Gesamtwertung81%/10 |
GrafikGut SoundSehr gut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Mit Total Overdose, dem neuesten Titel aus dem Hause Eidos hat sich das dänische Entwicklerstudio Deadline Games einer großen Aufgabe gestellt. Bereits im Vorfeld wurde viel über einen möglichen GTA-Klon spekuliert, doch wie es aussieht, hat sich der Entwickler mehr Gedanken bei der Entwicklung gemacht als viele angenommen haben. Total Overdose kann durchaus mit eigenen Akzenten glänzen und beweist mit seinen individuellen Ideen, dass es auch im reichlich überfüllten Action-Genre noch unausgefüllte Sparten gibt. Wie sich das Spiel letztendlich präsentiert hat, könnt ihr unserer Review entnehmen..
Die Story von Total Overdose dreht sich um die mexikanisch/amerikanische Familie Cruz, bestehend aus dem Vater Ernesto, einem gewissenhaften Special Agent der DEA (Drogenspezialeinheit der Polizei) sowie seinen beiden Söhnen Ramirez und Tommy. Alles begann als Ernesto bei einem Einsatz der DEA ums Leben kam.
Sein Auftrag lautete, einem mächtigen ansässigen Drogenboss namens Papa Muerte das Handwerk zu legen. Doch die ganze Aktion stellte sich als Hinterhalt heraus und Ernesto wurde kaltblütig von seinen eigenen Kollegen umgebracht. Der Vorfall wurde danach vertuscht und zu den Akten gelegt. Doch Tommy, sein Sohn, will den unglücklichen Tod seines Vaters nicht hinnehmen und beschließt selbst Mitglied der DEA zu werden, um der Sache auf den Grund zu gehen.
Tommy ist fest davon überzeugt, dass es einen Verräter bei der DEA gibt, der Papa Muerte hilft seine schmutzigen Geschäfte durchzuziehen. Er schleust sich deswegen als Undercover-Agent beim Drogen-Kartell ein, wo jedoch auch er einen schweren Unfall erleidet, der ihn für eine gewisse Zeit an den Rollstuhl fesselt. Schweren Herzens muss er somit seinen Zwillingsbruder Ramirez bitten, seine begonnene Arbeit bei der DEA fortzusetzen. Als Ramirez, der durch seine kriminellen Aktivitäten den Posten des schwarzen Schafes der Familie eingenommen hat, jedoch erfährt, dass er dabei helfen soll den Tod seines Vaters zu rächen, stellt er sich zur sofort Verfügung.
Er wird bei Cesar Morales, einem Gangsterboss mit Beziehungen zu Papa Muerte untergebracht. Dort ist Ramirez allerdings nicht alleine, seine ebenfalls von der DEA eingeschleuste Agenten-Kollegin Angel, ist die Chauffeurin von Morales. Fortan packen Angel, Tommy und Ramirez die Sache gemeinsam an jedoch gewiss nicht mit Samthandschuhen.Durch eine kurze Cutscene wird man förmlich in die actionreiche und verrückte Atmosphäre des Spiels hineinkatapultiert, wodurch sowohl erste Schmunzler als auch Adrenalinschübe entstehen. Hühner flattern durch die Gegend während eine Bande von Gringos versucht, riesige Kisten auf einen Lastwagen zu verladen. All dies wird von Ramirez beobachtet, der kurze Zeit später alle Gringos in einem blitzschnellen Kugelhagel umnietet um nach dem verschwinden der Staubwolke lässig dazustehen, als ob nichts passiert wäre. Im Spiel direkt bekommt ihr mehrere große Städte präsentiert, die von der Kirche bis zum Schnapsladen alles bieten was das Grand Theft Auto gewohnte Spielerherz begehrt.
Egal ob Hafen- oder Wohnviertel, Ramirez kann sich überall frei bewegen, von Ort zu Ort pendelt er entweder zu Fuß, mit einem gestohlenen Wagen oder einem Taxi und mit etwas Glück findet sich auch ein Motorrad oder ein riesiger Truck. Jedes der 18 vorhandenen Areale ist abwechslungsreich und bietet von der Stadt Los Toros bis zur mexikanischen Grenze eine Vielzahl von Missionen die das Spielgeschehen nach und nach vorantreiben.
