Wizardry
Das Rollenspielgenre bekommt Zuwachs auf der PS2. Ubi Soft präsentiert mit Wizardry ein schon eher klassisch anmutendes RPG, das es so auf der PS2 noch nicht zu sehen gab. RPG-Fans ist der Titel vielleicht von diversen Teilen auf dem PC ein Begriff. Auf insgesamt acht stolze Teile hat es die Saga inzwischen gebracht und nun kommt die erste Umsetzung für eine Konsole. Einmal mehr ist die Zeit für Helden gekommen oder solche die es werden wollen. Wie heldenhaft der Titel wirklich ist haben wir für Euch getestet...
Die Vorgeschichte
Es war einmal irgendwo in unendlichen Weiten der Fantasy-Welten, eine pulsierende, mittelalterlich anmutende Stadt namens Duhan, in der die verschiedenen Völker friedlich, nebeneinander ihrem Tagewerk nachgingen. Zwerge, Menschen, Hobbits, Gnome und Elfen gründeten Familien, tauschten sich untereinander aus und ließen die Zügel des Schicksals stets in den Händen der Götter. Doch jenes friedliche Treiben, Ihr ahnt es schon, ging natürlich nicht ewig so weiter, denn eines schönen Tages durchzuckte ein riesiger Blitz den Himmel und verwandelte alles binnen weniger Augenblicke in Schutt und Asche. Wo einst saftige, grüne Wiesen ihren Platz hatten, gibt es jetzt nur noch karge schneebedeckte Flächen, die alles andere als einladend aussehen. Ein wirklich trauriges Schicksal das Duhan da ereilte, doch glücklicherweise sprechen die Legenden von einem Helden, der eines Tages kommen wird um das Elend und die Dunkelheit, die über das Land kam, zu vertreiben. Genau an diesem Punkt betritt Euer Held die Bildfläche.
Charaktererschaffung
Nach dem Prolog geht es nun an das Eingemachte. In einer Art Editor hat man jetzt das Vergnügen, sich seinen Helden zu basteln. Neben Namen kann man hier die Attribute, Rasse, Gesinnung und Klasse des Helden bestimmen. Zur Auswahl stehen bei den Rassen Zwerge, Gnome, Elfen, Hobbits und natürlich Menschen. Die Klassen bergen auch keine Überraschungen, so hat man z.B. die Wahl zwischen Zauberer, Priester, Kämpfer und Dieb. Dabei ist zu beachten, dass gewisse Attributs- Rassen- und Gesinnungsgrenzen einzuhalten sind, bestimmte Kombinationen schließen sich aus und andere sind besonders gut geeignet. Es ist z.B. nicht möglich einen Kämpfer zu erschaffen der eine miserable Stärke besitzt, umgekehrt eignet sich beispielsweise ein Hobbit besonders gut zum Dieb.
Duhan
Hat man sich erst mal für eine Kombination entschieden, findet Ihr Euch prompt in den Ruinen oder das was von Duhan noch übrig ist, wieder und werdet auch gleich von einem etwas zerzaust wirkendem Schwertkrieger begrüßt. Dieser hält Euch gleich für den aus Sagen angekündigten Heiland und führt Euch in das Spielsystem ein. Ausgangspunkt sind immer die Ruinen von Duhan, die verschiedene Häuser für die diversen Optionen bieten. Es gibt eine Taverne, in der man sich ein bisschen unterhalten bzw. neue Mitglieder für Eure Party anwerben kann. Einen Tempel, in dem man gefallene Kameraden, gegen bare Münze versteht sich, wieder zum Leben erwecken kann. Ein Geschäft, in dem man sich mit dem nötigsten Rüstzeug wie Waffen, Rüstungen und Heiltränke versorgen kann. Außerdem bietet das Geschäft die Möglichkeit, Flüche von Gegenständen zu bannen und sich magische Steine, die für die Stärkung der vorhandenen und zum erlernen neuer Zaubersprüche benötigt werden, zusammen zu setzen. In einer Art Gasthaus hat man die Möglichkeit aufzusteigen und zu übernachten, um so seine Wunden zu heilen. Ein durchaus interessantes Gebäude ist das Gildenhaus, hier kann man unter bestimmten Voraussetzungen, seinen Namen und seine Klasse ändern und zu einem späteren Zeitpunkt neue Charaktere für die Gruppe erschaffen. Des weiteren gibt es einen Steinkreis zum speichern und laden von Spielständen. Ein wirklich wichtiger Ort in Duhan ist der Eingang in das Dungeon, dem eigentlichen Herzstück des Spiels.
