Tekken 5

Review
Plattform
Sony Playstation 2
Vertrieb
Sony
Entwickler
Namco
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
16
Tekken 5 [PS2 , looki.de]

Gesamtwertung

91%/10

Grafik

Sehr gut

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Sehr gut

Tekken 5

„Heihachi Mishima is dead!“ - Der alte Greis und Symbol-Figur für die Tekken-Reihe Heihachi Mishima hat viele Feinde, so landet er im fulminanten Intro des Prüglers auf Befehl von Neuzugang Raven in einer Falle voller Jack-5 Maschinen und stirbt… nun ja, nicht wirklich. Wie nicht anders zu erwarten steht Heihachi trotz der gewaltigen Explosion wieder auf, schließlich überlebte der Besitzer der Mishima Zaibatsu schon einen Absturz in eine große Schlucht, in die ihn sein Sohn Kazuya damals warf. Das Geschehene scheint ihn jedoch aktuell nicht zu beeindrucken, im Gegensatz zu der Tatsache, dass das fünfte „King of Iron Fist“-Tournament nicht von ihm ausgerichtet wird: Veranstalter ist diesmal nämlich sein Vater Jinpachi Michima, Super-Bösewicht und Zähne-Ausbeiß-Endgegner Nummer 1.

Wie nicht anders zu erwarten, hat sich wieder die gesamte Kämpfer-Riege zum Turnier zusammengefunden. Quasi ein Best-Of aller Tekken-Ableger, so sind seit dem ersten Teil bekannte Größen wie Law, Nina und Yoshimitsu mit von der Partie, wie auch die meisten Nachzügler, sei es Hwoarang, Lei oder Eddy, der als Spezial-Kostüm der aus Teil 4 bekannten Christie Montiero freispielbar ist. Aus dem Zoo entflohen sind diesmal Panda/Kuma und das Känguru Roger Jr., auf den Dino Gon mitsamt seiner Darmflatulenz müssen wir leider wieder verzichten, können aber dafür ein weiteres Mal mit dem hölzernen Mokujin andere Kämpfer imitieren.

Unter den insgesamt 32 Charakteren (Eddy und Panda eingerechnet) haben sich auch drei neue Kämpfer versteckt. Da wäre zunächst der vorhin erwähnte Raven, der wie Yoshimitsu seinen Gegnern im Ninjutsu-Stil gegenüber tritt und mit seinem coolen Posing an Wesley Snipes in den Blade-Filmen erinnert. Sämtliche Ähnlichkeiten mit realen Personen sind aber natürlich „rein zufällig“. Neu mit an Bord ist auch Jins Schwesterchen Asuka, die bildhübsche Dame kämpft selbstverständlich im familieneigenen Kazama Style.

Dritter im Bunde ist Feng „Ich zerstöre gerne Dojos“ Wei, mit dem ihr dank flinkem Kenpo euren Gegenüber rasch verprügelt. Diese neuen Charaktere mögen zwar ihr erstes Tekken-Turnier bestreiten, fügen sich aber dennoch nahtlos in das hervorragend ausgeglichene Fighter-Feld mit den altbekannten Recken ein.

Das größte Merkmal der Tekken-Reihe ist die für ein Beat’em’Up relativ komplexe Hintergrundgeschichte, die in diesem Genre einmalig ist und wohl einigen Anteil am Erfolg der Serie hatte. So treffen hier nicht wie so oft einfach nur oberflächliche Charaktere aufeinander, die 'nur' die Welt retten oder zerstören wollen, sondern echte Schicksale, die auch miteinander verknüpft sind. Ein kleines Beispiel: Jinpachi ist das älteste Familienmitglied der Mishima-Familie, dessen Sohn Heihachi wiederum der Vater von Kazuya Mishima ist. Kazuya war mit Jun Kazama, die von Ogre getötet wurde, verheiratet und hat mit Jin und Asuka Kazama zwei weitere Kinder. Jin ist für seinen Teil mit Hwoarang verstritten, dessen Meister Baek auch am Turnier teilnimmt. Bruce Irvine ist wiederum der Bodyguard von Kazuya. Außerdem ist das Mishima-Zaibatsu-Imperium für die Erschaffung von Steve Fox, Yoshimitsu und Bryan Fury verantwortlich. Alles klar? Zugegeben, als Otto-Normal-Zocker braucht man dazu schon fast eine Zeichnung, um dem Überblick zu behalten, aber auch die grandios inszenierten Abspannfilmchen greifen diese Beziehungen der Kämpfer zueinander auf und sorgen dadurch für das eine oder andere Aha-Erlebnis - zumindest bei den Spielern, die sich für die Story interessieren.

