Ys: The Ark of Napishtim

Review
Plattform
Sony Playstation 2
Vertrieb
Konami
Entwickler
Falcom
Erscheinungsdatum
-
Genre
RPG
USK
6
Ys: The Ark of Napishtim [PS2 , Justgamers]

Gesamtwertung

74%/10

Grafik

Befriedigend

Sound

Gut

Lanzeitspaß

Befriedigend

Spieleinstieg

Sehr gut

Bedienung

Sehr gut

Ys: The Ark of Napishtim

Heldenhaftes Treibgut

Das Spiel beginnt mit einer einleitenden Videosequenz, die uns zeigt, wie der Rotschopf und Hauptcharakter Adol Christin zusammen mit seinen Freunden auf hoher See von der feindlichen romunischen Flotte verfolgt wird. Die Romuner sind nicht gerade zimperlich und schießen mit dicken Kanonen, weshalb es kommt wie es kommen muss: Adol wird vom Schiff geschleudert und geht auf hoher See verloren. Durch eine glückliche Fügung überlebt unser Held jedoch, denn genau in der Nähe des Ortes, wo vorher die Seeschlacht tobte, befindet sich der Große Strudel. Dieser Strudel ist ein mysteriöses Phänomen, welches schon viele Seefahrer verschlang. Doch was in der realen Welt vielleicht Bermudadreieck heißen würde, beherbergt in Ys: The Ark of Napishtim die Inselwelt von Canaan. Dieses legendäre Königreich existiert seit jeher isoliert von der restlichen Welt und beherbergt viele Schätze, aber auch dunkle Gefahren.

Doch von diesen bekommt Adol erst einmal nichts mit – er strandet am Moonset Shore der dicht bewaldeten Insel Quatera. Dies ist die Heimat der Rehdaner, der naturverbundenen Ureinwohner der Canaan Inseln. Sie finden Adol und nehmen ihn auf, auch wenn er misstrauisch beäugt wird. Denn die Eresianer, wie alle Gestrandeten von außerhalb genannt werden, genießen keinen guten Ruf. Adol ist nämlich nicht der einzige, der auf den Canaan Inseln landete; weitere Ausländer gründeten die Stadt Remorge. Die Rehdaner vertragen sich nicht sonderlich gut mit den neuen Nachbarn, u.a. weil diese ihre alten Tempel niederreißen, um daraus Baumaterial für ihre Häuser zu gewinnen. Die ganze Misere wird weiter dadurch angestachelt, dass der heilige Spiegel der Rehdaner gestohlen wurde und gigantische Monster zurückkehren, welche das Königreich bedrohen. Adol wird beauftragt, den Spiegel wiederzubeschaffen und den seltsamen Vorfällen auf den Grund zu gehen.

Leider ist die Story in The Ark of Napishtim sehr gradlinig und vorhersehbar. Es ist sehr schade, dass das Game vielleicht auch nicht sein ganzes Potenzial ausschöpfen kann, weil es nur ein Teil einer Serie ist. Denn Adol trifft neben vielen neuen Charakteren auch einige alte Bekannte aus den Prequels, deren Zusammenhang mit dem Ys-Universum nur grob angerissen wird. Der deutsche Spieler, der diese Charaktere zum ersten Mal trifft, kann daher wenig damit anfangen. Trotzdem schafft es das Spiel, einen gewissen Charme zu versprühen.

Dies gelingt vor allem durch weitere, unbedeutende NPCs, die ihre kleinen Geschichten erzählen. Ein grundsätzliches Plus dabei ist, dass wirklich alle Charaktere für sämtliche Dialoge synchronisiert wurden. Das trägt beträchtlich zur Atmosphäre bei, auch wenn die Qualität der Sprecher eher mittelmäßig ist. Minuspunkte könnte The Ark of Napishtim dadurch sammeln, dass es nur einen Protagonisten hat und keine Spieler-Party, die aus mehreren Mitgliedern besteht. Hier hat man viele Möglichkeiten verschenkt, was aber auch an der Tradition der Serie mit Adol als Held liegen wird.

