Condemned 2: Bloodshot
Ethan Thomas als ganz normalen Kerl zu bezeichnen, der aus Versehen in eine Reihe äußerst mysteriöser Vorkommnisse verstrickt wird und beim Versuch diesen Sumpf aus Gewalt und Horror wieder zu verlassen, sein Ende findet, wäre vermessen. Denn Ethan ist kein ganz normaler Kerl und auch die unerklärlichen Ereignisse, die sein Leben heimsuchen, sind eher Früchte seines Schicksals, als bloßer Zufall. Als Ex-Ermittler einer Sondereinheit ist er im Großen und Ganzen ein recht heruntergekommener Alkoholiker, der während der gesamten Story nicht nur versucht, die Hintergründe einer fatalen Verschwörung gegen die Menschheit aufzudecken, sondern auch, herauszufinden, ob diese Hölle real ist oder sich nur in seinem Kopf abspielt. Insofern ist Ethan ein Mann, der mit voller Absicht zum Konterpart einer globalen Bedrohung wird, sich mit Freude in Gewaltorgien austobt und letztlich versucht, dadurch zu überleben.
Da Teil 1 hierzulande indiziert ist, dürften sich nur die Wenigsten mit dessen Geschichte auskennen. Das ist aber kein Problem, da diese auch in Condemned 2 aufgearbeitet wird und sich der ganze Titel auch ohne Vorkenntnisse verstehen lässt. Sturz betrunken erwacht der Spieler zu Beginn in einer kleinen Nebenstraße und trifft dort auf einen der wenigen noch echten Menschen.
Der Rest scheint von einer Art Virus befallen zu sein, und verhält sich äußerst aggressiv. Zunächst geht es nur darum seinen Allerwertesten zu retten, mit der Zeit taucht man aber immer tiefer in die Abgründe der Story ein. Dazu bedient man sich vielerlei Gameplay-Elementen. So sind Quicktime-Actions vor allem in Gesprächen und kleineren Rätsel zu finden. Wird man beispielsweise von jemandem angesprochen, hat man nur kurz Zeit, um zu überlegen, ob man ihm antworten möchte oder nicht. Um die Unterhaltung am Laufen zu halten, drückt man dann schnell die vorgegebene Tastenkombination. Dadurch entsteht viel Handlungsspielraum und dieses Element prägt auch die Beziehung zu einigen wichtigen Figuren.
Als besonders gelungen darf das Kampfsystem angesehen werden. Anfangs noch unbewaffnet, lernt man schnell die Umgebung zu seinem Vorteil zu nutzen. So teilt man mit einfachen Faustschlägen zwar ordentlich aus, vor allem, wenn man die ebenfalls vorhandenen Combos erhaschen kann, die ebenfalls auf dem System der Quicktime-Action basieren.
Übrigens gibt es die verschiedensten Comboattacken, die teilweise auch unterschiedlich präsentiert werden. So darf man manchmal in Slow-Motion auf den Gegner einprügeln, während man ein anderes Mal in Echtzeit seinen Kopf spaltet. Nimmt man allerdings eine mit Nägeln bestückte Holzplatte oder ein abgeklemmtes Rohr auf, so überrascht es kaum, dass die Gegner deutlich schneller in die Knie gehen. Aus dieser Position heraus, kann man sie übrigens besonders krass um die Ecke bringen. Entweder bricht man ihnen das Genick oder sucht sich eine nette Tötungsmöglichkeit in der Nähe, etwa einen Fernseher, durch dessen dicke Glasscheibe man den Kopf des Opfers donnert. Die zweckentfremdeten Gegenstände zerbrechen allerdings sehr schnell, so dass man die jeweilige Umgebung gut im Auge behalten sollte, um möglichst schnell Nachschub ran schaffen zu können. Nützlich sind dafür auch Gegner, die bewaffnet gegen den Spieler in den Kampf ziehen. Ein Schlag geblockt und dann zwei schnelle Faustattacken ausgeteilt, schon kann man ihnen ihre Waffe aus den Händen reißen. Neben den rustikalen Waffen, gibt es natürlich auch schnell tötende Todbringer, wie etwa Pistolen, Bögen und Maschinengewehre.
Glücklicherweise sind diese aber zumindest zu Beginn sehr rar gesät und leiden vor allem unter Munitionsmangel, so dass die angespannte Atmosphäre nicht darunter leidet. Denn Condemned 2 verzeiht nicht viel. Wer mit dem Kopf durch die Wand will und nicht auf die Verteidigung achtet, wird schnell vom letzten Speicherpunkt starten dürfen. Der Survivalaspekt spielt also eine große Rolle und mit ihm die Angst vor dem virtuellen Tod.
