WWE SmackDown! vs. RAW 2006

Review
Plattform
Sony Playstation 2
Vertrieb
THQ
Entwickler
THQ
Erscheinungsdatum
-
Genre
Kampf
USK
12
WWE SmackDown! vs. RAW 2006 [PS2 , Justgamers]

Gesamtwertung

88%/10

Grafik

Gut

Sound

Befriedigend

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Befriedigend

Bedienung

Gut

WWE SmackDown! vs. RAW 2006

Hallo liebe Fans von World Wrestling Entertainment und herzlich willkommen zum ausführlichen Test zu WWE SmackDown! VS. RAW 2006 für die PlayStation 2. So. Nachdem wir diese stilechte Begrüßung hinter uns gebracht haben, fragt sich ein jeder Fan auf Gottes grüner Erde, ob Yukes’ Wrestling-Titel auch in diesem Jahr den Genrethron mühelos erklimmt oder ob uns – in bester Tradition jährlich wiederkehrender Sportspiele – ein lauwarmer Aufguss der Vorjahresversion erwartet, die Kollege Hinghaus seinerzeit immerhin mit stolzen 86 % würdigte.

Lecker was zum Gucken!

Alle Fans freuen sich gleich zu Beginn des Spiels, denn endlich flimmert wieder ein original TV-Intro über den Bildschirm, nachdem sich am Ingame-Opening des vergangenen Jahres nicht jeder erfreuen wollte. Auch das Hauptmenü erstrahlt in neuem Glanz und deutlich aufgeräumter als im Jahr zuvor. Das ist aber alles nur nettes Zubrot, richtig ansehnlich wird es im eigentlichen Spiel. Wer nämlich sodann die ersten Wrestler zum Ring marschieren lässt, wird Bauklötze staunen angesichts der Grafik, die die Entwickler aus der guten alten PS2 noch rausgeholt haben.

Die Wrestler wirken noch geschmeidiger, noch runder und noch echter als im Jahr zuvor. Dafür sorgen aber nicht nur die Grafik, sondern auch die Bewegungen, die erstmals auf der PS2 durch Motion Capturing erstellt wurden. Der digitale Batista läuft also haargenau so zum Ring wie sein Pendant aus Fleisch und Blut. Auch die Gesichter der Wrestler sind noch einmal eine Stufe besser geworden. Sind einige WWE-Stars im Vorjahr noch recht verunglückt im Spiel gelandet, sehen diesmal sogar ‚Problemfälle’ wie Randy Orton oder Kurt Angle endlich aus, wie im TV.

Die übrige grafische Präsentation glänzt mit einem verbesserten Publikum und schöneren Lichteffekten. Nur das Feuerwerk wirkt an manchen Stellen etwas schwachbrüstig.

Da bleibt mir glatt die Luft weg!

Die WWE-Spiele auf der PS2 gehören seit jeher zu den schnellsten und actionreichsten Vertretern des digitalen Wrestlingsports. Grund genug für die Entwickler, das Spieltempo durch einige neu eingestreute Gameplay-Elemente zu verringern und damit etwas an die Wirklichkeit anzugleichen. Ja, man könnte sogar von einem Hauch von taktischem Tiefgang reden, der sich hier im Ring einnistet – wichtigste spielerische Neuerung ist in diesem Jahr nämlich das Ausdauersystem, das dafür sorgt, dass die Athleten nicht mehr stundelang im Ring umher rennen, wie wild gewordene Flummis.

Eine auf Knopfdruck sichtbare Ausdaueranzeige hält den Spieler darüber auf dem Laufenden, wie viel Sprit der digitale Wrestler noch im Tank hat. Zusätzlich ändert sich die Körperhaltung der Kämpfer, wenn ihnen langsam die Puste ausgeht. Besonders starke Griffe, Wurfattacken und kurze Sprints rauben den Protagonisten die Ausdauer. Ist die Anzeige im Keller, knickt der Wrestler im Ring kurz weg und schnappt nach Luft. Damit das nicht passiert, sollte man in den wenigen ruhigen Momenten des Kampfes die Ausdaueranzeige durch Gedrückthalten der Select-Taste wieder auffrischen. Doch Vorsicht, in dieser Zeit ist der Kämpfer völlig schutzlos. Ignoriert der Spieler die Ausdaueranzeige, klappt der Wrestler früher oder später k.o. im Ring zusammen – wer dann durch ein Minispiel nicht schnell wieder auf die Beine kommt, wird vom Unparteiischen gnadenlos ausgezählt.

Auch die Handhabe der Finishing Moves hat sich leicht geändert. Konnte man im Vorgänger noch bis zu drei vernichtende Manöver sammeln und bei Gelegenheit vom Stapel lassen, kann jetzt nur noch maximal ein Finisher gespeichert werden. Ist die Momentum-Anzeige des Wrestlers durch gute Aktionen oder die von Fans geliebten Spottgesten bis zum Anschlag voll, kann er in der richtigen Situation seinen persönlichen Finishing Move auslösen, der dann in Zeitlupe gezeigt wird. Meist sind das die kampfentscheidenden Manöver. Löst der Wrestler seinen Finisher aber nicht aus, kann er gespeichert werden und später zum Einsatz kommen. Dann aber ist die Wirkung der Aktion nicht mehr so verheerend.

