Gesamtwertung89%/10 |
GrafikSehr gut SoundGut |
LanzeitspaßGut SpieleinstiegBefriedigend |
BedienungGut |
Bekanntlich ist es müßig darüber zu streiten, ob Wrestling ein Sport ist oder nicht. Jedes Kind sollte erkennen, dass es sich um eine reine Seifenoper à la Gute Zeiten, schlechte Zeiten handelt, und das ist auch gut so. Was die Fans jedoch an diesem Spektakel fasziniert ist der Unterhaltungsfaktor. Gerade Vince McMahon und seine WWE (World Wrestling Entertainment, ehemals World Wrestling Federation) ziehen wöchentlich Millionen von Menschen vor die TV-Geräte und begeistern jung und alt. Inzwischen hat sich das Sports-Entertainment zu einem milliardenschweren Geschäft entwickelt und beeinflusst nicht nur Hollywood (siehe Filmstar The Rock alias Dwayne Johnson), sondern auch unsere geliebte Spiele-Industrie. Doch erst mit dem technischen Fortschritt konnte die Action visuell ansprechend auch auf Konsolen umgesetzt werden. Das Paradebeispiel ist WWF SmackDown für die gute alte PlayStation One der Startschuss zur erfolgreichen THQ Serie.
März 2000, draußen ist es noch kalt und der Winter immer noch zu spüren. Nur den Wrestlingfans ists warm ums Herz, denn THQ und Yukes veröffentlichten das erste WWE(F) Spiel auf der PlayStation One, da man im Vorfeld von die Lizenz der erfolgreichen Wrestling Promotion von Acclaim ergattern konnte. Basierend auf der Engine des japanischen Toukon Retsuden wurden fortan TV-Helden wie der Undertaker oder The Rock in das virtuelle Geviert geschickt. Bis November diesen Jahres erschienen noch drei weitere Teile, welche allesamt zu ihrer Zeit die Referenz des Wrestlingsports darstellten. Lediglich der dritte Teil Just Bring It für die PS2 blieb unter der 80 Prozent-Marke und hatte aufgrund der jungen Konsole mit einigen Kinderkrankheiten zu kämpfen. Ein Jahr später verzückte jedoch Shut Your Mouth (Teil 4) wieder die Fans und galt als Meilenstein, der nur schwer zu toppen ist. Auch dieses Jahr, wie immer pünktlich Ende November, erschien erneut ein WWE SmackDown! Prequel mit dem Slogan Here Comes The Pain
Nachdem Shut Your Mouth 2002 erschienen war, legten die Jungs von THQ und Yukes jedoch keine Pause ein und begannen sofort mit der Arbeit am nächsten Teil. Eigens dazu stellte man einen ausführlichen Fragebogen online, in welchem Fans Wünsche für den neuen Teil äußern konnten. Diese Aktion erhielt großen Zuspruch und als man Mitte diesen Jahres in London Here Comes The Pain vorstellte, wurde deutlich, dass man mit Hilfe der Spieler versucht hatte, alles aus dem Spiel rauszuholen.
Wer die Vorgänger kennt, der weiß, dass für genügend Abwechslung gesorgt ist. Auch der neueste Teil macht hierbei keine Ausnahme. Getreu dem Motto Vielfalt braucht der Mensch kamen zu den ohnehin schon über 60 Matcharten drei weitere hinzu. Zum ersten Mal ist sogar das Spielen in der gigantischen Elimination Chamber (Ausscheidungskammer) möglich, wo sechs Wrestler gleichzeitig mitwirken können. Des Weiteren gibt es endlich auch First Blood Matches, denn man hat sich entschlossen endlich auch Blut in das Spiel zu integrieren. Ein weiteres Highlight ist der Bra & Panties (BH & Höschen) Kampf, in welchem die weiblichen Wrestlerinnen solange gegeneinander antreten, bis eine nur noch in Unterwäsche im Ring steht. Auch in Sachen Charaktere gibt es kein Grund zu meckern. Über 65 Stars aus dem Sports-Entertainment fanden den Weg auf den runden Silberling und alle kommen mit ihren individuellen Aktionen und Moves daher. Ein Novum hierbei ist, dass sogar Gewichtsklassen beachtet wurden und somit ein kleiner, schmächtiger Leichtgewichtler keine schweren Jungs mehr durch die Lüfte wirbeln kann. Dies erhöht gehörig den Realismus und macht das Spiel noch authentischer. Alles in allen kann man mit Fug und Recht behaupten, dass WWE SmackDown Here Comes The Pain reichlich Abwechslung bietet und für Langzeitmotivation gesorgt sein sollte.
