Gesamtwertung75%/10 |
GrafikGut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegGut |
BedienungGut |
Wenn die Stille des Polarkreises jäh vom hochtourigen Jaulen des Turboladers zerschnitten wird, wenn dort, wo Kühe weiden Schlamm und Dreck von den Reifen hochspritzt, wenn Millisekunden und Nähe zur Fahrbahn mehr zählen als Vernunft, dann ist es wieder Zeit für Rally-Spiel. Es ist wieder Zeit die Lenkräder auszupacken und die feuerfeste Unterwäsche anzulegen. Und da wir Hobby-Piloten bekanntlich auch nie Zeit haben, klickt euch schnell in unseren Test, um zu sehen, ob WRC 3 auf dem Weg zum Gesamtsieg ist...
WRC 3 bringt euch, wie bereits die Vorgänger, den Rallye-Sport ins heimische Wohnzimmer. Anders als in der Formel 1, mit ihren zerbrechlichen, filigranen Fahrzeugen, zählt in der WRC der Mensch noch mehr als die Maschine, denn nur hier kann ein guter Fahrer auch eklatante Schwächen des Fahrzeugs eher ausbügeln als in der F1. Sony versetzt euch nun also in die Lage, die aktuellen Boliden der Piloten Peter Solberg, Marcus Grönholm oder Armin Schwarz zu steuern. Über Stock und Stein geht es auf Zeitenjagd, sobald die Uhr anfängt zu ticken, denn im Rallye-Sport habt ihr außer der Zeit keine direkten Gegner auf der Strecke. In Etappen macht ihr euch auf, immer vom Start- zum Zielpunkt. Dabei geht es dank oftmals unklarer Verkehrsführung auch quer durch die Pampa. In Schweden rutscht ihr auf Eis, in der Türkei malträtiert der Schotter den Lack eures Flitzers, in Argentinien machen euch die Wasserdurchfahrten zu schaffen. Neben den Zwischenzeiten solltet ihr auch auf euren Beifahrer acht geben, denn ihr seid zwar allein auf der Strecke, im 600.000 Euro Auto jedoch zu zweit. Euer werter Co-Pilot sagt euch rechtzeitig Kurven und Hindernissen an, und informiert euch in knappen Worten darüber wie diese aussehen. Neben Richtung könnt ihr euch somit auch auf den Winkel einstellen, sodass ihr nicht total blind in die Kurve einbiegt.
Ihr gewöhnt euch dabei recht schnell an die Anweisungen eures Mitfahrers, nur ab und an kann es passieren, daß ihr am offiziellen Streckenverlauf vorbeischlittert und wertvolle Sekunden verliert, denn ganz wie in der Realität kann man sich auch in der Videospielwelt verfahren. Da kann allerdings nicht nur die mangelnde Übersicht eurerseits schuld sein, sondern auch das tückische Fahrverhalten eures virtuellen Untersatzes. Mit super-direkter Steuerung und sensiblem Ansprechverhalten des Motors, der auf Gas-Geben und Wegnehmen sehr akkurat reagiert, stellt sich dem Hobby-Racer ein weiteres Hindernis in den Weg. Wer seinerzeit Daytona auf dem Dreamcast gespielt hat weiß, was gemeint ist. Dank übertrieben arcadigem Lenkverhalten der Karre hüpft diese bei zu starkem Lenken in der Kurve aus selbiger heraus. Lastwechsel beeinflussen das Fahrverhalten ebenfalls stark. So müsst ihr in allen Kurven sorgsam mit Gas, Bremse und Servolenkung umgehen, wollt ihr das Fahrzeug nicht aufschaukeln und die Bodenhaftung verlieren. Erst mit einiger Übung gelingt es die Mühle so präzise um die Kurven zu zirkeln, wie ihr euch das vorstellt.
Leider gibt es auch keine virtuelle Trainingsstunde, denn wer bisher nur Asphalt-Rasereien wie Need for Speed, oder Ridge Racer gespielt hat, wird ein wenig Einarbeitungszeit brauchen.
Im Rallye-Sport werden Kurven anders angefahren und genommen. An Modi warten nur die Meisterschaft, sowie das Zeit-Fahren und der Quick Race Modus auf euch. Glücklicherweise dürft ihr auch zu viert in die Lenkräder greifen. Selbige werden durch WRC 3 ebenfalls unterstützt. Zentraler Modus ist und bleibt natürlich die Meisterschaft. Hier findet ihr neben allen Herstellern auch sämtliche Fahrer der aktuellen Saison wieder, Colin McRae allerdings müsst ihr schon in seinem eigenen Spiel suchen. Habt ihr euch für ein Team und euren Lieblings-Fahrer entschieden kann es auch schon losgehen. In mehreren Etappen rast ihr zum Gesamtsieg, Punkte werden wie gehabt je nach Platzierung vergeben. Dabei führt euch die Meisterschaft von der Eiswüste Schwedens in die Hitze Afrikas und in die saftigen Landschaften Neuseelands. Vor jeder Etappe dürft ihr an eurem Auto schrauben lassen und einen kurzen Test-Lauf absolvieren.
Leider kann die Grafik mit dem selbst gestellten Anspruch nicht ganz mithalten. Allzu oft poppen Grasbüschel knapp vorm Auto ins Bild, solche Pop-Ups trüben den Gesamteindruck, auch wenn durchschnittlich sieben Kilometer Strecke ohne Nachladen und mit viel Fernsicht generiert werden. Die Fahrzeuge sind dafür wirklich detailliert ausgefallen. Die Lackspiegelungen und das ausgearbeitete Schadensmodell wissen zu überzeugen. Aufspritzender Schlamm und Schotter haften am Lack und verdrecken das Auto, deformierte Teile wie herunterhängende Stoßstange und geplatzte Schlussleuchten lassen Rückschlüsse auf euren Fahrstil zu. Leider ist das Schadensmodell auf rein äußerlichen Schaden begrenzt, die Fahrleistungen eures Autos werden nicht beeinflusst.
Soundtechnisch gibt es ebenfalls wenig zu berichten, der Beifahrer ist verständlich, die Sounds der Fahrzeuge wirken mit ihren heiseren Motorensounds und angenehmem Schaltgeräusch realistisch. Die Musik-Untermalung hingegen ist nicht der Rede wert, diese wird eh schnell zu Gunsten des besseren Verständnisses eures Beifahrers abgeschaltet.
Angenehm fallen dagegen die Menüs aus, die ganz im Stil der offiziellen WRC Webseite und der TV Übertragungen gehalten sind. Überhaupt weiß die Präsentation zu gefallen. Daten zu Teams und Autos, Videoschnipsel und Renn-Historie der Piloten erhöhen den Authentizitätsfaktor ungemein. Euer aktuelles Vehikel könnt ihr in der 3D-Ansicht begutachten, auf Knopfdruck öffnet ihr Haube und Türen. Mittels Quadrat-Taste lassen sich alle Anbauteile, wie Reifen, sowie Karosserieteile ausfahren. Es fehlt nur noch, dass sich das Fahrzeug in einen Roboter verwandelt.
Technisch bleibt der Titel leider ein wenig auf der Zielgerade der Sprit aus, die teils dürftige Technik geht leider auch am Fahrer nicht unbemerkt vorbei, und trübt ein wenig den Spielspass. WRC III ist für Rallye-Fans dennoch einen Blick wert, Einsteiger sollten aber eventuell ihr Augenmerk auf die restlichen Genre-Vertreter richten.
WRC 3 - World Rallye Championship 3 im Test.
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