Das Dungeon und die Steuerung
Das Dungeon ist in mehrere Ebenen aufgeteilt, in die es vorzustoßen gilt, um Monster zu besiegen, Gegenstände zu finden, Quests, wie z.B. einem Ninja wieder das nötige Selbstvertrauen zurück zu bringen, zu lösen und natürlich Erfahrung und Gold zu sammeln. Die Spielansicht ist ausschließlich in der Egoperspektive verfügbar und erinnert an Klassiker wie Eye of the Beholder oder Pools of Darkness für den Amiga oder Atari. Die Steuerung ist für das Digikreuz konzipiert, was heißt man kann sich lediglich jeweils um 45 Grad drehen, vor oder zurück laufen. Mit dem Analog-Stick kann man sich im Lauf umsehen. Gegenstände werden per Tastendruck aufgenommen. Zusätzlich gibt es eine Taste zum rennen, was sehr angebracht ist, da man fast immer, um wieder an die Oberfläche zu kommen, das mienenähnliche Dungeon durchqueren muss. Eine eingeblendete Karte zeigt Euch Euren Standpunkt und schon abgelaufene Gänge an. Die sich bewegenden Gegner sind nur schemenhaft dargestellt und so kann man nie genau abschätzen was da wirklich auf einen zukommt. Ein Fledermausumriss kann sich schnell bei einem Aufeinandertreffen, als ein Harpyie entpuppen. Um ständige Kämpfe zu vermeiden, ist es ratsam den Gegnern einfach aus dem Weg zu gehen, sofern es denn möglich ist.
Das Kampfsystem
Das Kampfsystem ist rundenbasierend angelegt und bietet Optionen wie Angriff, Verteidigung, Zauber und Flucht. Später kommen noch Spezialangriffe, wie gleichzeitige Gruppen- (Allied-Actions) oder besondere Schwertattacken hinzu. Am Anfang der Runde muss für jedes Mitglied der Gruppe die jeweilige Aktion bestimmt werden, um danach das Ergebnis von eigener und gegnerischer Aktion bewundern zu können.Bekommt ein Gruppenmitglied mehr Schaden, als es aktuell Lebenspunkte hat, so ist der Charakter fürs Erste tot und kann entweder mit dem entsprechendem Zauber, Trank oder erst wieder im Tempel zum Leben erweckt werden. Attribute wie Stärke, Geschick und Glück haben logischerweise Einfluss auf den Kampfverlauf.
Grafik und Sound
Zu diesem Thema gibt es nur soviel zu sagen,
Wizadry ist kein besonderer technischer Leckerbissen, die Grafik beschränkt sich auf das wesentliche wie die groben Umgebungstexturen und Animationen. So laufen z.B. alle Gespräche und Beschreibungen ausschließlich über einen eingeblendeten Text und ein Standbild des Gegenübers ab. Was den Sound betrifft, so gibt es logischerweise keine verträumte Erzählerstimme, die einem den Sachverhalt näher bringt oder eine Sprachausgabe bei Gesprächen. Die Hintergrundmusik ist ebenfalls schlicht ausgefallen und zehrt nach einer Weile schon stark an den Nerven. Obendrein ist die Auswahl an hörbarem ziemlich dürftig geraten.
Fazit
Wizadry könnte kaum klassischer anmuten, technisch spartanisch, spieltechnisch durchaus erfreulich. Die Möglichkeiten, sich mal wieder einen Helden basteln zu können und mit einer Gruppe ein ewig erscheinendes Dungeon zu erkunden, gab es schon lange nicht mehr auf einer Konsole. Auch das wechseln von Klasse und Namen innerhalb des Spiels empfinde ich als eine wirklich gute Idee, um den Spieler länger bei Laune zu halten. Schade ist allerdings das man irgendwie ins kalte Wasser geworfen wird und die meiste Zeit über von der Hauptgeschichte wenig zu hören bekommt. Aber auch das ist nicht wirklich schlimm, da man auch im Rollenspielalltag selten einen Überblick über die Geschehnisse im Hintergrund hat. Wie schon erwähnt, ist der Titel leider in technischer Hinsicht ein bisschen spärlich ausgefallen, was den Spielspaß zwar nicht kaputt macht, aber ein wenig trübt. Kurz und schmerzlos, der Titel ist was für echte RPG-Fans, die schon lange mal wieder einen Hauch von Nostalgie spüren wollten. Spielern, die viel Wert auf ein großes Drumherum legen, würde ich bei diesem Titel eher abraten.
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