Kinderleichte Monsterdresche

Ys: The Ark of Napishtim ist eines der unkompliziertesten Action-Rollenspiele, die derzeit auf dem Markt erhältlich sind. Das Handling von Adol ist kinderleicht und die gesamte Steuerung sitzt innerhalb weniger Spielminuten. Das mag allerdings auch daran liegen, dass nicht allzu viel im Aktionsrepertoire des Rothaarigen vorhanden ist. Adol kennt nur eine Waffe und das sind das Schwert und die passende Magie dazu. Allerdings gibt es von diesem Schwert drei Ausführungen: Ein Windschwert, ein Feuerschwert und ein Blitzschwert. Es gibt eine Spezialattacke, in der man nach vorne prescht, eine Luftattacke und eine Sprungattacke, in der sich Adol von oben auf den Gegner stürzt. Das war es eigentlich schon. Die Schwerter lassen sich durch so genannte Emel-Steine aufwerten die Gegner manchmal fallen lassen. Dann kann Adol nach einiger Zeit auch Magieattacken entfachen, die mit dem Stärkelevel des Schwertes korrelieren. So verschießt das Flammenschwert beispielsweise einen Flammenstrahl, wogegen das Windschwert einen kleinen Tornado erzeugt.

Rüstungen und Verbrauchsgegenstände werden entweder gefunden oder in Shops gekauft. Es gibt Helme, Brustharnische und Schilde, sowie Zusatzitems, die bestimmte Werte verbessern oder das Spiel anderweitig erleichtern. Spezielle Stiefel schützen etwa vor der Zustandsveränderung „Verlangsamung“, wogegen der Diebeshandschuh Extragold beim Töten der Gegner herausspringen lässt. Ein wichtiger Gegenstand wie z.B. ein Heilkraut kann als Shortcut auf eine der Joypadtasten gelegt werden, falls es hart auf hart kommt. Leider blieb bei der Rüstung vollkommen unverständlich, warum man alte Teile nicht einfach verkaufen konnte, da sie bei weiterer Verwendung nur eine Verschlechterung bedeuteten.

Kämpfe selbst laufen sehr simpel ab: Kleine, zum Verdreschen meist zu niedliche Gegner laufen in der Spielwelt herum und werden durch Einhämmern auf den Angriffsbutton zur Strecke gebracht. Allerdings entwickeln Gegner in den höheren Leveln schon bestimmte Angriffstechniken, was ein leichtes Umdenken erfordert. Doch das beschränkt sich selbst bei Endgegnern oftmals nur auf eine bestimmte Angriffsrichtung, die gewählt werden muss, oder auf Attacken, die zurückgeschleudert werden müssen. Neben einfachem Button-Smashing wird vom Spieler auch gutes Reaktionsvermögen und eine gewisse Geschicklichkeit gefordert. Das gilt vor allem für den recht hohen Anteil an Hüpfeinlagen.

Vor allem bei Almas Prüfungen muss sich der Spieler z.B. auf viele schmale Säulen und Plattformen gefasst machen, die er reihenweise anspringen muss. Ansonsten tendieren die Interaktionen mit der Umgebung gegen Null, denn außer Kisten zu öffnen, kann Adol nichts anstellen. Schränke, Betten, Regale oder ähnliches, was vielleicht in den Wohnhäusern zu finden ist, kann nicht untersucht werden und es gibt nichts zu entdecken. Alles ist reine Dekoration - Schade. Wer Ys: The Ark of Napishtim spielt, wird sich in gewisser Weise an alte Hits wie Secret of Mana erinnert fühlen, wobei sich dieser Ys-Teil sicherlich nicht mit dem großen Hit von Squaresoft (Square Enix) messen kann.