Alte Tugenden und Schw䣨en

Am Gamplay generell sowie an der Steuerung hat sich nicht allzu viel geändert. Wer den Vorgänger gespielt hat, wird sich auch in der Neuauflage schnell zurechtfinden. Natürlich gibt es einige neue Aktionen, manch ein Minispiel wurde rausgeschmissen, andere sind neu dazugekommen – die grundlegende Bedienung ist aber altbewährt. Das bedeutet leider auch, dass das Konter-System nur minimal überarbeitet wurde und weiterhin eher ein Glücksspiel als ein Reaktionstest ist. Hier macht Übung klar den Meister. Auch die bekannten Clipping-Fehler konnten nur bis zu einem gewissen Grad reduziert werden. Verschmelzende Körperteile sollte man also auch dieses Jahr hinnehmen können.

Doch auch an anderer Stelle tauchen immer wieder kleine Bugs auf. Die ansprechende und stark verbesserte Soundkulisse setzt leider ab und zu aus und im Ring vergisst so manch ein Wrestler seine Laufanimation, wenn er in die Ecke gedrängt wird. Den Spielspaß trübt das zwar nur geringfügig, mit etwas Detailarbeit hätten die Entwickler das jedoch ausmerzen können.

Wer sich dieses Jahr in den Karrieremodus stürzt, den erwarten, je nach Auswahl des Protagonisten, zwei völlig verschiedene Storylines – einmal rund um die TV-Show RAW und einmal rund um die konkurrierende Marke Smackdown. Beide Geschichten sind völlig hirnrissig und aus der Luft gegriffen – und somit genauso, wie sie echte WWE-Fans aus dem TV-Vorbild kennen. Die Zwischensequenzen sind erstklassig animiert und wurden von allen Wrestlern nachträglich vertont. Der englischen Sprache sollte man aber mächtig sein, da auf eine Übersetzung verzichtet wurde. Die Voice Overs sind dabei wirklich erstklassig gelungen, die WWE-Stars scheinen sich diesmal etwas wohler hinter dem Mikrofon gefühlt zu haben.

WWE SmackDown! vs. Raw 2006 (28 Bilder)

Leider sind beide Seasons, die sich jeweils über den Zeitraum von knapp neun Monaten erstrecken, in wenigen Stunden durchgespielt und laden aufgrund der Geradlinigkeit auch nur äußerst bedingt zu einem zweiten Durchlauf ein.

Dafür warten im Exibition-Modus wieder gewohnt viele und abwechslungsreiche Matcharten; das Line-Up des Vorjahres wurde durch einige Highlights wie dem Buried-Alive-Match noch einmal aufgewertet. Auch die Arenen der vergangenen Saison sind 1:1 ins Spiel eingebaut worden, erstmals dürfen PS2-Wrestler also auch vor der Great American Bash-Kulisse, in der Taboo Tuesday-Halle oder auf der Wrestlemania 21-Bühne kämpfen. Hinzu gesellt sich außerdem noch eine Classic-Wrestlemania-Arena, die aber erst einmal freigespielt werden will.

Roster-Pannen

Die Auswahl der Wrestler wurde ebenfalls auf einen aktuelleren Stand gebracht, leider aber auch dieses Jahr wieder nicht auf den aktuellsten. Übler Patzer: Der mittlerweile wieder zurückgekehrte Matt Hardy fehlt im Spiel komplett, Neulinge wie MNM oder der Boogeyman werden ebenfalls vermisst. Der vom Undertaker bereits im Frühsommer spektakulär ‚entsorgte’ Muhammad Hassan ist aber noch vertreten. Dank eines nochmals erweiterten Create-A-Wrestler-Modus können sich kreative Spieler aber ihre Lieblinge bis ins Detail nachbauen, so bringt man mit etwas Fingerspitzengefühl wenigstens Matt Hardy wieder ins Spiel.

Und wem das alles noch nicht reicht, der kann mit dem brandneuen General Manager-Modus einmal die geschäftliche Seite der WWE kennen lernen, Shows organisieren und aufpassen, dass die Quoten stimmen. Mehrspielerfans schlagen sich im erweiterten Onlinemodus um ihre selbst erstellten Champion-Titel.

Fazit

SmackDown! vs. RAW 2006 toppt den ohnehin schon guten Vorgänger noch einmal gewaltig. Allein grafisch hätte ich es nicht für möglich gehalten, nach dem vergangenen Jahr noch einmal so eine Verbesserung zu erleben. Aber auch spielerisch haben die Entwickler genau an den richtigen Stellen geschraubt. Das neue Ausdauersystem ist alles andere als frustrierend und so manch ein nerviges Minispiel aus dem Vorgänger wurde Gott sei Dank fristlos entlassen. Die beiden Storylines sind zwar wieder einmal viel zu kurz, fangen die Atmosphäre aus den TV-Shows aber perfekt ein. Schade, dass auch die Version 2006 wieder an alt bekannten Wehwehchen leidet. Warum ist der Roster wieder so veraltet, warum passieren immer noch unschöne Clipping-Fehler? Das sind kleine aber vorhandene Schwachpunkte, die im Jahr 2005 wirklich nicht mehr sein müssten. Das Schöne ist jedoch, dass das echte WWE-Fans nicht vom Kauf dieses Spiels abhalten sollte und wird. Denn wieder einmal hat Yukes’ das systemübergreifend beste Wrestlingspiel des Jahres auf die PS2 gezaubert! Viva la Raza!

WWE SmackDown! vs. RAW 2006 [PS2 , Justgamers]

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