True Crime: New York City

Review
Plattform
Sony Playstation 2
Vertrieb
Activision
Entwickler
Activision
Erscheinungsdatum
-
Genre
Action
USK
18
True Crime: New York City [PS2 , Justgamers]

Gesamtwertung

88%/10

Grafik

Gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Sehr gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Gut

True Crime: New York City

Machte im ersten Teil der True Crime-Reihe in den Streets of L.A. noch Kampfsportspezialist Nick Kang Jagd auf Verbrecher, so zieht ihr in True Crime: New York City, mit Undercover-Bulle Marcus Reed durch die virtuellen Straßen. Bevor es aber dazu kommt, müsst ihr im spielbaren Prolog zunächst einen Vergeltungsschlag gegen ein verräterisches Bandenmitglied starten und dessen Unterschlupf dem Erdboden gleich machen. Einen kurzen Story-Zeitsprung später hat das ehemalige Gang-Mitglied die Seiten gewechselt und arbeitet fortan für die New Yorker Polizei. Dummerweise wird euer Freund und Mentor Terrence Higgins, der euch den Sprung aus der Gosse ermöglichte, kurze Zeit später ermordet. Das Department hegt den Verdacht, dass ein Maulwurf innerhalb der von Korruption befallenen Polizeigesellschaft hinter all dem steckt. Um die Angelegenheit aufzuklären, wird Marcus Reed als Undercover-Cop auserkoren. Nur ihm, als ehemaligem Nachwuchsgangster ist es möglich, der Sache nachzugehen und einen gepflegten Umgang mit dem Abschaum der Gesellschaft zu pflegen. Marcus kommt dieser Auftrag natürlich sehr gelegen, denn ihm ist eigentlich jedes Mittel recht, um den Mörder seines Mentors dingfest zu machen. Und dabei ist im auch völlig egal, ob mit legalen oder illegalen Mitteln.

New York… New York!

Nach dem Prolog befindet ihr euch inmitten der Millionen Metropole New York. Da die Stadt bekanntlich sehr groß ist, orientiert ihr euch mithilfe einer Karte, auf der zahlreiche Lokalitäten und selbstverständlich auch diverse Zielorte deutlich gekennzeichnet sind. Das gesamte Stadtgebiet ist dabei – ähnlich wie in Rockstar Games GTA-Serie - in mehrere Bezirke gespalten, die sich in Hudson Bay, Upper Bay und East River aufteilen. Genau wie beim Genrekonkurrenten sind hier jedoch nicht alle Bezirke sofort verfügbar, sondern werden vorerst beispielsweise durch Brückenblockaden getrennt und sind erst im späteren Spielverlauf zugänglich. Das New Yorker-Abenteuer beginnt in Manhattan, in dem sich unkundige Spieler erst einmal die Sehenswürdigkeiten ansehen sollten. Der Broadway, die New Yorker U-Bahn sowie der berühmte Central Park warten bereits auf euch. Schön, dass man hier genau wie bei GTA die freie Wahl hat, ob man seinen Missionen nachgeht oder erst einmal gemütlich durch die City cruist.

Das Tolle dabei ist auch, dass hier an jeder Ecke etwas los ist. Denn genau wie das reelle Vorbild, schläft auch das virtuelle New York nie. In regelmäßigen Abständen erhaltet ihr per Funk Meldungen über neue Verbrechen. Die einzelnen kleineren Nebenmissionen sind dabei sehr abwechslungsreich ausgefallen. Unter anderem gilt es, einen entführten Bus zu stoppen oder in einem Bürogebäude eine Bombe zu entschärfen.