Insgesamt kann man fünf grundverschiedene Schauplätze besuchen, darunter Dschungel- und Gebirgslandschaften. Neben den eigentlichen Story-Missionen gibt es nahezu an jeder Ecke jemanden, der freiwillige Missionen wie Straßenrennen oder Überfälle anzubieten hat Langeweile oder Leerläufe kommen somit nur äußerst selten vor. Die Stadt El Toro ist der Dreh- und Angelpunkt des Spielgeschehens, von hier gehen alle Pflichtaufgaben und Missionen aus. Neben ihnen gibt es diverse Zwischenaufträge, durch die man dem nächsten Story-Abschnitt näher kommt. Insgesamt gibt es 20 feste Level im Spiel, die es etappenartig zu erreichen gilt. Die Aufträge gestalten sich leider allesamt sehr linear und eintönig, es geht fast immer lediglich darum Gegner zu töten und danach Beweise oder Informationen über den Verbleib von Papa Muerte zu finden. An diese Informationen zu kommen ist dabei nicht gerade einfach, da die Locations immer sehr gut bewacht werden und so steht man dem Gegner oft in einem Verhältnis von eins zu 60 gegenüber.
Doch der unüberwindbare Ramirez schreckt auch vor solchen Mengen an Gringos nicht zurück und schießt sich mit eleganten Slowmotion-Moves á la Max Payne durch die actiongeladenen Gefechte. Sprünge im Stil von Matrix folgen auf nicht minder akrobatische Stunts bei denen sich Ramirez an bestimmten Stellen geschmeidig über Dächer und Häuserfassaden gleiten lässt. Allerdings sind das nicht die einzigen Asse im Kampf gegen die Verbrecher, denn auf seiner Reise durch die Unterwelt findet sich so allerhand nützliches Zeugs und das nicht gerade dort wo man es vermuten würde. Auf den Straßen gibt es beispielsweise Knarren in Getränkeautomaten oder klassisch in einfachen Kisten. Neben Knarren findet man ab und zu auch Power Ups, die die eigene Gesundheit aufladen sowie diverse andere Goodies zum Verbessern der Ausdauer. Letzteres gehört zu den wichtigeren Sachen in Ramirez' Leben, da er sich in brenzligen Situationen viel schneller aus dem Staub machen kann und den Kugelhagel besser verträgt.
Manche Simpel-Missionen verlangen an eine bestimmte Stelle in der Spielwelt zu gelangen. Zwar ist diese um ein Einiges kleiner als beispielsweise in GTA: San Andreas, aber dennoch teils ziemlich unübersichtlich. Wenn es also heißt: Finde einen Weg in das Areal, könnt ihr euch getrost darauf einstellen, dass die Suche etwas länger dauern wird, da die verlangten Zielorte des Öfteren sehr schwer zu finden sind.
Abwechslungsreich gestaltet sich die Wahl der Waffen, die einem in Hülle und Fülle zugänglich sind. Von der Handgranate bis zur Panzerfaust, alles was Spaß macht ist vorhanden und kann verwendet werden. Zwischendurch kann man immer wieder kleine Extras, die sich Loco-Moves nennen, einsetzen. Diese Moves machen aus Ramirez für einen kurzen Zeitraum eine unüberwindbare Kampfmaschine. Hier liegt auch ein Schwachpunkt von Total Overdose: Es gibt zwar viel Action doch der Inhalt wird an vielen Stellen vermisst, vor allem da sich die Missionen sehr oft inhaltlich wiederholen. In manchen Phasen sind die Massen an Gegnern sogar zu viel, was zur Folge hat, dass die Missionen schnell nervenaufreibend werden. Action schön und gut, solange sie nicht monoton ist. Aber der Dauerbeschuss erfolgt ohne wirkliche Abwechslung, was mit der Zeit langweilig wird.
Einziger Garant für eine anhaltende Motivation sind die Slow- Motions und die so genannten Loco-Moves, letztere werden hübsch ausgeschmückt in Szene gesetzt. Olé- Rufe ertönen aus den Boxen und auf dem Bildschirm zeigt sich für ein paar Sekunden ein dezenter Spezialeffekt. Diese Loco-Moves machen aus Ram für einen kurzen Zeitraum eine richtige Kampfmaschine, die auf sieben verschiedenen Wegen alles platt macht. Imposant ist der El Mariachi, bei dem man mit zwei Gitarrenkoffern, die jeweils ein Maschinengewehr beinhalten, durch die Gegend läuft und alles in Grund und Boden schießt. Ein weiterer interessanter Move ist der El Torro, dieser lässt Ramirez unverwundbar werden und gibt ihm die Kraft sowie die Schnelligkeit eines Stieres. Der Mysterioso zeigt dass der Humor auch hier nicht verloren geht. Er sorgt für Unterstützung in Form eines sehr wütenden, mexikanischen Wrestlers der einen Baseballschläger schwingt. Dieser Kerl ist wirklich effektiv und räumt eine große Anzahl an Gegnern aus dem Weg.