Im Storymodus kämpft ihr euch also durch neun Stages, um Sieger des Turniers zu werden. Positiv fällt zunächst auf, dass sich das komplette Kampfgeschehen wieder auf nur einer Ebene abspielt, ihr könnt also nicht mehr in die Tiefe stürzen wie bei Tekken 4. Geblieben sind einige Levelbegrenzungen wie Wände und Zäune, andere Stages sind wiederum endlos wie noch in Tekken 3.

Ebenfalls von Beginn an auffällig ist der unausgeglichene Schwierigkeitsgrad, denn auf „leicht“ sind die ersten Widersacher kein Problem, selbst Anfänger dürften sie mit etwas Übung sogar mit einem „Perfect“ nach Hause schicken. In den weiteren Duellen steigt der Schwierigkeitsgrad jedoch rasant an, besonders Endgegner Jinpachi sorgt selbst im einfachsten Modus für blutige Daumen - und das nicht nur bei Genre-Neulingen: Auch unserem Prügelprofi entschlüpften beim Test einige ziemlich üble Flüche, die wir sonst nur von ihm hören, wenn er sich vom Chef seinen Gehaltsscheck abgeholt hat. Sicher, ein anspruchsvoller Endgegner gehört zu jedem Prügelspiel von Namco, Jinpachi aber knüppelt euch derart schnell in den Staub, dass es schon etwas frustrierend ist. Habt ihr ihn trotzdem bezwungen, gibt es zur Belohnung ein hübsches Render-Filmchen. Diese sehen nicht nur gut aus, sondern sind größtenteils überraschend witzig für ein Prügelspiel. Einige weniger wichtige Fighter wie Mokujin werden zwar mit leider recht kurzen und nicht besonders spektakulären Movies abgefertigt, die von den Hauptcharakteren wie den Williams-Schwestern sind dagegen aber richtig klasse und entschädigen für den harten Bossfight.

Als weitere Belohnung, und das ist neu in der Tekken-Reihe, gibt es einen Haufen Zaster, den ihr im „Anpassen“-Menü verprassen dürft. Hier lassen sich die Klamotten farblich verändern und um Gegenstände wie eine Sonnenbrille oder eine Gitarre erweitern, für einige Charaktere gibt es sogar komplett neue Outfits. Christie Monteiro wird wie erwähnt zu Eddy Gordo, Fans der Damen Asuka und Xiaoyu freuen sich außerdem über komplett neue Outfits. Neue Frisuren gibt es außerdem.

Neben dem Storymodus könnt ihr euer Geld auch in den bekannten Modi wie Survival oder Time-Attack verdienen, zudem wurde mit dem Arcade-Mode ein simulierter Onlinemodus auf die DVD gepresst. Hier spielt ihr zwar nicht gegen echte menschliche Gegner, vielmehr 'tarnen' sich eure Widersacher als solche und treten stilecht mit freakigen Namen an.

Habt ihr einige Kontrahenten auf die Bretter geschickt, erwartet euch ein Ranking-Match, in dem ihr durch einen Sieg um einen Rang aufsteigen könnt. Aber Vorsicht: Das funktioniert auch in die andere Richtung, so dass ihr nach verlorenen Kämpfen ein Ranking-Match gewinnen müsst, um nicht wieder abgestuft zu werden.

Teuflisch geht es zu dem im „Devil within“-Part zu: Mit Jin Kazama, der sich hier in Devil-Jin verwandeln kann, prügelt ihr euch mit veränderter Steuerung durch immer gleich aussehende Labyrinthe. Neue Texturen gibt es nur, wenn ihr in einen neuen Abschnitt kommt, die Räume, Gegner und Combos unterscheiden sich indes kaum. Arge Kameraprobleme komplettieren die eher misslungene Dreingabe.

Spaßiger wird da die Reise in die Vergangenheit, denn als weitere Boni findet ihr auch die Arcade-Versionen von Tekken 1 bis 3 unter 'Arcade Geschichte' vor. Zwar gibt es hier anstelle hübsch modellierter Kämpfer nur Pixelbrei zu sehen, dafür kullerte unserem beinharten Prügelprofi beim Test die eine oder andere Nostalgieträne über die Wange.

