Wo bleibt mein Geld beim Spielekauf?
Mal ehrlich, fragst Du Dich nicht auch jedes mal, wenn Du Dir ein neues Game im Laden kaufst, warum diese Dinger immer so schweineteuer sein müssen? Da drängt sich doch der Verdacht auf, dass uns die Publisher nur zu gern die Kohle aus der Tasche ziehen. Heute spielen wir deshalb einmal Sendung mit der Maus und gehen der Frage auf den Grund, was eigentlich genau mit unserem Geld passiert, das wir an der Kasse für ein Spiel hinblättern.
Ein aktuelles Game kostet im Laden so ca. EUR 49,95. Dieser Betrag fließt aber natürlich nicht direkt in die Kassen von Electronic Arts, Activision & Co. Vorher gibt es die verschiedensten Abzüge:
Zunächst einmal nimmt sich Väterchen Staat seinen wohlverdienten Teil, nämlich die im Verkaufspreis bereits enthaltenen 16 % Umsatzsteuer, also ca. EUR 7,50. Ja, auch wir Daddler finanzieren Herrn Schröder und das Allgemeinwohl!
Dann kommt ein weiterer erheblicher Kostenpunkt, nämlich der Händler. MediaMarkt, Karstadt und wie sie alle heißen wollen natürlich auch etwas an den Games verdienen, die sie uns in ihren Regalen präsentieren. Beim Vertrieb von Videogames gibt es über Jahre hinweg ausgedealte, komplizierte Rabattsysteme, die je nach Händler und Publisher ganz verschieden sein können. Zunächst zahlt der Händler an den Publisher nicht den Verkaufspreis, sondern den sog. Listpreis. Da die Umsatzsteuer an den Publisher durchgereicht wird, liegt der Listpreis in der Regel ein Drittel unter dem Verkaufpreis. In unserem Beispiel zahlt der Händler also nur ca. EUR 33,50 an den Publisher, er erhält damit neben der Umsatzsteuer einen Rabatt von ca. 17 %. Ein gängiges Modell ist es, dann einen weiteren Rabatt zu gewähren, indem man den Listpreis dem Händler wiederum zum Nettopreis anbietet. Hier wird es ein wenig kompliziert, und man muss auch nicht alles genau verstehen. Fakt ist aber, dass der Händler so weitere 9 % Rabatt bekommt. Auf der dritten Rabattstufe schließlich können weitere 3 % hinzukommen, wenn der Händler Skonto zieht (also früher die Rechnung zahlt, als er müsste) oder einen zusätzlichen Bonus für gute Verkaufszahlen bekommt. Schließlich werden weitere gute 5 % für Retouren eingeplant, also für die Games, die der Händler auch nach Wochen nicht verkaufen kann und wieder an den Publisher zurückschicken muss.
Jetzt fragt man sich vielleicht, warum die Publisher überhaupt so viele Rabatte geben. Ganz einfach: Weil sonst kein Händler die Games bei sich reinstellen würde. Der normale Käufer denkt zumeist, dass so ein Game einfach in einem Laden verkauft wird, und damit hat es sich. In Wirklichkeit ist das viel komplizierter: Der Vertriebsmensch verhandelt jedes mal wild mit dem Einkaufsleiter des jeweiligen Marktes.
Da geht es vor allem auch um die Menge der Spiele, die reingestellt werden. Der Publisher möchte natürlich möglichst viele sofort am ersten Verkaufstag in den Läden stehen haben, denn je mehr angeboten werden, desto mehr werden auch verkauft. Der Händler hingegen will auch seine anderen Waren verkaufen, außerdem sieht es immer doof aus, wenn der Laden voll von Paletten steht mit Spielen, die vielleicht am Ende doch keinen so reißenden Absatz finden wie erwartet. Manchmal nimmt man sogar einen Betatester mit zum Meeting, um dem Einkaufsleiter zu zeigen, wie hitverdächtig das Game tatsächlich ist.
Genauso abgefahren läuft das übrigens auch mit den Prospekten. Wenn ich früher den neuesten MediaMarkt-Prospekt in meinem Briefkasten und darin eine Anzeige für ein Spiel fand, dachte ich immer: Klar, der Laden verdient ja auch beim Verkauf mit, dann macht er natürlich auch Werbung dafür. So ist es aber nicht. Der Publisher muss den Händler jedes mal dafür bezahlen, dass sein Game im Prospekt gezeigt wird. Hätten Sies gewusst?
So bleibt am Ende des Tages mehr als ein Drittel des Verkaufspreises jedes Spieles allein beim Händler. Der Publisher verdient an dieser Stelle inzwischen also nur noch knapp die Hälfte, nämlich ca. EUR 24,50 pro Spiel.
Ein deutscher Publisher, von dem wir hier mal ausgehen, muss sich dann aber auch immer noch an den Herstellungskosten beteiligen. Denn auch die Spielentwickler, die eigentlichen Genies hinter jedem Game, wollen bezahlt werden. Bei deutschen Entwicklern läuft die Beteiligung oft über die sog. Royalty. Der Publisher zahlt also seiner Muttergesellschaft in den USA (oder wo auch immer) eine gewisse Summe, die so bei circa einem Viertel des Verkaufspreises liegen dürfte, um den Gamecode in Deutschland vermarkten zu dürfen.
Die CDs, Verpackungen und Handbücher selbst werden aber in Deutschland hergestellt, sie müssen ja auch in deutscher Sprache sein. So fallen Produktionskosten in Höhe von ca. 2 2,5 % an.
Damit sind wir mittlerweile bei einem Betrag von ungefähr EUR 10,00 angelangt. Diesen Wert nennt man das sog. Gross Margin. Jetzt müssen aber noch die Kosten bezahlt werden, die beim Publisher selbst anfallen:
Da wären zunächst knappe 3 % für die Logistik, also z.B. den Transport der Games von der Fabrik zum Laden per LKW.
Weitere 5 % gehen in die Werbung. Für EUR 2,50 pro Spiel schalten die Publisher Anzeigen bei Gamestar und anderen Magazinen, drucken Flyer, gehen auf Messen, lassen Poster herstellen, beschicken die Redakteure von Videospielmagazinen mit Freiexemplaren und produzieren hin und wieder mal einen TV-Spot.
Ganze 0,25 %, also gerade mal gute 12 Cent pro Spiel kostet im Durchschnitt die Lokalisierung. Dahinter stecken die Kosten für die Übersetzung des Handbuchs, der Ingame-Texte und der Sprachaufnahmen. So kommt es, dass bei kleineren Games kaum deutsche Sprachaufnahmen gemacht werden, bei verkaufsstarken Games hingegen auch Spitzen-Synchronsprecher engagiert werden können.
Schließlich müssen auch die Miete des Büros des Publishers, die Gehälter seiner Angestellten usw. gezahlt werden, was mit ca. 3 % zu Buche schlägt.
So kommen wir zu einem Betrag von knapp EUR 5,00, die am Ende übrig bleiben. Aber Vater Staat schläft bekanntlich nie und schlägt nochmals mit der Steuerkeule zu.
Summa summarum bleiben von den EUR 49,95 für jedes verkaufte Spiel für den deutschen Publisher gerade mal knapp EUR 2,50 als Reingewinn über. Bei den absoluten Hammergames kommt da sicherlich einiges zusammen, bei den normalen Spielen ist der Gewinn aber wohl eher bescheiden. Sicherlich verdienen die Publisher insgesamt immer noch ganz gut, aber ganz so raffgierig, wie man manchmal denkt, sind sie anscheinend doch nicht.
Oder wie seht Ihr das?
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