Wie das Kampfsystem erfreut sich auch die Geschichte einer sehr gelungenen Inszenierung. Das Bild bleibt dabei nie starr, sondern bewegt sich synchron zu Ethans Bewegungen. Schlägt er etwa mit rechts zu, lehnt sich das Bild nach links zur Seite und andersherum. Dies unterstützt die geniale Atmosphäre des Titels, die vor allem durch die von ihr versprühte Beklemmung und Hoffnungslosigkeit die Authentizität der Story fördert, exzellent. Nach einigen Minuten bereits kann es vorkommen, dass man sich tatsächlich vor seinem eigenen Schatten erschrickt. Da ist man froh, und das ist selten genug der Fall, wenn man einmal nicht allein durch die von verrückt gewordenen Killern bevölkerten Level hetzen muss, sondern etwa mit einem Polizisten einen Tatort untersuchen darf.
Wie schon in Condemned 1 hat man nämlich wieder die Möglichkeit, auch seiner forensische Ader freien Lauf zu lassen und mit dem ein oder anderen Tool Beweise zu sammeln, die dann wiederum zu Puzzlestücken führen, welche die Geschichte Stück für Stück ins Licht rücken. Im Gegensatz zum Vorgänger ist dies diesmal zwar nicht Pflicht, wer die Ermittlerarbeit allerdings sausen lässt, wird am Ende mehr unbeantwortete Fragen im Kopf schwirren haben, als nach der ersten Mission. Und die wirft wirklich eine ganze Menge auf. So ist es also etwa hilfreich, Blutspuren analysieren zu lassen und ihre Herkunft zu ermitteln, um dann mit einer kurzen Zwischensequenz, die allerdings meist in Echtzeit stattfindet, entlohnt zu werden. Vielleicht springt dabei gleich noch ein wenig Munition heraus. Oder der Tod, weil man mit einem Mal von Zombies umzingelt ist. Wer weiß das schon so genau?
Previewversionen haben es so an sich, vor allem mit Grafikfehlern zu glänzen. Da macht auch Condemned 2 keine Ausnahme. Trotzdem konnten wir einen ersten Überblick über den Einsatz der Havok-Engine erhaschen. Auch wenn das Spiel dabei logischerweise auf graustufige Texturen setzt, um die Atmosphäre zu untermalen, muss man leider sagen, dass es den bis jetzt gespielten Levels an Abwechslung und Detailverliebtheit fehlt.
Auch wenn die Engine natürlich an sich glänzend aussieht, hätte man sich doch ein wenig mehr Vielfalt gewünscht. Da wechselt sich beispielsweise eine grandios inszenierte Mission, die durch die grausigsten Farbenspiele besticht, mit einem Waldlevel ab, dass nicht nur viel zu grau herüber kommt, sondern auch noch durch einen unansehnlichen Nebel der seines Gleichen sucht, negativ an der Spielspaßschraube dreht.
Hoffen wir einfach, dass daran noch gearbeitet wird, denn wie den meisten bekannt sein dürfte, mag die Havok-Engine gar wundervolles zu vollbringen. Auch die heftigen Framerateeinbrüche, vor allem beim automatischen Speichern, müssen unbedingt noch unter Kontrolle gebracht werden. Weiterhin darf bezweifelt werden, dass der Titel ungeschnitten in deutsche Ladenregale wandert. Denn was Ethan für ein virtuelles Gemetzel anrichtet, wird der USK nicht gefallen. Da spritzt das Blut in Massen und selbst tote Gesellen dürfen noch schön weiter massakriert werden.
Auch der Sound weiß momentan noch nicht gänzlich zu überzeugen. Das liegt aber nicht an den wirklich toll eingesetzten Effekten und der schleichenden und Nerven zerreißenden musikalischen Untermalung, sondern viel mehr daran, dass dieser Part des Spiels einfach noch nicht fertig ist. Denn selbst wenn uns ein Charakter direkt gegenübersteht, scheint seine Stimme zu versiegen. Doch wir hoffen, dass die Lautstärke in der Retailversion gleich bleibend sein wird. Ist ja auch eigentlich logisch.
Ersteindruck
Die Story und die abwechslungsreichen Kämpfe werden so gut ins Szene gesetzt, dass sich die beklemmende und Furcht einflößende Atmosphäre durchaus auf den Gemütszustand des Spieler übertragen könnte. Auch die glaubwürdig dargestellte Handlungsfreiheit und die interaktiven Umgebungen und Schauplätze vermitteln eine schicksalhafte Bindung zum Antihelden Ethan Thomas, so dass das Spiel, wenn der Sound auf Linie gebracht und die grafischen Probleme noch in den Griff bekommen werden können, uns diesen März ein grausig gutes Spielerlebnis ins Haus stehen wird. Der Titel wird jedoch keinesfalls ungeschnitten im frühlingshaften Deutschland zu haben sein.

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