Ob ihr den Nebenmissionen nachgeht, oder doch lieber dem eigentlichen Handlungsstrang folgt, ist dabei euch allein überlassen. Missachtet ihr die eingestreuten Verbrechen, so hat das jedoch für die Umgebung üble Folgen. Die Kriminalitätsrate im betroffenen Viertel steigt, die Häuser sehen heruntergekommener aus und ihr solltet euch dort besser nicht mehr unbewaffnet blicken lassen. Seid ihr allerdings ein gewissenhafter Cop und sorgt sofort für Recht und Ordnung, dämmt ihr die Kriminalität im Bezirk nach und nach ein. Hierbei könnt ihr vorgehen wie es euch beliebt. Die verdächtigen Personen und deren Fahrzeuge können auf Diebesgut hin inspiziert und beschlagnahmt werden. Was ihr mit den gefundenen Beweisstücken macht, bleibt dabei ebenfalls euch überlassen. Seid ihr ein guter Bulle und liefert die eben beschlagnahmte Ware beim Polizeirevier ab, bekommt Marcus ein höheres Ansehen unter seinen Kollegen und kassiert zudem einige Karrierepunkte, mit denen er später auf der Karriereleiter emporsteigen kann. Seid ihr ein böser Cop, vertickt ihr die heiße Ware auf dem nächsten Schwarzmarkt und kassiert so einige Dollar zusätzlich. Das fördert natürlich nicht das Ansehen bei euren Kollegen, dafür aber euren Geldbeutel, der selbstverständlich immer prall gefüllt sein sollte.

Wer an schmutzigen Geschäften und kriminellen Handlungen Gefallen findet, der kann seine böse Natur wahrlich ausleben. Hier könnt ihr Geschäftsinhaber erpressen, allerhand Autos klauen und unverschämterweise können sogar unschuldigen Bürgern Drogen untergeschoben werden, um sie anschließend im Namen des Gesetzes zu verhaften.

Wer nicht hören will, der muss eben fühlen und bekommt dann auch einmal eins mit einem Stuhl, einer Eisenstange oder sonstigen herumliegenden Utensilien übergebraten. Ja, Polizeiarbeit ist manchmal schmutzig und nicht ganz fair, aber was macht man nicht alles, um sich einen Namen in der heutigen Gesellschaft zu machen.

Police Brutality

Habt ihr die Stadt genug unsicher gemacht und solltet euch doch noch für den Hauptplot entscheiden, geht es meistens im Hauptquartier der NYPD los. Im Umkleideraum wählt ihr zwischen Dienstuniform oder Zivilkleidung, besorgt euch eine geladene Knarre und wählt aus der Garage ein geeignetes Dienstfahrzeug aus. Die Boliden unterscheiden sich dabei in Aussehen, Geschwindigkeit, Beschleunigung und Handling voneinander, sind aber keine wirklich erhältlichen Markenfahrzeuge. Habt ihr soweit alles klar gemacht, geht es auch schon raus auf die Straße. Hier wartet dann üblicher Polizeialltag auf euch, der einiges zu bieten hat. Es gilt unter anderem Kneipenschlägereien zu schlichten, professionelle Drogendealer hops zu nehmen und zahlreiche Verdächtige zu untersuchen. Wohin ihr müsst, erfahrt ihr per Handy-Anruf. Sind die gesuchten Personen erledigt oder verhaftet, geht es nach dem Klicken der Handschellen direkt zurück zum Knast, der bereits mit schwedischen Gardinen auf die Gesetzesbrecher wartet.

Erledigte Aufträge werden mit Gehalt honoriert, das ihr natürlich von Zeit zu Zeit an einer Polizeistation abholen solltet. Mit dem verdienten Geld könnt ihr dann erst einmal ordentlich amerikanisch Shoppen gehen. Ob ihr die sauer verdiente Kohle in neue Musiktracks, Klamotten, Autos und Waffen steckt, oder euch doch lieber beim Friseur einen schicken Haarschnitt verpassen lasst, liegt an euch. Im Dojo um die Ecke könnt ihr obendrein einige neue Angriffsmanöver kaufen und erlernen, was euch im gewalttätigen New York selbstverständlich zu gute kommt. Unerfahren und untrainiert solltet ihr euch auf keinen Fall ins Getümmel stürzen, denn im späteren Spielverlauf wird Marcus immer mehr an Können abverlangt. Kommt es zum Kampf- oder Schießduell, mutiert der Titel nämlich zum reinsten Actionfeuerwerk. Auf Knopfdruck prügelt ihr auf euren Widersacher ein, verteilt beidhändig mit geladenen Wummen bleihaltige Geschosse oder setzt ganz im Matrix-Stil zu coolen Sprüngen an. Leider lässt gerade hier, die eigentlich gute Steuerung etwas zu wünschen übrig. Trotz Zeitlupeneffekt lässt das Zielsystem nämlich die nötige Präzision vermissen, um auf Anhieb punktgenaue Treffer zu verteilen. Auch die Kollisionsabfrage hätte etwas besser ausfallen dürfen, denn bestimmte Aktionen werden nur ausgeführt, wenn ihr euch genau an der entsprechenden Stelle befindet. So mutiert das Kofferraumöffnen, in dem sich eure bislang erworbenen Waffen befinden, zum reinen Geduldsspiel, da euer Held bei falscher Position ins Auto steigt und nicht wie gewollt, den Kofferraumdeckel öffnet. Hier hätten die Entwickler von Luxoflux ruhig etwas mehr Sorgfalt walten lassen können.