Um die Loco-Moves einzusetzen, braucht man Punkte, die nach jeder beendeten Mission verteilt werden. Die Punkte werden nach der Anzahl an gelandeten Treffer und den Slow-Motion Moves verrechnet. Für jede Mission bekommt ihr von eurem Auftraggeber eine vorgegebene Punktzahl die erreicht werden muss. Erreicht ihr diese Punktzahl nach Abschluss des Auftrages nicht, muss die Mission noch einmal begonnen werden, und ihr startet an dem Ort wo ihr auch den Auftrag erhalten habt. Schafft ihr die Mission, und erreicht zusätzlich noch ein paar Punkte mehr, werden die in Extras investiert. Die Extras fallen nicht nur in der Form von Loco-Moves aus sondern ebenfalls in spezielle Eigenschaften wie das gleichzeitige Halten von zwei Schusswaffen.
Viele Vergleiche wurden im Vorfeld zu GTA: San Andreas gezogen und tatsächlich finden sich einige Ansätze aus dem Rockstar-Spiel in Total Overdose wieder. Besonders in den Situationen in denen man sich ein Auto besorgt oder durch die Straßen schlendert, erinnern an Altbekanntes. Auch die Slow-Motion-Effekte der Monster-Stunts aus San Andreas haben den Weg nach Los Toros gefunden.
Hier enden aber schon die Gemeinsamkeiten, zumal die Polizei in Total Overdose nichts zu melden hat. Ein Siegel á la GTA in Mexiko wäre ganz klar nicht gerechtfertigt, der Grafik-Style hingegen steht dem von GTA: San Andreas in nichts nach.
Die Grafik präsentiert sich in einem bunten Mix aus knalligen Farben wie Orange, Gelb oder Rot. Genauso lebhaft und farbenfroh fliegen Autos und herumstehende explosive Fässer einem dabei so dynamisch um die Ohren, dass das Bild durch einen Effekt geradezu erbebt.
Die Animationen wirken dabei stets elegant und geschmeidig. Bei all der Ironie die im Spiel verkörpert wird, ist es dennoch nichts für zarte Gemüter. Schrotflinten und Dynamit hinterlassen nicht nur im realen Leben eine große Sauerei, und so ist es auch bei Total Overdose. Das Blut spritz nur so und die Gegner fliegen regelrecht durch die Gegend, womit sich die Tatsache erklärt das es keine Jugendfreigabe gibt.
Ein häufig auftretendes Problem, waren die Grafik-Bugs. So steckt manchmal die Autotür in der Mauer fest oder es treten Schüsse durch dicke Betonwände. An manchen Stellen stehen die Leute in der Luft oder hängen ebenfalls in Wänden oder sogar im Boden fest.
Dass es in den großen Städten wenig bis gar keine Einwohner auf den Straßen gibt ist ebenfalls eine Sache, die durchaus als lieblos bezeichnet werden kann. Es wirkt eigenartig wenn auf einer endlos langen Straße nicht mal ein Passant läuft.
Das Prädikat 'Gut' haben sich die Zwischensequenzen verdient: Die Übergänge zwischen Spiel und Cutscene gehen einwandfrei ineinander über und da sich die Sequenzen in der Ingame-Grafik präsentieren wirkt alles wie aus einem Guss. Die Ladezeiten sind zwar zu verkraften treten aber recht häufig auf, was den Spielfluss als solchen dagegen wieder aufhält.
Wer sich dabei noch die lockeren Sprüche von Ram oder das Gezanke mit ihm und seinen Bruder anhört, bekommt gute Unterhaltung geboten. Gut gelunge Synchronisationen tragen dazu bei, dass die Charaktere ihre Persönlichkeiten gut auf den Spieler transportieren können.
Die mexikanischen Klänge sind ist sehr atmosphärisch und fetzig, gepaart mit Hardrock-Sound und Bands wie Control Machete oder Molotov, macht diese Mischung aus Total Overdose ein einziges Klangerlebnis.
Die Steuerung von Total Overdose ist schnell zu erlernen und ohne Komplikationen umzusetzen. Es gibt keine verzwickten Tasten-Kombos und wer bei der Ausführung der Loco-Moves eine Einführung braucht, kann diese jederzeit im Spiel in einem Lager das sich direkt in der Stadt befindet trainieren. Einzig die Zielerfassung und die Steuerung der Fahrzeuge verlangt ein gewisses Maß an Übung, ihr müsst erst ein Gefühl für die schwerfällige Steuerung entwickeln.