Yakuza 2

Review
Plattform
Sony Playstation 2
Vertrieb
Sega
Entwickler
Sega
Erscheinungsdatum
-
Genre
Andere
USK
18
Yakuza 2 [PS2 , looki.de]

Gesamtwertung

84%/10

Grafik

Gut

Sound

Sehr gut

Lanzeitspaß

Gut

Spieleinstieg

Gut

Bedienung

Sehr gut

Yakuza 2

Genau ein virtuelles Jahr ist es her, dass Kazuma Kiryu den Höhepunkt der brutalen Streitigkeiten der japanischen Mafia mit einem vernichtenden Schlag beendete und wieder eine Art Frieden im Untergrund des Landes der aufgehenden Sonne einziehen konnte. 356 Tage. Eine lange Zeit. Kazuma hat es sich bequem gemacht, ist aus der rauen Welt des organisierten Verbrechens ausgestiegen und versucht einfach zu leben.

Niemand stirbt für sich allein.

Bis zu jenem Tag, als er erfahren muss, dass sein eigener Clan Ziel einer feindlichen Übernahme werden soll, Brüder werden eingeschüchtert, verprügelt und getötet. Wie nicht anders zu erwarten, packt ihn nicht nur die Ehre, sondern auch die eigene Existenzangst, so dass er sich einmal mehr aufmacht, Ordnung und subjektive Gerechtigkeit in die Unterwelt zu tragen. Dabei ist dies keine Geschichte eines guten Menschens, der lediglich versucht sich und seine Liebsten zu schützen. Es ist eine knallharte Mafia-Story mit Tonnen an virtuellem Blut, gebrochenen Knochen und einer Masse von Toten, die nicht unbedingt über den Jordan geschickt werden mussten. Es ist hochstilisierte Erwachsenenunterhaltung, die, wie etwa aus der Metal Gear Solid-Reihe bekannt, in Form eines virtuellen Films daherkommt, welcher immer wieder durch Spielsequenzen unterbrochen wird.

So wundert es höchstens jene, die nie den Vorgänger zu Gesicht bekamen, dass bereits das Intro über 15 Minuten verschlingt und die Event-Skip-Funktion brav im Menü versteckt und deaktiviert ist. Gut so, meinen wir, denn was in Yakuza 2 an Regiearbeit geleistet wurde, sucht seines Gleichen und kann gar mit Hideo Kojimas filmischen Meisterwerken mithalten. Glücklicherweise stellt sich alsbald heraus, dass nicht nur die handwerkliche Arbeit, sondern auch die Geschichte als geschlossenes Konstrukt hervorragend funktioniert. Hier geht es nicht geradeaus, dem roten Faden folgend. Yakuza 2 überrascht immer wieder mit Wendungen und setzt die vielen Puzzleteile geschickt und langsam zusammen, so dass man sich an Tageszeiten vor der Mattscheibe wiederfindet, die dafür eigentlich nicht geeignet sind. Wie ein gutes Buch fesselt der Titel an die Röhre, sorgt für Schmunzeln, Erregung, Spannung und jede Menge Action. Immer wieder wird Kazuma auf die moralische Probe gestellt, geht dabei umsichtig und klug vor, lotet seine Freunde und Feinde aus, handelt danach. Man wird schnell warm mit dieser Type, die im Sumpf des Verbrechens immer menschlich zu bleiben scheint. Trotz seiner teilweise unpopulären Entscheidungen.

Und so stürzt man sich mit ihm auch gerne in die Spielabschnitte des Titels. Im Gegensatz zu abwechslungsreichen und fast perfekten Filmkunst der Zwischensequenzen, die als solche ja eigentlich nicht bezeichnet werden können, bietet Yakuza 2 im eigentlichen Spiel im Vergleich zum Vorgänger viel Neues. Man hat aus alten Fehlern gelernt. Nichtsdestotrotz gibt es noch immer einige Kritikpunkte. So bietet das Spiel eine Pseudo-Open-World. Insgesamt gibt es zwei Stadtviertel, die man unsicher zu machen hat. Zunächst beginnt man in Osaka, wird dort langsam an die Mechanismen von Yakuza 2 herangeführt, lernt den Straßenkampf und wie man sich erfolgreich betrinkt. Wie man Passanten dazu bringt, einem Informationen zu verraten und mit einer Hure zu shakern. Nach einigen Stunden geht's dann weiter nach Tokio. Das ausgesuchte Stadtviertel präsentiert sich weitläufig und weiß vor allem nachts einen Grafikzauber auf den Bildschirm zu zaubern, der zu Hochzeiten der PlayStation 2-Ära wohl jeden in Staunen versetzt hätte. Eigentlich sollte Yakuza 2 ja auch vor über 2 Jahren erscheinen. Doch Sega ließ sich Zeit. Zu viel Zeit, um heute in technischer Hinsicht noch aktuell zu sein.