Es ist ein traditionelles japanisches Action-RPG, was für das Gameplay vor allem eines bedeutet: Leveln bis zum abwinken. Sollte ein Gegner oder ein Areal zu schwierig sein, gilt es solange herumzustreunen, bis der entsprechende Level erreicht ist. Ein Level Up erhöht automatisch die Statuswerte, weshalb EPs z.B. nicht auf irgendwelche Skills verteilt werden können. Auch die Upgrades der Emel-Schwerter, welche entscheidend für den Kampferfolg sein können, erfordern ständiges Zurücklaufen zu den entsprechenden Gebäuden. Wer sich im Spiel über- oder unterfordert fühlt, kann zwischen zwei Schwierigkeitsgraden wählen. An Umfang mangelt es dem Spiel eigentlich nicht.

Es gibt reichlich Gegner und große Labyrinthe bzw. Dungeons. Der Spieler erhält recht früh im Spiel Almas Schwinge, mit der er zwischen den Dungeons hin- und herwarpen kann oder sich direkt den Prüfungen Almas stellen kann. Durch Cheats und freischaltbare Extras, inklusive neuer Spielmodi, Zwischensequenzen und Enden sollte der Spieler ordentlich beschäftigt sein.

Ordentliche Präsentation

Die Grafik spiegelt recht gut einen gewissen japanischen Retro-Stil wieder, der dem Spiel zugrunde liegt. Vielleicht hätte der Entwickler Falcom ein grafisch moderneres, noch aufwändigeres Spiel machen können, aber das war bestimmt nicht beabsichtigt. Ys: The Ark of Napishtim entführt einen in die Knuddel-Anime-Welt, wie man sie noch von damals kennt. Die Charaktere sehen in der Spielwelt aus wie kleine angezogene „Mensch ärger dich nicht“-Püppchen, die aus Polygonen erstellt wurden. Man drischt mit dem Schwert auf kleine Eichhörnchen, Bienen, spuckende Blumen und anderes putziges Getier ein – nur die Endgegner sehen fieser aus. Die 3D-Welt ist recht ansprechend gelungen, mit schönem Farbgebrauch und netten Details. Ab und zu fühlt man sich an einen spielbaren Manga erinnert, weil ein gewisser 2D-Look erhalten bleibt.

Apropos Manga: Bei Dialogen mit den NPCs erscheinen wie früher auch schon Charakterportraits oder fast bildschirmfüllende Bilder der jeweiligen Person, die in sehr schönen Mangazeichnungen dargestellt werden.

Sogar die jeweilige Gefühlsregung wird durch ein weiteres Bild angezeigt. Die Kamera schwebt im Spiel aus einiger Entfernung isometrisch über dem Geschehen und ist nicht drehbar, was ab und zu als etwas störend empfunden werden kann. Einige Videosequenzen erzählen neben Ingame-Sequenzen die Story weiter. Hier scheint es so, als wollte sich Falcom doch einmal an den Dingen versuchen, bei denen aktuelle RPGs oft auftrumpfen. Die Videosequenzen in Ys: The Ark of Napishtim verdienen das Prädikat „gut“, allerdings sind sie nicht vergleichbar mit aktuellen Referenztiteln. Gerade die wichtigsten Bestandteile eines Rollenspiels – die Charaktere – schwächeln hier. Die Ausdrucksstärke der Charaktere ist in den Videos nicht sehr groß, da z.B. jegliche komplexere Mimik fehlt und sie daher etwas Maskenhaftes an sich haben. Diese Videosequenzen hätte man daher eigentlich auch weglassen können.

Die Musik und die Soundeffekte passen sehr gut zum Spiel. Die Musikstücke sind vielfältig und zahlreich, brechen aber erneut nicht den Retro-Stil. Es gibt keine gesungenen Songs oder bombastische Orchestermusik. Viel mehr klingt es manchmal wieder wie die Midi-Musik, die wir noch von alten Konsolen-RPGs gewohnt sind, was keinesfalls abwertend gemeint ist. Hier kann man nicht meckern. Ein größeres Ärgernis könnte höchstens die Leistung der Synchronsprecher sein. Es handelt sich zwar bei allen Dialogen im Spiel um englisch synchronisierte Texte, aber die Talente der Sprecher bewegen sich irgendwo im Mittelfeld. Positives Beispiel wäre noch die Rolle von Olha, der man das zarte, erhabene Wesen einer jungen Priesterin abkauft. Einige Sprecher schaffen es jedoch gar nicht, die entsprechende Situation oder Gefühlslage eines Charakters rüberzubringen, was sich ziemlich hölzern anhört.

