden und nur selten zu einem Pläuschchen aufgelegt, und auch die meisten nicht-spielbaren Charaktere (NPCs) bringen kaum mehr als eine Begrüßung über die Lippen. Für die Wenigen, die den dritten Teil kennen, gibt es auch ein Ärgernis: Suikoden 3 verfügte über das sogenannte Trinity Sight-System, in welchem Ihr die Geschichte aus der Sicht verschiedener Charaktere verfolgen konntet. Dieses Feature wurde gänzlich gestrichen. Natürlich wirken sich derartige Abspeckungen leider auch negativ auf die Spielzeit aus, geübte RPG-Veteranen dürften schon nach 20 Stunden beim finalen Obermotz angelangt sein.
Rollenspiel der alten Schule
Am Grundgerüst hat Konami allerdings wenig geändert: Ihr habt die meiste Spielzeit über Aufträge zu lösen, für die Ihr Gegenstände und Erfahrungspunkte bekommt.
Ab einer bestimmten Anzahl von Erfahrungspunkten steigt Ihr auf und lernt neue Fähigkeiten. Am Kampfsystem hat sich auch nicht viel geändert, was viele Suikoden-Fans sicher freuen wird. Denn Suikoden 4 verzichtet schon wie seine Vorgänger auf unnötige Wartezeiten und Animationen und sorgt so für rasante Kämpfe.
Statt Magie gibt es wieder einmal die Runen, die immer nur begrenzt eingesetzt werden können. Einige Charaktere können z.B. andere heilen oder ihren Status verändern, andere hingegen verfügen über mehr oder weniger durchschlagskräftige Angriffszauber. Ebenfalls integriert sind wieder die kooperativen Angriffen, in denen sich zwei Charaktere auf den Gegner stürzen. Voraussetzung für diese Attacken ist allerdings, dass sich zwei Charaktere in einem Team befinden, die zusammen passen. Leider haben die Japaner auch das Kampfsystem leicht kastriert. Waren in den Vorgängern sechs Mitstreiter auf dem Schlachtfeld, so sind es nun nur noch vier. Ein weiteres Manko ist die Tatsache, dass Eure Widersacher eindeutig zu schwach sind. Im gesamten Spielablauf ist es nicht notwendig, Eure Leute abseits des vom Hauptplot vorgeschriebenen Weges zu trainieren. Trotzdem macht das Aufstufen recht viel Spaß, da es sehr flott geht, was bei der Konkurrenz eben oft nicht der Fall ist.
Probleme auf der See
Gekämpft wird aber nicht nur auf dem Land, sondern auch auf der See, und das leider unverhältnismäßig oft. Das Schiff, welches auf einer Weltkarte bewegt wird, steuert sich dabei besonders unpraktisch. Es bedarf schon eine gewisse Einarbeitungszeit, bis eine Insel angepeilt werden kann und Ihr auch endlich anlegen könnt. Und da nervt es tierisch, dass sich alle paar Sekunden ein Monster auf Euch stürzt. Neben den typischen Kämpfen gibt es ferner strategische Kämpfe, welche nicht, wie in den Vorgängern, auf dem Land mit großen Armeen ausgetragen werden, sondern mit Schiffen. Das Ganze erinnert ein wenig an Skies of Arcadia, man braucht allerdings etwas mehr taktisches Verständnis. Ihr habt z.B. zwei Schiffe, die Ihr selbständig mit Truppen belegen müsst und dürft diese dann wie auf einem Schachbrett begrenzt bewegen. Ziel ist es - wie sollte es auch anders sein - alle Widersacher auszuschalten.
Und obwohl Ihr selbst entscheiden könnt, welche der 108 Charaktere in Eure Gruppe aufgenommen werden, kann Suikoden 4 den linearen Spielablauf nur schlecht kaschieren. Zwar gibt es hier und da eine Auswahl, die getroffen werden kann, aber großen Einfluss auf die Geschichte könnt Ihr damit nicht nehmen. Gerade in den ersten Spielstunden werdet Ihr sehr eingeengt und findet keine richtigen Dungeons vor. Schlimmer noch aber ist, dass diverse Spielabschnitte einfach nur eintönig sind. So strandet Ihr auf einer tropischen Insel und werdet unfreiwillig zum Wiederholungstäter. Dort gilt es, mehrere Male bestimmte Dinge einzusammeln und anschließend ebenso mehrmals durch ein und dieselbe Höhle zu latschen.
Obwohl Suikoden 4 in vielen Punkten hinter den Erwartungen zurück bleibt, besitzt es immer noch viele gute Aspekte. Wer im Kampf stirbt, der kann den Kampf einfach erneut starten lassen, denn Game Over ist nur der, der auch wirklich aufgibt. Weiterhin gibt es stets ausreichend Speichermöglichkeiten, was gerade Anfängern sowie Gelegenheitsspielern sehr willkommen sein dürfte. Auch positiv anzumerken ist die Kamera, die sich leicht justieren lässt, sowie die Tatsache, dass Suikoden 4 vielen Traditionen der Serie treu geblieben. Das bedeutet natürlich z.B., dass die klassischen Minispiele, bei denen es um den Geldeinsatz geht, wieder mit von der Partie sind.
Glanzloses Abenteuer
In optischer Hinsicht kommt Suikden 4 nur wenig beeindruckend daher, der Titel zeigt sich eher selten von der Schokoladenseite. Die Städte kommen z.B. sehr realistisch daher und wurden durchaus sehr ansehnlich gestaltet, andere Dinge, wie z.B. die Innenräume oder Höhlen sehen dagegen ganz und gar langweilig aus. Charaktere und Monster erreichen knapp den grafischen Standard, Final Fantasy X und Star Ocean - Till the End of Time sehen hier deutlich besser aus.
Akustisch liefern die Japaner die gewohnte Kost. Kenner der Serie werden sich sofort heimisch fühlen, denn lediglich die Titelmelodie, die der Seefahrt-Thematik gewidmet wurde, tanzt aus der Reihe. Weiterhin wurden wichtige Szenen englisch synchronisiert und das in einer zufriedenstellenden Qualität.
Suikoden IV im Test.
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