Das Gameplay der fünften Tekken-Auflage erinnert am ehesten an den dritten Teil, und das ist auch gut so, denn dieser stellte bislang den Höhepunkt der Serie dar. Die Dead or Alive-Elemente aus Tekken 4 fielen weg, außerdem wurde das Tempo leicht erhöht. Bereits geübte Tekken-Veteranen zaubern die gewohnten Combos dank kaum veränderter Steuerung lässig erneut aus dem Hut und verpassen Anfänger mühelos eine virtuelle Abreibung. Geplante Angriffe erweisen sich nämlich als wirkungsvollste Methode, denn auch wenn „Button Masher“ und „One Button“-Fighter sich mit etwas Geduld erfolgreich durch den Storymodus schlagen können, ziehen sie im Duell gegen menschliche Kontrahenten stets den Kürzeren. Umgewöhnen müssen sich nur diejenigen, die bislang mit dem Analogstick ihre Kämpfer bewegt haben. Dies ist nun nicht mehr möglich, der Griff zum Digipad sorgt für Abhilfe.

Tekken 5 besticht durch flüssige Animationen mit den typischen Lichtexplosionen bei einem Treffer, schicken Charakterdesigns und sowohl abwechslungsreichen als auch wunderschönen Stages. Mal prügelt ihr euch in einem brennenden Dorf, bei dem ein realistischer Hitzeeffekt durchs Bild wabert, mal werdet ihr am Südpol von putzigen Pinguinen umschwärmt, die tapsig umher watscheln. Zwischendurch besucht ihr eine Raumstation oder auch den Vorgarten eines Schlosses, besonders stylish duelliert es sich jedoch bei Nacht auf einem weiten Feld, das von Mondlicht überflutet wird. An das Design der mehrstöckigen Stages aus DoA: Ultimate kommen die Hintergründe zwar nicht ganz ran, dafür stehen die Outfits der Tekken-Recken denen der Xbox-Fighter in nichts nach. Auf der schon etwas älteren PlayStation 2 gibt es jedenfalls kein Beat’em’Up, das Tekken 5 bei der Grafik das Wasser reichen könnte.

Untermalt wird das Kampfgeschehen von einem gut passenden Soundtrack und den bekannten Sounds. Eine deutsche Sprachausgabe gibt es leider nicht, alle Fighter sprechen in ihrer Muttersprache, sei es englisch, japanisch oder auch „hölzisch“ bei Kollege Mokujin. Lokalisiert wurden also nur das Menü sowie die Untertitel der kleinen Dialoge, die es vor manchen Kämpfen im Storymode gibt.

Fazit

Woooha, das ist Tekken wie ich es mir wünsche! Tag Tournament war gut, Tekken 4 dagegen eher langweilig, aber Tekken 5 ersetzt dafür nach sieben Jahren endlich Tekken 3 als Beat’em’Up Nummer 1 in meinem Spieleregal. Grund dafür ist die tadellose Spielbarkeit, ein ausgeglichenes Kämpferfeld, das sowohl quantitativ als auch qualitativ der Konkurrenz weit voraus ist, sowie die für dieses Genre relativ komplexe Hintergrundgeschichte. Die makellose Grafik, bei der ich eher auf ein Xbox-Spiel getippt hätte, holt alles aus der PS 2 raus und sorgt zusammen mit der gelungenen Soundkulisse für ein Prügelspiel der Extraklasse. Sicher, auch Tekken 5 hat seine Schönheitsfehler: Der unausgewogene Schwierigkeitsgrad im Storymode erweist sich als ebenso störend wie der dieses Mal recht umständlich zu bedienende Kinomodus. Weiterhin ist das „Anpassen“-Feature zwar an sich eine gelungene Neuerung, für das nächste Mal wünsche ich mir aber eine Vorschau für die verschiedenen Kostüme - wer 500.000 G für Xiaoyus Plüschkostüm ausgegeben hat, der dürfte ebenfalls dafür sein. Auch das Untermenü wurde schlecht plaziert, da es Änderungen an den Frisuren und im Gesicht verdeckt. Ein weiterer marginaler Kritikpunkt ist das sehr maue Sub-Game 'Devil Within', ein wirklich süchtig machendes Bonusspiel wie etwa Tekken Ball oder Bowling gibt es leider nicht. Dafür könnt ihr euch nochmals durch die Arcadevarianten von Tekken 1-3 prügeln, und das ist schließlich besser als jedes Minigame. Abschließend bleibt zu sagen, dass Tekken 5 der beste Tekken-Teil seit langem ist, vielleicht sogar der beste überhaupt, und sich jeder, der sich an den DoA-Girls sattgesehen und auf der Suche nach einem Prügelspiel mit taktischer Tiefe und einem knochenharten Endgegner ist, hier optimal bedient wird.

Tekken 5 [PS2 , looki.de]

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