Eine Nacht in Tokio

Und das ist sehr schade, denn vor 2 Jahren hätte der Titel auch in Deutschland noch wie eine Bombe einschlagen können. Heute ist er mit Final Fantasy XII quasi noch dazu da, die Ära vernünftig ausklingen zu lassen. Im Gegensatz zu wirklichen Open-World Games, wie Grand Theft Auto, bietet Yakuza 2 spielerisch jedoch recht wenig und auch die Größe der begehbaren Welt ist überschaubar. So läuft es meistens darauf hinaus, dass man einen Auftrag erhält, Informationen beschafft, sich einigen Zufallskämpfen stellt und am Ende einen Endgegner zermalmt. Es gibt aber durchaus auch lustige Missionen, die das Ganze auflockern. So geht Kazuma auch gern mal eine Runde Baseball spielen oder wirft auch schon einmal eine Bowling-Kugel die Bahn herunter. Einen Segaklassiker am Automaten gibt’s ebenso zu bestaunen, wie ein lustiges Golf-Minispiel. In den Nebenmissionen und den zahlreichen kleinen Spielchen kann man sich trotzdem Stunden lang verlieren.

Das Hauptaugenmerk liegt natürlich dennoch auf dem Kampfsystem. Das kommt dynamischer daher als im Vorgänger, auf Grund seiner permanenten Beanspruchung aber wird es im Laufe des Spiels des Öfteren zum Nerventöter. Und genau das darf nicht sein. Anfangs aber macht es einen Heidenspaß. Wurden Gegner ausgemacht, springt der Titel automatisch vom Free-Play in einen Kampfmodus und den dazu passenden Umgebungsrahmen. Mit zwei Tasten führt man einfache Schläge und Tritte aus, die durch unterschiedliches Antippen in Combos umgewandelt werden. Je wirkungsvoller ein Combo, desto mehr Heat-Punkte erhält man. Füllt sich die dazugehörige Leiste bis zum Maximum kann Kazuma wunderbar inszenierte Finisher aus der Hand schütteln. Hierzu wird ein Gegner entweder gegriffen und an einer beliebigen Wand oder einem feststehenden Gegenstand malträtiert oder mit einer zuvor aufgehobenen Waffe bearbeitet. Das sieht nicht nur cool aus, sondern ist besonders wirkungsvoll. Die zahllosen Idioten, die meinen, den Protagonisten aus einer Laune heraus anzugreifen, sind so schnell Geschichte. Leider.

Denn besonders anspruchsvoll sind die Typen, die eigentlich eher wie Übungspuppen wirken nicht. Lediglich die Bosse können Kazuma einheizen. Und das meist auch nur, weil dessen Lebensenergie ziemlich begrenzt ist. Auch wenn das Blut durch viele anschauliche Moves nur so spritzt, wird das Kampfsystem irgendwann eintönig, was dem Spiel nach einigen Stunden die Faszination etwas raubt. Glücklicherweise gibt es jedoch noch die filmische Seite, die zu jeder Zeit zu fesseln weiß. Und so wird kaum einer das Pad aus der Hand legen, bis die Familien wieder geeint und Kazuma sein zweites Abenteuer erfolgreich abgeschlossen hat. Wahrlich mit vielen Narben, sowohl körperlichen, als auch seelischen. Und wenn das Ganster-Drama im nächsten Jahr, zumindest in Japan, in die dritte Runde geht, erstmals übrigens in Next-Gen-Qualität, wird wohl auch endlich der passende Rahmen gefunden sein, dieses erzählerische Juwel, hoffentlich auch im Westen, ganz groß rauszubringen. Hoffen wir das Sega, oder wer es auch immer veröffentlichen wird, sich dieses mal keine 2 Jahre Zeit lassen wird.

Fazit

Yakuza 2 bietet dem Spieler eine dichte, wendungsreiche und fesselnde Geschichte, die einem echten Mafia-Drama in nichts nachsteht, die meisten sogar alt aussehen lässt. Das Ganze wird in filmreifen Zwischensequenzen erzählt, die nicht nur die bedrückende Atmosphäre des Titels schaffen, aufrecht erhalten und voranbringen, sondern durch ihre wunderbare Regiearbeit auch das Prädikat besonders wertvoll erhalten sollten. So müssen Erwachsenenspiele heutzutage aussehen. Der spielerische Part sieht neben dieser fast perfekten Seite schon beinahe wie das obligatorische Muss aus, bietet aber auch einige sehr gute Möglichkeiten seinen Spaß an dem Titel zu finden.

Das Kampfsystem kommt dynamischer daher, als noch im Vorgänger und macht einige Stunden viel Spaß, verliert aber mit zunehmender Spieldauer wegen zu vielen Wiederholungen und der geringen künstlichen Intelligenz der Gegner an Faszination. Wer sich die Zeit nimmt wird aber zwischen den Missionen viele Dinge finden, mit denen er gerne seine Zeit vertreiben möchte. Ob man mit einem Bruder Golfspielen geht oder auf Rekordjagd an einem Spielautomaten bleibt jedem selbst überlassen. Es gibt viel zu entdecken in Yakuza 2, sowohl in moralischer, wie auch in spielerischer Hinsicht. Da möchte man Sega schon das ein oder andere Wort an den Kopf knallen, auf Grund der Tatsache, dass der Titel ganze 2 Jahre brauchte, um auch hierzulande zu erscheinen. Denn, machen wir uns nichts vor, 2006 wäre das Teil eingeschlagen wie eine Bombe. Heute befriedigt es jedoch noch immer mit Sicherheit alle PlayStation 2-Besitzer, „Spieleasten“ und die, die japanische Ganster-Dramen lieben. Hoffen wir das Teil 3, das nächstes Jahr für die Next-Generation erscheinen wird, ebenso gut durchdacht ist und mit noch mehr Features daherkommt. Denn dann dürfen wir uns auf eine wahre Urgewalt freuen.

Yakuza 2 [PS2 , looki.de]

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