Ys: The Ark of Napishtim (10 Bilder)

Dann gibt es wieder Stimmen, die gekünstelt süß oder kindlich klingen sollen, wobei die quietschige Stimme der kleinen Isha beinahe schwere Narben in den Gehörgängen hinterlässt. Trotzdem ist es positiv anzurechnen, dass das Spiel überhaupt so umfangreich synchronisiert wurde. Über die Übersetzung kann man sich streiten: Vielleicht wollte man nahe an der englischen Synchronisation arbeiten, oder man wusste manchmal nicht, welche Formulierung man wählen sollte. Denn beim Spielen tauchen viele englische Begriffe auf, die nicht immer so stimmig sind. Der Häuptling der altmodischen, naturverbundenen Rehdaner heißt „Chief Ord“ und auch viele andere Orte oder Begriffe scheinen einfach englisch geblieben zu sein. Ein Ort heißt im dt. Spiel „Canaan Plains“, wobei im dazugehörigen Speicherstand wiederum „Canaan Ebenen“ verwendet wird. Es könnte auch sein, dass man mit den ganzen Anglizismen einfach nur modernen Sprachgebrauch einfließen lassen wollte und Kritik wäre hier etwas zu pingelig. Das ändert leider auch nichts an kleineren Ungereimtheiten wie z.B. der Charakter Silva. Obwohl die Artworks und die Synchronstimme eher auf einen Mann hindeuten, stellt sich Silva im Dialog prompt als „Kriegerin“ vor. Transvestiten auf den Canaan Islands? Man wird es wohl nie erfahren.

Fazit

Hach, was war das wieder schön! Irgendwie fühlte ich mich in alte japanische RPGs auf dem SNES zurückversetzt. Ys: The Ark of Napishtim ist einfach ein super bequemes Action-Rollenspiel, welches keine große Erwartungen an den Spieler stellt und im Gegenzug selber nicht viele Erwartungen zu erfüllen hat. Es ist leichter und schneller Spielspaß für zwischendurch. Einfach ran ans Joypad, Finger auf’s Knöpfchen und los geht’s. Im Spiel sind die klassischen Nippon-Merkmale vertreten und Setting, Charakterdesign und Musik passen genau in das Retro-Schema. Ich werde es deswegen auch weiterhin spielen, zumal ich die stärkeren Schwertattacken ausprobieren will und neue Bereiche des Spiels kennen lernen will, selbst wenn die Story allein nicht viel hergibt. Sie war Nebensache beim Spielen und ich wollte eigentlich immer nur wissen, mit wem ich zunächst sprechen muss, damit es endlich weitergeht. Doch was kann man am Spiel dann wirklich auszusetzen haben? Nun, Ys: The Ark of Napishtim ist ein nettes Fossil, denn ansonsten geht das Spiel nicht mehr mit der Zeit. Es gibt einfach Titel, die viel mehr Story, eine bessere technische Umsetzung, mehr Komplexität und mehr Möglichkeiten beweisen. Die Grafik ist nett gemacht, jedoch veraltet, Innovationen sowie eine echte Charakterentwicklung fehlen und es gibt nur einen einzigen Spielcharakter, anstatt einer echten RPG-Party. Die Synchronisation ist mittelmäßig und die Übersetzung stellenweise unpassend. Falcoms Spiel ist ein richtiger Button-Smasher und wer ein Fan solcher japanischer Spiele ist, sollte definitiv einen Blick riskieren. Alle anderen warten auf aktuelle Vollkost-RPGs, die in allen Bereichen maximal punkten wollen.

Ys: The Ark of Napishtim [PS2 , Justgamers]

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