Von enormer Relevanz bei einem Spiel wie WWE SmackDown! ist der Wiedererkennungswert. Was nutzen noch so viele Wrestler und unzählige Matcharten, wenn das Flair auf der Strecke bleibt? Genau aus diesem Grunde haben die Programmierer den Schwerpunkt auf die Verbesserung des Storymodes gelegt. Zwar gab es bereits beim Prequel allerlei Geschichten aus der Welt des Showsports zum Nachspielen, jedoch war besonders die Zeit zwischen Matches bzw. Storys durch das Herumlaufen in der Egoperspektive mehr als lästig. Dieses Jahr setzt man auf ein einfach designtes Menü, in welchen man die wichtigsten Punkte wie Next Show, Backstage oder Shopzone anwählen kann. Auch die Geschehnisse sind generalüberholt worden. Immer wieder bringen abwechslungsreiche Echtzeitsequenzen, welche beispielsweise eine Fehde einleiten, das Seifenopern-Feeling auf den TV Bildschirm. Zum Teil kann man hierbei Storylines aus der WWE nachspielen oder durchlebt eigens für das Spiel geschriebene Plots. Insgesamt 200 verschiedene Geschichten rund um die Wrestler dürften der Langenweile nur wenig Chancen geben. Von Gruppierungen bilden, über Partner hintergehen und Freundschaften knüpfen ist alles dabei. Ziel ist es wie immer sich einen der beiden Schwergewichtsgürtel um seine Hüften schnallen zu können. Natürlich tritt der Spieler in den bekannten WWE Shows und Großveranstaltungen wie WrestleMania an, welche wöchentlich im TV zusehen sind (immer freitags, gegen 22 Uhr auf Tele5 und mehrmals die Woche 16 Uhr auf Premiere Sport 2).
Bis jetzt könnte man den Eindruck erlangen, dass THQ mit dem bekannten Fifa-Syndrom versucht Geld zu machen, doch WWE SmackDown Here Comes The Pain ist ebenfalls wie die Qualitätsreihe von EA alles andere als ein warmer Aufguss mit aktualisiertem Roster. Dies merkt man insbesondere anhand der Steuerung, welche komplett umstrukturiert wurde und nun noch eingängiger ist. Allein das Grappling-System ermöglicht das schnelle Ausführen von 16 Moves innerhalb von zwei Tastendrücken.
Doch auch exotischere Aktionen, wie beispielsweise vom obersten Seil, sind kinderleicht auszuführen und gehen flüssig von der Hand. Sogar das Bedienen von Gegenständen und Waffen ist mittels eigenständiger Aktionstaste sehr gut. Zudem wurde das Spiel im Gegensatz zu Shut Your Mouth wesentlich verlangsamt und bietet dadurch noch realistischere Matches. Dank Schadensmodell der Wrestler kann man die Tights sogar taktisch bestreiten und den Widersacher systematisch schwächen.
Auch technisch braucht sich THQs Produkt nicht zu verstecken. Die komplette Grafikengine wurde nämlich einer Frischzellenkur unterzogen und das Ergebnis ist beeindruckend: Die PS2-Abbilder der Stars haben verblüffende Ähnlichkeit mit den fleischernen Originalen. Die einzelnen Charaktere bestehen aus circa 7500 Polygonen und jedes noch so kleine Merkmal wie Tattoos, Haare oder Outfits ist deutlich zu erkennen und eins zu eins umgesetzt worden. Wie schon in den Vorgängern fanden rund 20 verschiedene Arenen den Weg ins Spiel und setzen zum Beispiel die Einmärsche der Wrestler mit Licht, Feuerwerken und 3D-Fans eindrucksvoll in Szene. Auch die Backstage Areale wie Parkplatz, Trainingsraum oder Umkleidekabine sind grafisch einwandfrei inszeniert und bieten etliche interaktive Features. Einzig und allein Clipping-Fehler machen WWE SmackDown Here Comes The Pain genauso zu schaffen wie den Prequels der Serie. So kann es schon mal sein, dass während der Ausführung eines Moves der Arm des Wrestlers im Körper des anderen oder der Ringmatte verschwindet. Alles in allen sind das aber keine gravierenden Mängel und trüben den Spielspaß kaum.
Ebenfalls Anlass zur Freude ist der Sound des Spiels. Zwar sind aufgrund lizenzrechtlicher Probleme nicht alle Stars mit den aktuellen Musiken ausgestattet und die zwölf Legenden kommen gar ohne Theme zum Ring, aber dennoch rundet er das TV Feeling sehr gut ab. Auch der Umstand, dass die nervigen Kommentatoren aus den letzten Teilen der Serie frei bekommen haben, kann der Zocker als positiv werten. Einzig und allein der fehlende Ringsprecher hinterlässt bei den Fans einen kleinen, faden Nachgeschmack.
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