Besser als GTA?

Das New Yorker-Stadtleben mit den zahlreichen Sehenswürdigkeiten und dem intakten Verkehrsystem präsentiert sich für PS2-Verhältnisse gar nicht mal so schlecht. Die lebhafte Metropole ist mit sehr viel Liebe zum Detail in Szene gesetzt worden, sogar der Times Square sieht seinem realen Abbild sehr ähnlich. Die schicken Leuchtreklamen erleuchten die Stadt stimmungsvoll und auch Tag- und Nachtwechsel sowie diverse Wettereffekte wissen zu gefallen. Allerdings hält die optische Aufmachung einen herben Beigeschmack parat, der sich in vielen Kleinigkeiten bemerkbar macht. Hin und wieder sinkt die Framerate ab, was sich in kleineren Rucklern widerspiegelt. Ärgerlich ist auch, dass ab und an einige Fahrzeuge im Umfeld verschwinden, der Hintergrund etwas flimmert und sich unschöne Clippingfehler und vereinzelte Pop-ups breit machen. Besser sieht es da bei den Animationen aus, die zwar etwas träge wirken, ansonsten aber durch ihre Weichheit überzeugen können.

Die musikalische Spieluntermalung ist hingegen sehr positiv ausgefallen und dürfte sehr vielen zusagen. Mit Nas, Wu-Tang Clan, LL Cool J, Grandmaster Flash, Public Enemy und Run D.M.C. sind hier zahlreiche hochkarätige Interpreten vertreten, die eure Ohren mit Hip-Hop, Rap, Rock, Metal, Punk und anderen Musikstücken verwöhnen. Die englische Sprachausgabe mit ihren deutschen Texten überzeugt darüber hinaus ebenfalls und wartet mit ziemlich derben Sprüchen auf. Die Pro Logic II-Unterstützung sowie der 16:9 taugliche Progressive Scan-Modus sind ebenfalls gelungen und können zumindest über die kleineren Mängel etwas hinwegtrösten.

Fazit

WOW… endlich mal ein Titel, der dem derzeitigen Genrekönig GTA – San Andreas das Wasser reichen kann. True Crime: New York City begeistert ab der ersten Spielminute und weiß dank der kinoreifen Story, dem ausgeklügelten Kampfsystem und der tollen Nachbildung New Yorks, trotz einiger grafischer und spielerischer Defizite, durchaus zu gefallen. Der zweite Teil der True Crime-Serie kann seinen direkten Genrekollegen zwar nicht vom Thron stoßen, dafür hat er aber seinen Vorgänger weit hinter sich gelassen. Sollte es in Zukunft noch einen dritten Teil geben und darin die aufgezählten Mängel behoben sein, könnte es GTA künftig schwer haben, seine Genreposition zu verteidigen. Bis es aber soweit ist, erfreue ich mich einfach am sonst gelungenen Spielgeschehen, verdresche übelgelaunte Passanten, cruise durch die City und lausche dem groovigen Soundtrack! Das New York City-Fieber hat mich gepackt!

True Crime: New York City [PS2 , Justgamers]

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